Tanzschuhe

11.12.02025 5 (6)

Beitragsfoto: Tanzschuhe

Zur Disposition

Wie in den USA erfolgt und bereits in der Umsetzung begriffen, stellt man bei uns — auch hier in Deutschland — Europa und die Demokratie an sich zur Disposition.

Dabei sind Donald Trump, MAGA sowie die GOP nur der Schnelldurchlauf und auch nur deshalb, weil es in Europa bekanntlich immer etwas länger dauert. Was unseren Volksvertretern zudem die Gelegenheit gibt, ihr eigenes Vorgehen besser untereinander abzustimmen.

Wenn man als Berufspolitiker sämtliche Glaubwürdigkeit bei den Wählern verloren hat, ist der Übergang zur Diktatur die natürliche Folge.

Und weil dies seit Jahrtausenden spätestens seit dem alten Rom bekannt ist, scheuen und zieren sich anfangs noch die meisten Berufspolitiker, aber nur so lange, bis das Eis gebrochen ist, denn dann gibt es kein Halten mehr — wir können dies seit ein paar Jahren in den USA ganz wunderbar mitverfolgen; Hans Müller hat dies u. a. auch hier im Blog sehr gut dokumentiert.

Und so dürfen die jüngsten Schelten der etablierten demokratischen Parteien gegen die extremen Ränder nur noch als letztes Täuschungsmanöver angesehen werden. In Frankreich ist derweil Nikolas Sarkozy längst einen Schritt weiter und dient die Konservativen Marine Le Pen und ihrer Nazi-Partei an.

Aber auch bei uns dauert es nicht mehr lange, bis die Union die Juniorpartnerschaft unter einer AfD-Regierung akzeptiert; wobei die ersten Gespräche — wenn erwischt, gerne dementiert — bereits laufen, zumindest auf lokaler Ebene. Derweil versucht sich Friedrich Merz noch dadurch zu retten, dass er sich Donald Trump direkt andient — die AfD war wie bei Wladimir Putin auch hierbei wieder etwas schneller.

Und wir Bürger haben es gefressen, Europa und die Demokratie sind als Auslaufmodelle nicht mehr zeitgemäß! Dafür bekommen wir bald wieder Russengas, die Sicherheit von DDR-Renten und einen Zaun um uns herum, der uns wie zu den guten alten Zeiten vor allem Bösen schützt.

Wir könnten allerdings noch ganz anders! Gemeinsam für das eintreten, was uns allen über Jahrzehnte hinweg gutgetan hat, trotz vieler Rückschritte, Fehltritte und Eskapaden, nämlich weiter an einem einigen Europa und unseren Demokratien festhalten und damit unseren US-amerikanischen Freunden zeigen, dass diese bereits vor gut 250 Jahren richtig lagen und die alten europäischen Gewohnheiten noch nie die Lösung für echte Probleme und große Herausforderungen waren.

In den USA gibt es nämlich noch ein paar Reste einer demokratischen Opposition und bestimmt auch noch ausreichend Demokraten, um gemeinsam mit den europäischen Demokratien wieder an einem Strang zu ziehen. Und genau das müssten wir Bürger unseren Volksvertretern vermitteln und auch abverlangen!

Wahrscheinlich scheitert das Ganze letztendlich daran, dass wir und unsere Volksvertreter dafür tatsächlich unangenehme Dinge tun müssten, wie z. B. Verantwortung übernehmen.

Überraschung

Ich lese gerne den „Rapporteur“, ein Rundschreiben von Euractiv. Uns allen dürfte es klar gewesen sein, dass das Europäische Parlament nicht über die Korruptionsaffäre um Federica Mogherini und Stefano Sannino debattieren wird, zum einen reicht es als Ausrede, dass die rechten Parteien eine solche Debatte fordern und zum anderen schadet es letztendlich dem Europäischen Parlament an sich.

Und nein, liebe deutsche Mitbürger, es ist weder ein italienisches noch ein griechisches Problem, sondern ein gesamteuropäisches, wobei wir Deutschen klamm heimlich und schon sehr lange die eigentlichen Korruptionsweltmeister sind — bei uns ist nämlich Korruption schon lange Staatsräson.

