Binärcode

Digitalität 4.5 (2)

Beitragsfoto: Binärcode | © Pixabay

Wir schreiben das Jahr 2021 in Deutschland, und inzwischen gehen bereits die ersten Mitbürger, die selbst mit Computern groß geworden sind, in den wohlverdienten Ruhestand.

Was aber unsere Politik und Verwaltungen nicht davon abhält, weiterhin Digitalität und Internet als deutsches Neuland zu bezeichnen. Jüngster Höhepunkt deutscher Ignoranz und Bildungsschwäche sind die Impfzentren, die es tatsächlich schafften, nach monatelanger Vorbereitung, ihre Dokumentation in Papierform zu organisieren!

Zum besseren Verständnis, das hat dieselbe Qualität, wie wenn die Heilbronner Berufsfeuerwehr mit Kübelspritzen zum Großbrand ausrücken würde.

Unabhängig von der Tatsache, dass man zu Krisenbeginn keine neuen Strukturen schafft, sondern vorbereitete Maßnahmen einleitet und diese im Verlauf der Krise ggf. weiter anpasst, zeigt es doch wie weit unsere Politik und ihre Verwaltungen bereits von der Realität unserer Lebenswelten abgerückt sind — die dafür verantwortlichen Politiker und Beamten haben es geschafft, sich in wirtschaftlich guten und politisch sicheren Zeiten eigene Wolkenkuckucksheime zu schaffen, in denen sie ungestört von allen Turbulenzen ihre ganz eigenen Leben führen.

Das führt dann auch dazu, dass man seit Jahrzehnten verhindert, u.a. eine Glasfaserinfrastruktur aufzubauen, die Verwaltungen zu digitalisieren, ganz zu schweigen vom Schul- und Bildungssystem oder gar dem Steuer- und Gesundheitswesen.

Die Berliner Republik hat eins geschafft, neben der vorbildlichen Restauration von Kaiserdenkmälern und -gebäuden, unser Land und unsere Gesellschaft insgesamt ins digitale Biedermeier zu führen, was der schwergewichtigste Kanzler aller Zeiten uns damals als geistig-moralische Wende angekündigt hat — wir hätten auf eine genauere Beschreibung bestehen müssen. Und als er dann sogar „blühende Landschaften“ versprach, hätten wir fragen müssen, für wen?!

Ich möchte aber nicht so ganz fatalistisch klingen, denn man hat uns inzwischen den „neuen Personalausweis“ für teures Geld angedreht, der aber zumindest in Heilbronn zu nichts zu gebrauchen ist, außer man möchte täglich seinen Kontostand in Flensburg abrufen.

Dabei könnte man diesen ohne größere Schwierigkeiten — in manchen Ländern geht das ohne Probleme — dazu nutzen, dass man sich u.a. damit ausweisen oder gar Tickets oder das Essen in Kantinen bezahlen kann.

Bei uns absolut unvorstellbar, dass man dort auch den COVID-19 Impfnachweis dokumentiert — würde Sinn machen und die Infrastruktur ist bereits vorhanden.

Dafür dürfen sich aber Glücksritter — mit guten Verbindungen in die Politik — nun an Apps und sonstigen Produkten dumm und dämlich verdienen, und müssen nicht einmal nachweisen, dass man ihre Produkte überhaupt benötigt oder diese auch funktionieren.

Den Schulterschluss mit der Bevölkerung erreicht die Politik bei uns dann aber wieder damit, dass man gemeinsam die Erfolge und Errungenschaften anderer Länder oder gar Firmen verteufelt, die letztendlich dafür sorgen, dass auch wir in Deutschland Internet haben und auf vielfältige digitale Produkte und Dienstleistungen zurückgreifen können, auf die keiner von uns mehr verzichten möchte.

Und sollte unsere Politik in den nächsten Jahren aufwachen und tatsächlich eine „Digitalisierungsoffensive“ angehen wollen, dann können wir ganz in Ruhe schon einmal die alten Gebrauchsanweisungen für Telefaxgeräte heraussuchen und uns darauf gefasst machen, dass wir in Kürze die teuersten Telefongespräche führen und die allerteuersten Medien haben werden — aber damit sind wir wieder einmal Weltmeister!

„Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung natürlich, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.“

Angela Merkel, Presserklärung (19. Juni 2013)

Beitragsfoto: Neuigkeiten | © Gerd Altmann auf Pixabay

Rundschreiben 5 (2)

Beitragsfoto: Beispielbild | © Gerd Altmann auf Pixabay 

Rundschreiben sind noch heute eine gute Gelegenheit, um Informationen an den Mann zu bringen, auch wenn sie heute vermehrt im Bereich der Werbung versendet werden. Die meisten werden diese Rundschreiben als Newsletter kennen, manche gar noch als „Rundmails“, und vereinzelt erinnert man sich auch noch an die Begriffe wie etwa Umlaufschreiben oder Rundbrief.

Die Newsletter unterscheiden sich von den Mailinglisten, welche es ermöglichen, dass sich alle an jede dort aufgeführte Adresse wenden können, was zu einer ganz besonderen Art der Kommunikation führt, die man weit besser in Foren abbilden kann.

Auch wenn sehr viele Mitbürger besonders von Werbe-Newslettern — und dies trotz restriktiver Datenschutzregeln — geplagt werden, halte ich Newsletter weiterhin für eine gute Gelegenheit, um nicht nur andere zu informieren, sondern auch sehr bequem an wünschenswerte Informationen zu kommen.

In diesem Blog-Beitrag werde ich weder auf die entsprechenden Programme oder Versandarten eingehen noch über Feedback, Tracking und Datenschutz schreiben, sondern hier ein paar Rundschreiben aufführen, von denen ich glaube, dass sie durchaus lesenswert sind.

Auch gehe ich nicht auf RSS- oder Web-feeds ein, die ähnlich eines Nachrichtentickers über neue Inhalte von Websites berichten und eher von Internet-Nerds oder Informations-Junkies verwendet werden — übrigens, auch dieses Weblog bietet einen RSS-feed an.

Für dieses Weblog habe ich mich aber, anstatt für einen entsprechenden Newsletter, dazu entschieden, über neue Blog-Inhalte zusätzlich, neben dem RSS-feed, per E-Mail zu informieren.


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  • CNN’s 5 Things Newsletter [nicht mehr verfügbar]
    Tägliches englischsprachiges Rundschreiben, das Ihnen fünf Themen präsentiert, die sie laut CNN kennen sollten.
  • Newsletter der New York Times
    Die New York Times bietet gleich mehrere englischsprachige Newsletter an, von denen die meisten täglich erscheinen. Damit dürften wohl auch sehr viele und sehr unterschiedliche Themenbereiche abgedeckt sein.
  • „Was für ein Tag“ – der ZEITmagazin-Newsletter
    Tägliches — montags bis freitags um 17.00 Uhr — Rundschreiben von Christoph Amend, der auf die wichtigsten Momente des Tages hinweist und Empfehlungen zu Kino, Podcasts, Büchern, Ausstellungen, Rezepte, Restaurants und Reisen gibt.

Politik


Treppenhaus

Ebenengerecht 4.9 (9)

Beitragsfoto: Treppenhaus | © Pixabay

Informationen

Gerade heutzutage ist jede Information frei verfügbar; man muss nur drei Dinge wissen; erstens, dass es sie gibt, zweitens, wo sie zu finden ist und drittens, wie man an sie herankommt.

Aber nicht jede Information ist auch für einen selbst bestimmt oder gar von eigenem Interesse, und wenn doch, dann oftmals in solch einer Art und Weise sowie Menge vorhanden, dass man sie kaum bis überhaupt nicht verstehen bzw. verarbeiten kann. Selbst die auf jeden und beständig hereinbrechende Informationsflut ist viel zu groß, um überhaupt nur das Interessantestes herausfiltern oder gar verarbeiten zu können.

Jeder von uns entwickelt deshalb seine eigenen Filter, um möglichst die für ihn relevantesten Informationen zu erhaschen. Und jeder, der selbst versucht Informationen an den Mann zu bringen, merkt schnell, wie schwer dies ist. Schon alleine die passenden Filter seiner Mitmenschen zu finden ist eine Herkules-, wenn nicht gar eine Sisyphosaufgabe.

