Die Ahnengalerie im Heilbronner Rathaus habe ich sowieso nie verstanden – als ob nur ein Oberbürgermeister wichtig wäre und der Gemeinderat nicht. Was die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit betrifft: Schonungslose Aufarbeitung ist das Gebot – nicht nur der Stunde. Nur wenn offen darüber gesprochen wird, dass ganz „normale Menschen“ Verantwortung für das trugen, was damals geschah, und wenn endlich mit der widerlegten Vorstellung einer kleinen Minderheit, die die schweigende Mehrheit manipulierte, aufgeräumt wird, kann eine Wiederholung verhindert werden. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Aufklärung: Jede und jeder hat in der NS-Zeit Verantwortung getragen – und sei es nur durch Schweigen. Solange sich jeder einredet, seine Großeltern seien im Widerstand gewesen, laufen wir Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt.
Und es gab keinen nennenswerten Widerstand, nicht seit 1932. Zitat eines ehemaligen Wehrmachtsangehörigen und Zeitzeugen: „Lass dir nie erzählen, wir hätten nicht gewusst, was passiert. Wir haben es gesehen. Jeden Tag. Die einen haben mitgemacht, weil es ihnen Spaß gemacht hat oder weil sie davon profitiert haben. Viele haben weggeschaut und geschwiegen, weil es ihnen egal war. Manche haben sich geschämt, aber nicht den Mut gehabt. Und nur eine ganz kleine, verschwindende Handvoll war Mensch genug, sich dagegenzustemmen.“
Das hat nichts mit erhobenem Zeigefinger zu tun, sondern mit Aufarbeitung und dem Verstehen, was passiert ist und wie man es verhindern kann. Noch einmal: Es waren ganz normale Menschen, die den Holocaust möglich gemacht haben. Keine wirren Massenmörder. Und je länger wir diese Verantwortung nicht sichtbar machen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder passiert.