Besser wäre es gewesen, wenn eine demokratische Partei zuerst die Debatte gefordert hätte. An den europäische Staatsanwälten und Ermittlern liegt es nämlich nicht, die führen auf Brüssler Ebene die Korruptionsfälle, die in Berlin beständig unter den Tisch gekehrt werden, ans Tageslicht. Und das ist gut so! Hierbei ist das Brüssel-Europa weit besser als das Berlin-Deutschland. Ergo, eine Europaschelte, die die rechten Parteien im Europäischen Parlament gerne hätten, völlig fehl am Platz. Besonders weil die Vertreter dieser rechten Parteien mit die kriminellsten Abgeordneten Europas stellen.

Und wenn diese in Straßburg dann völlig verbrannt sind, nimmt man sie einfach wieder in den Bundestag zurück; da bei uns Korruption Staatsräson ist, ist das auch so in Ordnung.

Bürger, die nun dennoch wieder gegen Europa hetzen möchten, denen empfehle ich erst einmal in Stuttgart und Berlin zu kehren, gerne auch in weiteren deutschen Hauptstädten oder noch besser gleich im eigenen Rathaus.

Die heutige Überraschung aber ist, dass Rainer Wieland von der Union wieder als Abgeordneter ins Spiel gebracht wird.

Vermischtes

Was aktuell als erste Kuschelparty in Heilbronn propagiert wird, war in den 1970er-Jahren hier bei uns noch gang und gäbe, zumindest bei den etwas städtischeren Mitbürgern. Wir Jugendlichen nannten dies Wagenburgen. Zugegeben, Kuschelparty hört sich vielleicht doch etwas besser an, verspricht dabei aber sicherlich mehr, als die Organisatoren halten können.

Unsere Wagenburgen hingegen waren stets und dabei meist auch sehr spontan selbst organisiert und jeder selber dafür zuständig, dass es ihm gefällt. Den regelmäßigen Teilnehmern dürfte es auf alle Fälle gefallen haben, und unsere Eltern, im Falle, dass sie davon Wind bekamen, wollten vor ihren eigenen Sprösslingen sicherlich keine 1950er sein.

Wahrscheinlich aber nicht, weil sich die Flower-Power-Bewegung auch bei uns bemerkbar machte, eher weil inzwischen in fast jedem Haushalt die Bücher von Oswalt und Cornelia Kolle standen: „Dein Mann, Deine Frau, das unbekannte Wesen“.

Schon immer habe ich gerne in den Bücherschränken anderer Leute gestöbert, als Jugendlicher sehr gerne in jenen der Eltern meiner Freunde und Bekannten. Meist standen dort die gleichen Bücher, jene, die man halt kaufen musste, etwa so wie heute die Apps für die Mobiltelefone. Und so war es weit spannender zu ergründen, wie diese zusammengestellt wurden, nach Farbe, nach Größe, nach Kaufdatum, nach Autor oder gar nach unterschiedlichen Themen.

Lustig dabei, wo die Kolle-Bücher eingereiht waren. Noch amüsanter die Bücher selbst. Was unsere Eltern aus Büchern zu lernen versuchten, lernten wir beim eigenständigen Experimentieren — oder auch nicht.

Gestern Abend für meinen Geschmack etwas zu spät, gab es wieder einmal ein paar Runden Tango Argentino. Da sich die Paare inzwischen alle kennen dürften, gibt es auch immer wieder sehr nette Gespräche.

Danach durfte ich erfahren, dass Gasleitungen auch porös werden können und unser Jüngster zog kurzfristig bei uns ein, so lange, bis er seine eigene Wohnung wieder betreten kann.

Was mich daran erinnerte, dass unsere Regierung auch auf diesem Gebiet mit falschen Karten spielt, denn unsere Gasleitungen und ganz besonders jene in den etwas älteren Gebäuden und Straßenzügen sind gar nicht dafür vorgesehen, dass man auch nur ansatzweise Wasserstoff durchleiten kann.

