Hallo, lieber Heinrich,
gerade zurück von einer Woche New York, wo mein Sohn mit Familie war und einen eineinhalbjährigen Postdoc beendet hat, uns aber nochmal „sein“ New York zeigen wollte.
Der Anhang mit Russel ist natürlich sehr eindrücklich. Ich muss mir die ganze halbe Stunde noch anschauen.
Zu Deinem Vorhaben, Dich zunächst zurückzuziehen — wenn ich recht verstehe: aus Deinem engmaschigem Weblog — , möchte ich nur sehr vorsichtig kommentieren, Dir aber aus meiner Sicht Recht geben, wenn Du das als eine Pause, nicht als ein Ende begreifst.
Ich hatte den Eindruck, dass Du doch –- auch aufgrund Deiner teils dramatischen beruflichen Erfahrungen –- gerade jetzt mit diesem neuen Scheißkrieg so geladen warst und bist, dass manchmal viel Wut und auch Bitterkeit zum Ausdruck kamen. Das ist verständlich, macht man aber nicht beispielsweise Aktionskunst o.ä. und kann und will die damit verbundenen starken Emotionen auch selbst verkraften, transportieren und dabei für sich selbst quasi Emotionen durch Emotionen bewältigen, wird es vermutlich noch belastender und damit auch zunehmend subjektiver, denn Du musst ja dann ständig das Gegenteil erklären: eben dass das, was Du sagst, eine angestrebte „Objektivität“ ist, die sich ja nur aus nüchternerer, rationalerer, wenn auch tunlichst nicht lebloser, Annäherung an den Gegenstand ergeben kann und darf.
Nach allem in Dir aber — ich denke auch Frust über Europa und nach Deinem zwischenzeitlichen gesundheitlichen Einbruch — ist letzteres vielleicht zur Zeit wirklich nicht das adäquate und für Dich gute Medium: es heizt Dich nur noch mehr an.
Ich hoffe, Du findest diese –- natürlich ein bisschen mit einem Wagnis einhergehenden –- Äußerungen von mir nicht übergriffig. Bis bald dann wieder, irgendwann ja sicher auch zu den „Gesprächen“, was Mühe macht, aber auch schon fast einer Pflicht entspricht die man anerkennt, über die man also nicht meckert, zumal sich ja doch auch ‚in Grenzen hält‘ …
Walther