Deutsch-Französische Freundschaft

Es lebe die französisch-deutsche Freundschaft

Beitragsfoto: Deutsch-Französische Freundschaft | © Shutterstock

Ich habe mal den verrückten Versuch unternommen, 400 Jahre deutsch-französische Geschichte auf zwei Seiten zusammenzufassen. Auch wenn einiges sicherlich sehr verkürzt dargestellt werden musste, hoffe ich doch einige wesentliche Grundzüge ganz ordentlich herausgearbeitet zu haben. Fragen oder Kommentare hierzu sind jeder Zeit willkommen!

„Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden. Doch ihre Weine trinkt er gern.“ So heißt es in Goethes Faust. Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, waren die deutsch-französischen Beziehungen meistens nicht von Freundschaft geprägt. Seit dem 17. Jahrhundert wurde Frankreich zur stärksten Macht in Europa und es entwickelte sich als Vorläufer eines modernen Nationalstaates, ein Monarch, eine Sprache, eine Konfession. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hingegen war weder heilig noch römisch noch ein Reich, sondern ein Flickenteppich verschiedener Fürstentümer, die zerstritten waren und sich teilweise heftig bekämpften. Dazu kam, dass die mächtigsten Fürstenhäuser, die Habsburger und die Hohenzollern wesentliche Gebiete außerhalb des Reiches besaßen. Frankreich dehnte sich selbst im Zuge des Spanischen Erbfolge Krieges nach Norden und Westen aus, bzw gewann Verbündete unter den deutschen Fürsten, u.a. den Erzbischof von Köln und den Herzog von Bayern. Noch einige Zeit danach gehörte der Antagonismus zwischen Frankreich und Österreich zu den Grundkonstanten europäischer Machtpolitik. Später während des Siebenjährigen Krieges war Frankreich zuerst mit Preußen gegen Österreich verbündet, danach als eine Annäherung zwischen Preußen und dem Königreich Großbritannien sich anbahnte, sah Frankreich darin eine Gefahr, wechselte die Seite und schloss ein Defensivbündnis mit Österreich.

Die Karten wurden völlig neu gemischt 1789 mit der Französischen Revolution. Alle Fürsten Europas erkannten das revolutionäre Frankreich als eine existentielle Bedrohung In verschiedenen Koalitionskriegen Kämpfen Großbritannien, Österreich, Russland, Portugal, Neapel, der Kirchenstaat u.a. gegen Frankreich. Gleichzeitig gibt es aber in allen diesen Ländern, vor allem aber in Deutschland, Menschen, die in der Französischen Revolution eine Chance sehen, dass die veralteten Gebiets- und Machtstrukturen im eigenen Land geändert werden, die also ihre Hoffnung auf das revolutionäre Frankreich setzen. Bezüglich der Gebietsstrukturen geschah im Zuge der Revolutionskriege auch sehr viel, aus ungefähr 1.800 reichsunmittelbaren Ständen wurden ca. drei Dutzend – zum Teil immer noch ziemlich kleine – selbständige Staaten. Außerhalb der Habsburger Gebiete verbleiben als größere Staaten vor allem Preußen, Bayern, Württemberg und Baden. Aber die Hoffnung, Frankreich würde die Fackel der Revolution nach Deutschland tragen zerstob sehr schnell. 1804 ließ sich Napoleon zum Kaiser krönen. Hoffnungen von Frankreich aus würde sich die Demokratie ausbreiten sind somit erledigt. (Beethoven, der geplant hatte seine 3. Symphonie Napoleon zu widmen, nimmt davon Abstand, er nennt sie nun Eroica). Somit finden sich alle liberalen und fortschrittlich gesinnten Leute 1814/15 wieder an der Seite ihrer Fürsten, um die imperialistische französische Fremdherrschaft loszuwerden.

