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Heilbronn

meseno

Für all jene, die ein wenig mehr als sonst üblich für unsere Gesellschaft machen möchten, gibt es auch in Heilbronn vielfältige Möglichkeiten, um sich ehrenamtlich und unentgeltlich zum Wohle der Mitbürger zu engagieren.

Neben Lesepatenschaften für die jüngsten Mitbürger unter uns, welche sehr gut seitens der Heilbronner Stadtbibliothek betreut werden, gibt es weitere soziale Einrichtungen, die sich über jede helfende Hand freuen.

Eine solche Einrichtung ist die meseno-Elsa-Sitter-Stiftung im Heilbronner Südviertel. Diese kümmert sich um gut 500 Familien, Alleinstehende und betreut zusätzlich noch ca. 70 Kinder im Alter von 1 bis 12 Jahren.

Im meseno-Sozialladen mit Kleiderstube können sich bedürftige Familien oder Personen, darunter gerne auch Studenten mit knapper Kasse, regelmäßig und preiswert mit Lebensmitteln sowie Kleidung versorgen. 

Nach dem Umzug in neue Gebäude, welche direkt neben einem öffentlichen Spielplatz liegen, und mit einem eigenen kleinen aber sehr einladenden Vorplatz, entwickelt sich meseno immer mehr zu einem zwar beschaulichen aber dafür sehr bürgernahen „Stadtteilzentrum“.

Die bis zu 30 meseno Mitarbeiter, welche von gut 24 Ehrenamtlichen unterstützt werden, sorgen dafür, dass nicht nur die Kleinen gut ins Leben starten, sondern, dass allen Menschen des Viertels eine Anlaufstelle geboten wird, die unbürokratisch weiterhilft, wenn Hilfe nötig ist.

Damit dieses bereits bestehende Angebot und weitere Ideen der „meseno-Familie“ noch besser umgesetzt werden können, sind auch bei meseno ehrenamtliche Helfer stets willkommen!

Sollten Sie Interesse an einer Mitarbeit bei meseno haben, dann wenden Sie sich bitte direkt unter +49 7131 91 91 88 0 oder auch via post@meseno.de an Frau Birgit Hörter-Schweizer.

Und sollten Sie zwar die meseno-Idee gut finden aber selbst keine Zeit zur Mitarbeit haben, dann freuen sich alle bei meseno auch über jede Spende.

„Schon oft hat’s Hans, freilich zu spät, bereut, dass Hänschen nichts gelernt hat.“

Martin Luther, Tischreden
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Heilbronn

Pfadfinder

In meiner Jugend gehörte ich einmal dem Stamm Grenzland (112) in Heilbronn an, welcher zu dieser Zeit allerdings nur aus Jungs und jungen Männern bestand. Und noch heute erinnere ich mich gerne an diese Zeit zurück, besonders dann, wenn ich am Stammesheim, dem Cäcilienbrunnenhaus vorbeigehe.

Später dann entwickelte ich andere Interessen und ging auch so in meinem Beruf als Infanterist auf, dass ich dabei die Pfadfinderei ganz aus den Augen verlor. Ich behielt aber weiterhin den ZimeZum und meine alte Uniform.

Und gerade als ich dann wirklich nicht mehr an die Pfadfinderei dachte, musste ich feststellen, dass mein Schwager, und dies bis zum heutigen Tage, durch und durch ein Boy Scout ist. Dies führte wiederum dazu, dass ich im Tribe 141 einen neuen Stamm fand und meine alte Pfadfinderausrüstung einen Besitzer, der diese besser als ich zu schätzen weiß.

Jahrzehnte später bewahrheitete sich wieder einmal, dass die Welt wirklich klein ist, als ich in meiner letzten beruflichen Verwendung auf einen Kameraden stieß, der zumindest damals noch ein Angehöriger des Grenzland Stammes war.

„Being in the Army is like being in the Boy Scouts, except that the Boy Scouts have adult supervision.“

Dieses Zitat wird Blake Clark zugeschrieben.
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Europa Heilbronn Politik

Friedensbewegung

Wenn ich an die Friedensbewegung zurückdenke, dann an diejenigen Menschen, die sich bereits im 19. Jahrhundert organisiert und sich folgerichtig auch 1946 mit den Europäischen Föderalisten und 1947 mit den Weltföderalisten zusammengeschlossen haben.

