Duo

21.4.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Bérengére Le Boulair und Christiane Reiling

Fenster

Beginnen wir einmal mit etwas Erfreulichem. Nach fast 20 Jahren wird die Fenstererneuerung bei der Grünewaldschule endlich fortgesetzt; dafür sind nun 1 Million Euro fällig. Noch im Sommer soll die gleich daneben liegende Neckartalschule abgerissen und deren Neubau dann mit der Grünewaldschule zu einem Campus zusammenwachsen. Das hört sich schon einmal ganz gut an. Hoffen wir nun darauf, dass danach beide Schulen zumindest den aktuellen Forderungen an Bildungseinrichtungen genügen werden — die Lehrer und Schüler hätten es verdient.

Inzwischen will man die Container an den Dammschulen als Ausweichquartier für die Neckartalschüler nutzen. Bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat danach den Mut und das Geld aufbringt, die Container entsorgt und an deren Stelle die Dammschulen zu einem zeitgemäßen Schulzentrum, einschließlich der notwendigen Sport- und Schwimmhallen ausbaut. Alte Gemäuer nur etwas aufzuhübschen reicht schon lange nicht mehr! Zumindest aber zieht es dann weniger, wobei wir schon längst hätten erkennen müssen, dass Zugluft das geringste Problem heutiger Bildungsbemühungen ist.

Konzertabend

Kaum wieder auf dem Dampfer, konnte ich gestern Abend einer Einladung der Amicale des Français de Heilbronn folgen und wurde sogleich mit einem deutsch-französischen Konzertabend über die Freundschaft belohnt. Dieser fand interessanter Weise in der Aula der Fritz-Ulrich-Schule statt, was mich nun schon wieder zum Wahlkampf führt, nämlich, dass man in Heilbronn einmal darüber nachdenken könnte, wie man bei uns Bildung und Kultur besser in Übereinklang bringt und nicht beständig nur darüber, wer an was etwas verdienen darf und wer nicht!

Der gestrige Konzertabend hatte das Motto „zusammen & auseinander“ und wurde von den beiden exzellenten Künstlerinnen Bérengére Le Boulair und Christiane Reiling bestritten. Erstere eine begnadete Violinistin und die andere eine ebensolche Cellistin. Sehr spannend wie die beiden Musikerinnen ihre eigenen Erfahrungen des deutsch-französischen Zusammenlebens musikalisch aufgearbeitet und verarbeitet haben und dabei ihre eigenen Biografien verschmolzen, nicht nur musikalisch.

Ihre Improvisationen der Musik deutscher wie auch französischer Komponisten ein Gedicht! Gesangs- und Tanzeinlagen sowie das Rezitieren von Texten und dies alles in einer gut gewählten Kulisse, machten den Abend zu einem ganzheitlichen Freundschaftserlebnis. Die guten Pausengespräche des Abends rundeten diesen zusätzlich ab.

Mein Lob geht and die beiden Musikerinnen, mein Dank an die Amicale des Français, die mir diesen wunderbaren Abend erst möglich gemacht hat. Was wieder einmal zeigt, wie stark das bürgerschaftliche Engagement in Heilbronn verwurzelt ist und bleibt, trotz der unsäglichen Versuche diese mehr als lobenswerten Bemühungen von uns Bürgern immer wieder im Keime zu ersticken!

Kant

Wohl dem aktuellen Wahlkampf geschuldet, gingen 300 Jahre Kant fast an mir vorbei. Was nun die Frage nach den wahren Schwerpunkten aufwirft, wobei wir schon wieder bei Kant wären. Kant begegnete mir nicht nur während meines Studiums, sondern auch im Laufe meiner militärischen Ausbildung und erneut als ich mich näher mit dem Föderalismus beschäftigte. Sein in den letzten beiden Kontexten wohl bekanntestes Werk „Zum Ewigen Frieden“ habe ich bereits vor vielen Jahren in eine etwas lesbarere Form gebracht. Auf alle Fälle aber sollte man seine erste Kritik, die an der reinen Vernunft zumindest einmal angelesen haben, was mich wieder zu meinem eigenen Studium führt.

Seit wenigen Tagen liegt nun die aktuelle Ausgabe von The Federalist Debate (immer noch in Folie eingeschweißt) neben meinem Rechner. Diese zitiert eigentlich schon immer Immanuel Kant mit den Worten: „The establishment of a perfect civil Cobsititution depends on the problem of governing the external relations among states through law.“ Und auch eine richtige Tageszeitung bemüht sich schon seit gestern mehr Verständnis für Kant zu erzeugen und erinnert gleich mit drei Artikeln an dessen 300sten Geburtstag: Wider die Selbstverkleinerung des Geistes (Jürgen Kaube, FAZ, 20.4.2024), Der Unendliche (FAZ, 20.4.2024) und Der Unendliche II (FAZ, 21.4.2024), wobei ich erst heute dazu kam, diese Beiträge zu lesen.

