The Länd

27.7.02026 5 (6)

Beitragsfoto: The Länd ist überall

Hertenstein

Die weniger interessierten Mitbürger werden bisher weder etwas von Hertenstein noch etwas von den Europäischen Föderalisten gehört haben. Für mich ist dies bei jenen, die Politik studieren oder gar mit der Politik ihren Lebensunterhalt bestreiten der Lakmustest schlechthin.

Aber auch jene, die sich mit der Europäischen Idee beschäftigen, entfallen deren Jubiläen sehr gerne. Für uns Föderalisten ist dieses Jahr ein besonderes! 80 Jahre Hertensteiner Programm. 80 Jahre UEF, 80 Jahre EUD und auch 80 Jahre EUROPA-UNION Heilbronn; zufällig darf ich bereits ein Viertel dieser Zeit deren Vorsitzender sein.

Mit dem Europa-Ball in der Harmonie hatten wird dieses „Festjahr“ begonnen. Leider stoßen unsere Feierlichkeiten auf zu wenig Resonanz bei unseren Mitbürgern. Sehr erfreulich, dass zumindest die GEMA Verständnis für unsere Situation und sich uns gegenüber sehr zuvorkommend verhalten hat — hier muss man die GEMA einfach auch mal loben! So schnell wird es in Heilbronn allerdings keinen Europa-Ball mehr geben. Mein kleiner Trost dabei, auch Manfred Weinmann ist damit zuvor bereits glorios gescheitert. Und er kannte uns Heilbronner wesentlich besser als es mir jemals gelingen wird.

Am 19. September 2026 gibt es nun die inzwischen zehnten Hertensteiner Gespräche, die wie geplant 2028 nach insgesamt zwölf Jahren intensiver Diskussionen ein erstes Ergebnis liefern sollen. Wir überlegen uns, wie wir die 80 Jahre-Feierlichkeiten am besten in die 10. Hertensteiner Gespräche mit integrieren können.

Inzwischen haben sich bereits sehr interessante, fachkundige und engagierte Föderalisten zu den Gesprächen angemeldet, wie immer kommen diese dabei aus allen Ecken Europas nach Heilbronn. Mit bereits über 60 angemeldeten Teilnehmern sind wir auf einem guten Weg, um tatsächlich die Obergrenze des Machbaren erreichen zu können. Meine Erfahrung zeigt mir, dass maximal 120 Menschen produktiv mit- und untereinander diskutieren können; was alleine schon 7 140 Kommunikationskanäle (kleiner Insider) öffnet.

Das Gute, wir haben doch so einige Gesprächsprofis mit dabei, die die gemeinsamen Diskussionen sicherlich sehr erleichtern werden und zudem wieder eine ganze Reihe an sehr fach- und sachkundigen Impulsgebern. So erwarten wir erneut sehr spannende und informative Gespräche rund um Europa, wovon jeder Teilnehmer profitieren wird. Intensiver wird man wohl kaum an einem anderen Ort über europäische Themen diskutieren können — das Europäische Parlament einmal ausgenommen.

Landesversammlung

Wir fuhren bereits am Freitag in den ländlichen Raum, wobei dies im Ländle gar nicht anders machbar sein dürfte, vielleicht einmal abgesehen von den Industrien um Mannheim und Ludwigshafen herum.

Am Veranstaltungsort angekommen, befanden wir uns in einer Gegend, in der sich besonders Rentner wohlfühlen. Wir fanden uns sofort vor Ort zurecht, hatten wir den Veranstaltungsort zuvor bereits erkundet. Nachdem wir die Veranstaltung vorbereitet hatten, wobei sich die lokalen Föderalisten mehr als vorbildlich einbrachten, hatten wir ausreichend Zeit, um die Gegend etwas näher zu erkunden. Etwas jünger hätten wir sicherlich die Therme aufgesucht, so war der Kurpark unser Ziel: Entspannung pur.

Auffällig, die etwas esoterische Atmosphäre des Parks. Erstaunlich wie sich bei uns Aberglauben und eine Globulikultur halten können — die meisten von uns sollten inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen sein. Aber bereits vor Otto von Bismarck wusste man zu berichten, dass sich die Welt auf dem Land etwas langsamer dreht.

