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Die Kunst des Krieges

Eigentlich ist es immer wieder dasselbe, kaum haben sich die meisten Menschen vom letzten Krieg erholt, fangen die ersten schon wieder an, davon zu träumen.

Auch bei uns, kaum 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, haben die alten Nationalisten oder die neuen Superstaateuropäer wieder erste entsprechende Gedanken. Und erneut sind es dabei wieder genau jene, die sich selber immer um alles gedrückt haben, auch beim nächsten Waffengang eine eigene Beteiligung zu verhindern wissen und einzig und allein ihr eigenes Macht- und Gewinnstreben auf Kosten aller anderen befriedigen wollen.

Da das allseits bekannte Macht- und Gewinnstreben einzelner Gesellschaftsgruppen kaum dazu ausreicht, um ganze Gesellschaften in den Untergang zu locken, finden sich auch immer wieder „Romantiker“, die dem Krieg etwas Gutes und Schönes abgewinnen wollen. André Glucksmann fasste dies zum Beispiel in die folgenden Worte:

„La guerre seule, permet à un peuple de surmonter ses contradictions morales, économiques et sociales.“

André Glucksmann, Le Discours de la guerre (1967)

Und auch ganz normale Menschen finden wieder am Krieg als eine Art „gesellschaftliches Reinigungsmittel“ Geschmack, vor allem gerade dann, wenn sie vom Krieg überhaupt keine Ahnung haben und diesen eher mit Blockbustern aus dem Hollywood-Universum oder neuerdings auch mit Ego-Shootern aus der Spielewelt verwechseln.

All diesen Menschen und ganz besonders auch denjenigen, welche sich nicht nur um Gemeinschaftsdienste drücken oder sogar selbst ihren Wehrdienst ableisten, empfehle ich ein Buch, das sich ausführlich mit dem Krieg beschäftigt und noch heute als das Standardwerk der Kriegskunst gilt. Es wurde vom Chinesen Sunzi ungefähr 500 Jahre vor Christus geschrieben und kommt zu folgendem Schluss:

„Supreme excellence consists in breaking the enemy’s resistance without fighting.“

Sunzi, The Art of War

Wenn das bereits die Schlussfolgerung eines Militärs ist, die bis heute auch von jedem Strategen ohne Wenn und Aber geteilt wird, was müsste dann eigentlich die Schlussfolgerung eines jeden friedliebenden Bürgers sein?!

„Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, …“

Matthaeus 5:44

Die Welt wäre wohl ganz gut darin beraten, wenn man endlich zwischen diesen beiden Polen, den der Militärs und den der Christen, einen Kompromiss finden könnte. Leider aber wird die Welt von ganz normalen Menschen regiert, welche einfach nicht vom Krieg lassen möchten.

Deswegen wäre es auch ganz gut, wenn man, anstatt dem Krieg in Kinos und auf Flachbildschirmen zu huldigen, damit beginnt, sich erst einmal mit der entsprechenden Fachliteratur auseinanderzusetzen.

Ich wage zu behaupten, wenn sich die meisten von uns, vor allem aber einmal unsere zuständigen Minister und Politiker, mit der Materie Krieg inhaltlich auseinandersetzen würden, gibt es dieses Thema bald nur noch in den Geschichtsbüchern, denn wenn man Kriege verstehen lernt, weiß man auch, dass und wie man sie am besten verhindert.

Das oben angesprochene Werk von SunziDie Kunst des Krieges“ besteht aus 13 Kapiteln und ist trotz seines Alters sehr verständlich zu lesen. Unter diesem Hyperlink finden Sie zudem eine englischsprachige Fassung, auf die ich seit Jahren selber immer wieder zurückgreife.

„I have good news for you, my lord. War has begun.“

Christopher Lee als Count Dooku in Star Wars Episode II: Attack of the Clones (2002)
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Leseliste

Ich lese auch immer wieder ein paar Romane, obwohl Belletristik nicht gerade meine erste Wahl ist. Manche von diesen hinterlassen bei mir einen sehr tiefen Eindruck und vereinzelt greife ich dann auch wieder auf das eine oder andere Buch zurück, um es nochmals oder gar noch etwas genauer zu lesen.

