Maskerade

5.4.02021 4.5 (4)

Nebenjobs | Volksvertreter

Heute hat mich eine gute Bekannte — nennen wir sie mal Matilda — gefragt, warum Politiker eigentlich „Nebenjobs“ haben müssten und ob es nicht besser wäre, wenn sie ganz darauf verzichten?

So einfach ist das aber nicht, denn in einer funktionierenden Demokratie übernehmen die Bürger selbst immer wieder die Vertretung ihrer Mitbürger („Volksvertreter“) und werden optimal betrachtet, für ein paar Jahre — ein bis drei Legislaturperioden — als Abgeordnete tätig.

Deswegen ist es gerade gut, dass die „temporären“ Abgeordneten einen eigenen Beruf, aber zumindest ein eigenes Auskommen haben. Dies stellt nicht nur eine gute Qualität der Abgeordneten, sondern auch sicher, dass sie weniger käuflich sind. Und wenn diese nicht gerade in Spitzenpositionen der jeweiligen Parlamente sitzen, bleiben sie durch ihre Arbeit auch am Puls ihrer Wählerschaft.

Deshalb „arbeiten“ Abgeordnete in dieser Funktion auch nicht, erhalten entsprechend auch kein Gehalt oder Lohn, sondern werden für ihren Aufwand als Abgeordnete mit Diäten alimentiert.

Sobald sich die Abgeordneten entscheiden, wieder in ihren Beruf zurückzukehren, oder vom Wähler durch Abwahl dazu gezwungen werden, können sie ohne Probleme in den Alltag zurückkehren und diesen durch ihre erworbenen Erfahrungen zudem bereichern.

So ist es auch nichts Ungewöhnliches, wenn z. B. Rechtsanwälte ihren Kanzleien erhalten bleiben im Bestfall als ausgezeichnetes Aushängeschild derselben und später dort ihre Tätigkeit wieder voll und ganz aufnehmen. 

Gerade durch diesen konstanten Wechsel der Volksvertreter zwischen Bürgerschaft und Politik sowie der daraus resultierenden Minimierung von Berufspolitikern lebt eine Demokratie. Und sobald eine Demokratie zur reinen Berufspolitik mutiert, schafft sie sich langfristig selber ab, indem erst die Qualität der Abgeordneten sinkt, demzufolge die Verwaltungen bis zur eigenen Untätigkeit vergrößert werden, dann deren organisatorische Inkompetenz zu einem Beraterapparat führt, der letztendlich die jeweiligen Eigeninteressen aller Beteiligten vor das Gemeinwohl setzt, die Bürgerschaft weder repräsentiert noch versteht und damit unsere Demokratie in ein dirigistisches System umwandelt, dessen Funktionsweise selbst von den Akteuren nicht mehr verstanden wird.

Favicon

Habe heute hier ein wenig mit Favicons herumgespielt, das sind die kleinen Bildchen, die in den Browsern angezeigt werden und damit jeden Internet-Auftritt ein wenig aufhübschen, so nun auch hier. Einzig die Frage bleibt, ob das dafür notwendige Vollmüllen des Head-Bereiches und die Ablage des einen Bildchens in möglichst vielen Formaten und Größen den Aufwand rechtfertigt. Jetzt bin ich einmal gespannt darauf, wann ich dieses Blog wieder etwas entschlacke.

Foren

Als ich vor gut einem Jahr mit der Idee um die Ecke kam, mit einem eigenen Web-Forum die Diskussion unter uns Europäischen Föderalisten ein wenig zu befördern, waren die Reaktionen sehr verhalten. Unsere Mitbürger stürzten sich lieber auf die Video-Chats, weil ihnen wohl die derzeitigen Anbieter weismachen konnten, dass es sich dabei um den „neusten Shit“ handele, oder aber einfach nur, weil man sich dabei so gut selbst in Szene setzen kann.

Nichtsdestotrotz haben wir die Foren des Europastammtisches [die Foren wurden im März 2022 abgeschaltet] dann doch aus der Taufe gehoben, da sich vier weitere Mitstreiter bereit erklärten, technisch oder inhaltlich mitzuarbeiten. Inzwischen haben sich dort gut 500 durchaus auch lesenswerte Beiträge angesammelt, und es finden sich dafür auch regelmäßige Leser, aber der tatsächliche Kreis der Beitragsschreiber oder Kommentatoren blieb bis heute unter dem halben Dutzend.

Jetzt schauen wir einmal, wie sich die Foren weiterentwickeln, und wer weiß, vielleicht werden demnächst auch die Foren wieder „in“ — so alle 30 Jahre soll sich die Mode doch wiederholen. Und für diesen Fall können wir dann mit einem funktionierenden Forum aufwarten, welches zudem bereits Inhalte bieten kann.


Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

3.4.02021 4 (3)

Politik

Frank-Walter Steinmeier: „Sie dürfen viel von der Politik verlangen“ — auch heute: In Baden-Württemberg wird Grün-Schwarz beibehalten, mit noch mehr Ministern und noch mehr Abgeordneten, sowie dem gemeinsamen Ziel, den Landtag beim nächsten Mal weiter zu vergrößern.

HTML

Eigentlich hätte ich von Anfang an bei HTML bleiben sollen, so kommt diese Erkenntnis zwar gut 20 Jahre zu spät, aber sie kommt.