Abends testeten wir das Restaurant, welches am Folgetag für das Catering ausgesucht worden war. Bis auf das Eis in Eigenvermarktung eindeutig Sterneniveau — Chapeau an die Küche! Ich war nun gespannt auf den Folgetag.

Die Landesversammlung selbst sehr friedlich, was sicherlich der Gesamtsituation geschuldet war. Auch die Verbandsjugend war als solche vertreten; in Zeiten der Inklusion ein Anachronismus. Wir Heilbronner waren dieses Mal diplomatisch unterwegs und teilten unsere beiden etwas jüngeren Delegierten entsprechend auf.

Ich wurde gebeten, einen Workshop zum Thema Geopolitik anzubieten. Überraschenderweise kamen mehr Interessierte als gedacht. Das anschließende Feedback positiv. Für mich allerdings wie zu erwarten ernüchternd, was unser eigenes Verbandsdilemma wieder einmal ganz gut widerspiegelte: wie möchte man Europa einen, wenn man sich nicht einmal selbst einigen kann?

Der gemeinsame Abend erwartungsgemäß gut. Das Essen das Beste, das ich bei allen bisherigen Gremientreffen der Europäischen Föderalisten genießen durfte; sogar die Tapas in Barcelona mussten davor kapitulieren.

Am Folgetag gab es Delegiertenwahlen, welche für die EUROPA-UNION Heilbronn geplant gut verliefen. Wir konnten gleich zwei jüngere Mitglieder in die Verbandsgremien einbinden.

Achtung: die Verbandsarbeit findet weiterhin vor Ort statt! Gremienarbeit ist ein notweniges „Add-on“, aber kein Ersatz! Wer dies nicht berücksichtigt, der schadet dem Verband insgesamt.

Vermischtes

Mein Tipp an Blogger. Wenn mir etwas egal ist, dann schreibe ich doch nicht gleich auch noch einen ganzen Blog-Beitrag (Google-Rezensionen) darüber; so egal kann es dem Blogger dann doch nicht sein.

Nachdem ich nun einen größeren Abstand zu den Social Media gewonnen habe, musste ich am Wochenende doch wieder einmal in ein solches hineinschauen und war dabei sehr erstaunt. Mein erster Eindruck: digitale Selbstbefriedigung. Muss man einfach nicht haben. Und so bin ich nun noch bestärkter darin, dass Blogs weiterhin die bessere Kommunikationsform sind.

Zwischen etlichen Rechtsanwaltsterminen, was man halt so macht, damit es einem nicht langweilig wird, doch ein paar erbauliche Gespräche. Leider musste damit aber auch meine heutige Fahrt mit dem meseno-Bus entfallen.

So ganz nebenbei gab es dann doch Reaktionen von Studenten, die die letzte Klausur nicht bestanden haben. Auch wenn ich bereits vorher bekanntgebe, dass eine Klausureinsicht kein Basar ist, wo man um Noten und Punkte feilscht, wird es doch immer wieder versucht. Und so muss ich doch noch einmal im kommenden Semester an die Hochschule. Und wie immer stellt man dabei fest, dass die Studenten keine Klausureinsicht nötig gehabt, wenn sie sich nur ein klein wenig mehr vor der Klausur interessiert hätten. Bei mir erweckt dies den Eindruck, dass man gerne das Pferd von hinten aufzäumen möchte.


JEF Treffen 2007

Junge Hüpfer 4.2 (44)

Beitragsfoto: JEF Treffen 2007 | © Bettina Kümmerle

Meine Leser dürften es bereits wissen, ich bin allergisch gegen alles und jeden, der meint und dies auch sehr höflich ausgedrückt, mir den Mund verbieten lassen zu müssen. Für die freie Meinungsäußerung und ich behaupte dabei nicht, selbst die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben (!), habe ich schon des öfteren sehr große eigene Nachteile in Kauf genommen.

Selbst wenn ich inzwischen ein alter weißer Mann bin, war ich auch einmal ein junger Hüpfer und ein sehr dummer noch dazu. Noch bevor ich mein Abitur in der Tasche hatte, war ich Mitbegründer und lokaler Vorsitzender einer politischen Jugendorganisation und zudem bereits bei den Erwachsenen etabliert.