Hier finden Sie ein paar Romane, die in meiner Erinnerung hängen geblieben sind und die auch Bestandteil meiner eigenen kleinen Bibliothek waren.

  • A. S. Neill – The Last Man Alive (1938)
  • Albert Camus – The Fall (1956)
    „Don’t wait for the Last Judgment. It happens every day.“
  • Aldous Huxley – Brave New World (1932)
  • Aldous Huxley – Brave New World Revisited (1958)
  • Anne Morrow Lindbergh – Gift from the Sea (1955)
  • Antoine de Saint-Exupéry – Night Flight (1931)
  • Antoine de Saint-Exupéry – Wind, Sand and Stars (1939)
    „Il semble que la perfection soit atteinte non quand il n’y a plus rien à ajouter, mais quand il n’y a plus rien à retrancher.“
    „La grandeur d’un métier est peut-être, avant tout, d’unir les hommes: il n’est qu’un luxe véritable, et c’est celui des relations humaines.“
    „L’essentiel, nous ne savons pas le prévoir. Chacun de nous a connu les joies les plus chaudes là où rien ne les promettait.“
  • Antoine de Saint-Exupéry – Der kleine Prinz (1943)
    „Un jour, j’ai vu le soleil se coucher quarante-quatre fois!“
    „On ne voit bien qu’avec le cœur. L’essentiel est invisible pour les yeux.“
    „C’est le temps que tu as perdu pour ta rose qui fait ta rose si importante.“
  • Charles Dickens – Oliver Twist (1838)
  • Daniel Anselme – Adieu Paris (1957)
  • Daniel Defoe – Robinson Crusoe (1719)
  • Douglas Adams – The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy (1978 – 1992)
  • E. M. Forster – The Machine Stops (1909)
  • Edwin Abbott Abbott – Flatland: A Romance of Many Dimensions (1884)
  • Erich Maria Remarque – Im Westen nichts Neues (1929)
  • Ernest Hemingway – The Old Man and the Sea (1952)
    „But a man is not made for defeat. A man can be destroyed but not defeated.“
  • Ernest Hemingway – A Farewell to Arms (1929)
    „That is the greatest fallacy; the wisdom of old men. They do not grow wise. They grow careful.“
  • Ernst Jünger – In Stahlgewittern (1920, 1922, 1924, 1934, 1935, 1961, 1978)
  • Esther Vilar – The Manipulated Man (1971)
    „If praise is applied in the correct dosage, a woman will never need to scold. Any man who is accustomed to a conditional dosage of praise will interpret its absence as displeasure.“
  • Eugen Roth – Sämtliche Menschen (1983): Ein Mensch (1935), Mensch und Unmensch (1948), Der letzte Mensch (1964)
  • Francis Bacon – Nova Atlantis (1624)
  • Franz Kafka – Die Verwandlung (1915)
  • Franz Kafka – Der Prozess (1925)
    „Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“
  • Friedrich Dürrenmatt – Der Tunnel (1952)
  • Friedrich Nietzsche – Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen (1883 – 1891)
  • Friedrich Nietzsche – Jenseits von Gut und Böse (1886)
  • Friedrich Nietzsche – Der Antichrist (1895)
  • George Mikes – How to be an Alien (1946)
    „CONTINENTAL people have sex life; the English have hot-water bottles.“
    „Believe that the aim of life is to have a nice time, go to nice places and meet nice people. … Never be sober after 6.30 p.m.“
  • George Orwell – Animal Farm (1945)
  • George Orwell – Nineteen Eighty-Four (1949)
  • Giovanni Boccaccio – The Decameron (1470, 1471, 1472, 1492)
  • H. G. Wells – The Shape of Things to Come (1933)
  • H. G. Wells – The War of the Worlds (1898)
  • H. L. Mencken – A Book of Burlesques (1920, 2016)
    „Creator – A comedian whose audience is afraid to laugh. Three proofs of His humor: democracy, hay fever, any fat woman.“
