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Heilbronn

Radfahrer

Damit meine ich jetzt nicht „nach oben buckeln und nach unten treten“, sondern beziehe mich in diesem Beitrag auf die Mitbürger, die sich dazu entschieden haben, in und um Heilbronn auch mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.

Dabei gleich vorab, das Fahrradfahren war schon immer in Heilbronn, zumindest so lange ich mich erinnern kann, eine Herausforderung.

Zu meiner Zeit war es für uns Heilbronner üblich, dass man mit einem Dreirad anfing, zum Tretroller wechselte und danach sein erstes Fahrrad mit Stützrädern bekam. Und sobald man richtig und selbständig Fahrrad fahren konnte, war es auch soweit, um noch in der Grundschule den Fahrradführerschein zu machen. Das Balancieren und das Langsamfahren waren dabei die größten Herausforderungen, denn schnell um die Ecke flitzen konnten wir bereits alle sehr gut.

Anfangs war für uns Stadtkinder das Fahrrad ein neues Spielzeug mit dem man auf der Straße viel Unfug anstellen konnte; selbstverständlich wurden die Räder auf den Gehwegen von uns geschoben, denn das war damals Ehrensache. Später war das Rad dann eher ein Mittel, um in die umliegenden Dörfer zu gelangen, denn zu Fuß war man innerhalb Heilbronns schon immer besser und auch bequemer unterwegs.

Meine ursprüngliche Begeisterung für das Radfahren wurde bereits sehr früh durch einen Baum gestoppt, der nicht nur mein erstes Rad zerstörte, sondern bis heute bei mir bleibende Erinnerungen zurückließ und mich zudem zu einem begeisterten Fußgänger machte.

Weniger Glück hatten zwei meiner Rad fahrenden Schulkameraden, der erste wurde mit dem Reifezeugnis in der Hand von einem Lastwagen überfahren und der zweite bei seinem täglichen Radtraining, welches ihn regelmäßig von Heilbronn nach Waldenburg und wieder zurück führte, von einer Oma im Auto übersehen, was er zwar glücklicher Weise überlebte, aber seine Sportlerkarriere abrupt beendete.

Heutzutage ist Heilbronn zwar immer noch die selbe Stadt aber die Anzahl der Fahrräder und ihre Verwendungsmöglichkeiten hat sich eindeutig erhöht bzw. stark verändert. Auf keinem Geh- oder gar Waldweg ist man mehr vor Rad fahrenden Mitbürgern sicher; Mensch, Hund und Reh erschrecken vor aus dem Gebüsch und Hecken brechenden Geländefahrrädern mit Hilfsmotor auf denen Jugendliche und rüstige Rentner durch die Wälder und Flure sausen. Selbst die Fußgängerzone ist zum Mekka pöbelnder Radenthusiasten geworden, die bestimmt noch nie etwas von gegenseitige Rücksichtnahme gehört haben.

Auf der anderen Seite berichten Rad fahrende Bekannte, Freunde und auch meine bessere Hälfte von haarsträubenden Situationen beim Versuch ausgewiesenen Radwegen durch Heilbronn zu folgen.

Deshalb möchte ich gerne allen das Folgende nochmals in Erinnerung rufen: Grundlage jeglichen Zusammenlebens ist die gegenseitige Rücksichtnahme, und im besagten Falle, die Pflicht des Stärkeren oder Schnelleren auf die anderen Verkehrsteilnehmer besonders zu achten. Erst kommen die Kinder, die Senioren, Menschen mit sichtbaren Einschränkungen und dann die restlichen Fußgänger. Danach erst die Radfahrer und Schienenfahrzeuge. Zum Schluss dann die Motorräder, Autos und zuletzt Busse und Lastkraftwagen.

Damit und mit ein wenig mehr Freundlichkeit müsste sich der Alltag auch in Heilbronn besser meistern lassen!

Das macht aber noch lange nicht ungeschehen, dass die derzeitige Radwegegestaltung in und um Heilbronn suboptimal und eindeutig verbesserungswürdig ist.

Die Idee Schnellwege für Fahrräder außerhalb des Stadtgebietes zu schaffen halte ich für gut. Aber man muss zudem dafür sorgen, dass diese dann fahrradtauglich sind und nicht mit Landwirtschaftswegen verbunden werden, denn damit schafft man unnötige Gefahrensituationen.

Diese Radschnellwege dürfen dann, wenn sie in der Stadt Heilbronn münden, ähnlich wie Autobahnen auch, nicht an einer Wand enden, sondern sie müssen den ankommenden Verkehr, auch wenn es sich dabei „nur“ um Radfahrer handelt, flüssig in die Stadt ableiten. Darüber hinaus muss man für die Fahrräder, wie für die Autos auch, ausreichend Abstellplätze vorhalten, von denen aus die Radfahrer zu Fuß weiter gehen können.

Dass das Radwegenetz in Heilbronn selbst eher einem Flickenteppich gleicht, der zudem mehr aus Löchern als aus Teppich besteht und dessen jeweilige Anfänge und Enden bisweilen gemeingefährlich sind, muss man den Radfahren nicht berichten.

Da sich die vorhandene Heilbronner Verkehrsinfrastruktur aber auch in den kommenden Jahrzehnten kaum flächenmäßig vergrößern wird, ist es meines Erachtens keine Lösung, den vorhandenen Platz unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern weiter aufzuteilen. Deshalb schlage ich das Folgende vor:

Die vorhandenen innerstädtischen Radwege, außer bestehenden und tatsächlich funktionierenden Radschnellwegen, werden entweder wieder der Straße oder dem Gehweg zugeschlagen. Dafür aber werden diese so hergerichtet, dass sie durch alle Verkehrsteilnehmer gut und gefahrlos genutzt werden können.

