Brennendes Gebäude

Europa brennt 5 (13)

Beitragsfoto: Brennendes Gebäude | © Dirk Schumacher auf Pixabay 

Unser Europa brennt inzwischen bereits an seinen Rändern, und selbst in den „Stammländern“ der Europäischen Union finden die antieuropäischen Bestrebungen immer mehr Zuspruch und Anhänger. Derzeitiger Höhepunkt ist der Überfall Russlands auf die Ukraine und die unverhohlenen Atomkriegsdrohungen seines Regimes sollte die freie Welt russischen Forderungen nicht nachkommen. Dies scheint unsere Politiker in Europa nicht nur in eine Art Agonie zu stürzen, sondern zeigt viel mehr allen Diktatoren, Despoten und Terroristen dieser Welt, dass man mit ausreichend Massenvernichtungswaffen ausgestattet weitgehend unbehelligt sein Unwesen treiben kann. 

Die Appeasement-Politik der EU gegenüber Putin kann m. E. nur solange funktionieren, wie die Vereinigten Staaten von Amerika bereit sind, für Europas Existenz zu bürgen und zudem ihre militärische Stärke aufrechterhalten können. 

Derweil feiern mitten in Europa die Demokratiefeinde ihre Wahlerfolge, bekennen sich offen zur „gelenkten“ Demokratie und lassen nichts unversucht, um die politische Allianz der Nordatlantikanrainer – übrigens die einzige Garantie, unsere Europäische Idee auch verwirklichen zu können – zu beenden. Erstaunenswert dabei ist, wie sich Links- und Rechtsextremisten immer mehr annähern; sie scheinen einen Pakt gegen Europa und unsere Werte geschlossen zu haben. 

Was können ja, was müssen wir bekennenden Europäer tun? Wir dürfen uns auf alle Fälle nicht einschüchtern lassen, wir müssen weiter an der Europäischen Idee festhalten und wir müssen unsere eigenen Werte wie Freiheit, Frieden und Demokratie leben.

Auch müssen wir Unrecht als Unrecht bezeichnen und nicht versuchen, in Kompensationsgeschäften das meiste für uns selber herauszuholen; dies gilt vor allem auch gegenüber Staaten wie Russland, China oder Saudi Arabien.

Wir müssen endlich erkennen, dass wir nur gemeinsam die Idee eines Europas in Vielfalt geeint verwirklichen können und dabei akzeptieren, dass dies mit Kompromissen verbunden ist. Wir dürfen nichts unversucht lassen, um die Welt bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein wenig einiger und besser werden zu lassen; dies schließt Welthandelsabkommen mit ein. Und wir müssen weiterhin am Versprechen des Wohlstands für alle festhalten – der wohl am schwierigsten zu verwirklichenden Idee; noch weit vor „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ aus dem Jahre 1776. 

Wahrscheinlich ist es aber genau dieses Versprechen, welches die meisten Menschen für Europa begeistert. Es ist zugleich aber auch das Versprechen, welches die Bürger wieder von Europa entfernt, sobald sie fürchten müssen, dass sie vielleicht vom eigenen Wohlstand etwas abzugeben haben. Dies ist wohl das tatsächliche Dilemma Europas und hier sind unsere Politiker gefordert! Sie müssen dafür das Patentrezept finden und ihren Wählern vermitteln, bevor die Menschen wieder Diktatoren mit ihren Heilsversprechen verfallen. 


Adventsgedanken

Adventszeit 2014 5 (11)

Foto: Beispielbild | © Pixabay

Das einzige Mal, bei dem mir die Freude an der Adventszeit völlig genommen wurde, war auf dem Balkan in den 1990ern. Dort musste ich miterleben, wie Neid, Missgunst oder auch nur reine Mordlust Menschen zu Unmenschen machte. Ich war mir eigentlich bis dieser Tage ziemlich sicher, dass ich eine solche „verlorene“ Adventszeit nicht mehr erleben werde.

Aber mitten in der jetzigen Vorweihnachtszeit und zudem hier in unserem eigenen Lande versammeln sich Menschen zu Tausenden, um eigentlich gegen alles zu demonstrieren, dabei werden sämtliche Feindbilder des deutschen Populismus bedient. Und noch schlimmer! Unter dem Deckmantel des anständigen Bürgers schart sich das rotbraune Gesindel zusammen, sicherlich auch von uninformierten Mitläufern begleitet und zieht gerade zur Weihnachtszeit — hic! — durch unsere Straßen, um unverhohlen allen Demokraten, Europäern und Christen unter uns den Kampf anzusagen; die dabei geheuchelte Islamophobie steht meines Erachtens stellvertretend für den noch fehlenden Mut wieder zu Pogromen gegen alle Gläubigen, ob Jude, Moslem oder Christ, aufzurufen.

Schlimmer noch! Populisten aller Volksparteien beginnen Sympathien für diese Art von Mitbürgern zu entwickeln. Ich hoffe nur, dass die Demokraten in den Parteien stark genug sind, diesen „Hindenburgaspiranten“ das Wasser abzugraben.

