Hallo Heinrich! Habe deine Gedanken zum 3.10. voller Interesse gelesen.
Der 3.10. ist nicht mein Feiertag; der 3.10. wurde von dummen Politikern festgelegt. Wir sind am 9.10.1989 (nicht zum ersten Mal) auf die Straße gegangen — in Leipzig. Es waren 80 000 Leute, die genau wussten, was hätte passieren können — im Angesicht der Stasi-Schergen, der aufgefahrenen Panzer der NVA und der Kampfgruppen mit Kalaschnikows und aufgepflanztem Bajonett.
Wir wussten, dass an diesem Tag eine Entscheidung fallen würde, so oder so. Wir wussten, dass alles hätte in einem Blutbad enden können. Dennoch haben wir unsere Angst überwunden, weil der Hass auf Partei und Stasi und DDR riesig geworden war, weil die Leute massengeflüchtet waren, weil es keinen Ausweg mehr gab. Dazu gehört immerhin Mut, denn der Russe hatte uns ja 44 Jahre besetzt gehabt.
Ihr im Westen musstet niemals den Russen ertragen, und ich frage mich, ob es jemals bei Euch eine friedliche Revolution gegeben hätte.
Wir haben uns an jenem Tag, meinem Tag der friedlichen Revolution, verabschiedet, die Adressen ausgetauscht. Und dennoch war es ein Riesenglück, dass alles gut ausging … es gab besonnene Leute, auch Politiker und auch Gorbatschow. Mit dem 9.10.1989 war das Schicksal der DDR besiegelt, die die damals Bürgerrechtler waren, wurden abserviert, und die bis dato gekuscht hatten, kamen aus ihren Löchern.
Frau Merkel war auch so eine, die auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist, wie so viele Pfeifen und Blockflöten, die dann unsere Geschicke bestimmten und so ist es gekommen, dass Ostdeutschland weiter so lebt.
Ein wesentlicher Fehler war, dass man nicht die Kommunisten sofort verboten hat, wie auch nach 1945 die Nazis in Ost und West, die danach auch noch das Sagen hatten. Mit dieser Radikalität hätte man ein für alle Mal das Extreme ausschalten können — ja müssen. Warum das nicht passiert ist, … das haben aber auch westdeutsche Politiker (Kohl) mit zu verantworten.
Dies nur ein paar Gedanken von mir zum 9.10.1989. Es war damals ein glücklicher Tag in meinem Leben, so was erleben nur die wenigsten, dass man das Böse zumindest vorübergehend besiegt hat.