Und selbst wenn Sender und Empfänger auf die selben Informationen zurückgreifen wollen, und auch die gleichen Filter benutzen, scheitern viele am Push- oder Pull-Prinzip. Und wenn sie nicht daran scheitern, dann sicherlich an den Informationen, welche über die unterschiedlichen Ebenen hinweg verteilt werden — gerade in Zeiten von E-Mail eine sehr bedenkliche Entwicklung; deren Weiterleitungsfunktion für viele Unternehmen oder Organisationen der eigentliche Grund für ihr Systemversagen.

Organisationsstruktur

Funktioniert der Informationsfluss von „bottom up“, „top down“ oder gar völlig hierarchiefrei? Wobei letzteres dazu führt, dass man nicht von Ebenen sprechen kann und damit ein wesentliches Organisationsinstrument außen vor lässt, was zu ganz eigenen Besonderheiten führt und in diesem Beitrag nicht erörtert werden soll.

Je nach Strukturform, wobei die zentralistischen eher den „top down“- Approach und die föderalistischen eher den „bottom up“-Approach nutzen, muss die Hauptrichtung des Informationsflusses festgelegt werden. Hinzu kommt noch, dass man die Informationsflüsse auch zwischen den gleichwertigen Ebenen regeln muss.

Sobald man weiß, wie die Informationen fließen, kann man sich weiterführende Gedanken machen.

Push-Pull-Prinzip

Am besten kommt man dann zurecht, wenn in die Informationsrichtung das Push-Prinzip gilt und man den folgenden Ebenen das Pull-Prinzip ermöglicht. Sollte die Ebenenanzahl (vertikal als auch horizontal) größer sein, bietet es sich an, dass man die Reichweite beider Prinzipien, ob Push oder Pull grundsätzlich festlegt.

Und damit kommen wir zur Funktionsweise von Ebenen.

Ebenengerecht

Wie bereits erwähnt, der Tod jeder Führungsebene ist das Durchstechen von Informationen, das Übergehen von Ebenen oder, am schlimmsten, die eigene Irrelevanz einer oder mehrerer Ebenen. Jede Ebene hat ihre Funktion und Verantwortlichkeit, sonst ist sie völlig überflüssig — an dieser Stelle setzten früher gerne Beraterfirmen an und kürzten ganze Hierarchien zusammen, und im Falle, dass sie die Unternehmenstruktur nicht verstanden hatten, war es das dann auch für die gesamte Firma oder Organisation.

Kommt eine Information bei einer Ebene per Push-Prinzip an, ist diese auszuwerten und ggf. sind weitere Informationen per Pull-Prinzip einzuholen. Nachdem die Information auf Relevanz für die nächste Ebene überprüft wurde, geht diese per Push-Prinzip dorthin. Im Falle, dass die eingegangene Information mit der weitergegebenen völlig übereinstimmt, sollte man sich spätestens über seine eigene Existenz in der Organisation Gedanken machen.

Dass die Information beim Empfänger auch angekommen ist, merkt man spätestens dann, dass dieser mit dem Pull-Prinzip zusätzliche Informationen einholt.

Need-to-Know | Nice-to-Know

Um seine eigene Ebene nicht ohne notwendigen Grund selbst überflüssig zu machen, sollte man stets darauf achten, keine eingehende E-Mail über die eigene Ebene hinweg weiterzuleiten; und selbst auf der eigenen Ebene sollte man darauf achten, nur nach dem Need-to-know-Prinzip vorzugehen, sonst tritt man digital verstärkt eine Informationslawine los, die oftmals schon heute ganze Unternehmen, Organisationen und Behörden lahmlegt.

Meine diesbezügliche Lieblingserfahrung ist, als ich 2012 in eine sehr langatmige Besprechung gebeten wurde, in der ein Thema heftig debattiert wurde, welches bereits vor Wochen an anderer Stelle erfolgreich abgeschlossen worden war.

„Do not seek for information of which you can make no use.“

Anna C. Brackett, The Technique of Rest (1892: 77)