Lieber Heinrich, ich glaube offen gestanden – bei erschreckender Übereinstimmung mit deiner Analyse –, dass die Lösung über das Aufheben aller Nationalismen nicht geht. Das Scheitern der Europäischen Union seit langem hängt damit zusammen, dass genau dies gewollt ist, aber nicht erreicht werden kann. Europa muss sich meines Erachtens konzentrieren, auf Ziele der Wirtschaft und der Sicherstellung globaler Wettbewerbsfähigkeit, dabei den Staaten weitest möglich eigene Gestaltungsrechte, Institutionen und Kultur lassen, damit sie sich selbst regulieren. Es müssen nur sehr grundlegende Bedingungen der Mitgliedschaft formuliert werden und dann dürfen ja andere, die weiter sind sich konfigurieren und es ist dann ein offenes System nach vorne. Gemeinsame Verteidigung, Vereinheitlichung der Verteidigungssysteme, eine gemeinsame Außenpolitik mit Ausgleich unterschiedliche Interessen dann innerhalb der Union, Ausgleichszahlung innerhalb der Union wie beim Länderausgleich innerhalb der Bundesrepublik und ansonsten weitgehende Autonomie mit immer mögliche Öffnung nach einer immer größeren Enge, die man aber nicht von oben diktieren kann. Dies alles auch verbunden mit einer viel stärkeren, auch sich neben den Gesamtschirm durch die USA stellenden, damit über Jahrzehnte sicherlich nicht konkurrierenden, aber doch auch eigene Positionen ermöglichenden europäischen eigenen Standpunkt. Das geht nicht von jetzt auf gleich, noch sind wir das Kriegsgebiet, wenn sich in der fortgesetzten Gegenüberstellung eigentlich eines maroden Wirtschaftsystems mit lediglich den maximalen Rohstoffressourcen, Russland, und den USA, die an Europa auch nur als Mittel ihre geopolitischen Interessen interessiert sind, schrittweise heraus bewegen müssen. Dabei wird Europa nie mehr eine riesige Weltmacht werden, könnte man annehmen, aber eine extrem starke Schweiz in in der Welt, mit der jeder gerne gut steht. Damit müssen wir aber endlich aufhören mit interner Rumbäckerei am jeweils anderen und der Verfolgung extrem vereinheitlichten da besonders höherer Ziele, sondern wir müssen beispielsweise auch starke Wirtschaftsverbände zu lassen, damit diese in der Welt konkurrieren können. Die Analyse von dir stimmt, diese ewige Betonung eines nun mit unglaublichen seitens der Völker durchzusetzenden gemeinsamen europäischen Willens ist aber eine Fiktion. Diesen gibt es nicht. Wir sind über Jahrhunderte in den gewachsenen Nationen auch mental verknüpft, kennen aber gemeinsame supranationalen Interessen des Überlebens, was uns ja jetzt auch Neupotal dieses Scheiß Russland zeigt, müssen das im Interesse aller auf den Weg bringen unter Achtung der Spezifikation eines jeden Staates. Wenn beispielsweise in Ungarn durch eine immer wieder vom Volk zumindest gestützte Regierung beispielsweise nicht Homo erotische Beziehungen als Standard in Schulbüchern hinterlegt wissen will, ist das deren Sache und nicht unsere. Wenn das nicht gut und richtig ist, wird der Weltgeist das auch in Ungarn auf Dauer regeln. Wir müssen endlich auf das richtige Maß realistischer Politik kommen, wenn wir dies alles noch überlebt haben. Dann sollten wir für das weitere Überleben sorgen oder man fragt sich, ob man nicht auch in einem dirigistischen System à la China leben kann, dann ja auch irgendwann dort mit zunehmenden Liberalisierung, denn nie haben die Menschen auf Dauer sich absolutistische Regime für immer bieten lassen.