Schlacht bei Arras

Schlacht bei Arras 5 (5)

Beitragsfoto: britischer Reservegraben während der Schlacht bei Arras | © Tilloy (10. April 1917)

Robert Frosts Gedichte gehören meines Erachtens mit zu den besten der Dichtkunst. Das hier folgende Gedicht wurde 1915 verfasst und soll an gemeinsame Spaziergänge mit dem Dichterkollegen Edward Thomas erinnern, wobei Frost sich wohl auch auf dessen Gedicht „Roads“ bezieht, welches aber erst 1916 veröffentlicht wurde.

Auch wenn Frost beabsichtigte, sich über die gemeinsamen Spaziergänge mit Thomas „lustig zu machen“, so wurde das Gedicht von Anfang an sowohl von den Lesern als auch von Thomas selbst als sehr ernst gemeint aufgefasst und zudem sehr schnell in Zusammenhang mit den aktuellen politischen Ereignissen gebracht. Thomas entschied sich für den Wehrdienst und fiel 1917 bei Arras in Frankreich.

The road not taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim
Because it was grassy and wanted wear,
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I marked the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I,
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Robert Frost

Zwei Dinge folgere ich daraus: erstens man darf die Wirkung von Gedichten nie unterschätzen und zweitens bekommt jedes Gedicht abhängig vom jeweiligen Leser ein Eigenleben.

„If you come to a fork in the road, take it.“

Yogi Berra, The New York Times (23. September 2015)

Britisches Parlamentsgebäude

Europatag 2006 5 (5)

Beitragsfoto: Britisches Parlamentsgebäude mit Big Ben | © Pixabay

Vor sechzig Jahren, genau am 21. September 1946, haben visionäre Europäer am Vierwaldstättersee in der Schweiz das Hertensteiner Programm verabschiedet. Durch zwei Weltkriege geprägt, forderten sie eine europäische Gemeinschaft auf föderativer Grundlage. Unter Übertragung von Souveränitätsrechten wollten sie europäische Bürgerrechte in Freiheit und Sicherheit für alle Völker europäischer Wesensart. Seit diesen Tagen setzt sich die EUROPA-UNION auch in Heilbronn parteiübergreifend und unermüdlich für die europäische Idee zur Schaffung eines vereinten Europas und die Integration seiner Bürger unter Bewahrung der Eigenart aller seiner Völker ein.

Neben einer Vielzahl von Aktionen dabei auch das Initiieren von Städtepartnerschaften und Schüleraustauschen war es der EUROPA-UNION immer ein Anliegen, aktiv an die Heilbronner heranzugehen und für den europäischen Gedanken zu werben, Ängste zu nehmen, zu vermitteln und damit zum Erfolg Europas beizutragen.

Neben einer Vielzahl von Veranstaltungen wie Fahrten zum Europäischen Parlament in unsere Nachbarländer sowie Podiumsdiskussionen und Vortragsreihen richtet die EUROPA-UNION seit dem 6. Mai 1989 jährlich den Treffpunkt Europa auf dem Kiliansplatz aus. Getragen vom Gedanken eines freien und geeinten Europas in Vielfalt feiern Jung und Alt, ob Heilbronner „Urgestein“ oder „Neig’schmeckte“, zusammen mit Musik und Tanz. Kulinarische Angebote aus allen Herkunftsländern unserer ausländischen Mitbürger sorgen dabei für das leibliche Wohl.

Inzwischen zählt die Europäische Union 25 Mitgliedsstaaten und weitere Anwärter streben eine Mitgliedschaft an. Frieden, Stabilität, offene Grenzen, Urlaubsreisen in unsere Nachbarländer und eine gemeinsame Währung sind für uns und unsere Kinder inzwischen Selbstverständlichkeiten; der damit einhergehende Wohlstand und die Freizügigkeit sind fast schon „einklagbar“. Mit Sicherheit hat unsere europäische Zivilisation bereits jetzt ihre jahrhundertealten Erfahrungen und Überzeugungen fest in alle Bereiche von Politik, Wirtschaft und Kultur verankert und damit eine Stärke erlangt, für die uns alle anderen Staaten und Menschen auf der Erde beneiden.