  • Hans FalladaJeder stirbt für sich allein (1946)
  • Hans Magnus Enzensberger – Herrn Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen ließ, aufgelesen von seinen Zuhörern (2013)
  • Heinrich von Kleist – Michael Kohlhaas (1808, 1810)
  • Helen Rowland – A Guide To Men: Being Encore Reflections of a Bachelor Girl (1922)
    „A man’s idea of being perfectly loyal to a woman is to ‚think of her always‘ even when he is kissing another woman.“
    „A husband is like religion: Never doubt his word even when you know he is lying. To give you any real comfort, he must be taken with blind faith.“
  • Henry Neville – The Isle of Pines (1668)
  • Herman Melville – Moby-Dick; or, The Whale (1851)
  • Hermann Hesse – Siddhartha (1922)
  • Hermann Hesse – Narziß und Goldmund (1930)
  • Homer – Iliad (ca. 800 BC)
  • Homer – Odyssey (ca. 800 BC)
  • J. D. Salinger – The Catcher in the Rye (1951)
  • J. R. R. TolkienThe Lord of the Rings (1954/55)
  • J. R. R. Tolkien – The Hobbit (1937)
  • James Harrington – The Commonwealth of Oceana  (1656)
  • Jaroslav Hašek – The Good Soldier Švejk (1923)
  • Jean-Jacques Rousseau – Emile or On Education (1762)
  • Johann Wolfgang von Goethe – Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795–96)
    „Wenn wir … die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“
  • Johann Wolfgang von Goethe – Urfaust (1887) – Faust. Ein Fragment (1790) – Faust. Eine Tragödie (1808) – Faust. Der Tragödie zweiter Teil (1832)
    Für alle Heinriche ein Must-Read
  • Jonathan Swift – Gulliver’s Travels (1726, 1735)
  • Joseph Heller – Catch-22 (1961)
  • Jostein Gaarder – Sophie’s World (1991)
  • Judith N. Shklar – Ordinary Vices (1984)
  • Julia ChildMy life in France (2006)
  • Leo Tolstoy – War and Peace (1869)
  • Margaret Atwood – The Handmaid’s Tale (1985)
  • Max Frisch – Montauk (1975)
  • Michel Foucault – Madness and Civilization (1961)
  • Miguel de Cervantes SaavedraThe Ingenious Gentleman Don Quixote of La Mancha (1605/1615)
  • Nathaniel HawthorneThe Scarlett Letter (1850)
  • Ovid – Metamorphosen (8 AD)
  • Philip PullmanHis Dark Materials – The Triology (1995, 1997, 2000)
  • Rainer Maria Rilke – Die Gedichte (1986)
  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451 (1953)
  • Salman Rushdie – The Satanic Verses: A Novel (1988) 
  • Samuel Beckett – Waiting for Godot (1953) 
  • Samuel Beckett – Endgame (1957)
  • Samuel Beckett – Nohow On (1989)
  • Samuel Scheffler – Death and the Afterlife (2013)
  • Sophocles – Antigone (ca. 400BC)
  • Stefan Zweig – Sternstunden der Menschheit (1927)
  • Stephen Crane – The Red Badge of Courage (1895)
  • Thomas Hobbes – Leviathan (1651)
  • Thomas Morus – Utopia (1516)
  • Ulrich Plenzdorf – Die neuen Leiden des jungen W. (1973)
  • Umberto EcoThe Name of the Rose (1980)
  • William Golding – Lord of the Flies (1954)
  • Yann Martel – Life of Pi (2001)

„Man sollte … alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre: Fünftes Buch – Erstes Kapitel
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Politik

Zum heutigen Tage

Jetzt, wo gerade wieder ganz aktuell bei uns darüber diskutiert wird, was schlechter ist: ein bekennender Nazi oder ein bekennender Stalinist? sollten wir uns alle daran erinnern, dass man tatsächlich nur zwischen Demokraten und Anti-Demokraten unterscheiden sollte und auch kann. Letztere nenne ich gerne allesamt, und dies frei nach Hannah Arendt, Karl Popper oder George Orwell, Totalitaristen.

