Lesezeichen

Bildungspolitik 5 (3)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Heike Schmoll | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Den Schwächen ausgewichen — Wer hat Schuld an der Misere des Bildungssystems? Corona und Migration alleine sind es nicht. Auch die Entprofessionalisierung des Lehramts bleibt nicht folgenlos. (zuletzt aufgerufen am 9.12.2023, 11.44 Uhr)

„Obwohl längst alle wissen, wie wichtig eine datengestützte Schulentwicklung ist, machen sich viele Länder nur schleppend auf den Weg. Es ist zweifellos nicht vergnüglich, die Schwächen des eigenen Schulsystems zu bearbeiten. Aber um gegensteuern zu können, ist es unerlässlich, diese anhand von Lernstandserhebungen zu identifizieren. …

Guter Unterricht lässt sich nur mit qualifizierten Lehrern verwirklichen, die auch motivieren können. Auch daran fehlt es.“


Ich dürfte in den letzten Tagen diesbezüglich hier im Blog bereits genügend geschrieben haben; Stichwort: z. B. Pisa. Auch finden Sie zahlreiche ältere Blog-Beiträge, die über Bildung und Schule handeln.

[https://iiics.org/h/20231209105000]


Schüler

7.3.02023 5 (1)

Beitragsfoto: Schüler in Klasse | © Shutterstock

Kampfgraben

Ich komme nicht umhin, diesen Artikel von Yegor Firsov in der New York Times vom 7. März 2023 zu teilen. Yegor Firsov ist derzeit ukrainischer Infanterist und hat seiner Frau aus den Gräben in der Ukraine geschrieben; diese hat den Brief ins Englische übersetzt und der New York Times zur Verfügung gestellt.

Yegor Firsovs Bericht „A Trench Is a Place With a Special Energy. I Should Know.“ ist unaufgeregt, stimmig und damit sehr lesenswert. Deshalb stelle ich diesen den Weblog-Lesern zum kostenfreien Lesen zur Verfügung.

Derweil kleben sich unsere Helden auf Straßen oder anderen Gegenständen fest und zeigen mehr als eindeutig den völligen Zerfall eines überbordeten Sozialstaats — die Schuld gebe ich dabei jenen, die solche Helden produziert und großgezogen haben. Die anderen deutschen Helden, die sich ohne eigene Verdienste in Parteiapparaten hochschleimen, sind allerdings keinen Deut besser!

Schulabschluss

In Baden-Württemberg keinen Schulabschluss hinzubekommen, ist bereits seit Jahren eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, dennoch schafften gemäß einem Artikel von Martin Oversohl in der Heilbronner Stimme (6.3.2023: 4) im Jahr 2021 6209 Jugendliche keinen Schulabschluss. In Baden-Württemberg sollen es tatsächlich immer so um 5 % der Schüler sein, die am Ende ohne Schulabschluss dastehen, was wiederum für meine hier schon öfters geäußerte 5 % Klausel spräche.

Etwas irritiert bin ich nur, dass es zwar bundesweit weiterhin über 6 % sind und in den eher bildungsferneren Bundesländern bis zu gut 13 % — aber allgemein immer weniger Schüler ohne Schulabschluss dastehen, was die Vermutung nahelegen könnte, dass man in Deutschland nicht nur Promotionen verschenkt. Allerdings schafft es dabei wohl auch die verantwortungsloseste Bildungspolitik nicht, die Quote unter die „magischen“ 5 % zu drücken.

Und so könnte man, wenn man eine weitere Tatsache mit betrachtet, nämlich dass in denselben Zeiträumen die Ausfälle an Lehrkräften und Schulstunden immer weiter zunehmen, zu der Überlegung gelangen, dass am Ende überhaupt keine Schule für sämtliche Schüler am besten wäre. Die Waldorfschulen scheinen dies in einem ersten Schritt heute schon zu bestätigen.

Auf jeden Fall wäre es einen Versuch wert, den Schülern ganz ohne Schule ab einem bestimmten Lebensalter einfach nur eine Abschlussprüfung anzubieten. Ich vermute einmal, dass auch dann nur und dies ganz ohne Zutun von Bildungspolitik und Schulapparaten jeweils nur 5 % aller Schüler ohne Schulabschluss dastünden.

Und selbst wenn es mehr Schüler wären, spielt das für unsere Bildungspolitiker und unsere Gesellschaft auch keine Rolle mehr, da man gemäß dem besagten Stimme-Artikel nun vom Staat auch ohne jeglichen Schulabschluss eine Ausbildungsgarantie bekommen soll.

Hat sich schon jemand einmal überlegt, was das für Ausbildungsbetriebe bedeutet, die nunmehr Menschen ausbilden sollen, die sich nicht nur weigern lesen, schreiben und rechnen zu lernen, sondern selbst zu faul dazu sind, um regelmäßig an Unterrichten oder zumindest wenigstens an einer Prüfung teilzunehmen? Aber so wie es die SPD gerne propagiert: „Bildung darf nicht anstrengen!“ wird es auch dafür bald politische Lösungen geben.

Man könnte das Bildungssystem aber auch so reformieren, dass die Lehrer wieder die Chance bekommen, um — motiviert und engagiert — auch den „schlechtesten“ Schülern wieder etwas beizubringen, zumindest bis zu einem Hauptschulabschluss.

