Pfadfinder 5 (5)

In meiner Jugend gehörte ich einmal dem Stamm Grenzland (112) in Heilbronn an, welcher zu dieser Zeit allerdings nur aus Jungs und jungen Männern bestand. Und noch heute erinnere ich mich gerne an diese Zeit zurück, besonders dann, wenn ich am Stammesheim, dem Cäcilienbrunnenhaus vorbeigehe.

Später dann entwickelte ich andere Interessen und ging auch so in meinem Beruf als Infanterist auf, dass ich dabei die Pfadfinderei ganz aus den Augen verlor. Ich behielt aber weiterhin den ZimeZum und meine alte Uniform.

Und gerade als ich dann wirklich nicht mehr an die Pfadfinderei dachte, musste ich feststellen, dass mein Schwager, und dies bis zum heutigen Tage, durch und durch ein Boy Scout ist. Dies führte wiederum dazu, dass ich im Tribe 141 einen neuen Stamm fand und meine alte Pfadfinderausrüstung einen Besitzer, der diese besser als ich zu schätzen weiß.

Jahrzehnte später bewahrheitete sich wieder einmal, dass die Welt wirklich klein ist, als ich in meiner letzten beruflichen Verwendung auf einen Kameraden stieß, der zumindest damals noch ein Angehöriger des Grenzland Stammes war.

Nachtrag 22.10.2021:

„Nach über 60 Jahren Pfadfinder- und Jugendarbeit im Stamm Grenzland müssen wir leider einen Schlussstrich ziehen. Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit mit den unzähligen Unterstützerinnen und Unterstützern aus dem Umkreis. Wir bedanken uns auch bei allen Interessierten, die uns bis zum Schluss gezeigt haben, dass es sich gelohnt hat alles zu versuchen, um eine Zukunftsperspektive für den Stamm zu schaffen. Leider blieb uns dieser Erfolg verwehrt. Mit Wehmut tönt es zum letzten Mal aus unseren Mündern: „Nehmt Abschied, Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr …“. Doch klar ist auch: Wer einmal Pfadfinder ist, bleibt es ein Leben lang. Und so blicken wir gespannt in die Zukunft …

Im Namen der Stammesführung und aller Grenzländerinnen und Grenzländer wünschen wir allzeit Gut Pfad!“

„Being in the Army is like being in the Boy Scouts, except that the Boy Scouts have adult supervision.“

Dieses Zitat wird Blake Clark zugeschrieben.

Flüchtlingslager in Shinkiari

Gedanken zur Migration 5 (4)

Beitragsfoto: Flüchtlingslager in Shinkiari, Pakistan | © Pixabay

Abgesehen von der letzten größeren Auswanderungswelle vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA, sind unserer Gesellschaft wohl eher die Fluchtbewegungen von ‚Volksdeutschen‘ in den freien Teil Deutschlands zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Erinnerung. Diese kamen aus dem ehemaligen Siedlungs- oder auch Staatsgebiet Deutschlands, das mit Ende des Krieges zunehmend unter den Einfluss der damaligen Sowjetunion und in den Besitz weiterer Länder kam.

Schon damals war es beobachtbar, dass die eher politisch denkenden Menschen in Gebiete weiterzogen, die unter dem Schutz von Demokratien, den damaligen Westmächten, standen; also auch Deutsche aus der russisch besetzten Zone Deutschlands in die Bundesrepublik übersiedelten. Auch war beobachtbar, dass mit den ‚Volksdeutschen‘ weitere Bevölkerungsgruppen mit flohen, die ebenfalls nicht in den Einfluss des Sowjetsystems gelangen wollten. Was schon damals zu verstärkten Abwehrreaktionen bei den aufnehmenden Bevölkerungsteilen führte und sich bis heute nicht wesentlich geändert hat; u. a. der Begriff ‚Rucksackdeutscher‘ ist wohl dabei entstanden.

