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5.9.02026 5 (4)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Bildung

Ob Gott tot ist, das dürfte weiterhin zu diskutieren sein. Was aber fest steht ist, dass die Bildung bei uns tot ist. Den letzten Sargnagel dürfte die Künstliche Intelligenz eingeschlagen haben. Konnte man in meiner Generation noch davon ausgehen, dass 80 % der Bildungsabschlüsse zu Recht erworben wurden und wir mit Abschlüssen „Überlebende des Systems“ sind (kleiner Insider), so hat inzwischen aber der Gebrauch von LLM dazu geführt, dass Bildungsabschlüsse jeglicher Art nicht nur ihren Wert, sondern auch ihre Bedeutung verloren haben.

Inzwischen ist es gang und gäbe, dass KI die Arbeiten und zu bearbeitenden Themen erstellt, die Studenten und Schüler diese durch KI bearbeiten und die Professoren und Lehrer diese Produkte dann durch KI bewerten lassen. Das Ganze wird manchmal noch von einer weiteren KI be- und ausgewertet. Und damit hat sich die Bildung bei uns schlussendlich selbst ad absurdum geführt — selbst die höchsten Bildungsabschlüsse sind damit nichts mehr wert! Was auch für jene vielleicht noch 20 % an Studenten und Schülern gilt, die tatsächlich lernen und sich eigenständig den Prüfungen erfolgreich unterziehen, denn wer kann noch den Unterschied erkennen?

Eigentlich müssten wir die Bildung ganz neu erfinden, wenn wir noch so etwas wie ein öffentliches Bildungssystem haben möchten. Die Totalitaristen sind hierbei schon einen ganzen Schritt weiter, einfach nur deshalb, weil sie eine möglichst dumme Bevölkerung benötigen, um an die Macht zu kommen und zu bleiben.

Wie schon gesagt, begonnen hat dies bereits in den 1970er-Jahren als sich Konservative und Sozialdemokraten darin einig waren, dass der mündige Bürger kaum zu ihren Wählern gehört und eine bildungsfernere Bevölkerung leichter zu regieren ist.

Und weil der mündige Bürger, wenn es diesen überhaupt gibt, für die meisten Beteiligten eher eine Gefahr als eine Chance darstellt und zudem möglichst billig erworbene Abschlüsse voll und ganz in unsere Zeit passen, wird es auch keine Bildungsreform geben — wir machen weiter wie bisher, egal ob dies Sinn macht oder nicht.

Wenn wir dabei aber nicht völlig unter die Räder kommen wollen, dann müssen wir sehr schnell nicht nur das Urheberrecht, sondern auch sämtliche Verwertungsrechte anpassen. Die KI-Firmen haben nämlich längst reagiert und können sämtliche Werke der LLM als ihre ureigenen Produkte nachweisen. Egal ob Blog-Beitrag, Buch, Zeitungsartikel, wissenschaftliche Arbeit oder gar Dissertation.

Damit gehören schon heute wohl die allermeisten Bildungsabschlüsse einem LLM und nicht mehr den jeweiligen Absolventen. Das künftige Geschäftsmodell wird wohl sein, dass man seine Abschlüsse dann nur noch so lange behalten darf, wie man ein entsprechendes Abonnement abgeschlossen hat. Und selbst Autoren dürften demnächst für ihre Werke monatliche Gebühren abdrücken.

Wer sich einmal an seinen Doktortitel gewöhnt hat und vielleicht diesen auch noch gewinnbringend verwenden konnte, der wird wohl liebend gerne diesen Obolus an eine KI-Firma bezahlen.

Ironie des Schicksals ist dabei, dass es sich damit tatsächlich bewahrheitet, dass nicht die eigene Intelligenz über einen Bildungsabschluss, sondern nur der eigene oder der elterliche Geldbeutel entscheidet.

Vermischtes

Meine Gedanken zu Audi scheinen sich tatsächlich zu realisieren. Warum man dabei nie die für den Schlamassel ursächlichen Automobil-Clans zur Kasse bittet, wird weiterhin ein Rätsel bleiben.

