Müll

26.4.02025 5 (9)

Beitragsfoto: Müll | © Pixabay

Spaziergang

Heute schlenderten meine bessere Hälfte und ich wieder einmal durch die Stadt und tätigten ein paar Einkäufe. Dabei guckten wir auch in einigen von mir empfohlenen Geschäften vorbei, die ich deshalb auch weiterhin gut und sehr gerne empfehlen kann; wir erhielten auch das Gesuchte.

Erfreulich, dass wir unterwegs zudem ein Schwätzchen mit Karin Krauss und ihrem Gatten halten konnten; Karin und ich kennen uns inzwischen mehr als sechs Jahrzehnte — beides sind wir noch echte Heilbronner Gewächse.

Apropos Lebenserwartung, ein Thema welches mit zunehmenden Alter immer mehr eine Rolle spielt und sicherlich eine bessere Unterhaltung bietet als wenn man über die jeweiligen Zipperlein klagt. Dazu passend die Information von Detlef Stern, dass ich nach einer anderen Statistik doch noch mit 19 Jahren rechnen könnte. Ich halte es dabei aber lieber mit Harrison Ford (1981): „It’s not the years, honey. It’s the mileage.“ — und was auch besser mit Seneca in Übereinklang zu bringen ist.

Auf alle Fälle aber sieht man weder meiner besseren Hälfte noch Karin die Jahre an, die wir inzwischen allesamt auf dem Buckel haben — was den etwas jüngeren Damen heutzutage durchaus etwas zu denken geben müsste.

Schön war es auch, dass wir nicht nur beim Alten Testament hängen blieben, allesamt davon ausgehen, dass ein Krieg — wir kennen unsere Volksvertreter inzwischen nur allzu gut — unausweichlich sein wird, sondern zum schönen Abschluss des Gespräches beim Neuen Testament angelangten. Zumindest in unserer Jugend war Heilbronn noch mehrheitlich evangelisch.

Zum Abschluss des Spaziergangs gab es, da es mit GLS zutun hat, auch noch ein negatives Erlebnis. Vor dieser Firma kann ich nur warnen! Meine bessere Hälfte hätte gestern ein Paket erhalten sollen, bekam aber die Nachricht, dass wir beide nicht zuhause gewesen wären — eine glatte Lüge!

Und so bekam sie kurz darauf die Nachricht, dass das Paket gestern um 12.20 Uhr in einem Heilbronner Shop abgeliefert worden wäre, welcher sich in einer Gegend befindet, welche wir nur deshalb aufsuchen können, weil ich dank meines Berufes wirklich gegen alles geimpft bin und meine bessere Hälfte hart im Nehmen ist. Dort angekommen stellten wir fest, dass diese Lokalität schon länger für das Heilbronner Gesundheitsamt eine No-Go Zone ist — was mich sofort an meinen Beruf denken ließ und mich, nach dem gestrigen Gespräch über Kriegsgebiete, erneut ins Schwelgen brachte.

Die Menschen dort können einfach nichts dafür, sie leben schon von Kleinauf im Dreck und fühlen sich nur dort so richtig wohl, so wir wir „alten“ Heilbronner uns in sauberen Straßen wohl fühlen, wenn es diese noch gibt. Mein Tipp: Wenn Sie durch saubere Straßen spazieren möchten, gucken Sie vorher, wo unsere Gemeinderäte, VIP oder Bürgermeister wohnen.

Auf alle Fälle aber durchsuchte eine freundliche junge Dame den gesamten Laden, was mich an meine Jugend auf dem Vogelsang erinnerte, wo ich den einen oder anderen Schatz heben konnte und dabei mein Taschengeld aufbesserte. Die junge Dame war entgegen der Aussage von GLS — angeblich ein Paketzulieferer — weniger erfolgreich und meine bessere Hälfte hat jetzt richtigen Ärger! Völlig unnötig, wenn die von meiner besseren Hälfte beauftragte Firma einen seriösen Zulieferer gewählt hätte — aber Geiz ist bekanntlich weiterhin geil!

Carl Sandburg schrieb einmal ein etwas längeres Gedicht „The People, Yes“ (1936). Daraus hat in den 1970er-Jahren die angebliche Friedensbewegung den bekannten Satz entnommen: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“, was später noch wie folgt ergänzt wurde: „dann kommt der Krieg zu Dir“.

Zumindest Karin und ich sind einer Meinung, nämlich, dass der Schießkrieg auch zu uns nach Deutschland kommen wird, ob 2029 oder 2030 ist dabei unerheblich. Auf alle Fälle aber wird sich der Krieg bei uns pudelwohl fühlen, denn hier sieht es schon jetzt aus wie bei Hempels unterm Sofa!