Dennoch führen uns die jüngsten Ereignisse und die Reaktionen unserer Mitbürger vor Augen, dass wir Europäer unsere gewonnene Stärke nicht nur selbst erkennen müssen, sondern auf sie vertrauend, weiter auf ihr aufbauend unseren erfolgreichen Weg weitergehen, damit ein reiches, starkes und einiges Europa seinen Beitrag zum Weltbund der Völker leisten werden kann.

Deswegen wirbt die EUROPA-UNION weiter für eine gemeinsame Verfassung, für den Beitritt aller Völker europäischer Wesensart und ihre vollständige Integration in Frieden und Vielfalt. Auch nach sechzig Jahren behält das Hertensteiner Programm seine Gültigkeit!

Anlässlich des diesjährigen Treffpunkts Europas geben wir diese Broschüre zum sechsten Mal heraus, um zum einen für den Treffpunkt zu werben und zum anderen Ihnen die EUROPA-UNION Deutschland und ihre Ideen ein wenig näher zu bringen.

„History teaches us that men and nations behave wisely once they have exhausted all other alternatives.“

Abba Eban, in The Times (17. Dezember 1970)

Mann beim Ausfüllen eines Formulars

Zeitungsartikel 5 (1)

Beitragsfoto: Mann beim Ausfüllen eines Formulars | © Pixabay

Katja Feiler schrieb den folgenden Artikel in der Heilbronner Stimme.

Europa liegt ihm ganz besonders am Herzen

Kümmerle ist Vorsitzender der Heilbronner Europa-Union

Von Katja Feiler

Europa liegt ihm ganz besonders am Herzen

Europa ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Und das nicht nur, weil für den Vorsitzenden des Kreisverbands der Europa-Union, Heinrich Kümmerle, Europa immer mit Liebe zu tun haben wird: Mit der zu seiner Frau. Bettina und Heinrich Kümmerle lernten sich 1992 beim Treffpunkt Europa kennen. Beide sind gebürtige Heilbronner, sie arbeitete in Bayern, er am Bodensee. Auf dem Heilbronner Kiliansplatz funkte es.

Herzensangelegenheit heißt für den 43-Jährigen, der im vergangenen Jahr nach 18 Jahren Vorstandschaft von Dr. Walter Dörr das Amt übernommen hat, ganz simpel: „Ich fühle europäisch.“ Geprägt haben ihn die guten Freunde aus der Schulzeit in der Heilbronner Dammrealschule und später dem Robert-Mayer-Gymnasium. Durch Türken, Jugoslawen und Italiener erfuhr der heutige Vater zweier Söhne schon früh, dass es noch mehr und anderes gibt als Heilbronn und die schwäbische Kultur. Heute weiß er das aus dem eigenen Erleben. Der Berufsoffizier lebte in Frankreich, auf dem Balkan und bis vor zwei Wochen in Polen. Sein neuer Wohnort ist näher am Unterland: Die Familie wird in den Sommerferien nach Ulm folgen.

Mindestens 17 Umzüge, die dem Europa-Fan verdeutlicht haben: „Heilbronn ist mein Anker.“ Deshalb auch das Engagement in der Käthchenstadt, wo er zudem Mitglied im Jazzclub Cave 61 ist. Und wirft der 43-Jährige den Blick zwei Jahrzehnte voraus, weiß er jetzt auch schon: Hier will er seinen Lebensabend verbringen.

Doch wie will er andere für die Idee Europa begeistern? „Wir müssen mehr das Gute sehen.“ Tatsächlich sei Europa für viele im Moment nicht mehr so das Thema. Der Euro ist da, die Grenzen sind weitgehend offen: „Europa ist selbstverständlich geworden.“ Dabei ist für denBerufsoffizier der Weg noch weit. Ein Stück näher ans Ziel soll die Unterländer jedes Jahr der Treffpunkt Europa bringen. Ein Fest, das „Verständnis und Interesse wecken soll.“ Eins ist dem Vorsitzenden des überparteilichen Vereins noch besonders wichtig: Auf unterhaltsame Weise Berührungsängste abbauen.

Einst engagierten sich bis zu 500 Europa-Begeisterte bei der Europa-Union. Heute sind es noch 60. Die Jugendorganisation JEF, Junge europäische Föderalisten, ist gänzlich eingeschlafen. All das wieder zu ändern, hat sich der Mann, der genauso heißt wie sein Vater, vorgenommen. Auch wenn er weiß, dass seine Aufgabe mehr ist als Mitglieder zu gewinnen. „Europa ist ein Prozess, der nie abgeschlossen sein wird.“