Heute Morgen gab es ein gut besuchtes Europäisches Frühstück. Wie zu erwarten waren die kommenden Hertensteiner Gespräche das Thema. Besonders interessierten sich die Teilnehmer, wer von den Volksvertretern an den diesjährigen Gesprächen teilnimmt. Ich konnte nicht erklären, warum kein offizieller FDP-Vertreter mit dabei ist, denn selbst teilnehmende FDP-Mitglieder haben sich vergeblich um ihre Volksvertreter oder wenigstens lokale Parteivorsitzende bemüht. Könnte aber auch daran liegen, dass sich die FDP offiziell bereits zu den völkischen Parteien rechnet, oder aber auch nur, dass man an den Gesprächen selbst nichts verdienen kann. Passend dazu, dass nun auch der letzte Freie Wähler-Offizielle abgesagt hat. Man möchte es sich wohl mit der „kommenden Regierungspartei“ nicht zu arg versauen und macht schon einmal auf Blockpartei.

Umso mehr freut es mich, dass sehr viele — zumindest die bekanntesten — der anderen demokratischen Parteien ihre Teilnahme und dies sehr prominent zugesagt haben.

Spannend wie manche Teilnehmer des Frühstücks die Wahl in Sachsen-Anhalt beurteilten. Es würde dann doch nicht so schlimm kommen; mich erinnert dies an die altbewährte Vogel-Strauss-Politik. Für mich heute noch spannender, wenn Mitglieder der Grünen über ihre Leben und Urlaube berichten — zumindest die mir bekannten dürften das mit dem Umwelt- und Naturschutz sowie einer nachhaltigen Lebensführung nicht so ganz richtig verstanden haben.

Das dürfte wohl wie bei jenen Unternehmern sein, die SPD wählen und damit kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn sie ihre eigenen Mitarbeiter hemmungslos ausbeuten. Der altbewährte Ablasshandel hat sich nun voll und ganz gesellschaftlich etabliert.

Hertenstein

Die diesjährigen Hertensteiner Gespräche werden nun im gesamten Verband beworben, einschließlich von Bewerbungen weiterer Nachbarverbände, wie z. B. von der Société européenne de défense AISBL – S€D aus Belgien. Auch stehen wir bereits im Austausch mit den Moderatoren, welche sich teilweise noch und dies bis kurz vor Gesprächsbeginn in China oder der Schweiz befinden.

Schon jetzt befinden sich unter den aktuell ca. 100 angemeldeten Teilnehmern Föderalisten aus Belgien, Frankreich, Luxemburg, der Schweiz, Ungarn, der Ukraine, Polen, Österreich, dem Vereinigten Königreich, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Damit kann man ohne Wenn und Aber von europäischen Gesprächen sprechen.

Seitens der politischen Parteien aus Deutschland nehmen Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP, SPD, Volt und der Partei der Humanisten teil. Auch die Freien Wähler aus Baden-Württemberg sind mit an Bord. Und da es auch um unsere Demokratie an sich geht, darf der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold nicht fehlen.

Die Union Europäischer Föderalisten ist mit allen Ebenen (Ausnahme: Weltverband) vertreten und auch die Europäische Bewegung ist erneut mit dabei. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Vertreter des Europäischen Parlaments und der Kommission ebenfalls mit dabei sein werden.

Besonders freut es mich, dass dieses Mal doch so einige Landtagsabgeordnete einschließlich unseres Parlamentspräsidenten an den Hertensteiner Gesprächen teilnehmen.

Auch wenn die Arbeitssprache der Gespräche weiterhin Deutsch ist, wird während der Gespräche wie selbstverständlich auch Englisch und Französisch gesprochen. Neu wird dieses Mal die polnische Sprache mit hinzukommen, da es doch so einige polnische Teilnehmer gibt.

Ein wenig vermisse ich dieses Jahr Vertreter aus Spanien, Italien und Rumänien, die bei den vorherigen Gesprächen immer wieder einmal teilgenommen haben; wer weiß, vielleicht kommen deren Anmeldungen noch.

Auf alle Fälle aber freue ich mich schon jetzt auf gleich drei Tage interessanter und sehr spannender Gesprächen und den Austausch mit Gleichgesinnten. Für die weniger kundigen Europäer wäre es eine sehr gute Gelegenheit, um an einem Tag, dem Samstag, einmal die gesamte Breite und Vielfalt europäischer Themen und Vorstellungen kennenzulernen. Und dies in einem sehr angenehmen Umfeld. Besonders politisch Interessierte könnten sich dabei ganz gut über den aktuellen Sachstand zur Europapolitik kundig machen.

Spannend bis zum Schluss die Frage, ob doch noch ein paar Journalisten anbeißen werden?