Bevor ich mir nun wieder einmal sehr traurige Gedanken darüber machte, wie wir Normalbürger nur noch ausgebeutet und verarscht werden, wobei die meisten von uns das ganz genau so möchten (!), verzog ich mich auf „meine Insel“ und guckte eine Folge „Death in Paradise“ (2011 – dato) — zum Bingen reichte die Nacht nicht mehr aus.

Der Vorteil von TV-Serien gegenüber Büchern, in erstere guckt man immer wieder rein. Die meisten Apps hingegen liegen auch nur so auf dem Mobiltelefon herum.

Und das ist der eigentliche Vorteil von Flimmerkisten, sie ersetzen das urzeitliche Lagerfeuer und man muss dabei auch keine völlig unnötigen Gespräche führen.

„Lernen oder Nichtlernen, das ist die Frage. …
der sogenannte wissenschaftliche Fortschritt typisch mehr ungelöste als gelöste Probleme erzeugt, also das Nichtwissen im Vergleich zum Wissen überproportional vermehrt.“

Niklas Luhmann (2021: 437, 440)

Lesezeichen

Will Europe Wag Its Tail? 5 (1)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Jean Marsia | Visegrad Insight

Trump and Putin Call the Shots. Will Europe Wag Its Tail? – OPINION (zuletzt aufgerufen am 31.10.2025, 17.00 Uhr)

Jean Marsia schreibt in einem Gastbeitrag das Folgende:

„Why we must pull ourselves together – now.

Europeans have been far too polite for far too long. At Turnberry, Ursula von der Leyen played the courteous guest while Donald Trump slapped on tariffs and pocketed promises of energy and arms contracts. Washington and Moscow now chat over Ukraine’s fate as if Europe is a side dish. Our only escape is a Federation that can say no, spend smart and act like a power rather than a pawn.

Russian fighter jets and drones have violated the airspace of European states with increasing frequency this summer. These incidents raise the question of whether the European Union (EU) and the North Atlantic Treaty Organisation (NATO) can deal with the intensification of the hybrid war that Vladimir Putin, Russia’s president, has been waging against us since 2007. He is no longer content with manipulating public opinion and disrupting electoral and decision-making processes; he is testing the military capabilities of European NATO countries. ‘We are not at war, but we are no longer at peace either’, said the German Chancellor Friedrich Merz in Düsseldorf on 29 September 2025.

Yet, Europe’s impotence and lack of relevance are evident everywhere: from our eastern flank to the Mediterranean to the Israel-Palestine conflict. Europe was also absent during the signing of the peace agreements between Rwanda and the Democratic Republic of Congo, as well as between Armenia and Azerbaijan, at the White House. The only exception to this is Ursula von der Leyen’s support of Ukraine at the Washington summit, alongside five European leaders.

Failure to recognise the realities across two dimensions – geopolitical and economic – has humiliated the leaders of the ‘core’ EU member states and the European Commission (EC) in particular, harming Europeans and European exporters in particular, in the process.

The monkey on our back

Our primary weakness is our inability to build a fully independent and resilient defence posture since Russia’s first hybrid attacks on Europe in 2007. The war in Ukraine has further exposed how much Europe’s defence depends on the United States (US), even though the share of its overall defence spending allocated to the protection of Europe is very small, ranging between four and 15 per cent. The recent Interim National Defence Strategic Guidance document reveals that the US is more concerned with the potential conflict with the People’s Republic of China (PRC) over the fate of Taiwan. It is thus a big question whether the US would ensure full nuclear deterrence to Europe and comply with NATO’s Article V in the event of a Russian attack.

The rhetoric at this June’s NATO summit in The Hague confirmed the fears. The allies agreed to US President Donald Trump’s request to allocate five per cent of their GDP to their security and defence.

A storm brewing on the horizon

This, however, will not deter Putin from testing the strength of the Atlantic Alliance in the years to come, because the rise in our defence spending mainly increases the waste and boosts imports of American systems, which harms our economy. According to several European intelligence services, if Putin were to be victorious in Ukraine, he would then proceed with annexing Transnistria, Moldova and Belarus before eventually cutting off the Baltic states from Europe.

