Darth Vader

Verwunderung 5 (3)

Beitragsfoto: Darth Vader | © toxi85 auf Pixabay

Plötzlich wundern sich nicht nur unsere Medien und ganz besonders die Berufspolitik darüber, sondern auch immer mehr Bürger fragen sich, wie es nur dazu kommen konnte, dass unsere Demokratien immer stärker unter Druck geraten und dabei die Demokratie insgesamt von immer mehr Bürgern infrage gestellt wird.

Spätestens mit den Wahlsiegen von Donald Trump und Boris Johnson war es offensichtlich, dass es sich hierbei um ein globales Problem handelt. Wobei zudem schnell zu erkennen war, dass sich Länder mit sozialistischem Hintergrund oder einer jahrelangen Nähe dazu anfälliger für diese Entwicklungen zeigen. Dies lässt vermuten, dass Demokratie umso stärker verankert ist, je länger die Menschen auch in einer solchen leben.

Aber warum haben zumindest die meisten Demokratien ein immer schwächeres Stand bei ihren eigenen Bevölkerungen? Warum glauben immer mehr Bürger, dass sie nicht der eigentliche Souverän sind oder noch schlimmer, dass sie selbst als der Souverän nicht geeignet sind, um ihr eigenes Land zu regieren? Warum lassen sich doch so viele Bürger darauf ein, dass sie jemand anderes regiert? Warum suchen gerade diese Bürger immer nach dem starken Mann, der für sie denkt und ihre Geschicke lenkt?

Die reine Bequemlichkeit von uns Bürgern wäre zwar eine einfache, aber dabei auch zu einfache Antwort. Eher schon muss man vermuten, dass es sich hierbei um die Folgen eines zunehmenden Bildungsdefizites bei immer mehr Menschen handelt, die diesen die Demokratie verleitet. Denn viele Menschen neigen dazu, wenn sie etwas nicht gleich auf Anhieb verstehen, diese Dinge sofort vehement abzulehnen. Hinzu kommt dann noch die allzu menschliche Gruppendynamik, die viele Bürger dazu verleitet, sich wie Lemminge zu verhalten.

Aber all dies war schon immer so und kann deshalb die heutige Situation weder in Gänze erklären noch rechtfertigen. Deshalb muss es weitere und vielleicht sogar weit triftigere Gründe für das allgemeine Schwächeln unserer Demokratien geben.

Über die letzten Jahrzehnte hinweg habe ich immer wieder entsprechende Anmerkungen getätigt und in den letzten Jahren verstärkt diesbezügliche Blog-Beiträge geschrieben. Es zeigt sich nun immer mehr, weshalb ich völlig zurecht als regelrecht in eine Partei hineingeborener Bürger dieselbe bereits in jungen Jahren auf eigene Initiative hin wieder verlassen habe. Nämlich als ich die ersten Folgen der damals so propagierten geistig-moralischen Wende erkannte, deren jugendlicher Anhänger ich einmal selber war.

Deshalb mache ich heute die folgenden Punkte für das zunehmende Versagen unserer Demokratie verantwortlich. Diese Punkte konnte ich selber hier bei uns in Deutschland nicht nur beobachten, sondern musste diese auch selbst erleben. Es handelt sich dabei nicht um einmalige und begrenzte Ereignisse, sondern um allgemeingültige Feststellungen, die man in allen deutschen demokratischen Parteien sehen kann. Und ich vermute, dass diese Verhaltensweisen auch in den Parteien unserer Nachbarländer zu beobachten sein werden, denn das erklärt dann auch die Entwicklungen in diesen Ländern ganz gut.

Als Erstes prangere ich die Tatsache an, dass sich alle mir bekannten Führer politischer Parteien bei erst bester Gelegenheit mit Höflingen im wahrsten Sinne des Wortes umgeben. Um sie herum finden sich immer Menschen, die diesen „Führern“ nach dem Mund reden und ihnen zudem eine Art „Seelenverwandtschaft“ zumindest vorspielen. Hinzu kommt noch, dass sie „ihren Führen“ beständig kleine Gefälligkeiten erweisen und sich damit für diese als sehr bequeme und loyale Mitstreiter erweisen. Diese „Führer“ mögen zudem keine Widerworte und schon gar nicht das Gefühl, dass der besagte Mitstreiter intelligenter und gar besser als man selbst ist.

