Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

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Beitragsfoto: Affenmusik | © Pixabay

Raketenabwehr

Die aktuelle Diskussion ist ein weiterer Schritt in Richtung Nationalismus und eine weitere Abkehr von der NATO. Die Luftverteidigung ist eine Aufgabe der NATO, weil sie nicht anders zu koordinieren und dann auch aufrechtzuerhalten ist.

Deutschland hat seinen Beitrag dazu über die Jahre hinweg kontinuierlich abgebaut, u.a. die Heeresflugabwehr abgeschafft und die eigenen Gesamtkapazitäten auf eine Art „Cluster-Abwehr“ reduziert, heißt, man kann heute noch den Deutschen Bundestag und seine Abgeordneten schützen. Für den Kriegsfall hat man sich dabei voll und ganz weiterhin auf die NATO — sprich die USA — verlassen.

Jetzt den Deutschen für Unsummen eine nationale Flugabwehr zu versprechen ist angesichts der Größe des Landes kaum finanzierbar und personell nicht umsetzbar sowie nur im NATO-Rahmen auch in einem Kriegsfall zu unterhalten. Dieses Versprechen, das von unserer Bevölkerung bestimmt sehr begrüßt wird (nur wir — alle anderen sind uns völlig wurscht!) hat nur zwei Dinge zum Ziel. Erstens ein paar Vettern wieder noch reicher zu machen (100 Milliarden Euro Topf) und zweitens den US-Amerikanern zu signalisieren, dass es doch besser wäre, wenn sie sich zukünftig ausschließlich in Asien für Demokratie und Freiheit einsetzen.

Mein Fazit: Putins Genossen leisten in Deutschland saubere Arbeit.

Nachtrag (29.03.2022: 11.35 Uhr)

Bitte lesen Sie auch diesen Kommentar von Thomas Stölzel in der Wirtschaftswoche: Erst informieren, dann Waffen kaufen! (28. März 2022)

Moral outrage

Wenn in einer Demokratie die Wahrheit zu sagen für einen Politiker das Gefährlichste ist, was diesem passieren kann, dann haben wir allesamt ein großes Problem!

In diesem ganz bestimmten Falle: „Washighton, we have a problem.“ Jüngst sagte der US-Präsident Joe Biden völlig zurecht bei seinem Besuch in Europa: „For God’s sake, this man cannot remain in power.“
Er meinte damit nicht den Heilbronner OB, er wird wahrscheinlich auch nicht wissen, wo Baden-Württemberg liegt, geschweige denn Heilbronn, sondern seine Aussage galt Vladmir Putin, dem Schlächter von Europas Osten.

Und bis auf Victor Orban und ein paar deutsche Politiker wird diese Aussage auch von allen anderen Menschen verstanden und wohl auch geteilt werden. Das Problem dabei ist, diese Aussage kam von ganzem Herzen und ist die reine Wahrheit — also völlig unprofessionell und damit inakzeptabel!

Deshalb musste sich nun Joe Biden wie folgt äussern: „I was expressing the moral outrage that I feel, and I make no apologies for it.“ Und zeitgleich dabei versichern, dass dies keine politische Aussage des US-Präsidenten oder gar eine Richtungsänderung der US-Politik ist. Er will es sich mit uns Deutschen wohl nicht ganz verscherzen.

Städtepartnerschaften

Was Städtepartnerschaften anbelangt, ist Heilbronn ein sehr, sehr trauriges Pflaster. Über Jahrzehnte hinweg haben sich einzig und alleine die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) erfolgreich für Städtepartnerschaften in Heilbronn einsetzen können. Der Rest der Stadtbevölkerung war Städtepartnerschaften bestenfalls indifferent gegenüber eingestellt. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass sich ein damaliger Leitartikler der Heilbronner Stimme über diese Versuche der Jugend, Städtepartnerschaften für Heilbronn zu gewinnen, öffentlich lustig gemacht hat und diesen fortschrittlicheren Heilbronnern vorwarf, „nur selbst großbürgerlich empfangen werden zu wollen.”