Russia is testing our defences a little more every day. On the night of 10 September 2025, at least 19 Russian drones entered Polish airspace. Only three were shot down, which shows the weakness of Europe’s air and missile defences. Poland requested the activation of Article IV of the NATO Treaty, which provides for consultations between allies in the event of a threat to one of its members, rather than Article V, which Ukraine considered a sign of weakness

Other, more ambitious scenarios are also possible. In his book ‘Who Will Defend Europe? An Awakened Russia and a Sleeping Continent’, Keir Giles describes a children’s map found for sale in Moscow, which shows the ‘Russian motherland’ as including much of Eastern Europe – Ukraine, Belarus, the Baltic states, Central Asia, and even parts of Poland and Finland. Putin has repeatedly stated that he aims to restore Russia’s zone of influence, which was previously part of the Soviet Union.

It’s the economy, stupid

The second factor of weakness is that of our economy. A year after the September 2024 report on European competitiveness by Mario Draghi, former president of the European Central Bank, which warned of the economic stall vis-à-vis the US and China, and which formulated 170 proposals to revive Europe, only ten per cent of these have been implemented.

Like Draghi, let us note that the EU’s economic weight does not give it geopolitical power, despite its 450 million consumers. The EU, once described as a geopolitical dwarf but an economic giant, is now nothing more than a giant with feet of clay.

A Europe flouted

At the G7 summit, held in Canada, from 15 to 17 June 2025, the leaders of the main EU member states and Trump clashed over Ukraine and a minimum tax on the profits of US multinationals.

Shortly after, Europe suffered its first unequal treaty, akin to the Treaty of Nanking inflicted on China in 1842. Unlike in the 19th century China, however, von der Leyen met Donald Trump freely at Turnberry, Scotland, on 27 July to appease him and to protect the EU’s largest exporters, Germany and Italy. She disdained our will for strategic autonomy and for fighting against climate change, instead accepting a 15 per cent increase in customs duties on European exports and a removal of such on imports from the US.

Von der Leyen also gave up on taxing its digital services sector. She did not activate the anti-coercion instrument, which would have allowed us to penalise our ‘allies’ across the Atlantic. Without having the slightest competence, mandate or budget to do so, Ursula von der Leyen pledged to invest 600 billion US dollars in America, to buy 750 billion dollars worth of hydrocarbons in three years and ‘hundreds’, according to Donald Trump, of billions of dollars in armaments.

The new paper tiger

The arguments used by the president of the EC to justify her position in Turnberry were the stability and predictability of our transatlantic trade. Yet, both lost their relevance within a few weeks. Donald Trump threatens new tariffs on the EU if it dares to tax American digital services and/or dismantle its regulations in this area.

On 5 September 2025, the EC fined Google 2.95 billion euros for violating European competition rules with its advertising technologies. The Commission has ruled that since 2014, ‘Google has acted to favour its own online display advertising technology services to the detriment of competing advertising technology service providers, advertisers and online publishers’. The EC has ordered the company to end its self-referencing practices and to end its conflicts of interest in the context of advertising technology. At the time of writing, Google still has time to inform Brussels of the remedies it would propose.

Nevertheless, the EC should have directly confronted the Trump administration, which only understands the balance of power, even if it meant enduring a few difficult weeks. This is what China has done, with success. It is to be hoped that the European Parliament will refuse to implement this unequal Turnberry agreement as it stands. Immediately after von der Leyen’s State of the Union address, many from the liberal/centrist (Renew), social-democratic (S&D), and green (Greens) political groups in the European Parliament spoke out in this vein, as did the representatives of the more left- and right-wing groups in the hemicycle.

A Europe ignored, then robbed

During the meeting between Trump and Putin near Anchorage, Alaska, on 15 August, the Russian dictator, who has since been particularly ungrateful, was welcomed on the red carpet and with demonstrations of friendship. Continental Europeans have been treated as if they were at Yalta: the future of the conflict in Ukraine is envisaged without them, and the partition of Ukraine that is being prepared resembles that of Germany in 1945.