Ihr heute noch lesenswertes Magazin ist die Friedens-Warte, welche bereits 1899 gegründet wurde und welches der Zeitschrift „Die Waffen nieder!“ (1892-1899) nachfolgte. Dabei besonders erwähnen möchte ich Hans Wehberg, der von 1924 bis 1962 deren Herausgeber war, und welcher sich nicht nur um die europäische Einigung sondern auch um die Europäischen Föderalisten verdient gemacht hat.

Bezeichnender Weise hat sich die Friedens-Warte einschließlich ihrer Herausgeber nach dem Zweiten Weltkrieg ganz bewusst von der neuen „Friedensbewegung“ distanziert, die ich selber nur als Steine- und Molotowcocktailwerfer erleben durfte, und welche sich besonders in meiner Heimatstadt dadurch ausgezeichnet hat, dass sie amerikanische wie auch deutsche Soldaten gleichermaßen diskriminierte und diffamierte.

Die besondere Aggressivität und Perfidie von Angehörigen und Sympathisanten dieser neuen Art von „Friedensbewegung“ hat auch dazu geführt, dass viele Soldaten zu der Überzeugung gelangten, dass die NATO-Soldaten heutzutage bei uns neben den Föderalisten die einzig echte Friedensbewegung und die angeblich so friedensbewegten Mitbürger eher die Fünfte Kolonne des Sowjetsystems sind.

Bis heute ist in Heilbronn weder bekannt, wie viele Heilbronner Soldaten, ob US-Amerikaner oder Deutsche, seit Ende des letzten Krieges ihr Leben im Dienste für unser Land gelassen haben, noch, wie viele davon Opfer von gelockerten Radmuttern oder sonstigen üblen Attacken wurden.

Bis heute wird einzig und alleine alljährlich einem sehr tragischen Unfall auf der Waldheide gedacht, bei dem 1985 drei US-Soldaten ums Leben kamen.

Dieser Unfall wurde nicht nur von Anfang an seitens der sogenannten „Friedensbewegung“ exorbitant übertrieben und politisch instrumentalisiert, sondern die drei Toten werden auch alljährlich, und dies ohne Gnade, für rein politische Zwecke missbraucht – widerlicher kann Politik nicht mehr werden.

Gut 30 Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Sowjetsystems wäre es wirklich an der Zeit, dass man auch diese drei Toten endlich ruhen lässt und dafür allen Heilbronner Soldaten, die ihr Leben für den Frieden, unsere Freiheit und unsere Demokratie gelassen haben, eine gemeinsame Denkstätte setzt.

Schön wäre es, wenn diese Denkstätte ihren Platz beim Hafenmarktturm finden könnte, und wir Heilbronner dann, ohne jegliche Parteipolitik oder ideologischem Firlefanz, gemeinsam unseren Toten, dabei selbstverständlich auch den US-Amerikanern, gedenken könnten.

„If man does find the solution for world peace it will be the most revolutionary reversal of his record we have ever known.“

George Marshall, Biennial Report of the Chief of Staff, US Army (1. September 1945: 111)
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Allgemein

Tom Sharpe

Bereits zu Schulzeiten nutzte ich die Bücher von Tom Sharpe, um vorhandene Dellen in meiner guten Laune wieder auszubügeln. Sharpes Bücher liest man allerdings am Besten in der Originalsprache, damit man ja keine, auch noch so kleine, Anspielung verpasst.

In den Folgejahren waren dann Sharpes Bücher bei mir Pflichtlektüre, und, da er auch nur insgesamt sechzehn Bücher veröffentlichte, eine überschaubare Herausforderung.

Bis heute gehören Riotous Assembly (1971) und Indecent Exposure (1973) zu meinen Favoriten, gleich gefolgt von Wilt (1976) und The Wilt Alternative (1979), welches bei uns besser als „Trabbel für Henry“ bekannt ist. Letztere beiden Bücher kann man aber wohl erst dann richtig genießen, wenn man auch über etwas Eheerfahrung verfügt.

Ein paar seiner Bücher wurden sogar verfilmt, ich rate aber davon ab, da man Sharpe am besten genießt, wenn man dabei die eigene Fantasie mit ins Spiel bringt.

Der Vollständigkeit halber führe ich seine Bücher unten stehend auf:

Piemburg (Südafrika) Reihe

Riotous Assembly (1971) und Indecent Exposure (1973);

Porterhouse Blue Reihe

Porterhouse Blue (1974) und Grantchester Grind (1995);

Wilt Reihe

Wilt (1976), The Wilt Alternative (1979), Wilt On High (1984), Wilt in Nowhere (2004) und The Wilt Inheritance (2010);

Weitere Bücher

Blott on the Landscape (1975), The Great Pursuit (1977), The Throwback (1978), Ancestral Vices (1980), Vintage Stuff (1982), The Midden (1996) und The Gropes (2009).

