RE: … es bröckelt …
Ich denke, dass wir hier Phänomene sehen, mit denen fast alle anderen Vereine auch konfrontiert sind und die mit „Übervernetzung und einer feststellbaren Gegenbewegung” zu tun haben und weniger mit „Europaskepsis”.
Hierzu gibt eine aktuelle Studie des Heidelberger Zukunftsinstituts „Konnektivität 2023″ in der die aktuellen Trends beschrieben sind.
https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrend-konnektivitaet/

Wir müssen das zur Kenntnis nehmen und darauf reagieren.
Wie? Darauf hab ich auch keine Antwort, vielleicht wieder mehr mit Druckformaten, die wir persönlich übergeben und in die Briefkästen werfen?
Rightsizing – das richtige Maß von Vernetzung und persönlicher Autonomie d. h. die eigene Kommunikationsform zu bestimmen wird wohl das richtige Maß sein, das wir finden müssen.

Den Trend zu ignorieren und einfach weitermachen wie bisher, wäre aber auch falsch.

Viele Grüße

Peter Schulze
Europa-Union Mannheim

Interessant sind dabei die Feststellungen:
Konnektivität 2023
Von Allroundvernetzung zur neuen Differenzierung

„Mit Konnektivität benannte das Zukunftsinstitut im Jahr 2007 den damals deutlichsten und virulentesten Megatrend (der eigentlich ein Metatrend ist): die Tendenz zur Vernetzung von allem mit allem – Wissen und Information, Menschen und Lebensstilen, Kulturen und Nationen, Produktionsprozessen und Maschinen im Internet of Things. Der Grundgedanke: Im Kontext der Digitalisierung verbindet sich alles, in Echtzeit. Daran geknüpft waren geradezu revolutionäre Hoffnungen:

Die Verbindung aller Menschen, Länder und Kulturen durch vernetzte Computertechnologien schafft neue Formen der direkten Demokratie und verhindert Despotien.

Monotone Arbeit wird durch Robotik und Informatik überflüssig, die enorm gesteigerte Produktivität ermöglicht Wohlstand ohne Ende.
Die Verfügbarkeit aller Information führt zu einer Wissensgesellschaft, wir werden alle klüger und intelligenter!

In der digitalen Welt werden alle Einzelne zu Selbstunternehmenden. Es wird Millionen kreative Firmen geben, die fantastische Innovationen erschaffen. Hierarchien werden durch Vernetzung abgebaut, Machtstrukturen beseitigt.

Die Wirklichkeit hat gezeigt, dass diese Vorstellungen überwiegend gescheitert sind: Digitale Vernetzung leistet dem Hass und der Bösartigkeit mindestens genauso Vorschub wie der Kooperation. Ein Zuviel an Vernetzung führt zu einer Entzündlichkeit der Kultur, zu einem ständigen Rasen und Hetzen, zu unentwegter Ablenkung und Hysterisierung. Zu existenziellem Stress.

Diktatoren und Tyranninnen nutzten das Netz wahrscheinlich effektiver als es Befreiungsbewegungen taten, siehe Arabischer Frühling. Und der Anstieg von Produktivität zeigt sich nicht oder nur wenig in den ökonomischen Statistiken.

Heute beklagen viele Menschen eher die Übervernetzung ihres Lebens, während andere vereinsamen – wozu gerade diese Übervernetzung beitragen kann. Längst ist deshalb eine Gegenbewegung entstanden, ein stiller Widerstand im Alltäglichen. Millionen Menschen stellen ihre Smartphones immer häufiger aus. Sie verlassen das digitale Universum dort, wo es ihnen nicht guttut. Sie vernetzen sich in einer menschengerechten Weise, ob analog oder digital, am besten mit den Vorzügen beider Domänen.

Damit stehen wir vor einer neuen Phase der Real-Digitalität, die den Megatrend Konnektivität repositioniert. In Zukunft wird es um Differenzierungen gehen: um Rightsizing – das richtige Maß an Vernetzung, an Autonomie. Und: um die Entwicklung würdevoller Software und die Verbreitung einer neuen Ethik des Digitalen.“