Öffentliche Toiletten

Es ist noch gar nicht so lange her, ein paar Jahrzehnte vielleicht, da konnte man an allen größeren Plätzen der Stadt, den Unterführungen und sogar in den Fußgängerzonen selbst öffentliche Toilettenanlagen finden. Sie sind auch heute noch, besonders für Auswärtige, Touristen und Kneipen-Tourer, ein Must-have in jeder größeren Stadt.

Auch damals schon waren viele Toilettenanlagen, wenn nicht mit eigenem Personal ausgestattet oder von netten Kioskbesitzern gepflegt, ein Ärgernis — aber zumindest für den Notfall erreich- und nutzbar.

Einige solcher Toilettenanlagen erhielten sogar Kultstatus, nicht nur die am Bahnhof Zoo in Berlin, waren Treffpunkte für Menschen, die nicht so ganz in unsere Gesellschaft passten, oder retteten gar bei Minustemperaturen manchen Menschen das Leben.

Heute sind die öffentlichen Toiletten aus dem Heilbronner Stadtbild verschwunden, einzig die am Marktplatz oder der Allee sind noch allseits bekannt. Jene, die im ehemaligen BUGA-Gelände spazieren, finden jüngst auch eine beim Spielplatz der Alten Reederei — dies ist aber eher der Tatsache geschuldet, um zu verhindern, dass aus den BUGA-Seen Pinkelbecken werden.

Die noch vorhandenen aber längst stillgelegten Toilettenanlagen, etwa die im Alten Friedhof oder die am Silcherplatz, zeugen heute noch davon, dass man sich einst in Heilbronn seiner städtischen Aufgaben und Pflichten noch bewusst war.

Als Alternative zu den städtischen öffentlichen Toilettenanlagen wurde von der Stadt eine Initiative gestartet, die Toiletten in Restaurants, Cafés und anderen Firmen einfach zu öffentlichen Toiletten erklärt, und diese auf der Heilbronner Website aufführt — was gerade jenen Personengruppen, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind und keine Heilbronner Interna kennen, wenig bis gar nicht weiterhilft.

Zudem hat diese Heilbronner Lösung das Problem, dass diese „öffentlichen“ Toilettenanlagen grundsätzlich sehr restriktive Öffnungszeiten haben und gerade in diesen Pandemiezeiten überhaupt nicht erreichbar sind. Ergo, ist diese Heilbronner Toilettenlösung von Anfang an eine Fehlplanung, die auch gravierende Folgen nach sich zieht.

Zum einen finden jene, die dringend eine Toilette benötigen, z.B. Kinder, Auswärtige, Kneipengänger oder auch Nachtspazierer, keine Möglichkeit, um sich zivilisiert zu erleichtern, und zum anderen tragen die Besitzer von Gebäuden und Gärten in der Stadt, ganz alleine die Folgen dieser Notdurftverrichtungen.

Als Heilbronner, der um das Weindorf herum groß geworden ist, kenne ich zwar von Jugend an die Pinkel- und Haufenexzesse der Weinliebhaber, wusste aber auch um die zeitliche Begrenztheit dieser fünften Heilbronner Jahreszeit.

Inzwischen hat sich das Ganze aber so weit entwickelt, dass jene, die sich noch um die Stadt kümmern, die Nase gestrichen voll haben. Auch ich habe keine Lust mehr, regelmäßig Kellerschächte oder Häuserwände aus- und abzuspülen, damit der Uringestank nicht Hausgemeinschaft und Nachbarschaft belästigt, und schon gar keine Lust mehr, den Kot aus den Hauseingängen und jüngst auch aus einem Keller — die Tür war wohl offen — zu entfernen.

Mietern kann man dies heutzutage schon gar nicht mehr abverlangen und professionelle Reinigungskräfte muss man sich erst einmal leisten können.

Ohne Wenn und Aber trifft das Folgende zu: Eigentum verpflichtet! Aber auch, dass eine Tätigkeit im Gemeinderat oder gar eine Anstellung bei der Stadt Heilbronn ebenfalls Pflichten nach sich ziehen — damit meine ich nicht den Weindorfbesuch –, und die Stadt Heilbronn endlich wieder der Tatsache Rechnung tragen muss, dass auch Menschen Bedürfnisse haben.

Kurzfristig muss die Stadt Heilbronn dafür Sorge tragen, dass ausreichend TOI TOI oder DIXI-Toiletten aufgestellt werden; diese kann man gerne auch direkt vor die geschlossenen „öffentlichen“ Toiletten stellen, was dann auch zusätzlich eine Steigerung des Bekanntheitsgrads mit sich bringt.

