Krisen-Europa

Selbstverständlich wünsche auch ich allen, dass sie möglichst von COVID-19 verschont bleiben werden, und im Falle, dass es den einen oder anderen doch erwischt, eine recht schnelle Genesung. Auf jeden Fall aber hoffe ich, dass der „Shutdown“ Europas und fast auch der gesamten Welt nicht ganz aus den Fugen gerät, und dessen Folgen von uns gehandhabt werden können.

Auch hierbei bin ich der festen Überzeugung, dass dies gemeinsam besser gelingt als alleine.

Ich hoffe weiterhin darauf, dass sich unsere freiheitliche Gesellschaft nicht nur wirtschaftlich erholt, sondern wir auch unsere Grundrechte als Unionsbürger wieder vollumfänglich zurückerhalten.

Realistisch betrachtet, müssen wir dabei aber feststellen, dass das mit den Allgemeinen Menschenrechten, die zumindest in den Europaratsländern juristische Gültigkeit erlangt hatten, nunmehr Geschichte ist.

Hier müssen wir nach COVID-19 handeln und auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen: Staaten, die sich sogar ganz offiziell gegen die Allgemeinen Menschenrechte aussprechen, müssen aus dem Europarat entfernt werden! Ansonsten ist dieser nicht mehr als eine Hülle und „Talk-Shop“ von ein paar wenigen nationalen Abgeordneten, damit reine Geld- und Zeitverschwendung.

Wir müssen auch in Sachen Europäische Union dringend handeln, und ich hoffe noch darauf, dass sich während dieser Krise zumindest in einigen Mitgliedsstaaten eine Art von europäischer Solidarität entwickelt.

Hier gilt jetzt aber auch: weniger ist mehr! Wir müssen für Länder wie z.B. Polen und Ungarn eine Exit-Strategie schaffen und diese zumindest vorläufig wieder vor die europäische Tür setzen.

Wir müssen aber auch mit uns selber ehrlich sein und unsere Gemeinschaft vollumfänglich hinterfragen: wollen wir vielleicht doch nur eine wirtschaftliche Freihandelszone mit gegenseitigen Urlaubs- und Besuchsmöglichkeiten bei gutem Wetter?! Italien, Griechenland und die dortigen Migranten bzw. Flüchtlinge warten seit Jahren auf unsere Entscheidung.

Wir Europäische Föderalisten streben weiterhin die Vereinigten Staaten von Europa an und sind jetzt mehr denn je davon überzeugt, dass man Krisen, egal welcher Art, nicht mehr national handhaben kann.

Aber wir müssen auch der Gefahr ins Auge blicken, dass dies selbst den eingefleischtesten Nationalisten Gewahr wird, und diese dann den Europäischen Superstaat schaffen werden – ganz ohne Allgemeine Menschenrechte und europäische Bürger- und Grundrechte.

Damit könnten sich wohl einige von uns auch anfreunden, aber seien Sie sich alle bitte bewusst, dass auch ein Europäischer Superstaat nur ein Zwerg sein und das Schicksal aller Nationalstaaten erleiden wird: Krieg.

 „The physician must be able to tell the antecedents, know the present, and foretell the future – must mediate these things, and have two special objects in view with regard to disease, namely, to do good or to do no harm.“ 

Kurt Vonnegut, Slapstick, or Lonesome No More! (1999: 162)
Er zitiert Hippocrates, Of the Epidemics (Buch I, Kapitel 2)

Goethe & Bukowski

Jetzt, da selbst die Zeit einzuschlafen scheint, weil man mit bester Absicht und zum Wohle aller, den meisten eine unfreiwillige Auszeit gönnt, möchte ich gerne zwei meiner Lieblingsdichter zu Wort kommen lassen. Ansonsten bleibt mir nur zu hoffen, dass nicht allzu viele beim späteren Aufholen der für sie verlorenen Zeit dann selbst das Zeitliche segnen.

Des Wandrers Nachtlied von Johann Wolfgang von Goethe dürfte den meisten immer noch bekannt sein. Ich kenne zwei Versionen, die von 1776 und die von 1789, wobei Sie letztere gleich hier finden können.

Wandrers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest;
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

Und 1780 legt Goethe ein weiteres Gedicht mit ähnlicher Absicht vor.

Ein Gleiches

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Die drei obigen Gedichte werden gerne unter dem Titel „Wandrers Nachtlied“ geführt.

Eigentlich die Version von 1789

Charles Bukowski ist ein Dichter und Autor, ebenfalls aus dem letzten Jahrtausend, aber den meisten von uns doch noch etwas näher bekannt; was in Heilbronn übrigens dazu führte, dass sogar eine Kneipe seinen Namen trägt. Wobei hingegen die Goethe Stuben wohl schon etwas länger aus unserem Stadtbild verschwunden sind.

So Now?

the words have come and gone,
I sit ill.
the phone rings, the cats sleep.
Linda vacuums.
I am waiting to live,
waiting to die. 
I wish I could ring in some bravery.
it’s a lousy fix
but the tree outside doesn’t know:
I watch it moving with the wind
in the late afternoon sun. 
there’s nothing to declare here,
just a waiting.
each faces it alone. 
Oh, I was once young,
Oh, I was once unbelievably
young!

Rezitiert von Tom O’Bedlam

Charles Bukowskis Bücher sind gewöhnungsbedürftig, ein guter Einstieg dürfte wohl der Film Barfly aus dem Jahr 1987 sein, zu dem Bukowski das Drehbuch schrieb.

Aber seine Gedichte kann ich jedem empfehlen, sie sind meines Erachtens auch gerade die richtige Dosis an Bukowski.

Mir persönlich gefallen seine Gedichte „Confession“, „Soirée“, „Quiet clean girls in gingham dresses …“, „Alone with everybody“, „Roll the dice“, „Beer“, „The genius of the crowd“ und „We ain’t got no money, honey, but we got rain“ ganz besonders gut.

Und auch sein Hinweis:

„I think I need a drink. Almost everybody does only they don’t know it.“

Charles Bukowski, Women (2007 [1978]: 289)

Wenn Sie jetzt ein wenig neugierig auf Charles Bukowski geworden sind, freut mich dies.

Und sobald Sie sich auch wieder in Heilbronn frei bewegen können und dürfen, ist der Besuch im Bukowski auch einmal sehr interessant, aber bitte nicht vor 0 Uhr.

„Der Tod bedeutete mir nicht viel. Er war der letzte Scherz in einer Reihe von schlechten Scherzen.“

Charles Bukowski, Die Ochsentour (1980)