Ideen und Notizen

Jeder der lesen und schreiben kann, kennt sie: die Notiz- und Tagebücher. Die etwas Älteren unter uns auch noch Poesiealben und sonstige nette bunte Büchlein, in denen man seine Ideen, Gedanken und vieles mehr festhält.

Wer allerdings seine Ideen und Gedanken etwas besser strukturieren wollte, kam kaum um Karteikarten oder Zettel herum, welche man dann am besten in Kartons oder Kästen sammelte. Manche fingen sogar an, diese mit Schlagworten und weiteren Hilfsmitteln zu kennzeichnen und weiter untereinander zu verknüpfen.

So war es auch nicht verwunderlich, dass man mit dem Aufkommen der ersten Personal Computer anfing, seine bewährten analogen Hilfsmittel in die Computerwelt zu übertragen. Anfang der 1990er Jahre hatten sich dann verschiedene kleine Computerprogramme etabliert, die sehr einfach, voll funktionsfähig und auch voll umfänglich alle Aufgabe von Karteikästen bravourös meisterten — zumindest in den Augen der Nutzer.

Aber schon damals fingen Software-Firmen und Entwickler an, datenbankgestützte eierlegende Wollmilchsäue auf den Markt zu werfen, die hunderttausende von Schriftarten, Schriftzeichen, unendliche Farbeinstellungsmöglichkeiten und weitere unnötige Gadgets boten. Das einzige was dabei ins Hintertreffen geriet war, dass man als Nutzer die eigentlichen Funktionen kaum noch wiederfand und der ursprüngliche Sinn und Zweck von Zettelkästen in Vergessenheit geriet. Dafür konnte man das, meist ganz zufällig, auf dem Bildschirm Erscheinende möglichst bunt ausdrucken sowie bei Bedarf fast immer auch in, für andere kaum lesbare, Formate transformieren, auf Datenspeichern weitergeben oder gar via Datenleitung versenden.

Da auch die E-Mail-Programme immer umfangreicher und monströser wurden, fingen viele Nutzer an, sämtliche Aufgaben — auch die der Zettelkästen — mit diesen E-Mail-Programmen zu bewältigen.

So ist es heute sehr erfreulich, dass sich viele Entwickler und auch potentielle Nutzer wieder Gedanken darüber machen, wie man möglichst einfach, verständlich, vielleicht auch sicher und langfristig aufzubewahrend, die Funktionen der alten Zettelkästen nachbilden kann. Mein ganz persönlicher Tipp an alle, die sich dieser Aufgabe widmen, ist wie folgt:

  • KISS — keep it simple and stupid.
  • Wenn das Ganze nicht auf einen Datenträger mit 2 MB passt, ist es weiter verbesserungswürdig und
  • alle Daten sollten auch zukünftig lesbar sein.

Deshalb freut es mich auch ganz besonders, dass sich Detlef Stern dieser Herausforderung gestellt hat. Noch mehr, dass er bereits mit einem sehr gelungenen „Tester“ aufwarten kann:

Selbstverständlich hat Detlef Stern dafür auch schon eine eigene Website: https://zettelstore.de. Und hier entsteht gerade das entsprechende Handbuch, welches selbst ein Beispiel für einen Zettelstore ist.

Sein Zettelstore hat je nach Rechner und Betriebssystem ca. 8 – 11 MB und ist somit etwas größer als meine ursprüngliche Erwartung — dennoch müssten die meisten Nutzer damit leben können.

Zudem ist der Zettelstore nicht „Cloud basiert“, was zwar weniger komfortabel, aber dafür nachhaltiger sein dürfte.

Nichtsdestotrotz möchte ich Ihnen die weiteren, mir inzwischen bekannten Projekte nicht vorenthalten:

Diese Aufstellung wurde übrigens mit Hilfe von Detlef Stern und dessen Zettelstore erstellt.

Bei der Entscheidung für einen digitalen „Zettelkasten“ sollten Sie sich von zwei Dingen leiten lassen:

  1. Ist das Ganze für Sie einfach genug und
  2. glauben Sie, dass die Software auch in Zukunft noch verfügbar sein wird?

Ich werde mich wohl für Detlef Sterns Zettelstore entscheiden und dabei die Vorzüge des „kurzen Weges“ nutzen, wobei das in der heutigen Zeit von überall aus der Fall sein müsste.

#zettelkasten #zettelstore #notes #ideas #index cards

Don’t worry about people stealing an idea. If it’s original, you will have to ram it down their throats.

Howard H. Aiken, „Portraits In Silicon“ by Robert Slater (1992: 88)

Bios & Betriebssystem

Ich gehöre der Generation an, die anfangs Computersoftware und Daten auf normalen Musikkassetten speicherte und neue Software noch zeilenweise selbst abtippte.