Und ich kann nicht umhin, ein Gedicht zu zitieren, welches uns Schülern bereits ein Deutschlehrer in den 1970er Jahren empfohlen hat. Das Gedicht stammt von Ernst Jandl.

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

Zumindest in meiner Schulzeit hat man noch fürs Leben gelernt, obwohl auch hier bereits ein großer Irrtum vorlag, denn Seneca muss richtiger Weise wie folgt zitiert werden:

„Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: non vitae sed scholae discimus.“

Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, CVI. SENECA LVCILIO SVO SALVTEM: 12

Man stellt fest, weder das Leben oder die Schule, noch die große Politik sind einfach zu verstehen.

Besonders unsere heutigen und besonders erfolgreichen Demokratien haben immer mehr darunter zu leiden, denn viele ihrer Bewohner sind längst keine Bürger geschweige denn Demokraten mehr, denn auch für diese gibt es seit den Alten Griechen Minimalanforderungen, um überhaupt Demokratie entstehen zu lassen oder aufrechterhalten zu können.

Die Alten Griechen haben damals die Menschheit nicht nur in Griechen und Barbaren unterteilt, sondern das Menschsein generell seit Aristoteles auf den Zoon politikon reduziert, ergo den Mensch als soziales, politisches Wesen gesehen. Und gingen dabei sogar soweit, jenen, die sich der Gesellschaft und der Politik entzogen haben, das Menschsein an sich abzusprechen.

Ca. 2000 Jahre später muss man konstatieren, dass Demokratien alleine von Demokraten leben, und Demokraten sind Bürger, die sich nicht nur zur Demokratie bekennen, sondern diese auch mit Leben erfüllen, also mitmachen anstatt nur zu meckern!

Wer sich den ganzen Tag über nur um sich selber und seine eigenen Vorteile kümmert, und nur dann aufmerksam wird, sobald er befürchten muss, dass man ihm etwas vorenthält oder er einmal etwas findet, wo er gerade Lust dazu hat, um sich moralisch zu entrüsten, und auch nur dann von der Politik Änderungen und diese sofort einfordert, und noch dazu diese sofortigen Änderungen ganz alleine zu seinen Gunsten oder nach seinen aktuellen Moralvorstellungen einklagt, der ist kein Bürger und schon gar kein Demokrat! Auch hat er die Funktionsweise von Demokratie eindeutig nicht verstanden!

Und dieser Mangel an Demokraten, oder, wie ich es in mehreren Beiträgen bereits schon formulierte, das mehrheitliche Vorhandensein „gekaufter Demokraten“ oder von Spesendemokraten, ist es, der Demokratien von innen heraus aushöhlt und langsam aber sicher auch abschafft; die Weimarer Republik war ein sehr gutes Beispiel dafür.

Der schleichende, aus der Ostzone kommende Zerfall der Berliner Republik wird ein weiteres Beispiel dafür werden. Weder hätte man einer Nachfolgeorganisation eines Unrechtsstaates gestatten dürfen, vorübergehend ein demokratisches Mäntelchen umzulegen, noch darf man als demokratischer Volksvertreter mit bekennenden Totalitaristen, schlimmer noch mit stolzen Rassisten gemeinsame Sache machen!

Genau diese faulen Kompromisse sind es, die letztendlich immer wieder unsere Welt zerstören, egal von wem oder wo und wann sie getätigt werden.

Deshalb empfehle ich dringend allen unseren demokratischen Volksvertretern das Buch „On Compromise and Rotten Compromise“ von Avishai Margalit zu lesen. Keine 200 Seiten wären zu lesen gewesen, und wir alle hätten uns das jämmerliche Schauspiel gestern in Thüringen erspart.

