Airbus A400M

Superstaateuropäer 5 (5)

Beitragsfoto: Airbus A400M | © Pixabay

Als Superstaateuropäer bezeichnet man jene Nationalisten, welche letztendlich erkannt haben, dass es keinen Staat in Westeurasien gibt, der in der Lage ist, selbstständig zu bleiben und dabei auch zu prosperieren. Deshalb fordern sie den Zusammenschluss von „europäischen“ Staaten zu einem „Europa“, wobei sie gerne unterschlagen, was für eine Art von Europa sie dabei selber wollen, und darüber hinaus selbst die unterschiedlichsten und teilweise sehr krude Vorstellungen haben.

Auf jeden Fall sind Superstaateuropäer genau das Gegenteil von uns Europäischen Föderalisten, welche bereits 1946 mit dem Hertensteiner Programm aufgezeigt haben, wie ein Europa und dies zum Wohle der gesamten Welt auszusehen hätte.

Menschen, die nicht tief in der Materie stecken, können Superstaateuropäer ganz leicht durch deren drei beliebtesten und auch gebetsmühlenartig vorgebrachten Äußerungen erkennen:

Erstens, das „neue Europa“ muss sich gegen den Rest der Welt behaupten können. Je nach nationalistischer Vorliebe des jeweiligen Superstaateuropäers richtet sich dies dann gegen „die Amerikaner“, „die Russen“, „die Chinesen“, „die Afrikaner“, „die Inder“ oder ganz plakativ gegen „alle Faulen, Dummen und Unnützen auf dieser Welt, welche selbst keine west-christlichen weißen Abendländer sind“.

Zweitens, das „neue Europa“ muss in erster Linie über das Militär geschaffen werden, wobei dieses Militär den Weltmachtanspruch Europas eindeutig zu untermauern und die Interessen Europas auf der gesamten Welt zu vertreten hat. Die beliebtesten Schlagworte der Superstaateuropäer sind dabei: „Nuklearschirm“, „Satelliten“, „Flugzeugträger“, „Weltraumbahnhof“, „Superflugzeuge“, „Atomwaffen und -Uboote“.

Drittens, das „neue Europa“ muss alles alleine, selber und besser als alle anderen können und sich dabei möglichst von den anderen aus- und abgrenzen. Superstaateuropäer sprechen deswegen gerne von „Europa als Kontinent“, einer „europäischen Identität“, „europäischem Internet“, „europäischer Cloud“, „Grenzsicherung“ sowie „Zoll- und Wirtschaftskontrollen“.

Letztendlich sind Superstaateuropäer damit aber auch nur die althergebrachten Anhänger der Grande Nation, Pan-Germanen, Groß-Deutsche, neue Alt-Griechen, neue Römer oder Konquistadoren. Nur dieses Mal mit der Erkenntnis, dass jeder für sich alleine überhaupt nichts mehr erreichen kann.

Das Traurige an dieser eigentlich an sich guten Erkenntnis aber ist, dass wir Europäer, wenn wir als Referenz die Europäische Union nehmen, kaum noch 5 % der Weltbevölkerung stellen, kaum noch über eigene Rohstoffe verfügen und unseren „Kontinent“ zumindest aus Sicht der Umwelt, heruntergewirtschaftet haben, denn sauberes Wasser, saubere Böden oder saubere Luft sind inzwischen nur noch Definitionssache, alle Urwälder längst abgeholzt und die Artenvielfalt Aufgabe der zoologischen Gärten.

Und deshalb wird ein Superstaat Europa auch nur die gleichen Ergebnisse erzielen können wie die Nationalstaaten zuvor auch. Und dies führt bekanntlich und unvermeidlich zu Krieg, Mord und Totschlag.