Zu einem zweiten Schwung bei den Städtepartnerschaften Heilbronns kam es, als der ehemalige JEF-Kreisvorsitzende Dr. Manfred Weinmann Oberbürgermeister unserer Stadt wurde. Nach Weinmann wurde es dann aber wieder sehr still um unsere noch bestehenden Partnerschaften.

Traurig fand ich es dabei immer, wenn wieder einmal Heilbronner mit Zuzugsgeschichte der Stadt Heilbronn neue Städtepartnerschaften vergeblich vorschlugen. An zwei solcher Versuche erinnere ich mich noch ganz gut, nämlich die Vorschläge mit Städten in Italien und Ungarn neue Städtepartnerschaften einzugehen. Auch die EUROPA-UNION wurde damals gebeten, sich dafür einzusetzen und erhielt seitens der Stadt ebenfalls nur Absagen. Der Tenor war dabei immer derselbe: „Heilbronn hat bereits genügend Städtepartnerschaften.“

Sehr traurig fand ich es, als der Hilferuf unserer Partnerstadt Neath Port Talbot im Juni 2015, die übrigens seit 1966 bestand, von unserem derzeitigen OB damit beantwortet wurde, dass man diese Partnerschaft aus „finanziellen Gründen“ beendete. Die Mädchen und Buben aus Port Talbot waren auch stets eine Bereicherung des Treffpunkts Europa und damit wohl ein weiteres störendes Element für unsere Stadtspitze.

So war ich bass erstaunt, als der OB 2019 — inmitten des Ukraine-Krim-Donbas-Konflikts — mit einer Stadt gerade im Verantwortungsbereich eines Diktators und Massenmörders (auch von Unionsbürgern) eine neue Städtepartnerschaft abschloss. Die Erklärungen dafür reichten von Zugeständnissen an die russische Community in Heilbronn (angeblich sollen von den Heilbronnern mit Zuzugsgeschichte die „Russen“ auch wählen gehen) bis zur Solidaritätserklärung an Vladimir Putin, der noch heute in der deutschen Politik (besondners in der SPD) sehr viele Freunde hat.

Dann musste ich allerdings erkennen, dass zumindest bei manchen Stadträten die Beweggründe weit banaler waren und der ehemalige Leitartikler der Heilbronner Stimme sich nur im Personenkreis geirrt hatte.

Mit Beginn des Überfalls der Russischen Föderation auf den Rest der Ukraine, dem verstärkten und nunmehr hemmungslosen Massenmord an Frauen und kleinen Kindern, wurden meine Bedenken an einer solchen Partnerschaft von immer mehr Stadträten gehört aber erneut abgeschmettert.

Erst als sich auch unsere Bundesregierung zu einer etwas distanzierteren Haltung gegenüber Vladimir Putin entschloss, und bereits andere deutsche Städte ihre Partnerschaften beendet hatten, setzte sich so langsam auch eine Distanzierung von dieser Partnerschaft im Gemeinderat durch. Und so kam es jetzt wohl auch zu einer windelweichen Aussetzung dieser Städtepartnerschaft; noch heute scheinen die „Putinversteher“ in Heilbronn Gehör zu finden.

Dass es dann erneut bei der SPD zu einer Übersprungshandlung kam, wobei diese nun eine weitere Städtepartnerschaft und zwar mit einer Stadt in der Ukraine fordert, hat mich nicht mehr gewundert. Dass dies nun auch wieder von allen Gemeinderäten unisono mitgetragen wird, dann doch etwas. Was für Folgen dies künftig zumindest für unsere beiden neuen Partnerstädte haben wird, wird nur unseren Gemeinderäten und der Verwaltungsspitze völlig unklar sein.