Mittel bis langfristig sollte die Stadt neue öffentliche Toilettenanlagen installieren — der oftmals bemängelte innerstädtische Leerstand bietet durchaus gute und attraktive Standorte. Und nicht jedes, sich im Besitz der Stadt befindende Gebäude, muss im Erdgeschoss mit einem städtischen Schreibtischarbeitsplatz aufwarten — auch hier bietet es sich an, attraktive Toilettenanlagen zu etablieren, welche z.B. in Zusammenarbeit mit SANIFAIR betrieben werden.

Auf jeden Fall aber gehören offene öffentliche Toilettenanlagen zum Stadtbild einer jeden Großstadt mit dazu und steigern zudem auch deren Attraktivität, vor allem dann, wenn diese einladend und nicht abschreckend auf die meisten Besucher wirken. Damit wäre die Heilbronner Toilettenfrage auch eine Aufgabe des Stadtmarketings.

#public restroom

„Wie lange eine Minute sein kann, hängt davon ab, auf welcher Seite der Toilettentüre man sich befindet.“ 

Anon

Weihnachtsmarkt

Kaum sind wieder ein paar Monate vergangen und schon steht für einige Mitbürger sehr überraschend die Weihnachtszeit vor der Tür. Auch leben wir bereits seit ein paar Monaten mit COVID-19 und wissen alle, dass wir noch weitere Monate, wenn nicht gar Jahre, damit klarkommen müssen.

Der Heilbronner Weihnachtsmarkt war bisher im Vergleich zu entsprechenden Märkten anderer Städte kaum etwas Besonderes und erfuhr entsprechend im letzten Jahr als Käthchen Weihnachtsmarkt eine kleine Aufwertung. Dennoch wurde er meist von den, in der Stadt aus anderen Gründen anwesenden, Bürgern genutzt und ist somit vermutlich auch bis auf Weiteres in Heilbronn keine eigenständige Attraktion, welche Bürger aus dem Umland oder gar Touristen nach Heilbronn zieht.

Deswegen wäre die derzeitige Situation eine gute Gelegenheit gewesen, um über die vergangenen Monate hinweg, zwei alternative Möglichkeiten eines Heilbronner Weihnachtsmarktes zu prüfen und auch eine davon in die Tat umzusetzen. Beiden Möglichkeiten wäre gerade jetzt eines gemeinsam gewesen, nämlich, dass sie die Flexibilität und Innovationskraft Heilbronns hätte zur Schau stellen und damit auch die Marke „Käthchen Weihnachtsmarkt“ überregional bekannt machen können.

Auch wenn der Heilbronner Weihnachtsmarkt an sich wohl nicht genügend Kundenfrequenz bringt, um als eigenständige Veranstaltung Gewinn abzuwerfen, hätte er gerade in Zeiten, wo Weihnachtsmärkte aller Orten mangels geeignetem Konzept abgesagt werden, auf der Heilbronner Theresienwiese COVID-19 gerecht als „Alleinstellungsmerkmal“ sicherlich mehr Gäste und Kunden gelockt als zuvor zu seinen besten Blütezeiten. Auch wenn er für alle Beteiligten kein monetärer Gewinn gewesen wäre, hätte er nicht nur den Schaustellern ein positives Signal gegeben und dabei gezeigt, dass Heilbronn auch in schwierigen Zeiten in der Lage ist, Alternativen anzubieten und Neues zu probieren.

Als auf jeden Fall gangbare Alternative, hätte man ohne Weiteres einen „Rumpf-Weihnachtsmarkt“ auf dem Marktplatz aufbauen können, der einzelne weihnachtsmarkttypische Stände stellvertretend für alle anderen Schausteller in einem Weihnachtsmarktkleinformat präsentiert und, COVID-19 konform, ein positives Zeichen in der Weihnachtszeit setzt. Schon alleine sein Nur-Dasein hätte allen Heilbronnern ein weihnachtliches Gefühl und Hoffnung für die Zukunft gegeben.

Bleibt nunmehr zu hoffen, dass es der Stadtverwaltung gelingt, wenigstens einen Christbaum auf dem Marktplatz aufzubauen.

#Christmas #Christmas tree #Christmas market #hope

„Wie leide ich vor Sehnsucht! Wäre es doch Weihnachten!“

Hans Christian Andersen, Der Tannenbaum (1844)
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