Meine ersten politischen Niederlagen musste ich erleiden als ich die Altersgrenze bei Jugendorganisationen auf 21 Jahre festzurren wollte und dies beginnend in der eigenen Partei. Sehr schnell hatten auch dort die Grenzalter (30 – 35 Jahre) das Sagen und richteten in Folge davon zumindest „meine“ damalige Parteijugend zugrunde. In diesen Jahren gab es auch bei uns bereits eine JEF, welche damals nur noch aus sehr alten Männern und Frauen bestand, die gerne reisten.

Erst meine heutige bessere Hälfte konnte als junge Dame die JEF vor Ort wieder zu einem schlagkräftigen Jugendverband machen, der es auch verdiente, eine politische Jugendorganisation zu sein. Und zu meinem völligen Erstaunen zeigte sie mir, dass man auch in seinen Zwanzigern noch politische Jugendarbeit machen kann. In dieser Zeit rückte ich tatsächlich von meiner selbstgesetzten Obergrenze ab, was ich heute bedauere.

Meine jahrzehntelange Erfahrung zeigt mir, dass es auch in Jugendorganisationen Ausnahmen geben muss und kann, diese aber nur dann gezogen werden dürfen, wenn die Alternative die Auflösung des betroffenen Verbandes wäre. Zwei Beispiele hierfür: meine bessere Hälfte verblieb bei der JEF bis zum Endalter in der Funktion als Landesschatzmeisterin, nur um den Untergang des Landesverbandes zu vermeiden. Sie war in dieser Zeit schon sehr lange fester Bestandteil des Kreisvorstandes der EUROPA-UNION. Der aktuelle JEF-Kreisvorsitzende, ebenfalls fest im Kreisvorstand der EUROPA-UNION verankert, hält die Stellung, nur um die JEF vor Ort zumindest papiermäßig am Leben zu erhalten.

In all den Jahrzehnten lernte ich in der JEF und ich kenne diese von der Orts- bis auf die Europaebene, ab der Landesebene aufwärts nur drei weitere JEF kennen und schätzen, denen ich eine ehrliche und auch erfolgreiche Jugendarbeit attestieren kann. Ansonsten meist nur selbstverliebte Ausbläser mit Hoffnung auf vermeintliche Bürgermeister- oder Abgeordnetenkarrieren.

Inzwischen staune ich nur noch Bauklötze darüber, wie sich ewig pubertierende Grenzalter und dies ganz besonders in den politischen Jugendorganisationen und -parteien aufplustern und den echten Erwachsenen die Welt erklären möchten!

Worüber ich mich zugegeben bei einem 17-Jährigen noch so richtig freuen würde, mich spätestens aber bei einem Endzwanziger fragen muss, was dieser überhaupt die ganze Zeit selbst gemacht hat? Und ganz besonders darüber, was ein Grenzalter überhaupt mit Minderjährigen zu tun haben möchte? Als 17-Jähriger fand ich es einfach nur widerlich, wie sich ein 34-Jähriger an uns Jungs heran wanzte — für eine eigene Karriere, nicht einmal in einem ehrenamtlichen Verband, reichte es ihm auch später nicht.

Dass meine Einschätzung nicht nur eine Einzelmeinung ist zeigt der Zustand unserer JEF ganz deutlich auf, wo sie vor Ort kaum noch junge Menschen mit beiden Füßen auf dem Boden gewinnen kann.

Meine beiden Söhne, seit ihrem 14. Lebensjahr selbst JEF, haben sich entgegen dem Engagement der eigenen Eltern immer der JEF gegenüber höflich distanziert verhalten — beide stehen aber auch mit beiden Beinen auf dem Boden und hatten mit spätestens 20 ihre Pubertät bereits hinter sich, auch politisch.

Die wenigen jungen Erwachsenen, die sich in unserem EUROPA-UNION Kreisverband aktiv einbringen, sind eigentlich nur JEF, weil es ein Doppelmitgliedschaftsabkommen gibt. Und sie sind im Kreisvorstand verankert, weil sie sich engagieren, nicht weil sie JEF sind. Bei uns im Verein spielt das Alter aber auch nur eine einzige Rolle: ab 14 Jahren darf man bei uns als vollwertiges Mitglied mitmachen und mit spätestens 80 Jahren muss man alle eigenen Vereinsfunktionen abgegeben haben.