„As usual, Wilt’s thoughts were dark and mysterious and made the more so by the fact that he didn’t understand why he had them.“

Tom Sharpe, The Wilt Alternative (1979: 1)
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Nur mal so

Bereits Jimmy Carter war davon überzeugt, dass

„We are over-lawyered and under-represented.“

Jimmy Carter, Bemerkungen anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Los Angeles County Bar Association (4. Mai 1978)

Dies ist allerdings bis zum heutigen Tage nicht weiter tragisch, da wir alle auf unsere Verwaltungen vertrauen dürfen, die zwischen den Entscheidungsträgern, der Legislative, und dem Bürger, welcher einerseits beider Arbeitgeber aber andererseits auch Ziel sämtlicher Bemühungen seitens der Legislative und unserer Verwaltung ist, stehen und dadurch vieles erleichtern.

Ursprünglich wurden Verwaltungen auch gerade dazu geschaffen, um die Entscheidungen des Souveräns mit der Realität verheiraten zu können.

Über die letzten Jahrtausende hat sich es aber auch gezeigt, dass nicht die effektivsten und effizientesten Verwaltungen die besten sind, sondern eher die, die auch dem Bürger selbst noch ausreichend Freiräume zum Leben ermöglichen, also ihre eigene Menschlichkeit bewahrt haben.

Andererseits dürfen Verwaltungen nicht zu menschlich, also zu ineffizient und ineffektiv werden, denn damit werden sie wiederum überhaupt keinem Anspruch mehr gerecht und gefährden damit das Gesamtgefüge.

Wir kennen aus unserem eigenen Erleben genügend Beispiele, außer vielleicht eine tatsächlich effiziente Verwaltung, deren Existenz von vielen Fachleuten überhaupt als unmöglich angesehen wird.

Wir sind hier bei uns in Deutschland glücklicher Weise mit einem gesunden Mittelmaß an Verwaltung gesegnet und können es deswegen auch gut verkraften, wenn unsere Verwaltungen einmal größer als nötig und sonst auch üblich sind.

Folgende Grundvoraussetzungen haben sich dabei für einen Verwaltungsmitarbeiter als ideal herausgestellt: er darf nicht allzu intelligent und auch nicht allzu fleißig, muss dafür aber auf jeden Fall gutmütig sein!

Sehr schlimm wird es für alle, wenn man in einer Verwaltung auf faule intelligente und dumme fleißige Menschen trifft, die sich dann zu einer Melange zusammenfinden, welche kaum noch zu ertragen ist.

Hier sind dann die entsprechenden Personalabteilungen gefordert, welche erstere schnellstmöglich befördern und letztere in Funktionen bringen, wo auch diese möglichst wenig Schaden anrichten können.

Aber auf jeden Fall muss es verhindert werden, dass bösartige Menschen in Verwaltungen ihr Unwesen treiben.

Das Worst Case Scenario wäre entsprechend der bösartige, intelligente und fleißige Verwaltungsangestellte.

Mögen unsere Verwaltungen weiterhin davon verschont bleiben!

„I love deadlines. I like the whooshing sound they make as they fly by.“

Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
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Tag des Handtuchs

Seit 2001, dem Jahr in dem Douglas Adams viel zu früh gestorben ist, hat seine Fan-Gemeinde begonnen, jedes Jahr am 25. Mai, den sogenannten Towel Day zu begehen. An diesem Tag tragen die eingefleischten Anhänger Adams‘ ein Handtuch bei sich, welches sie auch mehr oder weniger prominent zur Schau stellen.

Die wirkliche Bedeutung eines Handtuchs wurde von Douglas Adams erstmals 1978 in seinem Hörspiel The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy herausgestellt. Diese Hörspielserie war übrigens meine erste, die ich nicht nur regelmäßig verfolgte, sondern zudem auch mit dem Kassettenrekorder aufzeichnete; ein Zeitvertreib, der der heutigen Jugend wohl gänzlich fremd ist.

Der überraschende Tod von Adams verdrängte dann bei mir auch die Erinnerung an 2001: A Space Odyssey, einem Film von Stanley Kubrick, der bereits 1968 erschienen war, und dessen „Jubiläum“ wir 2001 eigentlich mit Freunden zusammen „feiern“ wollten; so wie wir es bereits zuvor 1984 mit dem Buch von George Orwell taten, welches übrigens 1949 herauskam.

