Adventsgedanken

Advent 2012 5 (4)

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Die Adventszeit ist traditionell die Zeit im Jahr, um innezuhalten, nachzudenken und sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest vorzubereiten. Obwohl der „Alltag“ mit seinem Einerlei unsere eigentliche Wirklichkeit verdrängt zu haben scheint, wir immer mehr zu  reinen Konsumenten werden und Banalitäten unser Leben in Beschlag genommen haben, tauchen doch leider auch immer wieder existentielle Bedrohungen und Lebenskrisen auf, die uns unsere eigene Endlichkeit vor Augen führen.

Umso mehr freut es mich, dass Sie durch Ihre Mitgliedschaft in der EUROPA-UNION Heilbronn dazu beitragen, dass wir gemeinsam unsere Welt ein wenig lebenswerter gestalten können. Es sind die Ideale und Wertvorstellungen, die stimmen müssen, um unser aller Leben besser zu organisieren und Fortschritte erzielen zu können, denn damit sind wir in der Lage, bestehende und kommende Herausforderungen zu begegnen und auch zu lösen.

Dies gilt sowohl für das Individuum als auch für unsere Gemeinschaften wie Familie, Ort, Stadt, Kreis, Land, Staat oder Europa. Unsere gemeinsame föderale Idee ist und bleibt weiterhin der Schlüssel zum Erfolg. Es sind die chauvinistischen, nationalistischen und zentralistischen Tendenzen, die unsere Idee einer besseren Welt gefährden – ein föderales Europa ist nicht das Problem, ein föderales Europa ist die Lösung!

Dies müssen wir weiterhin und unentwegt gegenüber unseren Mitbürgern und vor allem auch gegenüber unseren von uns gewählten Volksvertretern kommunizieren. Wir müssen unsere Mitmenschen für unsere Idee gewinnen und auch unsere Politiker daran erinnern, was wir eigentlich möchten. Fürwahr Demokratie und Föderalismus sind nicht einfach zu haben, sie sind zeitintensiv, oftmals auch unbequem und vor allem sie bedürfen unseres beständigen Engagements.

Nur Diktatur und Zentralismus gibt es zum Zugucken und frei Haus – einschließlich einer Rechnung, die keiner bezahlen will und kann.

Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke (1897)

Adventsgedanken

Weihnachtsbrief 2011 5 (4)

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Das Jahr strebt mit großen Schritten dem Ende entgegen, der vierte Advent steht vor der Tür und ich nehme dies nun bereits zum siebten Male zum Anlass, um mich mit einem Weihnachtsbrief an Sie zu wenden. 

Die weittragenden und mit Sicherheit auch schwerwiegenden Entscheidungen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dieser Tage gehören mit zu den Höhepunkten eines sehr turbulenten Jahres. Diktatoren sind gegangen und neue stehen vor der Türe. Der menschengemachte Klimawandel zeigt verstärkt seine Schreckensseiten und nicht jeder technologische Fortschritt scheint händelbar. Die international verknüpften Banken bedürfen erneut weiterer staatlicher Hilfen, die die meisten Saaten mit ihrer bisherigen Schuldenpolitik nicht mehr alleine stemmen werden können. Darunter leiden die Wirtschaften aller Länder und in Folge davon auch immer mehr die Schwächeren in allen Gesellschaften. Zudem scheinen Nationalismus und noch Schlimmeres auch in unserem Lande wieder hoffähig zu werden.

Alles in allem fürwahr kein Jahresausklang, der einem große Freude und innere Ruhe bereiten kann. Dennoch halte ich weiterhin und unverzagt an unserem gemeinsamen Ziel fest, der Europäischen Idee einer friedfertigen Welt – einer Welt, die demokratisch, föderal und zum Wohle aller Menschen aufgebaut ist.

Wie wir immer deutlicher vor Augen geführt bekommen, wird es diese Welt und auch unser neues Europa nicht umsonst geben. Eine „Insel der Glückseligen“ und sei sie nur auf ein Rumpfeuropa beschränkt wird und kann es nicht geben!

Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu groß, um sie noch alleine stemmen zu können. Wir sind, ob wir wollen oder nicht, zu unserem Glück vereint – und dies gilt auch für das Vereinigte Königreich.

Zudem müssen wir erneut zur Kenntnis nehmen, dass der vermeintlich Stärkere den Schwächeren stützt – Brüderlichkeit, Solidarität und Wohltätigkeit sind Werte, die nicht nur für Gleichstarke gelten. Bekanntlich ist auch eine Kette nur so stark wie das schwächste Glied. Und wer glaubt, man könne das schwächste Glied einfach abtrennen, der findet sich sehr schnell in einem Teufelskreis wieder.

Aber auch die vermeintlich Schwächeren müssen ihren Teil zum großen Gelingen beitragen. Kein Sozialstaat und auch das soziales Europa dürfen eine Einbahnstraße sein! Wir müssen die schwächeren Glieder „fit für’s Leben“ machen; und je später wir damit beginnen, umso schmerzhafter wird es für alle Beteiligten. 

„Hate breeds hate, and love breeds love.“

A. S. Neill, Summerhill School: A New View of Childhood
(1995 [1960]: 13)

Adventsgedanken

Adventszeit 5 (4)

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Inzwischen befinden wir uns mitten in der Adventszeit, für viele eine gute Gelegenheit, um das letzte Jahr Revue passieren zu lassen.

Die jüngsten Entwicklungen geben zudem mehr als genug Anlass, um auch über den Lissabonner Vertrag im Besonderen und über die weitere Entwicklung unseres Europas im Allgemeinen nachzudenken.

Wir bekennenden Europäer sind deshalb gefragter als je zu vor. Wir dürfen uns aufgrund scheinbar falscher oder falsch laufender Entwicklungen nicht beunruhigen lassen.

Wir müssen diese Entwicklungen auf der Grundlage unseres Gesamtkonzept, dem Konzept für ein „Europa – in Vielfalt geeint“, einem Konzept für ein föderales Europas oder auch für die Vereinigten Staaten von Europa bewerten und dementsprechende Konsequenzen ziehen.

Auf jeden Fall ist es aber wichtig, dass wir alle – ob bekennende Europäer oder nicht – darüber diskutieren und gemeinsam tragfähige Lösungen für unsere Welt von morgen finden.

Ich für meinen Teil bin weiterhin von der Europäischen Idee überzeugt und halte auch vehement am Hertensteiner Programm fest – es ist auch nach über 60 Jahren immer noch das beste Konzept für ein Friedenseuropa; und wenn wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen, auch für eine bessere Welt.

Aber ich muss dennoch zu bedenken geben, dass wir Menschen in der Europäischen Union keine 5 % der derzeitigen Weltbevölkerung stellen und dies mit sinkendem Anteil. Deshalb sind wir auf die weitere und sehr enge Zusammenarbeit mit dem Rest Europas bis hin zum Magreb angewiesen, damit wir zukünftig überhaupt noch in der Welt von morgen bestehen werden können.

Es freut mich hier ganz besonders, dass unser Kommissar in Brüssel, Günther Oettinger, auf dem Bundeskongress in Erfurt hierzu sehr deutliche Worte gefunden hat.

„Ubi est autem dignitas nisi ubi honestas?“

Cicero, Epistulae ad Atticum (Buch VII, Brief 11)