Kegeln

Der Freitagabend war wieder sehr entspannend, und hätte man die Tische noch etwas zur Seite gerückt, wäre ich wohl kaum noch zu stoppen gewesen — so aber war die Kegelbahn für mich einfach zu kurz.

Und so ganz nebenbei gab es später als Gäste mit hinzukamen auch noch den einen oder anderen lokalen Tratsch. Manche Menschen kommen nur zu den Treffen, damit man nicht auch noch über sie spricht. Bei mir verhält sich dies ein wenig anders, ich lasse mir gerne berichten, was man aktuell so über mich erzählt und wundere mich immer wieder, warum man sich überhaupt das Maul über mich zerreißen muss — so wichtig bin ich nun auch wieder nicht. Ok, ein klein wenig schmeichelt es dann doch dem eigenen Ego.

Neu für mich, da ich den Social Media nicht mehr folge, war, dass Tanja Sagasser-Beil nun für den Landtag kandidiert; da wir einen XXL-Landtag erhalten werden, ist dies nur noch reine Formsache. Dann wurde darüber diskutiert, ob der Landtagswahlkampf eigentlich schon begonnen hätte. Ich rede mir wohl weiterhin den Mund fusselig, „nach der Wahl ist vor der Wahl“, und so hoffe ich doch noch sehr, dass sich der eine oder andere demokratische Volksvertreter oder gar Kandidat bei unseren EUROPA-UNION Veranstaltungen zeigt — schaden wird es auf keine Fälle!

Erfreulich auch, dass die Heilbronner Stimme Leser unter uns über einen gelungenen Artikel über den kommenden Europa-Ball berichten konnten.

Betreutes Denken

Diesen Begriff habe ich jüngst im Internet aufgeschnappt und es trifft die aktuelle Situation voll und ganz. Auch gibt es schon längst Softwareprojekte, die uns immer wieder eine schöne neue Welt versprechen.

„We built Cluely so you never have to think alone again.
It sees your screen. Hears your audio.
Feeds you answers in real time.
While others guess — you’re already right.

And yes, the world will call it cheating.

But so was the calculator.
So was spellcheck.
So was Google.

Every time technology makes us smarter, the world panics.
Then it adapts. Then it forgets.
And suddenly, it’s normal.

But this is different.

AI isn’t just another tool —
It will redefine how our world works.

Why memorize facts, write code, research anything —
when a model can do it in seconds?

The best communicator, the best analyst, the best problem-solver —
is now the one who knows how to ask the right question.

The future won’t reward effort. It’ll reward leverage.

So, start cheating.
Because when everyone does, no one is.“

Cluely, MAnifesto (25.4.2025)

Und so dürfte es auch niemanden mehr erstaunen, dass Schüler und Studenten ihre Arbeiten von einer KI schreiben lassen oder in den Prüfungen auf ihre Smart-Watches zurückgreifen.

Der Welt dürfte es tatsächlich völlig egal sein, woher das Wissen und die Innovationen kommen. Dennoch muss man sich die Frage stellen, wer noch für Innovationen oder neues Wissen sorgen wird, wenn man selbst nicht mehr oder gar andere dafür belohnt werden?

Eine weitere Frage ist, was man überhaupt mit Menschen anfangen möchte, die nur noch wenn überhaupt betreut denken können?

Und zum Schluss, wozu braucht man überhaupt noch Bildungseinrichtungen, wenn die Menschen dort nicht mehr lernen selbständig zu denken?

„Sometimes they’ll give a war and nobody will come.

War requires three things … first, money; second, money; and third, money. “

Carl Sandburg, The People, Yes (1936: 43, 172)

Blitz

Literaturerlebnis 5 (2)

Beitragsfoto: Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Mein traurigstes Literaturerlebnis hatte ich im K3. Schon länger hatte ich versucht, mir einmal selbst das ominöse Kleist-Archiv Sembdner anzuschauen, auch wenn ich mit Kleist wenig anzufangen wusste. Im Gegensatz zur Stadtbücherei war der Zugang zum Archiv meist verschlossen.

Eines Tages gelang mir dann aber doch der Zugang durch eine Hintertreppe und ich fand neben vielen verschlossenen Räumen auch ein paar verstaubte Regale mit Käthchen-Devotionalien. Das Spannende dabei, dass meine Eltern ein paar dieser Püppchen selbst einmal gekauft hatten, und ich somit dort auch etwas bereits Bekanntes vorfand.