Dies führt zwingend dazu, dass sämtliche politischen Parteiführer in einer eigenen Blase leben, die immer weniger mit der Realität der anderen Menschen zu tun hat, und noch schlimmer, dass diese Führer selbst wenig intelligente und wenig fähige Nachfolger produzieren sowie mögliche bessere Kandidaten zumindest unbewusst aus dem Weg räumen.

Als Zweites prangere ich die fehlenden Selbstreinigungskräfte und die ungenügende Rekrutierung von kompetenten Nachwuchskräften in allen Parteien an. Keine Partei schaut mehr darauf, ob der eigene oder zukünftige Kandidat notwendige Mindestvoraussetzungen mit sich bringt, um als Volksvertreter fungieren und bestehen zu können. Sie nehmen jeden, der nur bereit ist, um Mitglied der eigenen Partei zu werden und sich dann um die dortigen Führer schart. Es wird diesen künftigen Kandidaten nicht einmal mehr ans Herz gelegt, zuerst einmal einen möglichst guten Schulabschluss zu erreichen, eine Lehre oder gar ein Universitätsstudium erfolgreich zu absolvieren.

Und schon gar nicht verlangt man von seinem künftigen „Führungspersonal“, dass diese ein soziales Jahr durchlaufen oder gar ihren Militärdienst leisten. Nein, man verhilft ihnen eher zu halbseidenen bis hin zu gefälschten Studienabschlüssen und später dann zu Positionen bei der Bundeswehr (selbst, wenn diese vorab anerkannte Verweigerer oder gar halbwegs legal fahnenflüchtig waren) oder bei der Feuerwehr und sonstigen Hilfsorganisationen. Gerne werden ihnen auch Professuren an Universitäten und Hochschulen vermittelt. Eine Qualifikation ist nicht notwendig, das Parteibuch reicht völlig aus. Und selbst das erstmalige Gewähltwerden wird diesen „Führern“ zunehmend erspart, nämlich indem sie als Volksvertreter einfach nur nachrücken und dann bereits mit Amtsbonus erstmals ins Rennen gehen.

Dies führt zwingend dazu, dass unsere Volksvertreter im Durchschnitt von Jahr zu Jahr inkompetenter und auch dümmer werden. Schlimmer noch, von der Öffentlichkeit ertappte Betrüger oder nachweislich völlig unfähige oder gar abgewählte Volksvertreter werden nicht aus den Parteiapparaten entfernt, sondern zum weiteren Nachteil von uns Bürgern mit sehr lukrativen Positionen versorgt.

Als Drittes und Letztes prangere ich die Hybris von leider viel zu vielen Volksvertretern an. Ich könnte hier unzählige beruflich wie auch privat erlebte Geschehnisse aufzählen, weiß aber ganz genau, dass die meisten Mitbürger, die aufgrund ihres eigenen politischen oder gesellschaftlichen Engagements regelmäßig mit Volksvertretern in Berührung kommen, mindestens einen völlig übergeschnappten „Entscheider“ erlebt haben.

Und dies sind meines Erachtens die Hauptgründe, warum immer mehr Bürger an unserer Demokratie zweifeln. Schlimmer noch, viele Bürger können immer weniger zwischen den wirklich demokratischen, ehrlichen, anständigen und aufrechten Abgeordneten — die es tatsächlich weiterhin gibt! — und den für sämtliche Demokratien sehr gefährlichen Volksvertretern unterscheiden, denn Letztere finden sich inzwischen auch in allen demokratischen Parteien oder sind aus diesen einst sogar hervorgegangen.

Und so ist der Sprung von einem Gerhard Schröder oder Markus Söder zu einem Bernd Höcke auch nicht mehr weit.

Leider werden meine Ausführungen in den kommenden Wahlen ihre Bestätigung finden. Ich befürchte inzwischen sogar, dass im Fall fulminanter AfD Ergebnisse viele unserer heutigen Abgeordneten einfach zu dieser dann erfolgreichen Partei überwechseln werden.

„‚Quotenfrau‘ muss kein Manko sein, es wird dazu gemacht. Ich schäme mich null, auch mit der Quote in mein Amt gekommen zu sein.“

Ricarda Lang, Tweet (23.11.2020)

Fundstücke

30.5.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Fundstücke

Menschen

Wenn man immer wieder eines der schönsten Einkaufszentren weltweit besucht, kommt man nicht umhin auch die dortigen Menschen zu beobachten. Die besagte South Coast Plaza besticht durch ihre Sauberkeit — man könnte dort vom Boden essen. Zudem finden sich überall Helfer und Aufsichten, so dass sich dort keiner unsicher fühlen muss.