Auch nachdem sich die neuen politischen Strukturen gefestigt hatten und der Kalte Krieg tobte, kam es immer wieder zu weiteren Wanderungsbewegungen von Ost nach West. Motivation der Migranten war zum einen der Freiheitswunsch, dem Wunsch sich in einer offenen Gesellschaft frei entfalten zu können, und zum anderen aber auch das bloße Verlangen nach einem wirtschaftlich besseren Leben.

In diesen gut 40 Jahren, wobei jene, die dem Sowjetterror auch entkommen wollten, mit wohl wenigen Ausnahmen bereits 1989 im Westen lebten, ließ sich bei den Zuwanderern doch das Folgende beobachten. Jene, die aus politischen Gründen flohen, versuchten sich schnellstmöglich in ihrer neuen Heimat zu integrieren und partizipierten von Anfang an auch sehr erfolgreich. Jene, denen es in erster Linie um eine wirtschaftliche Besserung ging, wollten hingegen zwar in einer offenen Gesellschaft und dabei vor allem anderen in einer sozialen Marktwirtschaft leben, aber dabei möglichst ihre alte Lebensweise beibehalten, ergo, einen Wandel ohne Veränderung erreichen. Meines Erachtens scheitern diese Mitmenschen deswegen bis heute nicht an der Gesellschaft, sondern immer an sich selbst!

Erschwerend kam hinzu, dass man beginnend mit den ‚Gastarbeitern‘ zahlreiche neue Bevölkerungsteile einlud, ohne von diesen aber Integration oder gar Partizipation zu verlangen, und diese damit in die Versuchung brachte, dass sie zwar wirtschaftlich besser gestellt sein aber ansonsten alles beim Alten belassen wollten. Damit schuf man durch diese zwei Arten von wirtschaftlich motivierten Zuwanderern – wobei ich deren Beweggründe zur Migration überhaupt nicht als verwerflich ansehe – Parallelgesellschaften, und dies je nach deren Herkunft.

Diese Parallelgesellschaften mit ihren oftmals für unsere offene Gesellschaft völlig antiquierten und wirtschaftlich wenig erfolgreichen Lebensmodellen sind es auch, die ihre Mitglieder und unfreiwillig Angehörige bis heute scheitern lassen, und zudem dafür sorgen, dass unsere offene Gesellschaft insgesamt immer mehr in Gefahr gerät.

Solange unsere Wirtschaft floriert, kann man zwar diese gravierenden Diskrepanzen ignorieren und mit vermeintlicher Toleranz gegenüber den durchaus negativen Auswirkungen begegnen, aber nur solange auch für alle ausreichend Wohlstand generiert werden kann.

Es zeichnet sich nun aber zunehmend ab, dass die Bevölkerungsteile, welche die offene Gesellschaft eigentlich ausmachen, stützen und auch maßgeblich für deren wirtschaftlichen Erfolg Verantwortung tragen, immer weniger alleine die Kosten einer offenen Gesellschaft tragen möchten.

Das ausschließliche Verbraucherverhalten der meisten Parallelgesellschaften und auch die immer stärker beobachtbare Partizipationsverweigerung der Bevölkerung insgesamt, lässt befürchten, dass die Errungenschaften unserer offenen Gesellschaft langsam aber sicher ins Hintertreffen geraten und die Existenz unserer Gesellschaft an sich in Frage gestellt wird.

Deshalb muss man allen Mitbürgern schnellstmöglich aufzeigen, dass eine offene Gesellschaft und ihre wirtschaftlichen Erfolge von der Partizipation der großen Bevölkerungsmehrheit abhängt und, dass Migration allen auch Vorteile bringt, so lange sich die Zuwanderer nicht nur in unsere offene Gesellschaft integrieren, sondern auch an ihr partizipieren.

Deshalb muss man es aber auch zwingend sanktionieren, sobald sich hier bei uns lebende Menschen der offenen Gesellschaft verweigern, und dies unabhängig eines Migrationshintergrunds. Letzterer hat im Falle einer Partizipations- und Integrationsverweigerung aber den großen Vorteil, dass man niemand verpflichten kann, hier bei uns zu leben, und diese ohne Weiteres wieder in Gesellschaften, die ihren eigentlichen Wunschvorstellungen entsprechen, zurück- oder weiterziehen können.

