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Europa Heilbronn

Meine erstes Mitgliederschreiben

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder der EUROPA-UNION,

nach nunmehr 17 Jahren hat Herr Prof. Dr. Walter Dörr in Anwesenheit unseres Landesvorsitzenden, Herrn MdEP Rainer Wieland, den Kreisvorsitz der EUROPA-UNION Heilbronn am 10. Juni 2005 aus Altersgründen abgegeben. Die Mitgliederversammlung des Kreisverbandes hat mich daraufhin zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt und Herrn Walter Dörr auf Vorschlag von Herrn Dr. Manfred Weinmann per Akklamation zu ihrem Ehrenvorsitzenden ernannt.

Mit diesem Schreiben möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich bei Ihnen kurz vorzustellen. Ich wurde am 30.10.1962 in Heilbronn geboren und habe dort bis zu meinem Abitur 1983 aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt, des Kreises und Bezirkes teilgenommen. Da mich meine Berufswahl, Offizier unseres Vaterlandes, die letzten Jahre nicht nur in mehreren Bundesländern, sondern auch in Frankreich, Bosnien-Herzegowina und Polen verpflichtete, war es mir nicht mehr möglich, mich so in meiner Heimatstadt zu engagieren, wie ich es mir gerne gewünscht hätte. Dennoch ist es mir seit Ende der 80er Jahre gelungen, mich am Vereinsleben des Kreisverbandes Heilbronn der EUROPA-UNION aktiv zu beteiligen. Umso mehr, da ich am 02.05.1992 während des Treffpunktes Europa meine Ehefrau kennen und lieben gelernt habe. Mittlerweile bin ich stolzer Vater zweier Söhne, die im wahrsten Sinne des Wortes als Europäer heranwachsen ohne aber ihre Heilbronner Wurzeln zu verlieren.

Zweitens möchte ich mich bedanken. Bei den Mitgliedern des Kreisverbandes für die langjährige gute Kooperation und das Vertrauen, welches sie mir ausgesprochen haben. Bei unserem Ehrenvorsitzenden, Herrn Walter Dörr, für die hervorragende Arbeit, die er als mein Vorgänger leistete; sie ist mir Vorbild und Verpflichtung zugleich. Bei unseren ausländischen Vereinen für ihre Mitarbeit und die Beiträge zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt und des Kreises. Und nicht zuletzt bei der Stadt Heilbronn und ihren Vertretern für ihren Weitblick und die Unterstützung, die sie der EUROPA-UNION und damit auch unseren ausländischen Mitbürgern seit Jahren angedeihen lassen.

Drittens freut es mich, folgende Neumitglieder recht herzlich begrüßen zu können: Frau Staatssekretärin Johanna Lichy, Frau Marion Kümmerle und Frau Ursula Schaffer.

Viertens erlaube ich mir ein paar Gedanken zu Europa. Europa ist mitten unter uns! Es ist nicht nur ein geopolitischer Imperativ oder eine technologische und wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern vor allem auch eine gesellschaftliche und kulturelle Verpflichtung. Wir können nicht die Augen vor Europa verschließen oder als Demokraten Europa einfach einmal abwählen; nein, Europa ist für uns Verpflichtung und Herausforderung zugleich. Wir müssen Europa leben und damit auch gestalten, dies sind wir uns, unseren Mitbürgern und vor allem den zukünftigen Generationen schuldig. Das Haus Europa darf nicht abgewirtschaftet werden; es muss beständig unter- bzw. erhalten, vielleicht auch einmal saniert oder erweitert werden. Dies zu artikulieren, zu diskutieren, unseren Mitbewohnern begreif- und erlebbar zu machen, ist die Aufgabe der EUROPA-UNION – heute mehr denn je zuvor!

Fünftens ist es während meiner Amtszeit meine Absicht, die gute Arbeit, die der Kreisverband Heilbronn in all den Jahren geleistet hat, fortzusetzen. Europa muss uns zu wichtig sein, um es anderen zu überlassen! Wir möchten weiterhin zum einen der Ansprechpartner unserer ausländischen Mitbürger in Heilbronn sein und zum anderen unseren deutschen Mitbürgern Europa ein wenig verständlicher machen, Ängste nehmen und gegenseitiges Verständnis wecken. Dazu stelle ich mir vor, die Bedeutung des Kreisverbandes Heilbronn gegenüber Land und Bund zu stärken, indem wir unsere Mitgliederzahl erhöhen, unsere Jugendorganisation, die Jungen Europäischen Föderalisten, in Heilbronn wieder aktivieren und unsere finanziellen Möglichkeiten verbessern; des Weiteren mittel- bis langfristig unsere Veranstaltungs-breite und Veranstaltungsanzahl zu vergrößern, aktiv in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen für Europa zu werben und nicht zuletzt Jugendlichen und Mitgliedern auch durch Reisen und Austauschprogramme Europa näher zu bringen.

Dies wird uns nur möglich sein, wenn wir alle weiterhin mit Engagement und Tatendrang in Heilbronn Europa leben und erlebbar machen.