Neben der Sauberkeit gefällt mir ganz besonders, dass dort alle bekannteren Firmen und Marken vertreten sind und man sich somit sehr schnell einen guten Überblick über Handel und Kommerz verschaffen kann. Wie schon gesagt, für mich sind aber die Menschen dort die richtig spannende Angelegenheit, angefangen von den Touristen und Gelegenheitskäufern bis hin zu den Power-Shoppern und Schnäppchenjägern.

Und auch für die entsprechenden Restaurants ist gesorgt, sodass man sich dort eine ganze Zeit lang beschäftigen kann. Anfangs fielen mir dort immer die vielen Europäer auf, die mit vollgefüllten Einkaufstaschen durch die Mall spazierten, heute sind es meist Asiaten. Viele davon fliegen extra aus China oder Japan ein, um ein paar Tage lang dem Shoppen zu frönen.

Spannend und für mich zu beobachten, dass es seit ein paar Jahren dort Einkaufsberater gibt, die den Power-Shoppern beim Einkauf helfen. Viele der heutigen Shopper wollen offensichtlich auch beim Einkaufen Zeit und Nerven sparen. Und das Ganze funktioniert dort offensichtlich ganz gut, denn die South Coast Plaza kann zusätzlich noch mit einigen Outlet-Stores und weiteren Schnäppchenläden punkten.

Und so kann man wohl auch heute noch, wenn man seine Einkäufe gut plant, durch das Shoppen in der Mall zumindest die eigenen Reisekosten einsparen. Wobei es den Power-Shoppern ohne Frage gelingen wird, mit Hilfe der Profis vor Ort, ihre Gewinne beim Einkaufen zu maximieren.

Ein solches Beispiel sind derzeit viele Taschen, welche ich noch vor Kurzem in Straßburg in den Galeries Lafayette bestaunen konnte und die dort mit mehreren Hundert Euro zu erstehen gewesen wären. Hier fand ich die gleichen Taschen für kaum 40 Euro zu kaufen. Man kann sie in der Mall aber auch weiterhin zum Originalpreis erwerben — wobei dann wohl das Einkaufserlebnis mit dem Glas Champagner in der Hand zählt.

Man muss dabei aber auch berücksichtigen, dass wenn ein Etwas von z. B. Versace zu 80 % reduziert zu erhalten ist, dieses sicherlich wunderbare Etwas immer noch für die meisten Menschen weiterhin nicht auf der Einkaufsliste stehen wird.

Aufgrund des aktuellen Wetters habe ich mir noch einen Mantel angeschaut, dessen Marke mir nicht geläufig ist, und der ursprünglich für knapp 6 000 Dollar zu erhalten war und jetzt keine 1 000 Dollar kostete. Die besten Schnäppchen sind meines Erachtens weiterhin jene auf die man verzichtet und so konnte ich gestern 1 000 Dollar sparen.

Am Spannendsten war diese Jahr aber eine Veränderung im Restaurantbereich, ein weiteres Restaurant erhielt einen Michelin Stern und zwei amerikanische Restaurantketten mussten asiatischen weichen. Das Besondere dabei, dass sich vor den beiden asiatischen Restaurants gerade die asiatischen Shopper die Füße in den Bauch standen und ihre, durch die Einkaufsprofis ersparte Zeit, wieder ins Schlange stehen investierten — so wie viele Deutsche auch, die auf Teneriffa nicht ohne ihr Schnitzel oder eine Currywurst leben können.

Ein Versuch

Auch Kirchen haben ihre strukturellen Probleme und wie bei Staaten kommt es in erster Linie auf die jeweiligen Menschen an. Den Kirchengebäuden selbst und ganz besonders deren Verwaltungen wird inzwischen viel zu viel Bedeutung beigemessen.

Gerade in Zeiten, die uns Menschen wieder mobiler machen und uns damit insgesamt aus Strukturen lösen, die noch ihren Sinn in der Schollenbindung von Menschen hatten. Wenn Staaten wie auch Kirchen überleben möchten, dann müssen sie die passenden Antworten auf die heutigen Zeiten finden; Verdummung und eine Einpferchung der jeweiligen Mitglieder sind dabei die falschen Antworten.