So habe ich gleich auch unsere Consulting Seite auf das absolute Minimum zurückgeführt und als HTML-Dokument veröffentlicht.

Nachtrag (August 2022): Inzwischen habe ich Kümmerle Consulting auf dieses Weblog umgezogen, was für mich noch weniger Arbeit bedeutet.

Alte Websites

Schon vor längerer Zeit hatte ich meine Uraltseiten, wie z. B. worldcitizenship.com, in HTML-Seiten umgewandelt, anstatt diese einfach im Internet-Nirvana verschwinden zu lassen.

Nachtrag: im Dezember 2021 habe ich die Seite dann ganz gelöscht.


Kaffeegenuss

Mach’s wie Herr Asmus 5 (2)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Heinrich Seidels Gedichte sind immer wieder lesenswert. Das folgende Gedicht von ihm, welches im „Neuen Glockenspiel“ aus dem Jahr 1894 zu finden ist, führe ich hier gleich als Appetithappen auf.

Mach’s wie Herr Asmus

Folge dem Stern in deiner Brust 
Und lass die andern reden, 
Denn niemals weisst du, was du musst, 
Wenn du hören willst auf Jeden.

Oder mach’s, wie Herr Asmus that, 
Der wusste, was er sollte; 
Der fragte jedermann um Rath 
Und that doch, was er wollte.

Heinrich Seidel, 1894

Das Besondere an Heinrich Seidel ist wohl, dass er ein sehr erfolgreicher Bauingenieur war, der sich erst ab 1880 vollständig der Schriftstellerei widmete. Noch heute ist er allen Ingenieuren durch die folgende Aussage bekannt:

 „Dem Ingenieur ist nichts zu schwere“ 

Heinrich Seidel, Ingenieurlied (1871)

Auch ich habe diesen Spruch seit frühster Jugend in Erinnerung, da mein Vater diesen immer gebrauchte, sobald ihm etwas gelungen war, z. B. die Reparatur eines Radios, eines Rollers oder gar einer Waschmaschine.

All jene, die keinen Ingenieur auch nur im Bekanntenkreise haben, können das Ingenieurlied auch hier finden:

Dem Ingenieur ist nichts zu schwere

Er lacht und spricht: „Wenn dieses nicht, so geht doch das!“

Er überbrückt die Flüsse und die Meere,

Die Berge unverfroren zu durchbohren ist ihm Spass.

Er thürmt die Bogen in die Luft,

Er wühlt als Maulwurf in der Gruft,

Kein Hinderniss ist ihm zu gross

Er geht drauf los!

Den Riesen macht er sich zum Knechte,

Dess’ wilder Muth, durch Feuersgluth aus Wasserfluth befreit,

Zum Segen wird dem menschlichen Geschlechte

Und ruhlos schafft mit Riesenkraft am Werk der neuen Zeit.

Er fängt den Blitz und schickt ihn fort

Mit schnellem Wort von Ort zu Ort,

Von Pol zu Pol im Augenblick

Am Eisenstrick!

Was heut sich regt mit hunderttausend Rädern,

In Lüften schwebt, in Grüften gräbt und stampft und dampft und glüht,

Was sich bewegt mit Riemen und mit Federn,

Und Lasten hebt, ohn’ Rasten’ webt und locht und pocht und sprüht,

Was durch die Länder donnernd saust

Und durch die fernen Meere braust,

Das Alles schafft und noch viel mehr

Der Ingenieur!

Die Ingenieure sollen leben!

In ihnen kreist der wahre Geist der allerneusten Zeit!

Dem Fortschritt ist ihr Herz ergeben,

Dem Frieden ist hienieden ihre Kraft und Zeit geweiht!

Der Arbeit Segen fort und fort,

Ihn breitet aus von Ort zu Ort,

Von Land zu Land, von Meer zu Meer

Der Ingenieur!

Heinrich Seidel

Detlef Stern wird jetzt sicherlich ergänzen wollen, dass diese Worte eigentlich Daniel Düsentrieb zuzuschreiben sind: „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.“ Dabei hat aber ganz offensichtlich Erika Fuchs ein wenig nachgeholfen — zumindest bei der deutschen Übersetzung dieser bekannten Comic-Reihe.

Ich meine übrigens, dass wir alle besser dastünden, wenn vor allem unsere heutigen Entscheidungsträger mehr Mut hätten und ab und zu auch Herrn Asmuses Rat folgen würden; dazu gehört aber auch eine ganze Menge an Verantwortungsbewusstsein.

Und da es sich langsam aber sicher abzeichnet, dass wir mindestens so lange mit Ausgangs- und anderen Beschränkungen rechnen müssen, bis die meisten schon gar nicht mehr wissen, wie man überhaupt ohne größere Bevormundung leben kann, bietet es sich auch hier ganz gut an, auf Heinrich Seidel zurückzugreifen. Dabei verweise ich auf die Lektüre von Leberecht Hühnchen, ein Buch, das zwischen 1880 und 1893 entstanden ist, und die Kunst des Glücklichseins anschaulich begreifbar macht — gerade in der aktuellen Situation sehr passend — und am Ende ebenso verstörend.

Leberecht Hühnchen gehörte zu den Bevorzugten, denen eine gütige Fee, die Kunst glücklich zu sein, auf die Wiege legte; er besaß die Gabe, aus allen Blumen, selbst aus den giftigen, Honig zu saugen.

Heinrich Seidel, Leberecht Hühnchen (2017: 4)