Und wenn ich schon einmal beim Lästern bin, dann gleich noch ein paar Erlebnisse mit der JEF aus meiner Zeit als Kreisvorsitzender der EUROPA-UNION.

Mit der Übernahme meines Amtes musste ich feststellen, dass die JEF inzwischen eine Zeitung „Treffpunkt Europa“ vermarktet, dessen Namen unser Verein seit Jahren offiziell nutzte und nun auch — neue Besen kehren bekanntlich gut — für ein eigenes Mitgliedermagazin nutzen wollte. Und so wandte ich mich 2005 ganz offiziell an die Herausgeber, um eine für beide Seiten gangbare Lösung zu finden. Auf die Antwort warte ich noch heute!

Als gewählter UEF-Delegierter musste ich feststellen, dass eine junge Dame aus „meinem“ Kreisverband, die ich nur vom Papier her kannte, an allen Ebenen und Beschlüssen vorbei plötzlich dort in Brüssel tätig wurde. Sie verschwand dann auch wieder so wie sie gekommen war.

Als Kreisvorsitzender wurde ich auf einer eigenen Veranstaltung von einer stolzen Mutter (kein Mitglied) darauf angesprochen, dass ihre Tochter eine wichtige Rolle im JEF-Bundesvorstand spielen würde. Noch heute weiß ich nicht, wie diese junge Dame dorthin kam. Auf alle Fälle aber war sie nicht auf lokaler Ebene präsent oder gar engagiert. Schräg wurde es aber dann, dass mir nun diese Mutter nicht nur die Welt erklären wollte, sondern auch wie ich einen EUROPA-UNION Kreisverband zu führen hätte.

Als ich sowohl für den Kreisverband als auch für den Landesverband eine Lösung für unsere Websites gefunden hatte, lag mir die JEF in den Ohren, dass man dies viel moderner und besser machen könne. Ich lies mich überzeugen und wechselte alles auf WordPress, weil dann die JEF nach deren eigenen Worten diese Arbeit mit übernehmen könnte. Auch darauf warte ich noch heute!

Als ich für mein Buch „Europa ist für alle da!“ recherchierte, durfte ich sehr deutlich zur Kenntnis nehmen, dass JEF-Bundesvorstandsmitglieder mit einfachen Kreisvorsitzenden der Mutterorganisation nicht verkehren — nur mit Bundesvorstandsmitglieder, am besten mit Mandat im Europäischen Parlament.

Schlimm dabei aber nur, dass die JEF-Bundesebene seit spätestens 2018 völlig von der Kreisebene abgehoben agiert und nur dann von sich Reden macht, wenn die JEF auf EUD-Bundesebene halbgare Ideen durchgesetzt bekommen möchte und diese dann am liebsten von oben herab auf die Kreisebene zur Umsetzung befohlen werden sollen.

Seit dieser Zeit brilliert die JEF auch nur noch dann, wenn das „Gendern“ für alle zur Pflicht werden soll oder sie selbst jemanden kennen, der gerne ein neues Verbandslogo gestalten und verkaufen möchte.

Als wir echten Erwachsenen endlich mit Florenz eine gute und europäische Lösung für unsere Vereinsarchive gefunden hatten, schoss die JEF in Baden-Württemberg dazwischen und beschloss für sich eine nationale Lösung — nun muss man zumindest das JEF Archiv unseres eigenen Kreisverbandes als verschollen abschreiben.

Inzwischen gehe ich als Kreisvorsitzender davon aus, dass es nur noch eine Zusammenarbeit mit der JEF gibt, wenn sich einzelne JEF-Vorstandsmitglieder davon einen persönlichen Vorteil versprechen — z. B. Redezeiten oder andere Gelegenheiten zur Selbstvermarktung.

Der JEF geht es schon länger nicht mehr um die Sache oder gar die Europäische Idee. Deshalb findet man die JEF immer weniger auf der Kreisebene, wo tatsächlich weiterhin die Basisarbeit und auch der Austausch mit der Mutterorganisation wie auch mit der Bevölkerung stattfindet.