„Es braucht Mut, sich dieses Verstandes zu bedienen. Wer ihn aufbringt, wird reich belohnt.“ 

FAZ, 21.4.2024

Immanuel Kant wurde wie meine Großmutter mütterlicherseits auch, in Königsberg geboren, allerdings ein paar Jahre eher, nämlich am 22. April 1724. Noch heute ist uns sein Leitspruch Sapere aude geläufig (hic!) und man kann es nur jedem empfehlen, ganz besonders den eigenen Studenten, denen damit vieles sehr viel einfacher gelingen könnte. Was mich nun wieder daran erinnert, meine kommende Vorlesung vorzubereiten, aber zumindest demnächst darüber nachzudenken, ob das Ganze überhaupt wirklich Sinn macht — wenn da nicht die Käffchen und guten Gespräche mit Detlef Stern wären und sein freundschaftlicher Hinweis, dass man nur etwas könne, wenn man es bereits auch erfolgreich gelehrt hat. Wobei wir jetzt schon wieder bei Kant angelangt sind:

„Vom leeren Raum kann es keine Erfahrung, auch keinen Schluss auf das Objekt derselben geben. Von der Existenz einer Materie belehrt zu sein dazu bedarf ich Einfluss einer Materie auf meine Sinne.“

Immanuel KAnt, Gesammelte Schriften

Technisches Rathaus

17.3.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Teil des Technischen Rathauses

Beförderung

Da merke ich auf Twitter — auf meine Art und Weise — richtig höflich an, dass es für alle dienlich wäre, wenn die Quellen von guten Zitaten etwas besser angegeben würden, was eigentlich für den Zitate-Poster sehr einfach sein müsste, da er dieses doch vorliegen hat, und schon werde ich befördert: dieses Mal gar zum Politiker.

Ich kenne Wolf Lotter nicht, aber Recherche scheint nicht so wirklich sein Ding zu sein. Dafür aber besitzt er ein leicht überdimensioniertes Selbstbewusstsein — was übrigens sehr vielen Österreichern nachgesagt wird.

Und ein waschechter Österreicher ist bekanntlich mindestens auch immer ein Doktor; in diesem Fall aber eher ein Ph.D. 

Bauen

So langsam habe ich mich damit abgefunden, dass unsere Stadtverwaltung Bauprojekte, egal welcher Art, nicht mehr auf die Reihe bekommt. Und so müssen wir weiterhin darauf hoffen, dass Dieter Schwarz und andere Heilbronner dafür sorgen, dass in Heilbronn überhaupt noch erfolgreich gebaut wird.

Unsere Straßen und Plätze sind teure Trümmerfelder, die Buga-Brücke noch vor der Fertigstellung amtlich zertifizierter Schrott, unsere Schulen zerfallen weiterhin vor sich hin, selbst die jüngst sanierten. Das neue „radhaus“ vor dem Bahnhof ist nur ein Witz und passt damit wunderbar zum gesamten Ensemble. Und für alle diese großartigen Spitzenleistungen haben wir extra einen eigenen Baubürgermeister und unzählige Verwaltungsmitarbeiter — und es werden immer mehr!

Einzig unser Rathaus und die anderen städtischen Verwaltungsgebäude sind ohne Makel und werden kontinuierlich auf dem neusten Stand der Bequemlichkeit gehalten. Und auch wenn unsere Gemeinderäte gemäß der Heilbronner Stimme (17.3.2023: 29) „Ringlé einen Strich durch die Rechnung machen“, bekommt dieser für mindestens 400 000 Euro seine Duschen für die städtischen Verwaltungsmitarbeiter. Und die Grünewaldschule wird weiterhin, wie bereits von mir in einem Blog-Beitrag geschrieben, ihre seit Jahren überfälligen neuen Fenster nicht bekommen. Unsere Gemeinderäte durften sich ein wenig selbst profilieren und der Baubürgermeister muss nun halt einfach nur die neuen Verwaltungsduschen etwas anders verbuchen.