Absolut schade finde ich es, dass die Mehrheit von uns Heilbronnern mit Städtepartnerschaften weiterhin nichts anzufangen weiß, unsere Gemeinderäte höchstens großbürgerlich empfangen werden möchten und gerade jene Heilbronner Bürger, die sich bereits seit Jahrzehnten für bestehende Städtepartnerschaften einsetzen, keine Unterstützung finden. Ganz zu schweigen von meinem Bedauern gegenüber jenen Heilbronnern, die jetzt vielleicht glauben werden, dass Heilbronn nun endlich auch mit Städten in Italien, Ungarn, Spanien oder gar der Türkei eine Städtepartnerschaft eingehen wird.

Dies müssen sich dann wieder anhören, dass die Stadt Heilbronn genügend Städtepartnerschaften hat und übrigens für so etwas auch kein Geld vorhanden ist!

Sollten sich nun wider Erwarten plötzlich viele „echte“ Heilbonner anfangen zu fragen, wie so ein „Herumgeeiere“ überhaupt sein kann, dann tönt der Gemeinderat und die Stadtverwaltung sicherlich unisono, dass das alles wirklich ein großes Missverständnis sei und Heilbronn ab sofort zu allen bei den Vereinten Nationen vorhanden Ländern solche Städtepartnerschaften intendiert: Heilbronn sei nämlich der Städtepartnerschaftsweltmeister. Dann gibt es neue Stadtschilder und die Welt ist für alle Heilbronner wieder in Ordnung.

Geburtstage des Tages

Vangelis und Ernst Jünger


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

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Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Großes Internationales Fest

Und ich hatte mich noch gewundert, warum doch so viele zum letzten Partnertreffen der EUROPA-UNION Heilbronn gekommen sind, darunter auch einige, die bereits seit Jahren zusammen mit der Stadtverwaltung an einem anderen Fest arbeiten.

Jetzt wurde mir ganz beiläufig mitgeteilt, dass die Vorbereitungen für das neue Große Internationale Fest etwas ins Stocken geraten sind. Und das erklärt jetzt auch die überraschend große Teilnahme bei uns.

Man muss seine Mitbürger einfach nur lieb haben.

Wahldebakel

Das Saarland hat gewählt, ein Bundesland in der Größe eines gewöhnlichen Wahlkreises und der Sondersituation, dass es schon immer nur auf Pump existieren kann — ähnlich wie Großberlin.

Dass es dieses Bundesland überhaupt noch gibt, ist das einzig Interessante an diesem Thema. Dass es dort nun eine neue Ministerpräsidentin gibt, die kaum jemand kennt, wenig tragisch. Wer kennt den schon den Heilbronner Landrat? Es reicht völlig aus, dass die Saarländer ihren Ministerpräsidenten kennen. Beim letzten hatten sie offensichtlich nur die Chance, diesen zu sehen, wenn sie eine Talkshow im Fernsehen einschalteten. Und ob das für einen Landkreis, wo der Landrat direkt gewählt wird, eine gute Idee ist, darf seit gestern bezweifelt werden.

Vielleicht ist die folgende Tatsache noch von Interesse, nämlich, dass man von den beiden Hauptverantwortlichen dieses Wahldebakels, Friedrich Merz und Markus Söder, überhaupt nichts hört. Und dabei grölen diese beiden Herren beständig in sämtlichen Kanälen und Medien herum — nur gestern war es plötzlich völlig still um beide. Irgendein Hans [Wurst] hat dann doch noch die Verantwortung übernommen, und gut ist es! Parteipolitik sollte, ja, müsste anders gehen.

Aber ich möchte auch mal etwas durchweg Positives ansprechen, nämlich die Saarländer an sich. Diese haben endlich die linke Partei der Besserverdiener aus dem Landtag entfernt. Jetzt müssten die saarländischen Wähler das nächste Mal nur noch deren Schwesterpartei am äußerst rechten Rand aus dem Landtag vertreiben, dann könnte das Saarland zumindest ein „Bundesland der Herzen“ werden.

Website des Tages

Bundesheer

Die Ausführungen zum Krieg in der Ukraine sind empfehlenswert, besonders für Laien.