Film

2.8.02026 5 (3)

Beitragsfoto: Willkommen

Vermischtes

Nicht nur das Käffchen mit Detlef Stern am Freitag war Entspannung pur, sondern auch das Europäische Frühstück am Samstag. Und weil es so schön war, gab es nachmittags noch eine Wohnungseinweihung in Stuttgart. Die sensibleren Exemplare von uns Menschen können am eigenen Leben Migration und seine Folgen erleben. Bei entsprechenden Vorträgen fragte ich immer gerne ab, woher die Großeltern der Anwesenden stammen — ein sehr kurzer Augenblick der Menschheitsgeschichte. Äußerst selten stieß ich dabei auf 1 000 Jahre Inzucht im selben Dorf.

Melanie Mühl gibt in der FAZ Tipps darüber, wohin man jetzt besser nicht mehr reist. Wir Menschen, die wir alle Migranten sind und somit das Reisen im Blut haben, machen meines Erachtens bei uns in der Westlichen Welt einen kapitalen Fehler, denn wir reisen meist nur noch um des Reisens willen — koste es, was es wolle! Ob wir dabei einzig aus schnöder Langeweile reisen, weil wir uns selbst nicht mehr ertragen können oder einfach nur deshalb, weil wir es unseren Nachbarn meinen beweisen zu müssen, was für tolle Hechte wir sind, ist unerheblich. Wir schaden nur uns und unserer Umwelt.

Jedes Reisen muss einen echten Sinn und Zweck haben. Und das muss jeder Reisende für sich selbst ausmachen. Nur um auch einmal, so wie Millionen anderer Menschen zuvor, dort gewesen zu sein, ist dabei zu wenig Begründung. Den Nachbarn neidisch gemacht zu haben wohl die allermeiste. Wenn man sich selbst nicht leiden kann, dann kann man sich auch auf dem Mars nicht wirklich mehr oder besser leiden! Und wer meint, Bildung zu besitzen, nur weil er auch am Nordpol war, der besitzt vielleicht alles, nur keine Bildung.

Ceuta

Wieder einmal kann man sehen, was es bedeutet, wenn man die Gegenküste nicht kontrolliert. Jene 50 bis 100 Millionen Euro, die unsere Politiker sparen wollten, indem sie den Arabischen Frühling verhungern ließen, haben uns schon heute unzählige Milliarden Euro gekostet.

Wen das Ganze etwas weiter interessiert, der kann gerne meine entsprechenden Blog-Beiträge vor ca. 12 Jahren herauskramen. Auch mein erstes Buch aus 2020 versucht das mit der Migration ein klein wenig zu erklären.

Dass sich aber jüngst um die 60 000 Menschen in ein paar Tagen nach Ceuta bewegten ist eine mehr als traurige Angelegenheit. Man spielt nicht mit Menschenleben! Wobei es bis heute den meisten verantwortlichen Politikern nicht um Menschenleben an sich geht, sondern diese wollen nur möglichst billig an Wählerstimmen gelangen. Dass dabei dann ein paar Hundert und vielleicht sogar Tausende Menschen sterben müssen, ist ein ganz normaler politischer Kollateralschaden.

Und je weiter diese Menschenleben vom eigenen Wahlkreis entfernt sind, umso weniger interessiert es unsere Entscheidungsträger. Zugegeben, deren Wählern ist dies ebenfalls völlig schnurz.

Und so wurde die damalige Chance des Arabischen Frühlings für Europa und den gesamten Mittelmeerraum nicht genutzt; die damaligen Politiker waren mehr als von ich selbst beeindruckt und ließen wirklich jeden wissen, dass man Probleme erst dann versucht zu lösen, wenn die Mehrheit der eigenen Wählerschaft davon existentiell betroffen ist.

Bisher haben wir Europäer auch die Einwanderungswelle 2015 und die Kriegsflüchtlinge 2022 halbwegs gut verkraftet. Und so gibt es insgesamt gesehen bei unseren Politikern, bis auf jene, die alleine wegen der Migrationsangst gewählt werden, noch keinen ernstzunehmenden Handlungsbedarf. Man macht meist zwar auch ein wenig auf Populismus und Fremdenhass, nimmt gerne dabei ein paar Wählerstimmen mit, aber ist selbst noch zu weit weg, um sich eigene Gedanken darüber zu machen, ob und wie man dieser Herausforderung am besten begegnen könnte.