So war es zumindest für mich ein Erlebnis, als man sein neues Betriebssystem mit ein paar 3,5 Zoll Disketten auf den Rechner aufspielen konnte und die alten Floppy Disks nur noch zur Speicherung verwendet wurden. Hatte man sein Betriebssystem aufgespielt, kamen die Disketten mit den unterschiedlichen Treibern dran, und mit viel Glück und etlichen Versuchen, hatte man dann auch seine Periphere und u.a. die neuen Grafik- oder Soundkarten mit dem Betriebssystem verheiratet. Spätestens dann aber war es an der Zeit, ein neues Bios aufzuspielen — und ich war mir ziemlich sicher, dass ich danach von vorne beginnen konnte.

Spaß hatten wir damit, auf wildfremden Rechnern ein Bios-Kennwort einzurichten und schnell wieder zu vergessen oder Master-Kennwörter der einzelnen Firmen auf den unterschiedlichsten Rechnern auszuprobieren; Vorteil des Ganzen war, man benötigte keine teuren Computerspiele, um sich mit Rechnern die Zeit zu vertreiben.

Heutzutage, wo man die Millisekunden zählt, bis nach Aufklappen des Computerbildschirms bzw. Anschalten des Rechners die Lieblingsanwendung läuft oder bereits die üblichen Anwendungen systemübergreifend auf den meistgenutzten Betriebssystemen eingesetzt werden können, ist es vielleicht ganz gut, wenn man die gewöhnlichen Computer- oder Smartphone-Nutzer einmal daran erinnert, was eigentlich ein Bios oder ein Betriebssystem ist — ich bin fest davon überzeugt, dass es zumindest niemandem schadet.

Fangen wir mit dem Bios an, welches ursprünglich bei IBM und den IBM kompatiblen Rechnern eingeführt wurde. Das Bios ist die Firmware des Rechners und stellt sicher, dass ein Betriebssystem mit der Hardware des Rechners kommunizieren kann. Nachfolger des Bios waren das Extensible Firmware Interface (EFI) und später dann, etwa ab 2006, das Unified Extensible Firmware Interface (UEFI); beide waren bis 2020 noch zum Bios abwärtskompatibel.

Selbstverständlich gab es von Anfang an auch Alternativen zum Bios, welche aber alle dieselbe Aufgabe hatten und auch noch heute haben. Der Vorteil des Bios ist es, dass es den Betriebssystemen ermöglicht, auf den unterschiedlichsten Rechnern und deren vielfältigen Konfigurationen zu funktionieren.

Dass es das „Bios“ heute noch gibt, zeigt sich gut an Rechnern, die mit Windows laufen und alle zusätzlich noch eine eigene Firm- bzw. Software des Hardware-Herstellers mit an Bord haben. Bei Apple fällt dies weniger auf, da Betriebssystem und Hardware aus demselben Hause stammen.

Die heute bekanntesten Betriebssysteme sind wohl macOC, iOS und iPadOS von Apple, Windows von Microsoft, sowie UNIX und seine weiteren Derivate; Linux hat sich dabei nicht nur auf Servern durchgesetzt, sondern ist (via Android) selbst in Autoradios zu finden. Allen ist gemeinsam, dass sie die Schnittstelle zwischen der Hardware des Rechners oder Telefons und den Anwendungsprogrammen des Computers oder der Apps des Smartphones sind.

Das Betriebssystem ist eine eigenständige Sammlung von Computerprogrammen, welche die Systemressourcen eines Rechners, wie Arbeitsspeicher, Festplatten oder Flash-Speicher, Ein- und Ausgabegeräte verwaltet und diese den unterschiedlichsten Anwendungsprogrammen und Apps zur Verfügung stellt. Die Betriebssysteme bestehen dabei aus einem eigenen — wohlbehüteten — Kernel, der die Hardware steuert und weiteren Programme, die u.a. die Treiber verwalten. Darüber hinaus überwacht und schützt das Betriebssystem den Rechner und seine Anwendungen vor Fremdzugriffen und Fehlfunktionen.

Mein Fazit ist, dass man Bios und Betriebssystem nicht unterschätzen sollte, vor allem dann nicht, wenn es sich dabei um Systeme handelt, die fast unbemerkt, sehr stabil und unermüdlich ihre Aufgabe erfüllen und dem Computernutzer die vielfältigsten Anwendungen zur Verfügung stellen, welche dann den dafür notwendigen Computer völlig vergessen lassen.

Wenn nach dieser Lektüre jetzt der ein oder andere Leser williger und regelmäßiger die notwendigen Updates seines Rechners sicherstellt, ist uns allen geholfen — und ich komme demnächst vielleicht sogar darum, wenn ich Freunden und Bekannten zur Hilfe eile, mich wieder selber mit der Funktionsweise von Windows 8 oder gar Windows 7 vertraut machen zu müssen.

„But as we all know, Linux is only free if your time has no value, and I find that my time is better spent doing things other than the endless moving-target-upgrade dance.“

Jamie Zawinski, mouthing off about linux (Juni 1998)