Beitragsfoto: Sülmerstraße | © Shutterstock

12.5.02022

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Adams Æbler

Wenn man unverhofft etwas mehr Zeit als eigentlich verplant hat und man einfach keine Lust auf ein Buch bekommt, dann lohnt es sich mal wieder in die eigene Videothek zu schauen. Anders Thomas Jensen gelang es 2005, mich für den dänischen Film zu begeistern. Vielleicht war es dabei sehr hilfreich, dass ich bereits gut drei Jahre mit dänischen Kameraden produktiv zusammenarbeitete und so auch deren Humor und kulturelle Eigenarten besser kennenlernte.

Adams Äpfel kam dann auch 2006 in die deutschen Kinos und wurde dort ebenfalls zu einem Erfolg. Und gut 17 Jahre später ist dieses Komödie immer noch sehr sehenswert. Die Geschichte ist dabei schnell erzählt. Ivan, ein Pfarrer, versucht Adam, einen Neo-Nazi zu resozialisieren. Gunnar, ein Alkoholiker, Khalid ein Räuber und Sarah sind ihm dabei mehr oder weniger hilfreich.

Das wirklich Interessante dabei ist, dass der Film auch heute noch nicht an Aktualität verloren hat. Und das einzig unrealistische des Films ist, dass Anders Thomas Jensen meint, dass man Nazis resozialisieren könne — ich verbuche das einmal unter schwarzem Humor.

Khalid: „Ich fliege weg aus diesem Schwuchtelland.“

Tradition

Bei uns in Heilbronn ist es spätestens seit Hans Hoffmann Tradition, dass sich Gemeinderat, Bürgermeister und weitere Stadtverwaltungsmitarbeiter gerne im Ausland um die Probleme Heilbronns kümmern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Verantwortlichen einfach nicht da sind, wenn es um Heilbronner Probleme geht.

Und wenn man die Probleme unserer Stadt beständig möglichst von ganz weit weg betrachtet und sich in Heilbronn auch nur in möglichst ausgesuchten Kreisen bewegt, dann kann es schon vorkommen, dass man die Dinge selber glaubt, die einem die bezahlten Schönschreiber (Marketing) auftischen.

Wenn man dies berücksichtigt, muss man sich auch nicht mehr wundern, dass die Sozialbürgermeisterin keine Armut in Heilbronn kennt oder der Oberbürgermeister in Heilbronn nur auf sauberen Straßen wandelt.

Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, wenn man die Stadtspitze dazu verpflichtet, sich die Probleme Heilbronns nicht in Mailand oder anderen schönen Städten anzuschauen und die Gemeinderäte dazu, dass sie zumindest etwas mehr als die Hälfte des Jahres auch in Heilbronn leben.

Ich bin davon überzeugt, dass sobald unsere für die Stadt Verantwortlichen selber einmal in Fäkalien treten, von E-Scootern und Radfahrern angefahren werden, LKW in den Fußgängerzonen ausweichen und sich von Bettlern, Hausieren oder betrunkenen Gestalten belästigen lassen müssen, sie auch etwas motivierter werden, die Probleme Heilbronns anzupacken.

Gesetzlos

Der beste Kommentar, den ich zu den aktuellen Geschehnissen rund um unsere Berufspolitiker gelesen habe, besagt, dass man nicht alles tun müsse, was auch erlaubt sei. Eine ganz neue Qualität der Gesetzlosigkeit haben wir aber mit der Tatsache erreicht, dass man in Baden-Württemberg wirklich alles machen, wenn man nur an der Quelle sitzt und die Justiz anweisen kann, einfach nicht zu ermitteln.

Wissen wir doch alle: „wo kein Kläger, da kein Richter“. Nun müssen wir aber auch zur Kenntnis nehmen, dass unsere Justiz für Berufspolitiker nicht zuständig ist, ergo, egal wie viele Kläger auch auftreten mögen, als Minister steht man Kraft Amtes über dem Gesetz. Nur eine unabhängige Justiz könnte diesen Missstand beheben. Das Problem bei uns, das Thema „unabhängige Justiz“ ist längst kein Bestandteil der Ausbildung zum Juristen mehr.

So werden unsere Berufspolitiker weiterhin ein völlig verantwortungsloses Leben auf unsere Kosten führen können, wobei ihre großen und kleinen Eskapaden unsere Mitbürger auf das Beste unterhalten, und das ist es doch, was bei uns wirklich zählt.


Geburtstag des Tages

Florence Nightingale

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