Wenn sich die JEF noch in die Niederungen verirrt, dann ganz offensichtlich nur, wenn es große bis großartige Kampagnen gibt, wo die Hoffnung besteht, dass man als „Germany’s Next Top Modell“ entdeckt werden kann, zumindest aber eine möglichst große Partei auf einen aufmerksam wird.

Und so freue ich mich schon aufs kommende Wochenende, wo mir bestimmt wieder ein paar pubertierende Drückeberger erklären möchten, dass unsere richtige Jugend Wehrdienst leisten muss!

Als Jugendlicher forderte ich selbst noch die Erhöhung der Wehrpflichtzeiten und leistete danach auch ganz folgerichtig meinen Wehrdienst ab! Viele von der damaligen politischen Konkurrenz forderten dies auch, drückten sich mit allen Mitteln vor dem Wehrdienst und profilieren sich noch heute als Polit-Promis, die sehr gerne andere in den Tod schicken.

Wer nun am Wochenende und dies ganz besonders im JEF-Grenzalter wieder einmal große Töne spuckt, der sollte sich doch erst einmal überlegen, was er im echten Leben so machen möchte, anstatt anderen Erwachsenen und mir wieder einmal die Zeit zu stehlen.

Es gibt keinen einzigen für unseren Verband sinnvollen Grund, warum JEF-Vertreter beim EUD-Bundeskongress sein müssen. Wer ein echter Bundesdelegierter sein möchte, der kann sich gerne in den jeweiligen Landesverbänden zur Wahl stellen. Nur zum Schaulaufen und um künftig sehr einfach in den Bundesvorstand (Präsidium) aufzurücken, nur weil man bereits einmal im JEF-Bundesvorstand war, ist erbärmlich und schreckt Jugendliche mit echtem Potenzial nur ab!

Wer ganz oben mitspielen möchte, der sollte zuerst einmal auf Kreisebene nachgewiesen haben, dass er willens und auch fähig ist, sich mit den Mitgliedern vor Ort, unserer Basis, auseinanderzusetzen und Erfolge für unseren Verband einfahren zu können. Unsere Teenager dürfen sich dabei gerne bei der JEF üben, die dann Erwachsen gewordenen sollten aber besser bei der EU einsteigen.

Die ewig Pubertierenden haben schon zu meiner Zeit nur Schäden angerichtet!

Übrigens, ich warte noch heute auf die gleich mehrmals so großspurig versprochene Realisierung der Europawahlkampagne 2024! — die kommenden Wahlen zum Europäischen Parlament finden erneut 2029 statt, nicht das es noch heißt, ich gäbe keinem eine zweite Chance.

Nachtrag 12.10.2025

Wer meint, mit Anfang 30 noch jung zu sein, der möchte bestimmt auch mit Mitte 30 in den Vorruhestand. Als ich mit einem Kameraden, beide damals so um die 30, während eines Lehrgangs für ein Bier in eine Dorf-Disco wollte, meinten die jungen Damen vor Ort lapidar: „Jetzt kommen die schon zum Sterben hierher.“

„Aus diesem Morast deutschbeseelter Bräsigkeit heraus steigt gerade eine hirntotgeborene Generation von nazisstischen TikTok-Arschgesichtern mit Ansprüchen bis zum Mond bei gleichzeitiger plakativer Ungebildetheit, die in verkrustete Unternehmen einsteigt, deren Charaktermasken im Management sich gegenseitig immer noch die gewohnten Regenwaldduschen aus Boni, Tantiemen und Optionen zuschanzen und die in ihrer abgehobenen Selbstzufriedenheit eher an volkseigene DDR-Betriebe erinnern als an globale Wettbewerber.“

Betonflüsterer (26.10.2025)

Normal

15.7.02025 5 (9)

Beitragsfoto: Je suis normal et unique

Käffchen

Während sich Thomas Michl in der Schlussphase eines größeren Projektes befindet und aktuell die Hardware zurückbaut (kleiner Tipp: Archivierung nicht vergessen), saß ich gleich heute Morgen mit Detlef Stern zu einem Käffchen zusammen. Schwerpunkt der heutigen Diskussion war der Zettelkasten und die entsprechenden Versionshinweise; wohl heute eher ein Thema des Verkaufsmanagements. Ich konnte aber auch etwas über Prüfziffern lernen. Eigentlich selbsterklärend, gibt es die auf verschiedenen Ebenen — man muss nur selber einmal darüber nachdenken.