Seit gut 200 000 Jahren wandern Menschen nach Europa ein und wir haben bis heute noch keine nennenswerte Willkommenskultur entwickelt. Das muss man erst einmal hinbekommen!

Zum Weinen

Ich weiß nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Seit der Wende lässt sich der Ausverkauf unserer bundesdeutschen Bildung nicht mehr leugnen und auch nicht mehr stoppen. Der dumme Bürger wurde zum Leitbild unserer Gesellschaft — der kleinste gemeinsame Nenner der beiden Deutschlands. Alle die auch nur im Ansatz dieser fürchterlichen Entwicklung entgegensteuern wollten, wurden verteufelt und kalt gestellt.

Und nun kommt es wie es kommen musste und von Anfang an auch abzusehen war. Selbst jene, die ihr gesamtes Berufsleben damit verbrachten kleine Kinder in den Brunnen zu schubsen, finden nun, dass Deutschland ein Bildungsproblem hat.

Aktuell beklagt die Chefin des Hamburger Oetinger Verlages die mangelnde Bildung und fordert einen „Elternführerschein“. Zugleich kritisiert Julia Bielenberg auch die Politik. Sie habe das Gefühl, wir sind vom Mittelmaß regiert. Guten Morgen Frau Bielenberg, wo haben sie die letzten Jahrzehnte gewohnt? Hamburg dürfte schon etwas länger hinterm Mond liegen.

Nicht umsonst haben die Vorgänger der heutigen Helikoptereltern bereits vor 50 Jahren ihre dümmsten Sprösslinge für einen Schulabschluss an die Küste geschickt. Die schlimmsten Fälle wurde dabei nach Westberlin verfrachtet. Was nun nicht bedeutet, dass es an der Küste keine intelligenten Menschen gab. Die gab und gibt es sicherlich auch heute noch — was erklären könnte, dass Schulnoten nun immer öfters besser als Eins sind. Was zur Folge hat, dass eine volle Punktzahl inzwischen als Mittelmaß angesehen werden muss — ein Einser-Abiturient halbwegs lesen und schreiben kann.

„Rituale sind für die Zeit was Dinge für den Raum sind.“

Detlef Stern (2.8.2026)

Met Live

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Beitragsfoto: Schnappschuss

Eugen Onegin

Pjotr Iljitsch Tschaikowski hat mir schon immer gefallen, besonders seine Klavierkonzerte. Seine Ballette Nussknacker und Schwanensee dürfte wohl jeder kennen. Und seine Oper Eugen Onegin ist seit 1879 ein Dauerbrenner. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich diese Oper schon gesehen habe. Auf alle Fälle habe ich sie noch als CD herumliegen und hatte sogar einmal eine Aufführung auf Videokassette. Für den Inhalt der Oper ist Alexander Puschkin verantwortlich.

Gestern war es dann wieder einmal soweit, denn die Metropolitan Opera brachte diese Oper wieder einmal auf die Bühne und wohl erstmals zugleich auch in die Kinos (MetLive). So richtig angelockt wurde ich dabei von der Aussage, dass diese Aufführung zum Schluss hin wagnerische Züge hätte — das war mir tatsächlich noch neu.

Inszeniert wurde diese Opernaufführung bereits 2013 von Deborah Warner. Recycelt wurde sie schon einmal 2017 und 2022 an der Met. Dieses Mal nun mit Asmik Gregorian als Tatjana und mit Iuri Samoilov als Onegin. Maria Barakova gab eine gute Olga und Stanislass de Barbeyrac gab einen sehr symphatischen Lenski. Insgesamt gab es an allen Stimmen nichts auszusetzen. Und auch das Orchester unter dem Dirigenten Timur Zangiev tadellos.

Zur Inszenierung kann ich nur sagen, dass diese bereits 2013 mehr als altbacken war. Das Bühnenbild (Tom Pye) zwar aufwendig aber überhaupt nicht interessant — zur Inszenierung wahrscheinlich sogar passend. Die Kostüme (Chloe Obolensky) eine Art Mischung von Schwarzwald und Apfelweinaussschank („Der blaue Bock“). Da half es dann auch nicht mehr viel, dass man ein wenig NASA-Feeling à la Artemis-Mission neu einstreute.

Insgesamt eher eine sehr gute Mietshausaufführung: sehr gute Handwerker und Hausmeister, dafür aber einen völlig ideenlosen Architekten. Die Mieter sind zufrieden, manche vielleicht auch glücklich, dennoch möchte keine Vermieter selber drin wohnen.