Denn darin sind sich Gemeinderat und Verwaltung weiterhin einig, wenn unsere Verwaltungsmitarbeiter glücklich sind, dann sind es auch die Gemeinderäte. Wie es uns Heilbronnern und unseren Kindern geht, das spielt für diesen illustren Kreis überhaupt keine Rolle, denn sonst hätte man z. B. für diese 400 000 Euro zumindest ein paar Kinderspielplätze verkehrssicher gemacht.

E-Mail-Postfach

Um das Ganze etwas deutlicher zu machen, Sie hängen sich auch keinen 10 Kubikmeter großen Briefkasten vor die Haustüre, nicht einmal vor der einer Firma. Und die dortigen ggf. noch vorhandenen Postfächer sind ebenfalls in ihrer Größe sehr übersichtlich. Dennoch werden sämtliche Postfächer für digitale Post immer größer und so sind zwei Gigabyte nichts Ungewöhnliches mehr. Hinzu kommt, dass sich selbst für besonders wichtig erachtende Menschen inzwischen darauf bestehen, dass ihr eigenes E-Mail-Postfach mindestens 50 Gigabyte groß sein muss.

Und so korreliert die Postfachgröße inzwischen nicht mehr mit der zu erledigenden Arbeit, sondern mit dem eigenen Ego. Auf jeden Fall aber gilt, dass wer mit zwei Gigabyte Postfachgröße nicht auskommt, am besten von jeglicher Kopfarbeit freigesetzt werden sollte — solche Menschen sind eine existenzielle Gefahr für jedes Unternehmen.

Wenn man meist morgens zur Arbeit kommt, dann kann es durchaus sein, dass man ein paar Hundert E-Mail vorfindet — dafür sollten die zwei Gigabyte ausreichen. Bereits seit Jahren werden größere Anlagen nicht mehr (komprimiert) per E-Mail verschickt, sondern gleich über einen in einer E-Mail versandten Link zum Herunterladen bereitgestellt, wenn man nicht bereits viel zeitgemäßer mit Dokumenten arbeitet.

Und so ist die große Masse der digitalen Post jeweils nur ein paar Kilobyte groß und kann somit kein E-Mail-Postfach mehr überschwemmen — nicht einmal mehr bei einem waschechten Workaholic. Die Kunst ist es — dazu habe ich schon eigene Blog-Beiträge geschrieben — zu Dienstbeginn sämtliche Posteingänge zu sichten und über den Tag über abzuarbeiten. Am Ende des Tages ist ein Postfach bis auf wenige E-Mail u. a. Entwürfe für den Folgetag oder gleich am Folgetag noch zu Erledigendes leer.

Ein wenig Verständnis habe ich für Privatpersonen, die es sich möglichst bequem machen wollen und mit Ablagen, Archiven und Zettelkästen nichts anzufangen wissen. Diese sammeln tatsächlich gerne ihre E-Mail in Outlook, Mail und Co. aber löschen dann alles regelmäßig, sobald ihr Postfach an seine Grenze stößt.

Auf alle Fälle gilt aber, dass wer mit seiner Postfachgröße nicht auskommt, der hat die Kontrolle über sein eigenes Leben völlig verloren!

Ehrenamtlich darf ich mich gerade wieder einmal über solche Koryphäen ärgern, deshalb auch dieser Beitrag heute.

Stadtentwicklung

In der New York Times (16.3.2023) findet sich ein sehr interessanter Artikel über Entwicklungen in sechs etwas größeren Städten. Jenna Schnuer schreibt unter dem Titel „6 Cities on 5 Continents That Are Reimagining Urban Life – What we can learn from creative city initiatives, from Sydney to Paris.“ über ein paar sehr interessante Strukturprojekte. Das mit der Seilbahn hätte bei uns gut und gerne zusammen mit der BUGA realisiert werden können. Und auch die anderen Projekte könnte man sich etwas näher anschauen.

Ihr Fazit: „Far too often, city initiatives don’t actually address the needs of residents — and sometimes they create even bigger problems, especially for those who are most vulnerable.“ — ganz besonders hier bei uns in Heilbronn!

Meine Leser können diesen Artikel hier verlinkt kostenfrei lesen.

Sabr Alptekin 

Sabir Alptekin ist ein Heilbronner Musiker und Komponist, der zurzeit noch auf Lehramt studiert. Sein Künstlername kommt ohne „i“ im Vornamen aus, also kein Schreibfehler.


Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

11.3.02023 5 (3)

Beitragsfoto: Heilbronner Rathaus in Acryl von Wolfgang Loesche

Landesversammlung

Dass Politik auch anders geht, das können alle bei der diesjährigen Landesversammlung der EUROPA-UNION Baden-Württemberg ganz gut beobachten, denn dort treffen sich zum aller größten Teil Ehrenamtliche und auch ein paar Abgeordnete, um über die Zukunft der Europäischen Föderalisten und der Europäischen Union zu debattieren.