Da wir beide „unser Projekt“ Sommersemester abgeschlossen haben, nutzten wir die Gelegenheit und tauschten uns etwas aus. Er muss demnächst mit den „Absolventen“ meiner Vorlesung leben. Als Profi zeigte er mir, wie ChatGPT meine Klausur beantworten würde — ok, ich habe den Deut verstanden!

Keine zehn Sekunden später hatte ChatGPT 85 von möglichen 90 Punkten in der Tasche. Das schaffte nur einer von 92 Studenten! Diese hatten mindestens ein Semester Vorbereitung, einige davon bereits zwei und insgesamt 105 Minuten Zeit, um bekannte Fragen — für den Fall, dass sie in den Vorlesungen waren — zu beantworten. Faktum ist, ein Student von 92 hat die Qualität einer völlig hirnlosen Software erreicht, der Rest blieb weit dahinter zurück. Was nun meiner These Nahrung gibt, dass 90 Prozent der Studenten ohne jegliche Probleme nach ihrem Abschluss von einem LLM ersetzt werden können.

Willige Studenten mit entsprechenden Verknüpfungen im Hirn könnten jetzt daraus folgern, dass sie spätestens mit dem Hauptstudium den Sprung über ein LLM hinaus schaffen sollten, um zumindest ein halbwegs nutzbares Rädchen in unserer Gesellschaft zu werden — vom Menschsein einmal ganz zu schweigen.

Der große Rest versucht wohl nur die Zeitspanne bis zur Leistungsrente mit dem Studium etwas zu verkürzen. Als Gesellschaft sollten wir uns überlegen, ob die Aufwendungen für Hochschulen nicht besser für eine Ausbildung von Handwerkern verwendet werden können. Wobei sich mir die Frage stellt, ob ein Handwerksmeister überhaupt etwas mit solchen Studenten anfangen kann? Wohl nur deshalb gibt es bei uns so viele Hochschulen, aka Aufbewahrungsanstalten.

Ich muss mir tatsächlich überlegen, ob ich nicht ChatGPT im Vorfeld einsetze und die künftige Klausur so nachjustiere, dass ChatGPT als Benchmark 45 Punkte erreicht, was für alle Beteiligten sicherlich besser wäre.

Louvre

Unsere französischen Nachbarn können zwar nicht mit ihrem Militär, aber sicherlich mit dem „größten“ Museum der Welt punkten. 73 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind schon imposant, zumindest bei uns in Europa. Das chinesische Nationalmuseum punktet derweil mit 195 000 Quadratmetern Gesamtfläche, das neue Grand Egyptian Museum punktet mit gut 100 000 Ausstellungsstücken und das Metropolitanmuseum mit 185 000 Quadratmetern Grundfläche. Aber egal wer nun tatsächlich das größere Museum hat, man kann als Mensch kaum ein einziges Museum jemals in Gänze erforschen, ist der Louvre sicherlich ein sehr großes und noch berühmteres Museum.

Bevor man selber in den Louvre geht, kann man das Museum auch schon etwas länger auf dessen Website vorerkunden. Ich bin mir sicher, dass man danach unbedingt auch einmal selbst dort vor Ort sein möchte.

Und wer keine Websites mehr sehen kann, dem empfehle ich eine Phoenix-Reportage von Marina Boyenval und Yann Streff mit dem Titel „Der Louvre – Wunderwerke der Weltgeschichte“ (2020).

Vermischtes

Die EUROPA-UNION setzt sich schon etwas länger dafür ein, dass europäische Themen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk stärker und differenzierter behandelt werden.