Gesunder Menschenverstand hätte es vielleicht auch getan, aber der ist den meisten unserer dort handelnden Politiker wohl längst schon abhandengekommen.

Auch wenn aufgrund der teilweise heftigen Reaktionen aus dem Rest der Bundesrepublik heute bereits darüber nachgedacht wird, Neuwahlen anzustreben, bleibt das Wahlergebnis 2019 weiterhin bestehen, welche dem linken und rechten Rand, bei dem jeweils die demokratische Gesinnung zumindest stark bezweifelt bis gänzlich abgesprochen werden kann, eine Stimmenmehrheit von über 54% beschert.

Diese Problematik ist seit dem Wahlabend bekannt, und viele spekulierten wohl darauf, dass man letztendlich den größten Wahlsieger, die Linke, eine Minderheitsregierung bilden lässt.

Diese wäre damit erstmals von allen demokratischen Parteien, auch der CDU, als legitime demokratische Kraft anerkannt worden. Zumindest einige von den Volksvertretern der bürgerlichen Parteien hätten dabei einen faulen Kompromiss eingehen müssen, den andere bereits schon vor Jahren eingegangen sind, und nunmehr mit der Wahl in Thüringen 2019 zu dieser ersten tragischen Situation in der Berliner Republik geführt hat.

Durch die jetzt erfolgte Wahl eines FDP Abgeordneten zum Ministerpräsidenten einer Minderheitsregierung haben letztendlich die oben angesprochenen Abgeordneten einen faulen Kompromiss durch einen anderen faulen Kompromiss ersetzt, was nunmehr erstmals nach 1945 wieder Nationalsozialisten als vollwertig demokratisch legitimierte.

Damit ist das Kind in der Berliner Republik bereits zum zweiten Mal in den Brunnen gefallen, wobei beide extreme Ränder in den Parlamenten als vollwertig demokratisch anerkannt werden. Damit wurden Totalitaristen nicht nur legalisiert, sondern durch allseitige Anerkennung auch legitimiert.

Von Anfang an war der Linken als auch der AfD – leider den anderen Parteien offensichtlich nicht – klar, dass es sich für die beiden benannten Parteien um eine klassische Win-Win Situation handelt.

Und wie sich jetzt herausstellt, ist es den demokratischen Parteien auch gelungen, sowohl die Linke als auch die AfD in eine typische Opferrolle zu schubsen, in die beide Parteien, frei nach Goethe, mehr sanken als gezogen wurden.

Das Einzige, was jetzt noch zur Komplettierung des Wahlerfolgs beider Ränder fehlt, ist eine Neuwahl, die diese Parteien ihre neu gewonnene Opferrolle voll ausschöpfen lässt, und beide dabei sicherlich in neue Höhen schleudert.

Eingedenk dieser Tatsache wäre es notwendig, dass die CDU, welche meines Erachtens in Thüringen deswegen so schwach abschnitt, weil sie dort in ihren eigenen Reihen eher dem rechten Rand als ihrer demokratischen Grundgesinnung huldigt, jetzt und sofort die Notbremse zieht und das Folgende veranlasst:

+ Mit der FDP Thüringen spricht und den Ministerpräsidenten zum Rücktritt bewegt;

+ Mit der Linken spricht – dabei lieber einen faulen Kompromiss zwei faulen Kompromissen vorzieht – und erstmals ganz offiziell eine linke Minderheitsregierung billigt. Dies allerdings nur eingedenk der Tatsache, dass sie diesen ersten faulen Kompromiss nicht selbst zu vertreten hat, sondern rein aus demokratischer Verantwortung heraus nun auslöffelt.

Ich wage zu behaupten, dass durch diese Maßnahme die CDU in Thüringen wieder an Profil gewinnt und in Folge einer konstruktiven Oppositionsarbeit auch wieder Wahlen gewinnen wird.