Wenn man sein gesamtes Leben selbst mobil war ist es schwer jeweils die passende Gemeinde zu finden und noch schwerer in eine alte Gemeinde zurückzukehren. Aber es ist nicht schlecht, wenn man dabei einer Kirche angehört, die zwar keinen weltweiten Anspruch erhebt aber dennoch weltweit vertreten ist.

So bekommen Kirchengebäude an sich einen weiteren Sinn, denn sie schaffen auch in der Ferne Nähe. Und weil gerade Pfingsten ist, habe ich einmal nach einer passenden Kirche geschaut und diese sogleich in der Nachbarschaft gefunden.

Die älteste noch benutzte protestantische Kirche von Orange County wurde 1876 gebaut. Leider standen wir gestern vor verschlossenen Türen, die Gemeinde war wohl vereist — wer möchte ihr das aber gerade an Pfingsten verübeln?

Offene Kirchen machen in der heutigen Zeit leider kaum noch Sinn und so wäre es vielleicht gar nicht schlecht, wenn man mit einer Art „Kirchen-Card“ Zutritt zu sämtlichen Kirchen zumindest der eigenen Glaubensrichtung bekommen könnte. Ich finde dies wäre ein echter Mehrwert gerade für Kirchensteuer zahlende Mitglieder.

Wachstum

Nicht nur die Heilbronner Stadtverwaltung wird immer dicker, sondern insgesamt fetten sich unsere Verwaltungen immer weiter an. Und so half es nichts, dass ich dagegen bereits seit meiner Jugend anschreibe und noch heute einen möglichst schlanken Staat als die Grundlage jeder funktionierenden Demokratie ansehe.

Leider sieht es die Mehrheit der Deutschen völlig anders, entweder träumen wir selber von einem Beamtendasein oder wir haben zumindest einen Vetter in irgendeiner Verwaltung sitzen. Letzteres wurde über die vergangenen Jahrzehnte immer wahrscheinlicher. Und so sind auch schon längst die damaligen Forderungen verhallt, das Beamtentum insgesamt abzuschaffen. Wobei ich heute noch davon überzeugt bin, dass ein hochqualifizierter Beamtenapparat jeder Gesellschaft gut tut; im Falle, dass die ausgewählten Beamten qualifiziert und motiviert sind. Leider aber leben wir in einer Vetternwirtschaft und sämtliche Arbeitsplätze im staatlichen Umfeld sind in erster Linie zu reinen Versorgungsposten degeneriert.

Jan Hildebrand merkt hierzu im Handelsblatt (29.5.2023) an, dass „der Beamten-Boom … das völlig falsche Signal [ist].“ Seine Recherchen ergaben eine Erhöhung des Beamtenapparats in den Bundesbehörden von rund 17 000 Beamten 2010 zu heute rund 30 000 Beamten. Wobei die aktuelle Bundesregierung seit Regierungsbeginn bis heute alleine für 1 710 neue Beamtenstellen im Kanzleramt und den Bundesministerien sorgte.

„Eine XL-Regierung aber ist das völlig falsche Signal zur falschen Zeit. Die Unternehmen leiden nicht nur unter einer schwachen Wirtschaftsentwicklung – das Land steckt in einer Rezession – sondern auch der akute Fachkräftemangel macht ihnen zu schaffen.“

Jan Hildebrand, Handelsblatt (29.5.2023)

Jan Hildebrand ist dabei völlig entgangen, dass wir bereits heute über XXL-Regierungen verfügen und Versorgungsapparate noch nie das richtige Signal an Wirtschaft und Gesellschaft waren!

Und so bleiben wir weiterhin Vetternwirtschaftsweltmeister und sind erneut auf gutem Weg, um wieder zum Sorgenkind Europas zu werden, denn jede Demokratie zerfällt mit ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang. Und wie bereits in der Weimarer Republik müssen die Antidemokraten nur zugucken wie sich unsere Demokratie von ganz alleine verabschiedet — was man aktuell ganz gut an der Zustimmung zur AfD und der Unterstützung weiterer antidemokratischer Kräften beobachten kann.

