13.10.02026

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Beitragsfoto: Hinweis

Grüner Ring

Heute kam bei mir die erste Anmeldung einer Besuchergruppe aus Hessen an. Diese möchte von mir im kommenden Jahr die Green Capital 2027 vorgestellt bekommen. Zuerst dachte ich an einen schlechten Scherz, aber es ist keiner! Derweil überschlagen sich lokale Radfahrer wegen des offensichtlichen Hauptbestandteils einer grünen Stadt, einem mehr als ominösen Fahrradring; dafür werden auch die letzten etwas mächtigeren Bäume der Stadt massakriert wenn nicht gar gleich ganz gefällt.

Auf alle Fälle macht so ein Fahrradring in einer Stadt, die man zu Fuß bequem in einer halben Stunde durchquert, unheimlich viel Sinn. Man steht mit seinem völlig übermotorisierten Boliden z. B. an der Friedrich-Ebert-Brücke und möchte wie bisher zum Friedensplatz. Nun hat man bei uns gleich zwei Möglichkeiten, eine Nord- oder eine Südumfahrung auf dem besagten Fahrradring, um dann viel zu schnell durch die Stadt zu donnern. Was ein Fußgänger weiterhin viel bequemer und auch schneller über die Kaiser- und Moltkestraße hinbekommt, wenn er dort nicht von Radfahrern und E-Scootern aller Art über den Haufen gefahren wird.

Da ich der Besuchergruppe kaum noch vorzeigbare Bäume, vor allem keine mehr mit Fledermausbesatz, präsentieren kann, muss es wohl der Fahrradring richten. Bin mal gespannt darauf, ob ich genügend Leihfahrräder und -roller zusammenbekomme.

Wie ich die geplante urbane Seilbahn zeige, muss ich mir noch überlegen. Und eine Begründung für die Dieselbusflotte wird mir bestimmt einfallen, auch warum man die besten Grünobjekte der BUGA einfach nur verkommen lassen hat — „gelebte Nachhaltigkeit im Alltag“ halt.

Spannend wird es wohl, wenn ich die Ideen vorstelle, wie man bildungsferne Müllkulturen in „zukunftsweisenden Quartieren“ schon heute umerziehen möchte. Wohl alleine dadurch, dass man ihnen die Parkplätze, Sportanlagen und öffentlichen Schulen nimmt sowie die letzten Toiletten schließt. Da wird dann auch die letzte Pinkelecke sehr schnell zu einem „urbanen Gartenprojekt“. Und das mit der „Schwammstadt“ wird wohl dort sein, wo man wegen der völlig ziellosen Nachverdichtung keine ausreichende Kanalisation mehr hat.

Auf alle Fälle muss ich mich bis zum Besuch noch etwas näher mit der Green Capital 2027 beschäftigen — nur eine Power Point Präsentation darüber, was man hätte machen wollen oder vielleicht auch wollen möchte, wenn nur 2027 nicht gleich nach 2026 gekommen wäre, dürfte etwas zu wenig sein.

Was aber „das neue Lebensgefühl in der ganzen Stadt“ gut darstellen kann: Große Klappe und nichts dahinter.

Vermischtes

Heute kurz einmal ein Hüpfer ins Außenbecken des Soleos. Ich werde dieses Bad sicherlich vermissen, was ich von seinem Vorgänger nicht behaupten kann.

Aktuell läuft es bei mir nicht gerade rund. Ich weiß schon nicht mehr wie oft ich vermeintlich notwendige Informationen an die ZEAG Energie AG geschickt habe. Erst erhalte ich eine Nachricht, dass diese empfangen und bearbeitet werden, dann erhalte ich die Nachricht, dass ich diese Informationen an die ZEAG zu schicken habe. Bis auf meine Unterwäschegröße dürfte der ZEAG nun alles vorliegen, was ich an Informationen zu bieten habe. Auch das eine oder andere nette Telefonat half nicht weiter. Was aber wohl dazu führte, dass ich nun meine Informationen via Formblätter von ImmoScout24 vorzulegen habe; die Formblätter lokaler Makler dürften wohl nicht mehr den hohen Ansprüchen eines der ältesten deutschen Energieversorger genügen — für manche Dinge bin ich inzwischen sicherlich viel zu alt.

Lustig schon die Informationsflut einer Firma, bei der ich gedenke etwas zu kaufen. Nach längerem Hin und Her unterschrieb ich eine Art von Absichtserklärung. Ich Depp dachte schon, dass ich nun darüber informiert werde, wann ich mein Produkt erhalte. Falsch gedacht, ich bekam ein nettes Schreiben, das mich u. a. mit einem Schaubild darüber informierte wo genau ich mich nun bei meinem Einkaufsprozess befinde, aktuell 4. a. oder so.