Europa wird danach kurzfristig von der restaurativen Heiligen Allianz dominiert. Aber schon 1830 kräht der gallische Hahn ein zweites Mal (Heinrich Heine) und 1848 schon wieder. Das inspirierte auch die liberalen Kräfte in Deutschland, die von einem einigen mehr demokratischen Deutschland träumten. Doch anders als die Franzosen waren die Deutschen zu keinem Zeitpunkt bereit, ihre Monarchen einfach davon zu jagen. Und die Fürsten zeigten sich anfangs kompromissbereit, beriefen größtenteils liberale „März-Minister“, aber am Ende lehnte der preußische König die ihm angebotene Kaiserwürde ab. Damit waren deutsche Einheit und Reichs Verfassung gescheitert. In den beiden Jahrzehnten danach wurde Preußen in Klein-Deutschland (ohne Österreich) immer stärker, dort wurde Bismarck Ministerpräsident. Seine Überzeugung war, eine Reichseinheit wäre nur herzustellen durch einen siegreichen Krieg gegen Frankreich, den er folglich auch provozierte (Emser Depesche). Preußen und seine Verbündeten gewannen den Krieg und gründeten 1871 das Deutsche Reich. Bei dieser Gelegenheit zwangen sie Frankreich einen demütigenden Frieden auf, Frankreich musste Elsass und Lothringen an Deutschland abtreten und 5 Milliarden Franc an Reparationen zahlen (z.B. der deutsche Kronprinz Friedrich nannte diese Forderung grausam). 43 Jahre später standen sich Frankreich und Deutschland wieder feindlich gegenüber. Nach dem ersten Weltkrieg, der für Deutschland auf der Verlierer Seite endete, sind es diesmal die Franzosen, die für Deutschland sehr harte Bedingungen im Versailler Friedensvertrag durchsetzen. (Es ist übrigens historisch eindeutig falsch, dass die Bedingungen der Versailler Vertrages wesentlich zum Aufstieg Hitlers beigetragen hätten, dieser begann erst 10 Jahre später als die relativ instabile Weimarer Republik durch die Weltwirtschaftskrise erschüttert wurde).

Zwanzig Jahre nach dem Ende des 1. Weltkieges begann Hitler-Deutschland den 2. Weltkrieg und besiegte Frankreich in einem Blitzkrieg – unter Missachtung der Neutralität der Niederlande und Belgiens – in wenigen Tagen. General de Gaulle, bis dahin Staatssekretär im französischen Verteidigungsministerium, floh nach London und gründete dort ein Jahr danach die französische Exilregierung. Drei Jahre später wurde Paris befreit und als Deutschland im Mai 1945 bedingungslos kapitulierte gehörte Frankreich zu den Siegermächten. Deutschland wurde in Besatzungszonen aufgeteilt, nachdem 1947 ein kalter Krieg zwischen den Westmächten und der Sowjetunion begann, wurde zwei Jahre danach in den drei Westzonen die Bundesrepublik Deutschland gegründet. So waren Frankreich und die BRD auf einmal Teil des gleichen weltpolitischen Lagers.

Es war ein Glücksfall der Geschichte, dass in dieser Zeit weitsichtige Politiker in beiden Ländern an entscheidenden Stellen saßen, in Frankreich Robert Schuman und Jean Monnet, in Deutschland Konrad Adenauer. So kam es zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, meist Montanunion genannt. Daraus entwickelte sich 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). 1959 wurde De Gaulle Staatspräsident in Frankreich, zusammen mit Konrad Adenauer entwickelte er ein System deutsch französischer Konsultationen. Den beiden Politikern gelang es auch den Gedanken der deutsch- französischen Freundschaft in den Herzen der Menschen in beiden Ländern zu verankern. Aus der EWG wurde 1993 durch den Vertrag von Maastricht die Europäische Union, die heute 27 Mitgliedstaaten umfasst.

So wie vor 200 Jahren die deutsche Kleinstaaterei sich überlebt hatte, steht heute auf der Tagesordnung, eine geeinte und starkes Europäische Union weiterzuentwickeln, die ein Garant für ein blühendes und friedlich zusammenlebendes Europa sein soll. Geopolitisch haben wir seit Jahrzehnten nicht meiner eine Bipolarität, sondern drei Weltmächte, USA, Russland und China. Es kann für ein friedliches Zusammenleben der Völker nur vorteilhaft sein, wenn Europa als starke Kraft dazukommt. Grundlage für eine solche Entwicklung kann und muss eine stabile französisch deutsche Freundschaft sein.

 Vive l’amitié franco-allemande             


„Frankreich und Deutschland streben den weiteren Ausbau der deutsch-französischen Zusammenarbeit an, um den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte zu begegnen. Es geht hierbei insbesondere darum, auf dem Weg zu einem stärker prosperierenden und wettbewerbsfähigen, souveränen, geeinten und demokratischen Europa voranzuschreiten. Unser Ziel ist es, gemeinsame Positionen zu allen wichtigen europäischen und internationalen Themen zu entwickeln.“

Gemeinsame Erklärung zum 55. Jahrestag des Elysée-Vertrags (22. Januar 2018)

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