„But, to speak practically and as a citizen, unlike those who call themselves no-government men, I ask for, not at once no government, but at once a better government. Let every man make known what kind of government would command his respect, and that will be one step toward obtaining it.“

Henry DAvig Thoreau, Walden (2020 [1854]: 312)

Costa Mesa

23.5.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Spaziergang in Costa Mesa

Kandidaten

Und ich dachte schon, dass mein diesjähriger Kalifornienaufenthalt unpolitisch sein wird. Urplötzlich befinde ich mich in einer Diskussion darüber, dass seegestützte Windkraftanlagen sämtliche Wale und Delfine töten würden. Darauf war ich nun nicht vorbereitet und froh darüber, dass ich diese Diskussion mit einem blauen Auge verlassen habe.

In meinem Bekanntenkreis gibt es Republikaner und die laufen sich jetzt schon für die Wahlen im November 2024 warm. Die heutigen Republikaner kann man am besten als Sammelbewegung beschreiben, die in Deutschland CDU, CSU, AfD, NPD, Reichsbürger, Montagsmarschierer und sonstige Schwurbler vereinen würde.

Bereits gestern wurden die jetzt schon 14 Kandidaten vorgestellt, die neben Donald Trump gegen Joe Biden antreten wollen. Ein Sammelsurium an Menschen, die bei uns von keiner einzigen Partei — die CSU vielleicht mal ausgenommen — aufgestellt werden könnte. Und alle mir hier bekannten Menschen freuen sich schon jetzt auf das Spektakel wie jeder einzelne von denen in den kommenden Monaten von Donald Trump öffentlich hingerichtet werden wird. In den Medien werden die ersten Vorkämpfe bereits schon beworben, und man kann sich das wie einst im Colosseum von Rom vorstellen — hoffentlich aber ohne echtes Blutvergießen.

Und nach eineinhalb Jahren medialer Schaukämpfe wird Donald Trump den Wählern als der neue alte Retter Amerikas und der gesamte Welt präsentiert werden — was ist nur aus der Grand Old Party geworden!

Abfalleimer

Es war schon öfters einmal Thema hier im Weblog, wobei man auch einmal Krähen und Tauben zumindest als Mitschuldige identifizierte. Und auch heute können wir in der Heilbronner Stimme lesen, dass die Vögel mit Schuld daran sind, dass es in Heilbronn sehr oft sehr unappetitlich aussieht.

Was mir besonders dann auffällt, wenn ich wie zurzeit durch saubere Straßen schlendere — leider nicht bei uns in Heilbronn. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Problematik von dreckigen Straßen und Plätzen nicht auf einen fehlende Anzahl oder gar die Beschaffenheit von Abfalleimern zurückzuführen ist, sondern einzig und alleine nur auf das Verhalten der Menschen, die diese Straßen und Plätze nutzen.

Und selbst wenn es in einer Stadt nur Dreckschweine geben sollte, dann könnte man dies durch Kontrollen und entsprechendes Sanktionieren schnell in den Griff bekommen. Als gutes Beispiel möchte ich Santa Ana aufführen, eine Stadt, die keine solch guten Voraussetzungen wie Heilbronn hat. Eine Stadt, die tatsächlich an allen Ecken und Enden zu kämpfen hat. Der große Vorteil von Santa Ana ist aber die Qualität des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung. Sämtliche Parkanlagen und Straßen werden kontinuierlich in Schuss gehalten und selbst in jenen Stadtteilen, deren Bewohner nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden.

Was mir dort ganz besonders gefällt ist die Straßenreinigung, welche beständig durch die Straßen fährt. Die Zeiten stehen fest und sämtliche Anwohner müssen vorab ihre Fahrzeuge entfernen. Hinter der Straßenreinigung fährt bei Bedarf ein Polizeiauto und verteilt dann einen Strafzettel nach dem anderen.

Und Obdachlose, die dort sicherlich bessere klimatische Verhältnisse vorfinden, können sich nicht festsetzen oder gar ihre eigenen Ecken bilden, welche die Bevölkerung dann meidet. Wie die Stadt dies genau handhabt und wo diese Menschen landen, kann ich als Besucher nicht feststellen, muss ich aber auch nicht, denn ich genieße als Gast die Ruhe und Ordnung.

In Santa Ana führen saubere Straßen und Plätze zu einem besseren Sicherheitsgefühl. Und dies garantiert wenig Leerstände und letztendlich ein angenehmes Miteinander.