Ich vermute einmal, dass viel zu viele junge Menschen das mit der digitalen Informationsverarbeitung völlig in den falschen Hals bekommen haben. Ok, schon früher konnte man beim Bäcker kein Brötchen kaufen ohne der Fachverkäuferin die familiären Entwicklungen der letzten Woche übermittelt zu haben — da lief das Ganze aber noch unter soziale Kontakte und Gemeinschaft.

Demnächst muss ich der Kasse beim Bäcker wohl sämtliche Fotos der letzten Jahre übermitteln, um meinen Bezahlvorgang abschließen zu können. Dort gibt es dann sicherlich ein Hinweisschild, dass dies alles DSGVO-konform ist und in der Deutschland-Cloud abgespeichert wird.

Beim Lidl-Konzern ist es bereits so, dass man Strafe zahlen muss, wenn man dort nicht die Lidl-Einkaufs-App benutzt. Bald wird es wohl so sein, dass, wenn man zwei Tafeln Schokolade kauft, die eigene Krankenversicherung darüber informiert wird, es sei denn, man kauft gleich noch eine App-Erweiterung, die den Einkauf von gleich mehreren Schokoladetafeln — nach einer Konsultation mit dem Hausarzt — genehmigt.

Spannend wird es aber dann, wenn man mit seinen Einkäufen zurück ist und dort bereits schon ein Entsorger wartet, um die zwei leeren Schokoladepackungen wieder in Empfang zu nehmen, da man ja wisse, dass die Schokolade üblicher Weise auf dem Heimweg verzehrt wird.

Wir Deutschen manövrieren uns langsam aber sicher, mehr als freiwillig, wenn nicht gar aus Wolllust heraus, in einen totalitären Überwachungsstaat. Die meisten von uns gehen schon gar nicht mehr ohne Mobiltelefon aus dem Haus und immer mehr tragen Uhren, die jede Fußfessel völlig alt aussehen lassen — das dürfte die schöne neue Welt sein, von der Aldous Huxley einmal geschrieben hat.

Gejammer

Schon längst sind die Zeiten passé, wo man gem. des Artikel 33, Absatz 2 unseres Grundgesetzes durch Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung in die öffentlichen Ämter gelangen konnte. Drei wesentliche Wege dorthin dürften sich bei uns inzwischen gut etabliert haben, erstens die traditionellen Verwandtschaftsverhältnisse (Selbstrekrutierung) und gut etablierte Parteiverwebungen, zweitens Lug und Betrug (z. B. erschlichene Dissertationen) und drittens die viel gepriesene Quote.

Es gab gute Gründe, warum man Eignung, Befähigung und fachliche Leistung in unserer Verfassung festgezurrt hat, denn die Väter des Grundgesetzes kannten ihre Mitbürger sehr gut. Ob sich der Artikel 33 jemals bei uns auswirken konnte, darf angezweifelt werden, aber der Versuch war es auf alle Fälle wert, und anfangs dürfte sogar das schlechte Gewissen bei all jenen überwogen haben, die am Artikel 33 vorbei in öffentliche Ämter gelangten. Sobald erste Zweifel öffentlich wurden, traten diese Menschen von ihren Ämtern auch wieder zurück.

Heute hat das Ganze eine ganz neue Qualität, denn sobald jemand in seinem Amt allumfassend versagt, schon alleine deshalb, weil ihm dazu jegliche Eignung, Befähigung und fachliche Leistung fehlen, wird gejammert und gezetert bis zum Gehtnichtmehr. Man besteht darauf, dass man, alleine weil man einer vermeintlichen Minderheit angehört, aus einer ganz bestimmten Region stammt und dazu auch noch dumm wie Stroh ist, manchmal sogar eigene Arbeit wie der Teufel das Weihwasser scheut, gemäß des Grundgesetzes nicht diskriminiert werden darf und deshalb bis zum Ableben in den höchsten Ämtern verbleiben muss.

Und wer solche vom Gott der Gleichheit inthronisierte Menschen auch noch wagt zu kritisieren, der rüttelt sofort an den Grundfesten unserer Demokratie. Was längst zur Folge hat, dass aus einer Herrschaft der Mittelmäßigkeit eine Herrschaft der Jammerlappen wurde.

Fast alle sind sich heute darin einig, dass noch nie ein Bundespräsident, ein Kanzler oder gar ein Minister so hart vom eigentlichen Souverän angegangen wurde wie in diesem Jahr!

Dabei sollten wir uns alle darin einig sein, dass die allergrößten Jammerlappen inzwischen die Demokratie in Gänze abzuwählen beginnen — bei den Vorbildern fast schon verständlich.


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