Das Kleist-Archiv Sembdner stammt übrigens von einem Sammler namens Helmut Sembdner, der irgendwann mit all dem Kruscht nichts mehr anzufangen wusste, das Wertvolle seiner Sammlung schnell an Interessierte verkaufte und den ganzen Rest in einer Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt Heilbronn andrehte — warum kann wohl heute keiner mehr sagen, auf jeden Fall hatte Sembnder einen Dummen gefunden.

Bereits 1991 wurden wir Heilbronner über diesen Coup informiert und wie es der bloße Zufall so wollte ein städtischer Mitarbeiter über Jahre hinweg zur Betreuung dieser Sammlung freigestellt. Und es war wohl dieser Herr, Günther Emig, den ich dann dort vor Ort auch in einem Zimmer des Archivs vorfand.

Er war damals so mit seinen Recherchen und sonstigen Tätigkeiten beschäftigt, dass es ihm nicht gelang, mich von meinem immer noch anhaltenden Feuerproben-Frust zu befreien und auch nicht, mich zumindest etwas mit Heinrich von Kleist zu versöhnen.

Ganz in Gegenteil, dieser Besuch hatte mehr von einem Besuch in einem Beerdigungsinstitut und gab mir schon damals die Idee, zumindest die tatsächlichen Schätze des Archivs zu bergen und an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu übereignen; eine Idee, die übrigens später dann auch Günther Emig hatte.

Den traurigen und wohl größten Rest kann man noch heute getrost auf den Vogelsang kippen und die Räumlichkeiten einer neuen Verwendung widmen, z. B. für die Stadtbibliothek.

Leider aber hat sich der Gemeinderat jüngst dazu entschieden, dieses „deutsche Kulturgut“ — warum auch immer — weiter in Heilbronn in Ehren zu halten, ähnlich wie die Stadtmodelle in der Ehrenhalle, von denen das teuerste jüngst zur BUGA gekaufte wohl verschollen ist.

Ich vermute, dass die Heilbronner Gemeinderäte nie das „Käthchen von Heilbronn“ lesen mussten oder ihnen ihre Eltern gar diese besagten Püppchen bewusst vorenthalten haben, was diese Heilbronner Käthchenmanie erklären könnte. Auf jeden Fall aber gehe ich davon aus, dass sich noch keiner unserer Gemeinderäte bisher in das Kleist-Archiv verirrt hat.


Nachtrag 11.5.2023

Die Heilbronner Stimme veröffentlichte heute einen Leserbrief von Günther Emig (11.5.2023: 21)

Schäbig

1992 bis 2000 als Direktor der Stadtbücherei, von 2000 bis 2018 als Direktor des Kleist-Archivs Sembdner, war es mein Job, aus den kümmerlichen Überresten einer vorher größtenteils bereits anderweitig verkauften Privatsammlung, die trotz meiner Warnung zu einem irrwitzig überhöhten Preis von der Stadt erworben worden war, etwas zu machen. Dies ist mir mit viel Glück gelungen auf Grund persönlicher Kenntnisse und Fähigkeiten. Als Internet-Pionier in den Geisteswissenschaften durfte ich mit Sondergenehmigung 1996 das Kleist-Archiv Sembdner ins Internet bringen. Der Internetauftritt hat nicht nur in der damaligen Computerwelt für eine Auszeichnung gesorgt, sondern auch Anerkennung bei den germanistischen Kollegen. Sämtliche Arbeiten, technisch wie inhaltlich, sind all die Jahre von mir geleistet worden. Dass mit der Wiedervereinigung die Karten in Sachen Kleist neu gemischt worden sind, konnte man beim Sembdner-Ankauf 1990 nicht unbedingt vorhersehen, wohl aber konnte man erkennen, dass sich in der Folge Bund, Land und Stadt Frankfurt (Oder) mit siebenstelligen Beträgen für das Frankfurter Kleist-Museum stark gemacht haben. Damit ist der Fokus schleichend von Heilbronn nach Frankfurt gewandert. Daraus wären Konsequenzen zu ziehen gewesen. Was bleibt? Ein bisschen Glanz aus vergangenen Zeiten, den man sich auch noch unberechtigt glaubt an den Hut stecken zu dürfen. Wie schäbig.

Günther Emig, Niederstetten

Moschee in Abu Dhabi

25.6.02022 5 (4)

Beitragsfoto:  Moschee in Abu Dhabi | © Jörg Peter from Pixabay

Moschee

Seit mehr als 30 Jahren gibt es in der Weinsberger Straße eine Moschee und nur noch wenige können sich an die Zeit davor erinnern. Das Problem mit dieser Moschee war von Anfang an nicht die Religion, sondern alleine nur die Tatsache, dass sich der türkische Staat dort eine „eigene Parteizentrale“ eingerichtet hatte.