On 18 August, a delegation of heads of state and government escorted Volodymyr Zelensky to the White House. The exaggerated flattery of the Europeans and the spectacle staged for American television channels, in which Donald Trump behaved like an emperor receiving his vassals, has made teeth grind. In exchange, the Europeans only obtained vague promises from Donald Trump of American support for the troops they could deploy on the ground after a ceasefire in Ukraine. The bill is heavy: military aid to Kyiv, totalling nearly 100 billion euros of American armaments, will be entirely at the expense of the Europeans, who will also have to pay a 10 per cent surcharge!

Perilous future ahead

Since the year 2000, our leaders have clearly taken Europe out of the group of powers that make history. Its marginalisation is patent: fragmented, sparsely populated, because Europeans make up only 5 per cent of the world’s population, its economy is lagging behind the US and China. Under these conditions, Europe’s strategic autonomy is a chimaera. Never before has the fact that Europe is not yet a Federation cost us so much.

By vassalising us, policymakers prevent Europeans from mastering our destiny. They put us at risk of recession and aggression. Their disunity and the lack of a credible European defence make them almost insignificant on the international stage, even in trade matters. Europe is nothing more than a prey for the imperialist powers that seek to dominate the world and destabilise our democracies, particularly by interfering in our electoral processes.

The USA, under Trump, is no longer reliable

Europeans, even those who had blind and long faith in NATO, are gradually waking up to the risk posed by the second Trump administration. It is not fulfilling its obligations under the 1994 Budapest Memorandum, by which the Americans, and others, including Russia, ‘guaranteed’ Ukraine’s territorial integrity. The Administration may decide to relinquish its duties under the North Atlantic Treaty and withdraw US forces from the European continent, just as it happened in Afghanistan, because it shows deep contempt for its long-standing allies, both in Europe and in the Indo-Pacific.

The US is risking losing its allies and having to face in isolation a bloc that challenges its hegemony, composed at least of China, Russia, Iran and North Korea, but which will undoubtedly be much larger, because China has woven a global network. It has become unreasonable to rely on NATO, that is, on the US, led by Donald Trump, especially since the Alliance has failed for seventy-five years to make the defence spending of European states more efficient.

The looming threat of China

The EU’s trade deficit with China has doubled in five years. After flooding our markets with consumer goods and plundering our technologies, it is overtaking Europe in terms of innovation. Products that will no longer find a market in the US will be offered to us at low prices, and we will be obliged to buy them, because we absolutely need rare earths – materials that are essential for many advanced technologies, the production of which is now de facto monopolised by China.

Don’t get lost in a cul-de-sac!

Despite having 1.5 million active military personnel and high-performing defence industries, which would be enough to build a force capable of deterring any possible aggressor, European political leaders only propose submission to America, at a high price.

Nearly half of the aeroplanes, missiles and armoured vehicles that equip armies in Europe come from across the Atlantic. Others come from South Korea, Brazil, Israel or Turkey. This is because these politicians generally consider only their personal and partisan interests in the short term. Some, more altruistic or more sensitive to lobbying, take their national interests into account. In the middle powers, the most ambitious dream is to lead inside Europe. Those who care about the interests of Europeans can be counted on the fingers of one hand. The lack of real unity is evident at every meeting of European leaders; the family photo is deceptive.

In its current institutional configuration, Europe is not in a position to put in place effective diplomacy and deterrence. This should include a complete and legitimate politico-military chain of command, as well as an autonomous intelligence service. It would be foolish to follow certain European politicians and diplomats who want to commit us once again to the path of an intergovernmental ‘European’ defence, because they reject the federation announced on 9 May 1950 by Robert Schuman.

These irresponsible people seem confused enough to draft a European Defence Union on the basis of various provisions of the treaties and EU law, which would require a very unlikely, unanimous decision by the European Council to enter into force. Europe, if it proves them right, would once again take the path that, since 1954, has repeatedly proven to be a dead end.

What must be done after Copenhagen

EU leaders met on 1 October in Copenhagen to discuss how to strengthen Europe’s common defence, governance and support for Ukraine. They are unaware of the urgency, as they have set 2030 as their deadline. It seems doubtful that Putin would wait until he is seventy-eight years old to act.