Darum bitte ich Sie, eingedenk der Tatsache, dass Zeit neben der Gesundheit unser kostbarstes Gut ist, zu versuchen

  • ein neues Mitglied zu werben und
  • neben der jährlichen Mitgliederversammlung an einer weiteren Veranstaltung des Kreisverbandes teilzunehmen.

„We’re on a mission from God.“

Dan Aykroyd als Elwood Blues in The Blues Brothers (1980)
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Europa Heilbronn Politik

Integration

Von einem positiven Integrationsbegriff ausgehend und der Tatsache, dass bis zu einem Drittel unserer Bevölkerung in die bestehenden politischen und sozialen Strukturen zu integrieren sind, ist eine erfolgreiche Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft grundsätzlich eine freiwillige Angelegenheit. Dabei müssen sowohl die Integrationsbemühungen als auch die Hilfestellungen „Alteingesessener“ von den Bürgern selber kommen.

Ziel aller staatlichen Bemühungen sollte es sein, die Integration der Neubürger und ihrer Nachkommen in die bestehenden Strukturen zu fördern. Dabei ist zu beachten, dass Integration von neuen Bevölkerungsteilen nicht ausschließlich eine Einbahnstraße ist, sondern unausweichlich auch Veränderungen der bestehenden Strukturen mit sich bringt. Auch ist eine erfolgreiche Integration schwer quantifizierbar aber zu jeder Zeit in ihren Auswirkungen qualitativ erlebbar.

Alteingesessene Bevölkerungsteile sollten sich mit dem Integrationswunsch von Neubürgern identifizieren, diesen mindestens aber tolerieren, zumal, wenn es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt und Auswirkungen auf die eigene, ursprüngliche Lebensart und -weise zu erwarten sind.

Deswegen ist meines Erachtens eine für alle Betroffenen gültige Zielvorgabe des zu erlangenden Endzustandes notwendig. An diesem gesellschaftspolitischen Ziel gilt es sich zu orientieren:

Die Europäische Idee, mit dem Grundgesetz und der deutschen Sprache als Grundlage, bietet hierbei einen erfolgsversprechenden und zielführenden Ansatz.

Dieser Ansatz wird seit Jahren von der EUROPA-UNION Deutschland (EUD) verfolgt. Die EUD ist schon von ihrer Idee her ein wesentlicher Träger jeglicher Integration. Im Großen die Integration Deutschlands und weiterer Staaten in ein vereintes Europa und im Kleinen die Integration seiner Bürger in die regionalen Gebietsstrukturen.

Deswegen wirbt die EUD für ein vereintes und geeintes Europa, bemüht sich Vorurteile abzubauen und ein für alle tragbares Endziel (Europäische Union) zu formulieren.

Die Migrationsbewegungen und ihre Folgen von Anfang an erkennend, hat der Kreisverband Heilbronn der EUD schon seit Jahrzehnten auch für ein besseres Verständnis der unterschiedlichen Bevölkerungsanteile untereinander geworben und bemüht sich auch weiterhin, durch Information und Zusammenarbeit auch im Kleinen Vorurteile abzubauen und integrierend zu wirken.

Mit dem Treffpunkt Europa, der im Mai eines jeden Jahres auf dem Kiliansplatz in Heilbronn stattfindet, hat der Kreisverband Heilbronn der EUD in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn schon Ende der 80ger Jahre ein erfolgreiches Integrationsinstrument geschaffen. Dabei wird vor allem durch das Ansprechen der emotionalen Ebene aller Heilbronner Bevölkerungsteile ein „Wir-Gefühl“ als Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration entwickelt und gefördert.

Die erfolgreiche Durchführung des Treffpunkt Europas hat sich damit als ein für alle Beteiligten gültiges und erstrebenswertes Ziel entwickelt und wurde über die Jahre hinweg ohne jeglichen Zweifel ein erfolgreiches Integrationsinstrument.

Während des Treffpunktes Europa werden durch gemeinsames Feiern Ängste und Vorurteile abgebaut sowie tragbare und hilfreiche Verbindungen geknüpft.

Schon mit Beginn der Vorbereitungen zum Treffpunkt werden den beteiligten Gruppen mit Migrationshintergrund neben der Verbesserung der sprachlichen Voraussetzungen auch Inhalte vermittelt, die sie auch über den Treffpunkt Europa hinaus anwenden können. Gleichzeitig wird ihr Verständnis für bestehende städtische und bürgerliche Strukturen Heilbronns gebessert.

„Alteingesessene“ Gruppen können im Zuge der Vorbereitungen und in der Mitarbeit mit den „ausländischen“ Gruppen ihrerseits ihre Vorurteile überprüfen und abbauen.

Über den Treffpunkt Europa hinaus werden Neubürger in bestehende Strukturen Heilbronns integriert und zu einem wesentlichen Bestandteil der Heilbronner Gesellschaft, ihrer Vereine und Parteien.

„Eines ist aber auch klar: Integration funktioniert nur, wenn Familien aller Kulturen das Recht ihrer Kinder auf Bildung ernst nehmen. Dafür muss die Politik sorgen.“

Marcus Hasselhorn, 10 Leibnitz-Forscher blicken in die Zukunft (2016: 8)