Dieses Mal waren Dr. Hans-Ulrich Rülke und Rudolf Rentschler mit dabei; Letzteren schätze ich seit Jahren sehr. Besonders freute es mich aber, dass der Kreis Heilbronn mit Leonhard Reinwald, Oliver Durst und Semin Bristina wieder sehr gut vertreten war, von meiner besseren Hälfte muss ich erst gar nicht reden.

Seit gut zwei Jahrzehnten sind für meine bessere Hälfte und mich die Landesversammlungen ein Quell der Motivation, um weiterhin ehrenamtlich für den Verband zu arbeiten. Einmal im Jahr trifft man dort auf Mitmenschen, denen Europa ebenfalls sehr am Herzen liegt und die zumindest Teile ihrer Freizeit damit verbringen, sich darüber Gedanken zu machen, wie man zusammen die Welt ein wenig besser machen kann.

Und so war für mich der heutige Tag Motivation pur! — dies reicht nun wieder für ein paar Wochen. Der Dank geht an die gut 75 anderen Föderalisten, die sich heute um unseren Verband verdient gemacht haben.

Lokalpolitik

Manche von uns erinnern sich noch gut daran, erst reduziert man die Polizei über Jahre hinweg, und dies so lange, bis das notwendige Minimum längst unterschritten ist, und erst dann macht man so richtig lautstark Politik damit, dass die Polizei unbedingt personell besser ausgestattet werden muss — solche Politik funktioniert bei uns immer wieder und sorgt für stabile Mehrheiten.

In Heilbronn hat man dieses Konzept nun auch verwirklicht. Erst sperrten sich CDU, FDP und SPD jahrelang gegen eine Markthalle in Heilbronn und haben auch sämtliche entsprechende Anträge — zuletzt den der Freien Wähler 2019 — im Gemeinderat abgelehnt, nur um jetzt mit dem so langsam aber sicher beginnenden Gemeinderatswahlkampf gemeinsam eine Markthalle für Heilbronn zu fordern.

Und so können wir heute in der Heilbronner Stimme (11.3.2023: 28) lesen, dass genau diese drei Parteien Ende März einen solchen Antrag im Gemeinderat einbringen möchten. Unisono sprechen sie nun davon, dass sie „vielfältige Angebote“, „abwechslungsreiche Gastronomie“ und „eine attraktive und lebendige Innenstadt wollen.“ — was das alles mit einer Markthalle zu tun hat, können wohl nur ausgefuchste Lokalpolitiker verstehen.

Diese Stadträte könnten auch einmal mehrheitlich dafür sorgen, dass das Ordnungsamt seine Arbeit macht, die Stadtreinigung so langsam in die Puschen kommt und vor allem, dass einmal unsere Straßen in der Kernstadt, wie z. B. die Turmstraße oder die Lohtorstraße, saniert werden und wir zudem ein tragfähiges und zukunftsorientiertes Innenstadtkonzept bekommen — dazu gehört auch eine Markthalle.

Immer nur erst abwarten, bis Dieter Schwarz Geld in die Hand nimmt, ist keine gute Stadtpolitik.

Schwerpunkte

Unsere Stadtverwaltung hat schon immer ihre Schwerpunkte, vor allem den eigenen Mitarbeitern muss es ganz besonders gut gehen. Schon lange können diese auf eine eigene Tiefgarage zurückgreifen, wohl schon länger auch sehr günstig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und jetzt, da das Fahrrad auch in Heilbronn etwas populärer wird, bekommen die Mitarbeiter neue großzügige Umkleiden mit Duschen, damit sie sich von der Fahrt mit dem E-Bike standesgemäß erholen können.

Das Ganze soll uns Bürger in einer ersten Schätzung fast 400 000 Euro kosten, und dabei sind die laufenden Unterhaltskosten und die Ausfallzeiten der städtischen Mitarbeiter, denn die veranschlagten sechs Duschen wollen doch auch genutzt werden, nicht mit eingerechnet. Man hätte sich auch ein Beispiel am jüngst erstellten Bildungscampus nehmen können, denn da gibt es so etwas nicht — im Bildungscampus sind aber auch keine städtischen Mitarbeiter beschäftigt.

Und wer sich jetzt fragt, wo die 400 000 Euro überhaupt herkommen sollen, den kann ich beruhigen, denn dafür bekommt die Grünewaldschule die dringend benötigten neuen Fenster nicht.