Union Jack

You Say Goodbye, and I Say Hello 5 (5)

Beitragsfoto: Union Jack auf Holz | © Pixabay

Am 31. Januar 2020 ist es dann wohl so weit, und das Vereinigte Königreich verlässt nach 47 Jahren Mitgliedschaft die Europäische Union. Ein großer Verlust für alle Beteiligten, denn es verlassen uns auf einen Schlag gut 66 Millionen Unionsbürger, die letztendlich und bei allen Schwierigkeiten und Problemen, für die sie in den letzten Jahrzehnten immer und gerne zu haben waren, bis zum Schluss hin ein Gewinn für die gesamte Union blieben, was man nur von wenigen anderen Mitgliedsstaaten noch behaupten kann. Damit meine ich nicht nur den sicherheitspolitischen, den gesamtgesellschaftlichen und den wirtschaftlichen Aspekt, sondern vor allem die Tatsache, dass sie uns alle damit immer wieder zur Selbstreflexion zwangen, zum Nachdenken darüber, was wir eigentlich mit der Europäischen Union anstreben.

Und hierzu waren unsere britischen Mitbürger auch von Anfang an geradezu prädestiniert, da es Bürger des Vereinigten Königreichs waren, die bereits mit Beginn des Ersten Weltkriegs einen ersten föderalen Zusammenschluss der westlichen Welt forderten, was letztendlich nach Kriegsende auch zum Völkerbund führte.

Das schnelle und gewaltige Erstarken gleich zweier totalitaristischer Regime, zum einen Deutschlands unter dem Nationalsozialismus und zum anderen das der Sowjetunion, führte beginnend 1937 zu einem zweiten Versuch britischer und US-amerikanischer Bürger, die demokratische Welt föderal zu einen. Bereits 1939 wurde deshalb im Vereinigten Königreich die Federal Union gegründet, die vorsah, gleich nach dem erneuten Niederringen Deutschlands dieses in eine föderale Union zu integrieren.

Angesichts der deutschen Erfolge zu Beginn des Krieges war das Vereinigte Königreich sogar dazu bereit, sich 1940 sofort mit der Französischen Republik zu vereinen und damit den ersten Schritt hin zu einer besseren Welt zu machen.

Während des Krieges war es dann erneut das Vereinigte Königreich, welches zusammen mit den USA und weiteren Föderalisten aus der Schweiz bis 1944 sämtliche demokratische Kräfte einschließlich der größten Widerstandsbewegungen in Europa, einen konnte und damit zum einen die Vereinten Nationen als Nachfolger des so glorios gescheiterten Völkerbunds aus der Taufe hob und zum anderen in der Diskussion mit weiteren europäischen Föderalisten eine europäische Einigung als ersten Schritt hin zu einer Weltunion vorsah.

Von Anfang an gab es dabei aber die unterschiedlichsten Modelle einer föderalen, europäischen oder gar weltweiten Einigung, welche zudem immer wieder von nationalistischen und zentralistischen Tendenzen unterwandert wurden. So wurde nicht nur von Anfang an darum gerungen, wie groß Europa eigentlich sein darf, sondern auch darüber, ob man die Subsidiarität oder eine zentralistisch gesteuerte Umverteilung in Europa stärken soll.

Diese nach gut 70 Jahren immer noch andauernden Diskussionen ohne dabei aber tragfähige Strukturen, wie zum Beispiel einen Bundesstaat geschaffen zu haben, welche auch zu einer demokratisch herbeigeführten und für alle gültigen Entscheidung führen könnten, hat nun dazu geführt, dass das Vereinigte Königreich wider besserem Wissens die Europäische Union verlässt und damit auch für alle seine Bürger wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile in Kauf nimmt.

Diese demokratische Entscheidung der britischen Bürger hat man nicht nur zu akzeptieren, sondern muss sie auch mit großem Respekt annehmen, denn sie zeigt sehr deutlich, dass es in einem „Europa in Vielfalt geeint“ nicht nur um finanzielle Vorteile und Eigennutz gehen darf und kann, sondern um Werte und Ideale gehen muss!

Deshalb sage ich: „You say goodbye, and I say hello.“

The Beatles 1967

„Success teaches us nothing; only failure teaches.“

Hyman G. Rickover, Grußwort an der US Naval Postgraduate School (16. März 1954)

Luise Kümmerles Kiosk

Trappensee-Kiosk 5 (5)

Beitragsfoto: Luise Kümmerles Kiosk

Erst vor Kurzem hat Joachim Friedl von der Heilbronner Stimme eine nette und meines Erachtens auch sehr gelungene Reminiszenz über den Trappensee-Kiosk, der nach gut 80 Jahren Ende 2019 offensichtlich nicht mehr gebraucht und abgerissen wurde, geschrieben.

In den 1960er- und 1970er-Jahren waren meine Großeltern, Heinrich und Luise Kümmerle, fast 15 Jahre lang die Kioskbetreiber, wobei meine Großmutter als die „gute Seele“ des Kiosks bis heute vielen Trappenseebesuchern in positiver Erinnerung geblieben ist. Aber nicht nur ihren damaligen Stammgästen, sondern besonders auch vielen Innenstadtkindern, die sich des Öfteren gruppenweise über den alten Friedhof und dann weiter über den Pfühlpark hinweg aufmachten, um sich ein 10-Pfennig Eis abzuholen – nicht nur für die Spatzen aus der Vogelwelt, sondern auch für die der menschlichen Art war immer gesorgt.

Selbst ein großer Schäferhund kam nie zu kurz, der, wie sein Herrchen auch, regelmäßig ein Bier bekam, dieses aber stets im Wassereimer serviert, welcher genau für solche Fälle bereitstand.