„You want to know something? We are still in the Dark Ages. The Dark Ages — they haven’t ended yet.“

Kurt Vonnegut, Deadeye Dick (1982)
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Heilbronn

Gaststätten

Vor Kurzem wurde ich gefragt, wo man denn in Heilbronn gut essen könne. Diese Frage kam für mich sehr überraschend, auch wollte ich dem Fragenden, obwohl völlig zutreffend, nicht antworten, dass dies selbstverständlich bei mir zuhause der Fall sei; dies liegt aber nicht an mir selbst, sondern alleine an meiner besseren Hälfte.

Allerdings glaube ich mir in all den Jahrzehnten doch eine gewisse Beurteilungskompetenz in Sachen gutes Essen angeeignet zu haben, zumal ich bereits in frühester Jugend mit meinen Großeltern und Eltern des öfteren in Heilbronn und Umgebung zum Essen aus war. Das lag unter anderem daran, dass meine Großmutter mit zu den besten Köchen des Stadt- und Landkreises gehörte und alte Heilbronner noch heute von ihrer Küche im damaligen Sülmertor schwärmen.

So war es für meine Großmutter immer eine Freude, bei den Kollegen vorbeizuschauen, und ich lernte damit die gesamte Vielfalt unserer regionalen Küche kennen und lieben.

Später kamen noch die ersten italienischen, griechischen und chinesischen Lokale in Heilbronn hinzu, die das Angebot an gutem Essen weiter erhöhten, und so ist es mir bis zum heutigen Tage immer noch eine große Freude in Heilbronn und Umgebung essen zu gehen.

Über all die Jahrzehnte wurde das Angebot an guten Gaststätten immer wieder durch Neuzugänge ergänzt, leider aber wurden auch viele sehr gute Restaurants wieder geschlossen oder haben einen Besitzerwechsel erlebt, der zumindest für meinen Geschmack weniger vorteilhaft war.

Letztendlich ist es aber alleine eine ganz persönliche und im wahrsten Sinn des Wortes reine Geschmacksache, welche zudem noch durch das gastronomische Umfeld stark beeinflusst wird, genauer gesagt, wie man sich selbst in der entsprechenden Gaststätte wohlfühlt, so dass es mir wirklich sehr schwerfällt, Empfehlungen auszusprechen.

Um aber dem Fragenden auch eine halbwegs zufriedenstellende Antwort geben zu können, habe ich mir, beginnend mit diesem Beitrag, nunmehr zum Ziel gesetzt, doch ein paar Gaststätten zu empfehlen, in welche ich selber immer wieder gerne zurückkehre, und an welche ich zudem noch weitere gute Erinnerungen verknüpfe.

Selbstverständlich kann diese Liste nie und nimmer vollzählig sein und unterliegt dabei auch ständig einer Aktualisierung.

Rappenhof Gutsgaststätte (Weinsberg)

Am besten mit dem Auto (15 Minuten) zu erreichen, man kann sich aber den Hunger mit dem Fahrrad (40 Minuten) oder noch besser zu Fuß (30 Minuten) ab der Stadtbahnhaltestelle Weinsberg verdienen.

Wo der Hahn kräht (Flein)

Ebenfalls gut mit dem Auto (15 Minuten) zu erreichen, man kann aber auch den Stadtbus (Flein, Rathaus) plus Fußweg (15 Minuten) bemühen, das Fahrrad (30 Minuten) nehmen oder gänzlich zu Fuß (gut 60 Minuten) kommen.

Brauereigaststätte Krone (Biberach)

Obwohl die Gasstätte innerhalb der Stadtgrenzen Heilbronns liegt, ist diese besser mit dem Auto (25 Minuten) oder auch mit dem Fahrrad (50 Minuten) zu erreichen. Zu Fuß ist sie mit über 2 Stunden kaum zu erreichen, und kombiniert mit dem Stadtbus habe ich es selbst noch nicht versucht.

Ins Kistle (Wilhelmstraße)

Weniger gut mit dem Auto (Tiefgarage Wollhaus) zu erreichen, dafür aber zu Fuß umso besser. Und auch der Stadtbus hält fast vor der Tür.