Am besten gefielen mir die Interviews mit den Sängern, wobei Iuri Samoilov kein Blatt vor den Mund nahm. Übrigens, Joyce DiDonato die den heutigen Host des Abends gab, trug den neusten New Yorker Unterwäsche-Chic, wohl als Kontrast zu den restlichen Kostümen der Oper gedacht.

Noch zwei Trivia zur Oper. Olga heiratet kurz nach dem Tod ihres Verlobten einen Lanzenreiter und verlässt ihre Heimat. Die Russen brauchten gut 140 Jahre, um die letzten Worte Onegins zu erfüllen; sage da nochmals jemand, dass Alexander Puschkin und Pjotr Iljitsch Tschaikowski keine Visionäre gewesen seien!

@ Nancy Gibson: Du hast mir damals in Chemnitz als Olga besser gefallen. Und die Aufführung selbst, schlichter aber dafür weit gefälliger.

Vermischtes

Erfreulich, dass FC Schalke 04 nun wieder in der Bundesliga zu finden sein wird, was einen Bekannten von mir sicherlich heute noch so richtig ärgert, da die Fortuna gestern weniger Glück hatte.

Vor zwei Tagen gab es Vollmond, was nur deshalb etwas interessant ist, da es diesen schon wieder am 31. Mai geben wird. Diesen nennt man dann Blue Moon, warum auch immer. Den nächsten soll es dann wieder am 31. Dezember 2028 geben. Ob einer davon tatsächlich auch einmal blau schimmern wird oder vielleicht sogar schon hat, werden sicherlich unsere Experten beantworten können.

Spannend zu lesen, was Detlef Stern zu seinen neuen Bewertungskriterien für Arbeiten geschrieben hat. Auf alle Fälle reduziert der Einsatz von KI den Wert der eigenen Arbeit ungemein — nicht nur bei den Weblogs, sondern auch in der Schule, im Studium und ganz besonders im Beruf. Ich bin zudem davon überzeugt, das jene, die nun von einer KI ersetzt werden, nie gebraucht wurden. Vielleicht hat damit KI doch etwas Gutes.

Ganz spontan gab es noch ein EUROPA-UNION Rundschreiben, das die unterschiedlichen Aktivitäten im Land im Zuge der Europawochen aufführte und letztmals für den Europa-Ball warb.

Expertise

Veranstaltungen vorzubereiten, die kaum noch jemanden interessieren, dies ist so etwas von upturnend, das kann man sich vorab gar nicht vorstellen. Deshalb nun auch meine Entscheidung, vom toten Pferd abzusteigen. Gestern beim europäischen Frühstück haben wir dann darüber gewitzelt, dass sobald wir die eine oder andere Veranstaltung endgültig eingestampft haben, ein paar Schlümpfe um die Ecke kommen und genau solche Veranstaltungen fordern, weil dies völlig neu sei und man so etwas unbedingt benötigen würde.

Was mich nun dazu motiviert, um über unsere heutigen Experten zu schreiben; was zudem ganz gut auch unsere momentane Welt beschreiben könnte. Ich möchte dies an ein par wenigen Beispielen deutlich machen, wobei ich weiß, dass ich von diesen ein klein wenig Ahnung habe.

Fangen wir mit dem Internet an, der Sache von der ich am wenigsten verstehe. Ich selbst sehe mich dort als erfahrenen Nutzer und nicht als Experte. Detlef Stern wird dies bestätigen können.

Seit Mitte der 1980er-Jahre bin ich im Internet unterwegs, was anfangs nur ein militärisches Gadget mehr war. Seit Ende der 1990er-Jahre betreibe ich immer wieder eigene Server und Websites und seit den Nullerjahren sogar permanent. Ich konnte dabei eigene Websites monetarisieren und auch mit eigenen Apps etwas Geld verdienen.

Was mich aber sicherlich nie und nimmer selbst zu einem Experten werden ließ. Aber ich weiß inzwischen ziemlich gut, wer von dieser Materie Ahnung hat und wer nicht — jene in meinem Umfeld mit Ahnung kann ich wohl an den Fingern meiner beiden Hände, vielleicht noch die Zehen mit hinzu, abzählen.