Sitzung

Zum Abschluss des gestrigen Tages gab es dann noch eine Vorstandssitzung der Freien Wähler und ich war dabei sehr erfreut, dass wir in gut einer Stunde zu ganz ordentlichen Ergebnissen gekommen sind. Und so können sich alle auf neue Veranstaltungen freuen, darunter eine Informationsveranstaltung zur Windenergie.

Auch gelang es uns, die Eckpunkte für die notwendig gewordene Satzungsänderung festzulegen. Da alle Sitzungsteilnehmer noch ein paar weitere Dinge zu erledigen hatten, verschoben wir den gemütlichen Teil auf den Freie Wähler-Stammtisch am kommenden Mittwoch.

„Dummheit ist überhaupt keine Naturqualität, sondern ein gesellschaftlich Produziertes und Verstärktes.“

THEODOR W. ADORNO, MINIMA MORALIA (14. AUFLAGE 2022 [1951]: 119)

Beitragsfoto: Schachfiguren | © Pixabay

25.10.02021 5 (1)

Beitragsbild: Schachfiguren | © Pixabay

Bundestag XXL

Am morgigen Dienstag konstituiert sich der 20. deutsche Bundestag in Berlin. Er wird mit 736 Sitzen der größte Bundestag aller Zeiten werden und es gilt als sicher, dass der kommende erneut größer werden wird. Damit haben wir bald das größte Parlament der Welt und wohl schon heute das zweitgrößte demokratisch gewählte. Für knapp 80 Millionen Bundesbürger ein Luxus, den man sich auch leisten können muss.

Alterspräsident wird Wolfgang Schäuble, was man ebenfalls sehr leicht als für überhaupt nicht mehr für gut befinden kann, und was übrigens auch nicht mehr altbewährten demokratischen Traditionen folgt. Die neue Bundestagspräsidentin soll Bärbel Bas werden, von der selbst politisch Interessierte kaum etwas gehört haben, was wieder einmal zeigt, dass selbst im Parlament Quoten und Proporz inzwischen Leistung und Kompetenz ersetzt haben.

Dunning-Kruger-Effekt

Wie komme ich nur darauf? Und das an einem Montagmorgen. Der Begriff geht auf eine Publikation aus dem Jahr 1999 von David Dunning und Justin Kruger zurück. Diese trägt den Titel: „Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments“ und erschien im Journal of Personality and Social Psychology (1999, Ausgabe 77: 1121–1134).

Als Dunning-Kruger-Effekt wird die systematische fehlerhafte Neigung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen bezeichnet, nämlich das eigene Wissen und Können zu überschätzen. Dunning und Kruger stellten fest, dass u.a. beim Schachspielen und Autofahren Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen. 

Drei entsprechende Beispiele finden Sie in einem Beitrag von Deidre Rath im Human Resource Manager (26. August 2019). Schöner kann man eine Woche wohl kaum beginnen, denn Auserwählte sind bei uns reichlich vorhanden.

Berufe

Es gibt sie tatsächlich, interessante, fordernde und zudem erfüllende Berufe. Dazu kam bei uns bisher noch ein sehr gutes Ausbildungssystem, das sicherstellte, dass die Willigen und Guten in ihrem Wahlberuf die Meisterschaft erreichen konnten — man könnte meinen, was möchte ein Mensch mehr?

Leider wird es immer populärer, dass selbst eine Ausbildung — geschweige denn das notwendige Lernen — nicht anstrengen darf (u.a. das Bildungsversprechen der SPD). Hinzu kommt noch die irrsinnige Meinung, dass alle die, die zu faul oder zu dumm sind, um einen Beruf zu erlernen, „etwas Besseres“ sind oder verdient hätten und deshalb zumindest angehende Wissenschaftler seien.

Nur, wer schon zu dumm oder zu faul ist, um einen Beruf zu erlernen, der wird selbst bei unseren inzwischen sehr zahlreichen und auch sehr einfachen Möglichkeiten, um ein Studium zu absolvieren, was zudem mit dem allseits beliebten Bachelor-Abschluss sehr, sehr einfach wurde, völlig überfordert sein und scheitern.

Für diese bildungs- und fleissresistenten Mitbürger gibt es dafür jetzt einen ganz neuen Karriereeinstieg, indem man offiziell sein Wunschfach nimmt und eine entsprechende Bildungseinrichtung zumindest einmal betritt — geht inzwischen auch online.

Dann hat man sogleich den Abschluss: z.B. studierter Ökonom oder studierter Pädagoge, noch besser aber studierter Wissenschaftler — das zukünftige Allround-Genie!

Diesbezüglich schreibt heute die WirtschaftsWoche „Alle haben einen gewissen Anspruch, die Latte höher zu legen“ — schön war’s!

Website des Tages

Antiquaria

Die erste Antiquaria fand 1987 im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart statt. Seit 1993 hat sie in der Musikhalle in Ludwigsburg ihr Zuhause. Die kommende, inzwischen 36. Antiquaria findet vom 17. bis 19. Februar 2022 statt.

Geburtstag des Tages

Pablo Picasso