The president of the EC would like Europe to be able to detect foreign incursions and intercept threats, ranging from simple jamming to the destruction of drones. She proposed to task the EU to set up an anti-drone wall, an eastern-flank surveillance network, an air-defence shield and a space-defence shield. In response, France, Italy and Germany recalled that she has no competence in the field of defence: this task falls to NATO, not the EU – which is currently unable to even agree on who is responsible for Europe’s military build-up, the financing of Ukraine’s resistance and its accession to the EU.

The very high number of participants in EU meetings obviously does not help to put the European common good before the interests of the member states. Yet this would be essential for Europe to exist geopolitically in an increasingly hostile world.

Time will show who is the real paper tiger

On 2 October, Putin accused the Europeans of fuelling the ‘conflict’ in Ukraine, preventing its resolution and promoting constant escalation, saying he was also attentive to the militarisation of Europe. He said he does not accept Germany’s assertion that its army should once again be the most powerful in Europe. On 7 October, Putin refused to compromise to end the war, although he occupies only 19.05 per cent of Ukraine; Ukraine has lost only 0.53 per cent of its territory in 2025.

Still, NATO believes that it is ready to defend itself against future Russian incursions involving missiles, aircraft or any other means, but is this true? According to Ben Hodges, former commander of the US Army in Europe, NATO is not prepared to deal with daily strikes by hundreds of Russian drones. In July, NATO’s secretary general estimated that the Alliance must quadruple its air and missile defences. Since NATO member states decide individually on their acquisitions, how will the new systems be integrated into a common defence?

Decades of rejection of the federation of Europe and neglect of defence explain why we have sunk so low. This must be fixed before it’s too late. Let us hope that a new generation of statesmen and women will pull us out of the disaster we are facing.

Federalisation is the recipe for Europe’s strategic autonomy

Our strategic autonomy cannot be achieved through NATO-type cooperation, or through EU integration, or through a confederation, because the latter either turns into a federation or dissolves.

The Swiss Confederation, founded in 1291, became a federal government in 1848 after the Sonderbund Civil War. In Federalist Paper No. 20, of 11 December 1787, James Madison described the calamitous confederal organisation of the seven ‘United Provinces’ of the Northern Netherlands in the 18th century. The United States of America replaced the Articles of Confederation of 1776 with the federal constitution of 1787, having experienced inadequate governance during the War of Independence. Germany became a federal state in 1949, having finally learned the lessons of its past. As for the Commonwealth of Independent States, conceived by Mikhail Gorbachev in 1990 to succeed the Union of Soviet Socialist Republics, it very quickly malfunctioned and then collapsed.

Only a federation could give us strategic autonomy.

By federating, Europe could still change the course of history. It would cease to be the vassal of the US, and it would empower us to command respect from China. Thus, a vanguard of willing member states should launch a federal core encompassing foreign policy, defence, migration and taxation.

Looking ahead

The indignation of European citizens in Ursula von der Leyen’s position in Turnberry should lead to a movement towards a federal Europe, so that Europe can exist geopolitically in an increasingly hostile world. Some states, members of the EU and NATO, could start to put an end to the vassalisation of Europe. As with the Schengen area or the eurozone, this coalition of willing states would expand. Such a European state, governed by a federal constitution, should put an end to the duplication of military capabilities that mobilise resources that could be pooled to fill our defence gaps. This requires the drafting and adoption of a federal constitution by an elected European Assembly, which could be composed of certain members of the European Parliament*.

* The European Society for Defence INPA (S€D) continues its efforts to identify and support the first government to be persuaded to initiate the federative process.”


Jean Marsia schrieb bereits hier als Gastblogger und ist zudem jahrelanger Teilnehmer der Hertensteiner Gespräche. Er ist meinungsstark und streitbar.


Hunde

25.10.02025 5 (5)

Beitragsfoto: Hunde

Eine Stunde

Heute Nacht bekommen wir die Stunde zurück, die man uns im Frühjahr genommen hat, leider weiterhin ohne jegliche Zinsen. Jedes Jahr dasselbe!

Dabei wäre in einer funktionierenden Gesellschaft das Ganze schon längst wieder vom Tisch. Rein zufällig erfolgte am vergangenen Donnerstag, als wir mit Schülern im Europäischen Parlament waren, eine entsprechende Aussprache.