Kurz darauf ging dann auch eine eigene Towel Day Website online, welche mit ihrem damals innovativen Count Down sicherstellte, dass man weder den kommenden Towel Day verpasste, noch Douglas Adams‘ Geschichte in Vergessenheit geriet.

So war es dann auch immer wieder schön mit anzusehen, wenn Kameraden oder andere Menschen, von denen man das wohl nie so richtig erwartet hätte, am 25. Mai und dies auch im größten Trubel mit einem Handtuch erschienen.

Zwischenzeitlich war die Towel Day Website zwar aus dem WWW verschwunden, ist aber heute wieder in einer etwas anderen Form aufgetaucht, und ich hoffe, dass sie nunmehr online bleiben wird.

Mancher wird sich vielleicht jetzt fragen, warum man um ein gewöhnliches Handtuch solch einen Aufwand betreiben kann?

Hierbei empfehle ich ganz einfach nur die Lektüre des Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, denn danach sollte diese Frage geklärt sein.

Und wer jetzt noch wissen möchte, warum ich persönlich so an diesem Tag des Handtuchs hänge, dem kann ich versichern, dass dies gänzlich mit meinem eigenen Berufsleben zusammenhängt.

Denn bereits Anfang der 1990er Jahre machten mich französische Kameraden auf die zwingende Notwendigkeit eines Handtuchs, welches durchaus auch die Größe eines Fußabtreters einnehmen kann, für jeden aktiven Soldaten aufmerksam.

In den Folgejahren bewährte sich mein Handtuch, wobei ich es zu meinem Leidwesen deshalb auch öfters auswechseln musste. Und dies führte wiederum dazu, dass ich auch jüngeren Kameraden beständig die Notwendigkeit und Bedeutung eines Handtuchs ans Herz legte.

Deswegen freue ich mich noch heute, wenn Menschen am 25. Mai mit einem Handtuch durch die Gegend laufen und wünsche jedem dabei, dass sein Handtuch nie wirklich zum Einsatz kommen muss.

„He felt that his whole life was some kind of dream and he sometimes wondered whose it was and whether they were enjoying it.“

Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
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Politik

Der große Selbstbetrug

Oder wie man seit ein paar Jahren bei uns so gerne sagt, die Schwarze Null, der ausgeglichene Bundeshaushalt.

Wir erreichen diesen vermeintlich so ausgeglichen Haushalt bei uns in Deutschland nur noch deshalb, weil man sich diesen nicht nur mit allen verfügbaren Tricks und Schlichen schön rechnet, sondern vor allem deshalb, weil man ihn auf Kosten der eigentlichen und auch existentiellen staatlichen Aufgaben noch halbwegs hinbekommt.

Wirklich interessant an der Sache ist, dass dies ein politischer Kompromiss ist, der von allen maßgeblichen Parteien auch mitgetragen wird.

Wohl einzig und alleine die ewig gestrigen Sozialisten würden diesen Selbstbetrug zugunsten eines noch viel größeren Betruges, nämlich dem weder real noch ideell existierenden Sozialismus, opfern; um dies noch deutlicher zu formulieren, der Sozialismus ist in der Politik das, was in der Mathematik die Quadratur des Kreises ist: ein Ding der Unmöglichkeit.

Man könnte jetzt eigentlich die Frage stellen, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass wir uns fast alle von der Schwarzen Null blenden lassen, wobei ich bereits einen Schritt weitergehen möchte und versuche, dazu auch eine Antwort zu geben.

Die Grundlage unseres Staates ist die Volksherrschaft, und damit müsste es eigentlich auch ganz selbstverständlich sein, dass jeder Angehörige unseres Staates die Chance auf ein möglichst angenehmes Leben hat, denn sonst würde sich das „Herrschen“ für den einzelnen Bürger wohl kaum lohnen.

Damit ist es auch „Gesetz“, dass staatliche Fürsorge die unverschuldete Not eines jeden Bürgers ausgleicht, zumindest aber abmildert. Schon alleine der Gerechtigkeit wegen, müsste ein selbstverschuldet in Not geratener Bürger hingegen weiterhin auf die Fürsorge religiöser oder humanistischer Institutionen oder Personen zurückgreifen.

Um diese staatliche Fürsorge garantieren zu können, um die schwächeren Bürger unter uns zu stärken und um gesellschaftlich als zu groß wahrgenommene Diskrepanzen in den Vermögensverhältnissen der Bürger auszugleichen, hat sich das Prinzip der staatlichen Umverteilung etabliert.

