Stimmt, als Jugendlicher ist man immer radikaler als im späteren Leben. Ich vermute zudem, viele Jugendliche erkennen so langsam aber sicher, dass sie das von ihnen erträumte und von ihren Eltern und Großeltern geführte „gute“ Leben selber nicht mehr haben werden. Und das radikalisiert sicherlich die meisten unter 50, ganz besonders in unserer Gesellschaft, in der es zwingend ist, dass man immer einen Schuldigen benennen kann.

Das mit dem jämmerlichen Bild unserer Politiker bemängele ich nicht nur bereits seit Jahren, ich hatte auch versucht, selber etwas dagegen zu unternehmen — vergeblich. Unsere Politiker sind ein Abbild unserer Gesellschaft, also wo sollen die Tausende von wehrhaften und verantwortungsvollen Volksvertreter in unseren Parlamenten überhaupt herkommen? Der bekannte Fachkräftemangel macht auch vor der Politik kein Halten.

Das Wunderbare an jeder Demokratie — und das ist nur dort möglich (!) — ist es aber, dass wir Demokraten, wenn wir dies nur möchten, uns wie damals der Baron Münchhausen selber am Schopfe packen und aus dem Schlamassel ziehen könnten.

Wir Bürger müssen damit beginnen (!) und wir werden, sobald wir damit begonnen haben, staunen, wie schnell unsere eigenen Volksvertreter auf diese Lokomotive aufspringen werden.

Jede Demokratie lebt und stirbt mit ihren eigenen Bürgern.