„Die Abgeordneten befragen Kommission und Rat, warum es noch immer keine Antwort auf den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger gibt, die saisonale Zeitumstellung in Europa abzuschaffen.

Im März 2019 hatte das Europäische Parlament dafür gestimmt, die Praxis, die Uhren im Frühjahr und Herbst jeweils um eine Stunde zu verstellen, bis 2021 abzuschaffen. Damit reagierten die Abgeordneten auf eine öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission, an der sich 4,6 Millionen Menschen beteiligten – 84 % von ihnen sprachen sich für ein Ende der Zeitumstellung aus.“

Europäisches Parlament (16.10.2025)

Der zuständige EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas betonte am Donnerstag, die Zeitumstellung sei Quell unnötiger Komplikationen, etwa im Verkehrssektor und für die menschliche Gesundheit. Sie habe inzwischen keinen Zweck mehr, sagte er bei der Aussprache im Parlament.

In der Debatte kritisierten die Abgeordneten die Untätigkeit der nationalen Regierungen. Sie unterstrichen, dass es ein klares Votum der Bürger zum Thema gebe. Parlamentsvizepräsidentin Sabine Verheyen appellierte an die Staats- und Regierungschefs, endlich auf das Europäische Parlament, die Kommission und die Bürger zu hören.

Meine Studenten wissen inzwischen, dass wer die Kosten nicht in den Griff, das mit der Zeit und den Inhalten ebenfalls nicht auf die Reihe bekommt. Und so werde ich es nicht mehr selbst erleben dürfen, dass wenigstens dieses leidige Thema vom Tisch kommt.

Vermischtes

Aktuell regen sich viele, auch ich, über den Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses auf; dort soll ein imposanter Ballsaal entstehen. Donald Trump möchte ein wenig mehr Kreml in Washington haben. Kaum einer regt sich darüber auf, dass wir Deutschen seit Helmut Kohl den größten Regierungssitz zumindest in der westlichen Welt haben. Das Kanzleramt hat derzeit gut 25 000 Quadratmeter Fläche, wird unter Friedrich Merz aber weit über 50 000 Quadratmeter Fläche erhalten.

Hier einmal zum Vergleich: 10 Downing Street (London) wird so um die 3 000 Quadratmeter haben. Der Élysée-Palast (Paris) um die 11 000 Quadratmeter. Das Weiße Haus wird mit dem Umbau vielleicht die 7 000 Quadratmeter erreichen. Meckern wir aber lieber nicht, sonst kommt unsere Regierung noch auf die Idee, das Kanzleramt mit einem ICE-Bahnhof und einem eigenen Flughafen auszustatten — hätte Jens Spahn einen guten Bekannten, der so etwas baut, gäbe es beides wohl schon etwas länger.

Ich war schon immer ein Freund des Bargelds, auch wenn ich nie selbst viel davon hatte. Einfach nur weil es einen von Banken und anderen Institutionen unabhängiger macht. Inzwischen gibt es einen weiteren Grund fürs Bargeld, der sogar noch triftiger als meiner sein dürfte: was machen die Schweden zum Beispiel, wenn das Internet nicht mehr so richtig funktioniert.

Was uns Deutschen aber völlig egal sein dürfte, dann zahlen wir einfach mit unseren Goldbarren im Keller oder greifen gleich wieder auf die D-Mark zurück, die ebenfalls fast jeder von uns noch in größeren Mengen im Sparschwein liegen hat.

Lese mal wieder darüber, dass Frauen von Anbeginn unserer Geschichte gleichwertige Krieger gewesen wären. Gewalt ist dabei sehr einfach, man übereignet dem Gegner mehr Energie als dieser verarbeiten kann. Und schon dürfte es offensichtlich sein, dass Frauen, die normaler Weise leichter und graziler als Männer sind, bei der physischen Gewalt von Natur aus schon immer benachteiligt sind — sie können die fehlende Masse nicht so einfach durch höhere Geschwindigkeit wett machen, selbst bei der besten Technik nicht. Dank Hollywood dürften wir inzwischen aber vom Gegenteil überzeugt sein, was sich nun auch auf die Wissenschaft auszuwirken scheint.