Dabei muss der fließende und besonders der stehende Verkehr (Zuparken von Gehwegen!) immer dem „Schwächeren“ den Vorrang gewähren, was in Zeiten, wo man innerstädtisch die 30 Stundenkilometer favorisiert, kaum Probleme bereiten wird.

Fahrräder werden dann sogar auf der Allee mit genügend Abstand überholt, wenn sie sich nicht gerade selbst durch den dortigen Stau schlängeln. Aber auch Radfahrer fangen wieder an Rücksicht zu nehmen und, wenn sie der Fußgängerzone vor der Allee den Vorzug geben, letztendlich ihr Rad die paar Meter schieben, oder aber auf dem Gehweg dem Fußgänger die Vorfahrt gewähren.

Wenn Sie jetzt einwenden, dass dies in Heilbronn nicht ginge, dann kann ich Ihnen versichern, dass es im Landkreis Heilbronn bereits funktionierende Modelle gibt, wo sich sogar alle Verkehrsteilnehmer denselben Verkehrsraum teilen.

Zum Schluss nochmals auf den Punkt gebracht: Erstens, wir benötigen einen Straßenraum ohne Schlaglöcher und Hindernisse, der für alle Verkehrsteilnehmer als solcher erkenn- und nutzbar ist. Zweitens werden die dann hoffentlich gut ausgebauten Gehwege auch für Radfahrer freigegeben, die sich aber dort an den Fußgängern ausrichten. Und drittens, für die Räder muss es wie für die Autos ausreichend Stellplätze geben.

Und liebe Radfahrer, wenn Sie sich nicht trauen, auf der Allee mit dem Rad zu fahren, dann müssen Sie Ihren Frust nicht in der Fußgängerzone an Rentnern oder gar Kinder auslassen. Denn wie bereits anfangs erwähnt, mit dem Rad fahren ist keineswegs „nach oben buckeln und nach unten treten“.


Auch Detlef Stern hat bereits Erfahrung mit dem Fahrrad in Heilbronn gesammelt und diese im Blog-Beitrag „Vom Alltagsfußgänger zum Alltagsradler“ (Oktober 2019) festgehalten.

Das Lied „Bicycle Race“ stammt von der Gruppe Queen aus dem Jahr 1978.

„Life is like riding a bicycle. To keep your balance you must keep moving.“

Albert Einstein, Einstein: His Life and Universe (2007: 367)
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Ein Platz für Hausboote

Sobald ich in Paris bin, versuche ich immer wieder bei den Bouquinisten an der Seine vorbeizuschauen. Die dortigen Bücherboxen gehören inzwischen zum UNESCO Weltkulturerbe, genauso, wie die Ufer der Seine in Paris selbst. Über die Jahre hinweg haben bei mir aber immer mehr die vielen Hausboote das Interesse geweckt, besonders dabei die ganzjährig bewohnten, und als ich dann einmal die Gelegenheit hatte, ein solches näher anschauen zu dürfen, war es um mich geschehen und ich hatte einen Traum mehr.

Die vielfältigen Hausboote in Berlin und Potsdam gaben mir dann weitere Ideen und ließen auch hoffen, dass mein Traum auch einmal zu verwirklichen wäre. Als dann ein Stettiner Bekannter anbot, mir bei der Realisierung eines solchen Traumes helfen zu wollen, fing sogar meine Frau damit an, sich über Hausboote nähere Gedanken zu machen.

Das Leben nimmt meist keine Rücksicht auf Träume und so mussten auch wir feststellen, dass die Donau bei Ulm nicht schiffbar ist, und zumindest in den Nullerjahren eine solche Idee in Heilbronn auf wenig Gegenliebe stieß, obwohl es bereits seit 1995 das Theaterschiff bei der Friedrich-Ebert-Brücke gab.

Im Zuge der Bundesgartenschau in Heilbronn ist es Dieter Schwarz nunmehr gelungen, mit der MS Experimenta einen weiteren Pflock in Richtung Heilbronner Hausboote einzuschlagen.

Ich bin weiterhin fest davon überzeugt, dass der alte Neckar von der Friedrich-Ebert-Brücke bis hin zum Neckarkanal gute Liegeplätze für die ersten Hausboote in Heilbronn bieten könnte. Und auch wenn sich dieser Traum für mich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst hat, bin ich mir sicher, dass es genügend andere Mitbürger gibt, die sich einen solchen Traum, von einem eigenen Hausboot, einem Hausboot zur Miete oder auch einem Hausboot-Restaurant in Heilbronn gerne erfüllen wollen.

Zumindest könnte die Stadt jetzt nach der BUGA-Zeit die Planungen einleiten, um zumindest die Voraussetzungen für eine solche Gemeinschaft von Hausbootbewohnern auch in Heilbronn zu schaffen, zumal Gemeinderat, Verwaltung und Stadt-Marketing gerne von Heilbronn als „der Stadt am Fluss“ sprechen.

Das Lied „Boat on the River“ stammt von der Gruppe Styx aus dem Jahr 1979.

„It’s hard to build a bridge across a river, but easy to cross the bridge once someone else has built it. And while you’re trying to build the bridge, it’s helpful to be able to fly.“

Eugenia Cheng, zitiert nach Florian Freistetter