„History is often shaped by small groups of forward-looking innovators rather than by the backward-looking masses.“

Yuval Noah Harari, Homo Deus: A Brief History of Tomorrow (2016: 315)

Hertensteiner Gespräche 2019

3. Hertensteiner Gespräche 5 (1)

Beitragsfoto: 3. Hertensteiner Gespräche 2019

Auch dieses Jahr waren die inzwischen 3. Hertensteiner Gespräche in Heilbronn ein voller Erfolg. Dieses neue unprätentiöse und möglichst hierarchiefreie Gesprächsformat hat sich bewährt und findet bereits bei den Europäischen Föderalisten in ganz Europa Anerkennung und Zustimmung.

Obwohl die Hertensteiner Gespräche in Heilbronn ihre Heimat gefunden haben, behalten sie den Namen ihres Ursprungsorts, einem Ortsteil von Weggis in der Schweiz, weiter bei. Denn die ersten Gespräche wurden dort im September am Vierwaldstätter See geführt und am 21. September 1946 mit der Verabschiedung des Hertensteiner Programmes abgeschlossen, welches bis heute zu einem der neun Grundlagendokumente aller Europäischen Föderalisten zählt und zudem das Grundsatzprogramm der EUROPA-UNION Deutschland ist.

Die Hertensteiner Gespräche in Heilbronn haben den Gesprächsfaden wieder aufgenommen und versuchen, die Ideen und Ziele der Europäischen Föderalisten weiter auszudeklinieren und damit einen Beitrag zur Schaffung eines europäischen Bundesstaates zu leisten.

Das Ergebnis der diesjährigen Hertensteiner Gespräche können Sie hier einsehen. Weitergehende Informationen über die Gespräche finden Sie auf der Website der EUROPA-UNION Heilbronn.

DISCUSSION, n. A method of confirming others in their errors.

Ambrose Bierce, The Devil’s Dictionary (2021 [1911]: 35)

Rassemblement National

Alte Verhaltensmuster 5 (1)

Beitragsfoto:  Rassemblement National | © Grégory ROOSE auf Pixabay

Gerade weil es nach dem Zweiten Weltkrieg staatstragende Politiker tatsächlich geschafft haben, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen und neue Wege zu gehen, ist es uns Europäern jenseits und diesseits des Atlantiks gelungen, zumindest die westliche Welt zu befrieden und insgesamt für einen vorher noch nie erreichten Wohlstand für die meisten von uns zu sorgen.

Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill, Charles de Gaulles, Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi, Paul-Henri Spaak, Joseph Bech, Robert Schuman, Jean Monnet und Altiero Spinelli sind dabei ganz besonders zu erwähnen, denn ohne sie gäbe es weder die NATO noch den Europarat oder gar die Europäische Union.

Nur aufgrund dieses für uns heutzutage und darüber hinaus auch für die Weltgeschichte sehr bedeutenden Ereignisses leben wir in einer Zeit der noch nie dagewesenen Möglichkeiten.

Aber weil nachfolgende Politikergenerationen fast ausnahmslos weder den Mut noch den Weitblick dieser oben genannten Männer hatten, auch mit Herausforderungen bis hin zu Problemen, die wir als Menschheit ebenfalls noch nie hatten.

Verstärkt kommt jüngst aber noch hinzu, dass heutige Politiker entweder den Gesamtzusammenhang nicht erkennend oder aber einfach nur unfähig, sich und ihren Mitbürgern notwendig gewordene Änderungen abzuverlangen, wieder genau in diese totgeglaubten Verhaltensmuster zurückfallen.

Zum heutigen Arsenal der „Europapolitik“ gehören wieder, auch wenn teilweise noch anders benannt: Kriege, Kolonialismus, Reparationszahlungen, Pakte, Nationalismus, Rassismus, Totalitarismus, Umsiedlungen, Mauern und Vormachtsstreben.

Das jüngste nachhaltige Ergebnis wird wohl der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union sein, gefolgt von einem Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik und aufflammender Kämpfe halbstarker Nationen um die Scherben derselben.

Dabei müssten wir alle es doch besser wissen — und auch können!

„La politique fut d’abord l’art d’empêcher les gens de se mêler de ce qui les regarde. À une époque suivante, on y adjoignit l’art de contraindre les gens à décider sur ce qu’ils n’entendent pas.“

Paul Valéry, Œuvres II (1960: 947, Des partis)