Spannender Weise kämpft man beim Boxsport weiterhin in Gewichtsklassen, diese Sportler haben einfach noch nicht genug Filme geguckt.

Abstiegsgesellschaft

Ob Kindergarten-, Schul- oder Universitätserlebnisse, von den beruflichen oder ehrenamtlichen Begegnungen ganz zu schweigen, muss ich ähnlich wie auch jüngst Daniel Marwecki attestieren, dass wir längst zu einer Abstiegsgesellschaft mutiert sind.

„Die Verrohung der internationalen Politik geht mit der Verrohung im Innern der Gesellschaft einher. … Es ist die Zeit der Vereinfacher und Falschspieler.“

Daniel MArwecki, Die Welt nach dem Westen (2025: 250)

Daniel Marwecki spricht davon , dass die Entdemokratisierung und die Entzivilisierung auch bei uns auf einen Ethnonationalismus und einen identitären Tribalismus stoßen (2025: 251).

Zudem meint auch er, dass das Ende der Mittelschicht im globalen Vergleich das Zeichen einer Abstiegsgesellschaft ist (2025: 253). Dieses Ende der Mittelschicht durfte ich selbst seit den 1970er-Jahren miterleben, anfangs stellten sich noch viele junge und politisch Interessierte vehement dagegen, nur um festzustellen, dass es völlig sinnlos war.

Nun zieht der Brain Train schon ein paar Jahrzehnte lang in die aufstrebenden Teile der Welt, dort wo man noch entwickeln, bauen und sich selbst verwirklichen kann. Zurück bleiben jene, die sich mit dem Mittelmaß begnügen, ihre Vorteile aus dem Zerfall ziehen oder einfach nur darauf hoffen müssen, dass es für sie selbst noch reichen wird, bevor in Europa die letzten Lichter ausgeblasen werden.

Die zunehmende Angst, dass man selbst nicht mehr den Luxus der Elterngeneration einfach so genießen kann, hilft den üblichen Rattenfängern, die das ehemals aufgeklärte Europa — Motor unserer Welt — in eine vermeintlich attraktive Vergangenheit führen wollen.

Wie von unseren Wissenschaftlern und verantwortlichen Politikern in den 1960er- und 1970er-Jahren noch angemahnt, führte uns unsere Vollkaskogesellschaft direkt an den Abgrund heran und die Schubser stehen längst bereit!

Die aktuelle Regierung versucht nun und wohl zum letzten Mal mit Billionen Euro an Schulden dieses Elend noch ein paar Jahre zu überdecken, nun wohl nur noch in der Hoffnung, dass sie von einem Krieg oder einer andere globalen Katastrophe von ihrer ureigenen Verantwortung befreit werden.

Wie in Frankreich auch, versucht man es bei uns schon gar nicht mehr, um durch Reformen — die man bereits in den 1970er-Jahren hätte veranlassen müssen — zumindest das eigene Land zu retten.

Die Befürchtungen von uns engagierten Jugendlichen aus den 1970er-Jahren sind alle wahr geworden, keiner kann den Klimawandel, die Verdummung oder die absolute Verantwortungslosigkeit in unserer Gesellschaft mehr leugnen! Sehenden Auges und mit einem „Sieg Heil“ auf den Lippen werden wir uns demnächst wie die Lemminge zusammen in den Abgrund stürzen.

Die üblichen Verdächtigen werden dabei wieder sehr weich landen, der Rest wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.

Nachtrag 26.10.2025

Wer von meinen Lesern glaubt, ich sei zu derb, zu grob und dabei noch völlig ungerecht, dem empfehle ich den folgenden Link zum Betonflüsterer. Merke: es geht immer noch besser und deutlicher!

„Das 19. Jahrhundert, in welchem der Westen den Zenit seiner globalen Dominanz erreichte, es kehrt als Weltbild zurück. Wo diese Welt aber nicht mehr existiert, wird aus dem Weltbild ein Wahnbild.“

Daniel MArwecki, Die Welt nach dem Westen (2025: 254)