Dieser Sachverhalt störte aber bisher weder die Stadtverwaltung noch den Gemeinderat. Und so arbeiteten über Jahre hinweg beide zusammen mit dem „türkischen Kulturverein“ an einer sowohl für die Stadt als auch für den Verein gewinnbringenden Lösung, nämlich an einem Neubau der Moschee vor Ort.

Als es im Zuge der letzten Gemeinderatswahl um Wählerstimmen aus dem vorsichtig ausgedrückt konservativen Lager ging, profilierten sich plötzlich viele Parteien und Wählergruppen damit, dass sie gegen eine vermeintlich neue Moschee votierten — entgegen vorheriger Abmachungen und besseren Wissens.

Seit 2019 haben sich nun die entsprechenden Gemeinderäte die Welt schön geredet und tatsächlich Gründe gefunden, warum man in der Weinsberger Straße keine Moschee haben kann. Auch wenn diese Gründe von Fachleuten weiterhin bestenfalls als „weit hergeholt“ bewertet werden, trifft es die Stimmungslage sehr vieler uninformierter Heilbronner und besonders die der Ewiggestrigen; diese müssen sich dabei aber gefallen lassen, dass sie ganz offensichtlich die letzten 30 Jahre völlig verschnarcht haben.

Das „beste“ Argument gegen eine Moschee lieferte heute allerdings Joachim Friedl in der Heilbronner Stimme.

„Doch mal ehrlich: Würde von uns einer beim Gottesdienst bereit sein, jedes Mal in ein teures Parkhaus zu fahren? Wäre es nicht eher so, dass man irgendwo anders – erlaubt oder nicht – sein Fahrzeug abstellt? Es gilt somit, für den Neubau einen adäquaten und zukunftsfähigen Standort in Innenstadtnähe zu finden.“ 

Heilbronner Stimme (25.06.2022: 23)

Dazu möchte ich gerne anmerken: Erstens sind unsere Parkhäuser nicht überteuert. Zweitens gibt es Kirchgänger, die Parkgebühren bezahlen. Drittens stellen nicht alle Bürger — Journalisten vielleicht einmal ausgenommen — ihre Fahrzeuge im Parkverbot ab. Viertens kann man dies — eine funktionierende Stadtverwaltung vorausgesetzt — durchaus und nachhaltig regeln. Fünftens kann man auch sonntags und in diesem Falle freitags mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Und sechstens weiß (fast) jeder Heilbronner, dass es in der Innenstadt oder in Innenstadtnähe keinen freien Bauplatz gibt.

Auch wenn ich persönlich mit der Ditib und ihrer Erdogan-Nähe überhaupt nicht einverstanden bin, Nationalflaggen vor Kirchen oder Moscheen schon gar nicht leiden kann, so bin ich dennoch weiterhin für einen Moscheeneubau in der Weinsberger Straße! Denn es wird „mein“ Stadtviertel sehr deutlich aufwerten, wobei man den Rest — wenn man nur möchte — regeln kann; und dabei am einfachsten das Parkplatzproblem!

Wenn man allerdings grundsätzlich etwas gegen Ausländer und eine vermeintliche „Überfremdung“ hat, dann wird man in Heilbronn — den Vogelsang vielleicht einmal ausgenommen — nie einen Platz für eine Moschee oder gar eine Synagoge finden. Dann soll man dies aber auch einmal deutlich sagen und nicht ständig mit fehlenden Parkplätzen um die Ecke kommen.

Das hat auch etwas mit „Arsch in der Hose“ zu tun!

Mitarbeiterfest

Gestern trafen sich alle „mesenos“ zum jährlichen Mitarbeiterfest, dieses Mal im Sommer und in den eigenen Räumen. Auch wenn es bei sämtlichen (Mitarbeiter)Festen von meseno immer harmonisch zugeht, hat es mir dieses Mal besonders gut gefallen. Das lag wohl auch am Ambiente der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Räumlichkeiten von meseno.

Auf jeden Fall konnte ich dabei auch Räume kennenlernen, die ich bisher noch nie gesehen hatte und zudem darüber staunen, wie multifunktional heutzutage Kindertagesstätten eingerichtet sind. Und so bin ich fest davon überzeugt, dass meseno auch ganz gut als eigenständiges Stadtteilzentrum fungieren könnte, noch ein oder zwei Gebäude hinzu und das Ganze wäre eine sehr runde Sache.

Auf jeden Fall aber sind die Aktivitäten von meseno ein gutes Beispiel für den erfolgreichen Mix von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiten, die unter dem Dach einer eigenständigen Stiftung zusammengefasst sind. Und zudem ein guter Beweis, dass weniger Staat oftmals viel mehr ist.