Geburtstag des Tages

Lady Gaga


Sinnierende Frau

Zeit für ein Gedicht 5 (2)

Beitragsfoto: Sinnierende Frau | © Pixabay

In Zeiten, wo wieder einmal feucht fröhlich über die Apokalypse debattiert wird und man allen und jedem Gehör schenkt, von denen man annehmen muss, dass sie sich mit der Materie wenig bis überhaupt nicht auskennen, ist es — denke ich — an der Zeit, uns an Menschen zu erinnern, die von Krieg und vor allem dem Tod so richtig Ahnung haben.

Wo uns dieses Expertentum der völligen Inkompetenz inzwischen hingeführt hat, können wir derzeit ganz gut beobachten. Immer mehr beobachtende Menschen ziehen sich völlig angewidert von den aktuellen „Fachdebatten“ aus den Sozialen Medien zurück, und auch ich kann es kaum noch ertragen, wie gerade die üblichen Fahnenflüchtigen und Drückeberger um die Deutungshoheit von Militäreinsätzen streiten oder wie Friedensaktivisten die Vorzüge von Massenvernichtungswaffen predigen.

Ich finde es richtig ekelig zu wissen, dass gerade unzählige Mitmenschen keine 1 300 Kilometer von uns entfernt regelrecht abgeschlachtet werden und sich bei uns die meisten Menschen an dieser Situation weiden oder noch tragischer, ihre ganz eigenen Vorteile daraus ziehen wollen. Dabei bleibt kein Mensch bei uns, der Verantwortung trägt, ohne Schuld! Jeder von diesen Mitbürgern hat Blut an seinen Händen kleben.

Nun zurück zu einem jener Menschen, die wissen, was Krieg ist. Ein echter Held, sozusagen und mausetot.

Gerrit Engelke zählt noch heute zu den Arbeiterdichtern, der sich nicht nur nicht vor dem Kriegsdienst drückte, sondern zudem noch das Angebot ausschlug, sich an anderer Stelle um seine Heimat verdient zu machen — damit gehört er schon alleine und ganz eindeutig zu jenen Menschen, denen wir unseren höchsten Respekt zu zollen haben. Leider hat er selber den höchsten Preis für seinen Anstand zahlen müssen und liegt deshalb noch heute — hier hatte er etwas Glück im Unglück — auf dem Soldatenfriedhof von Étaples an der französischen Kanalküste.

Zu Engelkes bekannteren Werken gehören die Gedichte aus seiner Sammlung „Rhythmus des neuen Europa“.

Lassen wir aber jetzt Gerrit Engelke selber sprechen.

Nach schwerem Traum

Ich bin Soldat und steh im Feld
Und weiß von niemand in der Welt.
Drum kann ich diesen Regentag nicht feiern,
So kummerzärtlich, feucht und bleiern,
Da mir dein Bild zur Nacht den Schlaf zerschlug
Und mich in deine Nähe trug.

Ich bin Soldat und steh im Feld,
Gewehr im Arm, und fern der Welt.
Wär ich zu Haus, ich schlösse Tür und Scheiben
Und wollte lange einsam bleiben;
Im Sofawinkel sitzend mich versenken,
Geschlossnen Auges deiner denken.

Ich bin Soldat im trüben Feld.
Hier endet alte Menschenwelt.
Der Regen singt, die nassen Strähnen fließen.
Ich kann nichts tun – nur Blei verschießen.
Weiß nicht warum, tu’s doch als ob ich’s muss:
Ins graue Wetter kracht ein Schuss!

Ich wünsche uns allen, dass wir sehr schnell aus unseren eigenen Träumen erwachen, beginnen, der Realität ins Auge zu sehen und endlich damit anfangen, allesamt an einer friedlichen, freien und demokratischen Welt zu arbeiten.

Was passiert, wenn man über 70 Jahre lang nur dem eigenen Vorteil hinterherläuft, das können wir gerade alle miterleben — hoffentlich die meisten von uns weiterhin nur vom Spielfeldrand aus.

Vorsicht des Patrioten
Süß fürs Vaterland sterben! Doch möcht’ ich schließlich dabei sein,
Wenn man beim Siegesbankett seine Gefallnen beklagt.

Eduard von Bauernfeld