Bellas (Innsbrucker Straße)

Wohl die älteste italienische Gasstätte in Heilbronn. Auch hier empfehle ich das Auto in der Wollhaus Tiefgarage zu lassen und den Rest zu Fuß (keine 10 Minuten) zu gehen. Am besten kommt man aber gleich zu Fuß oder nutzt den Stadtbus.

Mythos (Kaiser Friedrich Platz)

Griechische Küche, die zum Wiederkommen verführt. Das Auto lässt man am besten im Parkhaus der Stadtgalerie / Kaufhof und überquert kurz den Neckar zu Fuß (5 Minuten). Auch hier gilt, gleich zu Fuß zu kommen, ist immer die beste Möglichkeit. Aber auch mit der Stadtbahn (Haltestelle Neckar Turm) sind es danach keine 10 Minuten zu Fuß.

Backstüble (Herbststraße)

Am besten man kommt gleich zu Fuß. Oder man lässt das Auto in der Harmonie Tiefgarage (10 Minuten). Man kann auch den Stadtbus oder auch die Stadtbahn nehmen und benötigt im Anschluss ebenfalls keine 10 Minuten zu Fuß.

La Toscana (Südstraße)

Italienische Küche. Man parkt gleich vor dem Restaurant auf dem Parkplatz des City Süd Centers. Auch zu Fuß oder mit dem Stadtbus sehr gut zu erreichen.

Wein-Villa (Cäcilienstraße)

Am besten zu Fuß zu erreichen. Das Auto lässt man in der Tiefgarage Wollhaus oder nutzt den dortigen Busbahnhof. Danach sind es zu Fuß ca. 5 Minuten. Auch mehrere Stadtbusse halten in der Nähe.

Waldhornschenke (Untere Neckarstraße)

Wenn man nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt, dann nutzt man am besten das Parkhaus am Bollwerksturm (5 Minuten).

Ratskeller (Rathaus)

Egal wie, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit der Stadtbahn, dem Stadtbus oder auch dem Auto (Käthchenhof Parkhaus) immer gut zu erreichen.

„If more of us valued food and cheer and song above hoarded gold, it would be a merrier world. But, sad or merry, I must leave it now. Farewell.“

J. R. R. Tolkien, The Hobbit (1937: Thorins letzte Worte)
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Die grüne Wolke

Als Lesepate stehe ich fast jede Woche vor der Frage, was ich den Schulkindern vorlesen soll oder besser noch vorlesen kann, ohne dabei deren knappe Aufmerksamkeitsspanne zu überfordern.

In den ersten Klassen sind es möglichst schön bebilderte Kinderbücher, wobei ich feststellen muss, dass es dabei vier sehr unterschiedliche Geschmäcker gibt: den der Lehrerinnen, den der Bibliothekarin, den der Kinder und nicht zuletzt der meinige. Dabei merkt man ganz besonders, wie sich die Geschmäcker und Vorurteile alleine im letzten halben Jahrhundert geändert haben, und dies ist so offensichtlich, dass ich mich schon gar nicht mehr traue, mit dem Struwwelpeter um die Ecke zu kommen.

So freue ich mich schon jetzt darauf, einmal außerhalb der Grundschule aus einem ganz anderen Kinderbuch vorlesen zu dürfen, welches zwar bereits während meiner Schulzeit „uralt“ aber dennoch für die meisten damaligen Lehrer noch viel zu „revolutionär“ war.

Es handelt sich dabei um ein Buch von Alexander Sutherland Neill aus dem Jahre 1938, welches gerade heute bei der Jugend aktueller den je sein müsste, und im Original den Titel „The Last Man Alive“ trägt. In Deutschland ist es besser als Die grüne Wolke. Den Kindern von Summerhill erzählt bekannt, und hier erst gut 30 Jahre später, nämlich 1971 erschienen.