Vom Eis gestärkt, ging es dann für uns Kinder wieder zurück in die Innenstadt, ohne zu versäumen, so lange über den Pfühlbach zu springen, bis mindestens eines der Kinder nasse Füße hatte. Und im Falle, dass dieses Abenteuer einmal nicht ausreichend war, musste man noch den Alten Friedhof auf seiner Mauer umrunden, was bei mindestens einem Jungen für eine bleibende Erinnerung und bei seiner Mutter für mehr Ärger als sonst sorgte.

Und damals so üblich, ging es für alle Beteiligten erst dann nach Hause, wenn es so langsam dunkel wurde oder die Mütter eine Zeit fürs Abendessen vorgegeben hatten. Heute kaum vorstellbar, gelangen all diese „Unternehmungen“ ohne Uhren, ohne Telefone, ohne jeglichen Plan, sogar ohne Kenntnis der Eltern über den Verbleib ihrer Kinder, wobei das ganze Geschehen immer der Gruppendynamik der jeweiligen Kinder überlassen blieb.

Dafür sorgte das Ganze aber dafür, dass aus all diesen Kindern mündige Bürger wurden, die allesamt in der Lage sind, auf eigenen Beinen zu stehen, und vor allem dazu, noch heute selbst für Unterhaltung zu sorgen und dabei auch mit kleinen Dingen zufrieden sein zu können.

„All they have to do is eat three or four children and there will be the most appalling publicity.“

Christopher Lee als Doctor Catheter in Gremlins 2: The New Batch (1990)

Sinnspruch von Albert Einstein

Bescheidenheit 5 (3)

Dieses Bonmot schrieb Albert Einstein als eine Art von Trinkgeld für einen Tokioer Hotelangestellten im November 1922.

„Stilles bescheidenes Leben gibt mehr Glück als erfolgreiches Streben, verbunden mit beständiger Unruhe.“

Albert Einstein

Ob sich der Hotelangestellte darüber auch gefreut hat, ist mir jedoch nicht bekannt.

Friedrich Nietzsche fasste diese Erkenntnis gar in ein Gedicht

Welt-Klugheit

Bleib nicht auf ebnem Feld!
Steig nicht zu hoch hinaus!
Am schönsten sieht die Welt
Von halber Höhe aus.  

Friedrich Nietzsche

Und für fast alle, die sich dieser Erkenntnis nicht anschließen mögen, tritt irgendwann ein menschlicher Mechanismus in Kraft, welchen ich gerne als die rosarote Brille bezeichnen möchte.

Eugen Roth schrieb dazu das folgende Gedicht

Man wird bescheiden

Ein Mensch erhofft sich fromm und still,
Daß er einst das kriegt, was er will.
Bis er dann doch dem Wahn erliegt
Und schließlich das will, was er kriegt.

Eugen Roth

Viele von uns, die sich noch am Anfang oder gar mittendrin im eigenen Karrierestreben, dem Erklimmen der oben zitierten Höhen, befinden, sublimieren dabei gerne ihre ersten und auch die sicherlich weiter folgenden Enttäuschungen mit Konsum, der Basis unseres Wirtschaftssystems.

Und auch für all jene, die längst aus diesem Rennen ausgestiegen sind, weil sie meistens von Anfang an nicht mithalten konnten, steht ebenfalls der Konsum als das wahre „Opium für das Volk“ zur Verfügung. Kein Geldbetrag ist zu gering, als dass man davon nicht etwas völlig Unnützes kaufen könnte, und dies alleine zum Zwecke der Lustbefriedigung.

Selbst für jene, die sich wirklich alles leisten können, bietet der Konsum Dinge an, für die dann wiederum kein Geldbetrag zu hoch wäre, letztendlich aber läuft es auf das Gleiche hinaus.

Ganz schlimm ist es aber für jene Menschen, denen selbst am eigenen Lebensende nur der bloße Konsum geblieben ist.

Inzwischen gibt es für diese Menschen ganz neue Wege, um der Problematik Herr zu werden. Einer davon nennt sich „Death-Cleaning“; die Idee das eigene Leben zu „Entrümpeln“ stammt ursprünglich aus Schweden und wird dort „Döstädning” genannt.

Margareta Magnusson hat dazu sogar ein eigenes Buch verfasst, welches bei uns den Titel „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ trägt.

Meines Erachtens kann kein Mensch zu früh mit dem Entrümpeln des eigenen Lebens beginnen, denn letztendlich führt es dazu, dass man einmal genauer darüber reflektiert, und wer weiß, damit auch das eigene Konsumverhalten ändert.

Und dies dann auch ganz ohne jegliche Belehrungen von Menschen, die aus den unterschiedlichsten Motiven heraus, gerne das Konsumverhalten ihrer Mitbürger regulieren wollen.

Dabei gäbe es bereits seit altersher mit der Bildung einen erfolgsversprechenden Lösungsansatz, wie man das eigene Leben in den Griff bekommen kann, egal wie es einem auch mitspielt. Was wiederum dazu führen würde, dass der Konsum in nachhaltigere Bahnen gelenkt wird, und wir alle letztendlich davon profitieren – ganz ohne Belehrungen oder Regelungen.

Das Schöne am Lösungsansatz Bildung ist, dass man erstens davon wirklich nie genug bekommen kann, auch wenn wir alle selbst davon überzeugt sind, noch nie zu wenig gehabt zu haben, und zweitens diese Ressource tatsächlich endlos und für alle, zumindest in der freien Welt, gleichermaßen zugänglich ist.

„Its hard to be modest when your as good as I am.“

Muhammad Ali, in der Michael Parkinson Show (1971)