EUD-Vizepräsidentin Claudia Conen, zugleich stellvertretende Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, konnte mit der ZDF-Spitze diesbezüglich erste Fortschritte erzielen. Auf der kommenden Plenumssitzung des Fernsehrats am 18. Juli 2025 ab 9 Uhr wird das Thema EU-Berichterstattung ein zentraler Punkt sein. Eine vom ZDF erarbeitete Analyse bestätigt, es mangelt an europäischer Präsenz in den regulären Programmformaten, besonders außerhalb von Wahlzeiten. Sie können diese öffentliche Fernsehratssitzung per LiveStream [Link nicht mehr verfügbar] verfolgen.

An Schlümpfe als Militär- und Sicherheitsexperten habe ich mich inzwischen gewöhnt, auch daran, dass Wehrdienstverweigerer jetzt in Uniformen schlupfen, um ein wenig abzusahnen, vielleicht auch einmal in Uniform etwas darstellen zu wollen und sicherlich, sobald es zum Schwur kommt, wieder ihr Gewissen entdecken.

Und so war es auch nicht weiter erstaunlich, dass die Franzosen zu ihrem Nationalfeiertag noch mehr Stärke als sonst zeigen wollten — wie immer alles nur mit dem Mund. Wir Deutsche laden derweil sämtliche abgehalfterten russischen Soldaten zu uns ein, um sie ein wenig aufzupäppeln. Was man halt macht, wenn man so tolle Militärexperten wie bei uns hat.

Dem Klimawandel geschuldet versuche ich mich gerade daran, ein paar Kakteen auszuwildern. Bin nun einmal gespannt, ob das auch klappt.

Nach ein paar Wochen Auszeit konnten meine bessere Hälfte und ich wieder einmal das Tanzbein schwingen, aber nach einer Runde langsamer Walzer war dann wieder Schluss. Bis ich wieder Samba tanze, wird es noch eine Weile dauern.

Im Ahrtal feiert man derweil vier Jahre Krisenvorsorge und -bewältigung. Die Verantwortlichen für ein paar Hundert Tote feiern sich dabei gegenseitig. Und wir bauen derweil alles wieder so auf, wie es vorher war und sind dann wieder völlig überrascht, wenn in kaum zehn Jahren alles erneut unter Wasser steht. Macht doch nichts, denn es gibt doch genügend Deppen, die das alles wieder bezahlen.

Zur Nachbereitung des Sommersemesters lese ich aktuell „Deutschland verdummt“ von Michael Winterhoff (2019); leichte Lektüre zum Entspannen. Interessant, erst jetzt erkenne ich die Nachteile der Mengenlehre, welche wir in der Grundschule noch als Testklasse hatten, bevor es für kurze Zeit landesweit ausgerollt wurde.

Dass die 68er mit an der Bildungsmisere schuld sind, musste mir Winterhoff allerdings nicht erst sagen, das behaupte und schreibe ich bereits seit Jahrzehnten. Ein wenig erinnert mich das Buch schon jetzt an Peter Hahnes „Schluss mit lustig!: Das Ende der Spaßgesellschaft“ (2004). Auf alle Fälle wird Winterhoffs Buch genauso wenig Auswirkungen auf unser eigenes Verhalten haben wie dieses Vorgängerbuch.

Derweil macht Jens Spahn wieder für sich Werbung, indem er nicht nur behauptet, dass wir uns alle sehr viel zu verzeihen hätten, sondern ggf. auch ein wenig Mitverantwortung für sich mit einräumt, zumindest bei jenen Dingen, die ihn nicht vor den Richter bringen können. Wahrscheinlich aber auch nur, weil er weiter im rechten Spektrum punkten will. Dafür aber bekommt Alfons Schuhbeck ein Gerichtsurteil, ob dies allerdings Konsequenzen für ihn hat, darf bezweifelt werden.

Lebt eigentlich Markus Söder noch? Habe schon länger nichts mehr von ihm mitbekommen, kann aber auch nur sein, dass McDonald’s in Bayern Sonderwochen veranstaltet.

„Kann niemand mehr die Augen davor verschließen, dass viele der Schulabsolventen grundlegende Defizite in ihren methodischen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten haben. Der vielbeklagte Fachkräftemangel ist also weniger ein demographisches Problem als vielmehr die Konsequenz daraus, dass es vielen Jugendlichen heute an psychischer Entwicklung und damit an Lebenstüchtigkeit fehlt. “

Michael Winterhoff (2019 : 97)