Somit ist die staatliche Umverteilung eine politische und gesellschaftliche Notwendigkeit und findet deswegen auch bei allen Bürgern – selbst bei den reichsten unter uns – grundsätzliche Zustimmung.

Jede staatliche Umverteilung muss aber auch Regeln und Grenzen haben, diese kennen und einhalten. Erstmals muss überhaupt Vermögen vorhanden sein, das man umverteilen kann. Dann darf eine Umverteilung weder zur bloßen Ausbeutung von Bürgern werden noch als Instrument dienen, um alle Bürger gleichzuschalten oder zu beherrschen. Letztendlich muss jede Umverteilung für die Bürger transparent, effizient und auch zielgerichtet, nämlich zum Wohle der Bürger, erfolgen.

Hier bei uns in Deutschland hat sich das Prinzip der staatlichen Umverteilung spätestens seit den 1970er Jahren verselbständigt und zudem der Kontrolle durch Staat und Bürger entzogen. Umverteilung ist inzwischen zu einem „Apparat“ mutiert, der vorwiegend dem Selbsterhalt dient und sich darüber hinaus immer weiter in alle gesellschaftlichen und politischen Prozesse und Bereiche hinein ausbreitet.

Und sobald jemand diese bestehende Problematik nur anspricht, was in den letzten Jahrzehnten immer wieder geschehen ist, z. B. durch Helmut Schelsky, wird diesen Bürgern von allen Seiten her Ketzerei unterstellt.

„Solidarität heißt heute immer sehr bald Massenorganisation mit ihrer Betreuungs- und Verwaltungselite. Der Wohlfahrtsstaat als Schutz der sozial Schwachen wird unversehens sehr bald zum planstaatlich-bürokratischen Vormundschaftsstaat und bleibt es.“

Helmut Schelsky, Der selbständige und der betreute Mensch (1978: 18)

Selbst die Versuche wenigstens mehr Transparenz in der Sache zu schaffen, wie z.B. durch Paul Kirchhof, der u.a. mehr Transparenz bei Steuern und Abgaben erreichen möchte, werden mehrheitlich abgelehnt und vereitelt.

Inzwischen hat die staatliche Umverteilung längst einen Apparat geschaffen, der nicht nur völlig außer Kontrolle geraten ist, sondern verstärkt sogar die ureigene Absicht konterkariert: nicht die schwächeren Mitbürger werden gestärkt, sondern jene genährt, die sich in diesem Apparat heimisch fühlen und ihn zum Eigennutz manipulieren können.

Ein eindeutiges Anzeichen dafür ist, dass sich trotz höchster jemals erreichter Umverteilung viele Mitbürger am Rande der eigenen Existenz sehen und zudem die Vermögensdiskrepanz innerhalb unserer heutigen Gesellschaft noch nie so groß war.

Ein weiteres Anzeichen dafür ist, dass die Leistungsträger in unserer Gesellschaft kaum noch daran glauben können, dass sich ihre Leistung auch wirklich lohnt und deswegen beginnen, die Grundlagen unserer Gesellschaft zu hinterfragen.

Der Apparat ist inzwischen so umfangreich und intransparent aber auch so mächtig geworden, dass er weiter von der Politik genährt und gefüttert wird, obwohl sein tatsächlicher Nutzen für Staat und Bürger kaum noch erkennbar ist.

Das Ganze hat sich inzwischen soweit verschärft, dass die Politik dem eigentlichen Staat die notwendigen Gelder entzieht, die er aber dringend benötigt, um seine ureigensten Aufgaben erfüllen zu können: Bildung und Infrastruktur sind mehr als mangelhaft, die äußere Sicherheit kann nicht mehr selbst und die innere nur noch bedingt sichergestellt werden.

Dafür aber stellt die Politik dem Umverteilungsapparat immer mehr Mittel zur Verfügung, ohne überhaupt noch zu wissen, was mit diesen letztendlich tatsächlich geschieht.

Und das ist es, was ich als den großen Selbstbetrug bezeichne, denn wir feiern jedes Jahr erneut eine Schwarze Null, koste es uns, was es wolle – und dies offensichtlich nur deshalb, weil wir selbst alle nicht mehr wissen, ob wir ohne diesen Apparat überhaupt noch leben können oder möchten.

Es ist wirklich an der Zeit, dass wir die Schleier endlich lüften, und dies selbst auf die Gefahr hin, dass wir alle längst schon pleite sind – eine Schwarze Null hin oder her!

„The more is given the less the people will work for themselves, and the less they work the more their poverty will increase.“

Leo Tolstoy, Help for the Starving (Januar 1892)