Stadtzeitung

Es wäre einmal eine Erhebung wert, wie viele Heilbronner die Stadtzeitung kennen und vor allem wie viele diese auch regelmäßig lesen. Die Stadtzeitung ist das Amtsblatt der Stadt Heilbronn und wird mit jüngstem Ratsbeschluss weiterhin auch gedruckt aber nun zusammen mit der Heilbronner Stimme ausgeliefert. Bisher erfolgte die Verteilung zusammen mit dem kostenlosen Echo, der einzige Grund warum ich diese Form von Papierverschwendung noch in meinen Briefkasten legen lies.

Auch für die Verantwortlichen der Heilbronner Stimme war zum Schluss das Echo am Mittwoch nicht mehr attraktiv genug, und so mussten nun Stadtverwaltung und Gemeinderat reagieren. Leider aber wieder etwas zu kurz gesprungen, denn selbst die nun gerade verabschiedete Minimalversion der Papierausgabe (Auslage in den Bürgerämtern und als Beilage zur Heilbronner Stimme) soll nach den Wünschen von doch so einigen Gemeinderäten bereits einen Tag nach Beschlussfassung wieder aufgeweicht werden.

Traurig dabei ist, dass unsere „Entscheider“ gerne, viel und oft entscheiden, leider aber oftmals ohne sich vorab richtig kundig zu machen. Und so ist jetzt plötzlich auch die Rede davon, die Website der Stadt Heilbronn so zu ertüchtigen, dass diese zudem die Amtsblattfunktion mit übernehmen könnte — alleine dafür hat man in Heilbronn gut 30 Jahre benötigt!

Als Hintergrund für diese glorreichen Gedanken wird die besondere Bedeutung der Digitalisierung angeführt und uns Bürgern in der Heilbronner Stimme pressewirksam verkauft. In Wahrheit aber hätte sich bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag nichts geändert, wenn das Echo nicht eingestellt worden wäre. Der Beweis zu meiner Behauptung wird heute von vielen Gemeinderäten geliefert, die sich nun mit Ideen überschlagen, wo man die Stadtzeitung alles noch in der gedruckten Ausgabe auslegen lassen könnte.

Noch trauriger aber ist, dass die Macher der Stadtzeitung so unflexibel sind, dass sie auf Änderungen in der Zusammensetzung des Gemeinderats nicht reagieren können. Bis letztes Jahr konnten sich dort alle Fraktionen über Heilbronner Themen äußern, was auch erklärt, warum es vielen Gemeinderäten so wichtig ist, dass die Stadtzeitung eine möglichst große Verteilung erfährt. Wie schon gesagt, diese Gemeinderäte sollten sich besser vorab einmal schlau machen. Leider aber schmeißen diese mit Steuergeldern nur so um sich, wenn sie nur glauben, dass es ihnen selbst zum Vorteil gereicht.

Seit letztem Jahr gibt es neben den etablierten und anderen Fraktionen noch eine weitere etablierte und andere Gruppierungen ohne Fraktionsstatus. Das Problem für die Stadtzeitungsmacher dabei ist es nun, dass dies nicht mehr ins bestehende Layout der Stadtzeitung passt und so greift man auf die Behauptung zurück, dass nur Fraktionen das Recht hätten, sich in der Stadtzeitung prominent äussern zu dürfen.

Der OB lies jüngst mitteilen, dass gemäß Gemeindeordnung nur Fraktionen das recht auf Meinungsäusserung hätten und die anderen Gruppierungen froh sein müssten, wenn er diese ab und zu in der Stadtzeitung zu Wort kommen ließe.

Alternativ könnten sich doch die Fraktionen der Heilbronner Einheitspartei mit einer einzigen Spalte in der Stadtzeitung begnügen und die restlichen verfügbaren Spalten den Gruppierungen zur Verfügung stellen. Dies würde unterschiedliche Meinungen und damit die Meinungsvielfalt in der Stadtzeitung fördern, vielleicht ein Anreiz für viele Heilbronner doch noch von der Stadtzeitung Kenntnis zu nehmen.

Und wer jetzt neugierig auf die Stadtzeitung wurde, der kann diese hier „online“ finden.

„A lady once offered me a mat, but as I had no room to spare within the house, nor time to spare within or without to shake it, I declined it, preferring to wipe my feet on the sod before my door. It is best to avoid the beginnings of evil.“

Henry David Thoreau, Walden (2020 [1854]: 61)