Sowohl die Handlung des Buches als auch die Erzähltechnik sind auch heute noch für viele Leser gewöhnungsbedürftig. Weiterhin interessant dabei ist, dass Neill selber Pädagoge war und seine von ihm, nach auch heute sehr umstrittenen Prämissen und Prinzipien, gegründete Summerhill Schule noch existiert.

Ob dort das Buch dort noch immer von Lehrern vorgelesen wird, ist mir allerdings nicht bekannt.

„Hate breeds hate, and love breeds love.“

A. S. Neill, Summerhill School: A New View of Childhood
(1995: 13)
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Über Gott und die Welt

Bücher anderen Menschen zu empfehlen ist nicht leicht, vor allem dann, wenn man denjenigen selber dafür nicht gut genug kennt.

Das von mir heute empfohlene Buch trägt den Titel „Über Gott und die Welt: eine Autobiografie in Gesprächen“ und stammt vom Philosophen Robert Spaemann aus dem Jahre 2012.

Spaemann lernte ich erstmals während meines Studiums kennen, als ich mich mit seinem Werk „Zur Kritik der politischen Utopie“ etwas näher auseinandersetzte.

Als ich 2012 überraschend für ein paar Monate abkommandiert und in einem Hotel untergebracht wurde, griff ich nach seinem jüngsten Werk, um mir die Abende etwas zu versüßen.

Als dann noch das Hotelzimmer eine Badewanne hatte, die zu längerem Verweilen einlud, gab es kein Halten mehr.

Robert Spaemanns Autobiographie hat mich dabei von Anfang an in Bann gezogen und ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Eingepackt in sein eigenes Leben, siniert er über Gott und die Welt und eröffnet dabei dem geneigten Leser durchaus neue Perspektiven.

Ich empfehle die Lektüre seiner Autobiographie besonders an Winterabenden, wie gerade den jetzigen, und habe mir selbst vorgenommen, dieses Buch nochmals zu lesen, sobald der Bücherstapel auf meinem Schreibtisch etwas überschaubarer geworden ist.

„Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, über das Selbstverständliche nachzudenken.“

Robert Spaemann, Über Gott und die Welt (2012)
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Tom Sharpe

Bereits zu Schulzeiten nutzte ich die Bücher von Tom Sharpe, um vorhandene Dellen in meiner guten Laune wieder auszubügeln. Sharpes Bücher liest man allerdings am Besten in der Originalsprache, damit man ja keine, auch noch so kleine, Anspielung verpasst.

In den Folgejahren waren dann Sharpes Bücher bei mir Pflichtlektüre, und, da er auch nur insgesamt sechzehn Bücher veröffentlichte, eine überschaubare Herausforderung.

Bis heute gehören Riotous Assembly (1971) und Indecent Exposure (1973) zu meinen Favoriten, gleich gefolgt von Wilt (1976) und The Wilt Alternative (1979), welches bei uns besser als „Trabbel für Henry“ bekannt ist. Letztere beiden Bücher kann man aber wohl erst dann richtig genießen, wenn man auch über etwas Eheerfahrung verfügt.

Ein paar seiner Bücher wurden sogar verfilmt, ich rate aber davon ab, da man Sharpe am besten genießt, wenn man dabei die eigene Fantasie mit ins Spiel bringt.

Der Vollständigkeit halber führe ich seine Bücher unten stehend auf:

Piemburg (Südafrika) Reihe

Riotous Assembly (1971) und Indecent Exposure (1973);

Porterhouse Blue Reihe

Porterhouse Blue (1974) und Grantchester Grind (1995);

Wilt Reihe

Wilt (1976), The Wilt Alternative (1979), Wilt On High (1984), Wilt in Nowhere (2004) und The Wilt Inheritance (2010);

Weitere Bücher

Blott on the Landscape (1975), The Great Pursuit (1977), The Throwback (1978), Ancestral Vices (1980), Vintage Stuff (1982), The Midden (1996) und The Gropes (2009).

„As usual, Wilt’s thoughts were dark and mysterious and made the more so by the fact that he didn’t understand why he had them.“

Tom Sharpe, The Wilt Alternative (1979: 1)