Sie sehen, auf das kommende Weihnachten werde ich mich nicht so richtig freuen können – man muss wohl schon froh darüber sein, wenn in unserem Land zu Heiligabend keine Obdachlosen- oder Flüchtlingsheime brennen oder unsere Politiker in diesen Tagen keinem Land den Krieg erklären.

Sie erkennen aber auch, dass es für uns Europäische Föderalisten immer wichtiger wird, verstärkt Flagge zu zeigen und dabei aber auch dem aufkeimenden Unrecht wirkungsvoll entgegenzutreten – wir dürfen den Hasspredigern dieser Welt nicht das Feld überlassen!

Wir müssen verstärkt werben und zwar für unsere Ideale und Werte, für Frieden, für Freiheit, für Demokratie, für Europa, für Föderalismus, für Menschen- und Bürgerrechte, für Bildung, für Nächstenliebe, für Solidarität, für Religionsfreiheit … –- es gibt so viel Gutes, für das es sich lohnt, vehement einzutreten, und es gibt viel, sehr viel zu verlieren!

„Many young people, it is true, do not seem to value freedom. But some of us still believe that with­out freedom, human beings cannot become fully hu­man and that freedom is therefore supremely valuable.“

Aldous Huxley, Brave New World Revisited (1958)

Europa böckelt

Europa bröckelt 4.8 (5)

Beitragsfoto: Zerfallende europäische Flagge | © Shutterstock

Die jüngsten Ereignisse in und um Europa herum versetzen nicht nur uns Europäische Föderalisten immer mehr ins Staunen. Europa bröckelt nicht nur an seinen Rändern, es erodiert auch aus seiner Mitte heraus; und dies alles 100 Jahre nach Beginn eines bisher nie da gewesenen Massenmordens und 25 Jahre nach dem Fall der Mauer – seinem bisher als endgültig geglaubten Ende!

Manchem Mitbürger schwant bereits, dass Politik mehr sein muss, als Gelder umzuverteilen und dem politischen Gegner Worthülsen buchstäblich um die Ohren zu hauen. Europa ist in Gefahr! Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 scheint nur noch regionale Bedeutung zu haben und unsere Bürgerrechte zuletzt im Jahr 2000 als Grundrechte der Europäischen Union festgeschrieben, werden immer öfters wieder infrage gestellt: das Post- und Fernmeldegeheimnis besteht offensichtlich nur noch auf dem Papier, die Meinungs- und Informationsfreiheit wird nun auch schon innerhalb der EU begrenzt, die Reise-, Versammlungsfreiheit sowie das Recht auf Wahl des Wohnsitzes soll nur noch für manche unserer Mitbürger Gültigkeit haben und viele von uns verzichten von selbst immer öfters auf ihr Wahlrecht und ihre Beteiligung an gemeinschaftlichen Aufgaben wie der Mitarbeit in Verbänden, Vereinen und auch Parteien. So lange man uns Europäern finanzielle Sicherheit verspricht, scheinen wir alles schlucken zu wollen.

Die jüngsten Ereignisse sind aber auch eine Chance für unser Europa! Denn es ist nunmehr offensichtlich, wohin uns die Zentralisten mit ihren althergebrachten Nationalismen, Deutungs- und Verhaltensmustern führen werden – zurück ins 19. Jahrhundert. Nutzen wir diese sich uns bietende Chance und geben wir den Werten, die sich unsere Vorfahren hart erkämpft haben, wieder ihre Bedeutung zurück. Solidarität heißt nicht selber möglichst viel aus staatlichen Töpfen zu erhalten, sondern Mitbürger in ihrem Bestreben zu unterstützen, ein menschen-würdiges Leben führen zu können. Und Demokratie heißt nicht, anderen beim Entscheiden zuzuschauen, sondern sich selber zu informieren und einzubringen. Auch wird uns allen wieder vor Augen geführt, dass Freiheit und Frieden niemals umsonst sind, sie müssen immer wieder aufs Neue erworben werden.

Lassen wir uns aber nicht entmutigen, unsere europäische Idee ist weiterhin ein sehr attraktives Modell menschlichen Zusammenlebens, denn sie gibt jedem die Chance auf ein glückliches und erfüllendes Leben. Deshalb streben viele Menschen nach Europa und deshalb werden die europäischen Werte auch in den entlegensten Regionen dieser Erde immer wieder eingefordert. Wir Europäer müssen handeln, wir müssen an unseren eigenen Werten festhalten, wir müssen sie wieder selber „verdienen“ und „erarbeiten“ und wir müssen auch anderen Menschen helfen, diese Werte in ihren Ländern zu etablieren. Alles in allem: „Europa braucht ein neues Solidaritätsgefühl, damit seine Einheit nicht am Ende an allzu großen Lasten der Geber und am Frust der Nehmer zerbricht.“ (Władysław Bartoszewski)

„Die beste Demokratie wird wertlos, wenn das gesamte politische System verrottet ist und nur noch aus egoistischen Cliquen besteht, aus Seilschaften, Privilegien und Willkür.“

Richard David Precht, Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält (2010: 27f)