Was jene, die nach ein paar Monaten bloßem Wischen und Drücken zu glauben scheinen, selbst die völligen Durchblicker zu sein, nicht davon abhält, ganze Elogien über das Internet zu schreiben, selbstverständlich inzwischen KI-gestützt. Experte ist man heute bereits, wenn man halbwegs unfallfrei Microsoft- oder andere Produkte bedienen kann oder über ein entsprechendes Zertifikat verfügt.

Schon alleine aufgrund meines Berufs habe ich von Sicherheitspolitik Ahnung und zähle mich mit mehr als 30 Jahren als Profi und mit insgesamt über 45 Jahren intensiver thematischer Beschäftigung zu jenen Menschen mit Expertenstatus. Hierbei habe ich lernen dürfen, dass man sämtliche andere Experten zum entsprechenden Thema namentlich kennt und mit den meisten auch schon einmal zusammengearbeitet hat.

Mehr möchte ich schon gar nicht mehr zu diesem Thema schreiben, denn hier bekomme ich schon Magengeschwüre sobald ich nur daran denke! Alles nur noch Experten um mich herum!

Und die müssen nicht einmal wie beim Thema Internet wenigstens selbst wischen und drücken können, nicht einmal mehr furzen oder grunzen. Ein paar YouTube-Videos, wenn möglich noch das eine oder andere „Hausfrauenbriefing“ und vielleicht sogar noch einen mehr oder weniger erfolgreichen Versuch eines Journalismus- oder Politikstudiums. Wenn allerdings wirklich alles schief läuft, langt auch bloß ein Parteibuch; besser noch, man lässt sich wie in den USA inzwischen üblich gleich noch ein Hakenkreuz aufs Gemächt tätowieren und der Posten des Kriegsministers ist gesichert. Sollte man keins haben, langt bei uns selbstverständlich auch eine Fönfrisur.

Erst jüngst haben mir ein paar solcher depperten Experten schriftlich versichert, dass die EU (max. 6) über mehr Atom-U-Boote als die USA (ca. 70 Boote) verfügt. Selbst wenn man die Briten mit einrechnet, dürften bei uns keine zwölf nuklear betriebene U-Boote zusammenkommen. Was bei unseren deutschen Experten aus der Politik weit mehr als 70 ist.

Auf alle Fälle aber macht man bei uns mit seinem Expertentum richtig gut Geld und dies ohne jemals etwas arbeiten oder gar leisten zu müssen — einzig und alleine drangsaliert man gerade jene Mitmenschen, die sich durch Fleiß und Arbeit mit der Materie vertraut gemacht haben.

Zum Schluss komme ich noch auf mein Lieblingsthema Europa zu sprechen. In den USA wird gerne kolportiert, dass es zwei Dinge gibt, von denen man überhaupt keine Ahnung haben müsse, um sie in vollen Zügen genießen zu können, nämlich Sex und Golf. Bei uns kommt noch Europa mit hinzu.

Europa kann man erleben und genießen. Mit ein wenig Menschenkenntnis und gutem Willen wird man ohne Wenn und Aber zu einem sachkundigen und fundierten Europäer. Aber auch hierbei schlägt unser Expertentum voll und ganz zu!

Als Europäer, der seit über 35 Jahren versucht Europa zu leben, werde ich immer öfters von Europaexperten drangsaliert. Was mich zu der Erkenntnis bringt, dass wir insgesamt weniger Experten benötigen und dafür wieder mehr ganz normale Menschen, die sich aus reinem Interesse heraus für eine Sache interessieren und darüber kundig machen wollen.

Und wer in einer Sache Experte sein möchte, der sollte nicht gleich schon an seinem Grundschulabschluss scheitern! Auf alle Fälle aber sollten Experten 2 und 2 oder gar 6 und 6 zusammenzählen können und dann auch wissen, dass das Ergebnis weniger als 70 ist!

Jene besagten Experten, die aktuell im Europäischen Parlament untergekommen sind, können dies auf alle Fälle nicht. Wobei ich die Verantwortung bei Lehrern sehe, die eine Empfehlung fürs Gymnasium selbst für jene aussprechen, die nicht lesen und schreiben können, vom Rechnen ganz zu schweigen. Denn ab 16 hilft dann alleine ein Parteibuch, um selbst in höchste politische Ämter zu gelangen — dazu muss man auch nicht einmal mehr unfallfrei telefonieren können.

„Verschmäht, verstoßen! O welch hartes Los!“

Eugen Onegin, letzte Worte

Fediverse Reactions