„Denn ohne freien Gedankentausch kann es keine wirkliche Gedankenfreiheit geben. Wir brauchen andere, um an ihnen unsere Gedanken zu erproben; um herauszufinden, ob sie stichhaltig sind. Die kritische Diskussion ist die Grundlage des freien Denkens des einzelnen.“

Karl Popper, Alles Leben ist Problemlösen: Über Erkenntnis, Geschichte und Politik (2005: 164)

Treffpunktmannschaft 2009

Über 60 Jahre EUROPA-UNION Heilbronn 5 (4)

Beitragsfoto: Treffpunktmannschaft 2009

Bereits 1946 wurden die bekennenden Europäer auch in Heilbronn aktiv. Eine Bezirksgruppe der EUROPA-UNION, von Mitbürgern des Stadt- und Landkreises Heilbronn ins Leben gerufen und von Anfang an mit bekennenden Europäern aus ganz Europa vernetzt, bringt sich dabei massiv in die politische Diskussion ein und fordert unter anderem eine verfassungsgebende Versammlung für Europa!

Um nach der Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 und den ersten Rückschlägen in der Europapolitik dem europäischen Gedanken in Heilbronn größere Bedeutung zu verschaffen und auch bundesweit einheitliche Verbandsstrukturen zu erhalten, wurde am 9. Mai 1953 unter der Schirmherrschaft des damaligen Heilbronner Oberbürgermeisters Paul Meyle der Kreisverband Heilbronn der EUROPA-UNION Deutschland gegründet. Ihr erster Vorsitzender wurde der Heilbronner Erste Bürgermeister Dr. Karl Nägele. Auch die Wahlheilbronnerin Frau Franziska Schmidt gehörte von Anfang an zu den Heilbronner Europäern, die sich die Integration Deutschlands in ein demokratisches und föderales Europa auf die Fahnen geschrieben hatten. Unvergessen bleibt auch das jahrzehntelange Engagement des ehemaligen Heilbronner Oberbürgermeisters Dr. Manfred Weinmann, der bereits in den frühen 1950er-Jahren in Heilbronn Informations- und Werbeveranstaltungen mit dem Ziel zur Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ organisierte.

Seit dieser Zeit wirkt die EUROPA-UNION Heilbronn als Verein und überparteilicher Verband, vernetzt mit Europäern aus über 30 Ländern und unter dem internationalen Dachverband der Europäischen Bewegung, in der Gesellschaft auf ein geeintes Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand hin. Durch Information über politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen in Europa, durch Werbung für Toleranz und Völkerverständigung zwischen den europäischen Völkern und durch Förderung der Kontakte zu unseren europäischen Nachbarn will die EUROPA-UNION die Bedeutung des europäischen Integrationsprozesses verdeutlichen und die Bürger von der Notwendigkeit eines persönlichen Engagements für das neue Europa überzeugen. Deshalb setzt sich die EUROPA-UNION seit Jahrzehnten auch für die Integration von Heilbronnern mit Zuzugsgeschichte in die Heilbronner Gesellschaft sowie in seine Vereine und Institutionen ein. Maßstab des Handelns ist dabei der europäische Gedanke, welcher auf den unumstößlichen und für alle Menschen gleichermaßen geltenden Menschenrechten fußt und die Idee von Pierre Bertaux aufgreift, dass man „Europäer nicht durch Geburt ist, sondern durch Bildung wird.“ Dieser Einsatz zur Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund trägt wesentlich dazu bei, dass die EUROPA-UNION Heilbronn auch bei Neubürgern ein gefragter Ansprechpartner wurde und nunmehr seit vierundzwanzig Jahren zusammen mit Migrantenvereinen eine über Heilbronn hinaus bekannte und jährlich sattfindende Veranstaltung, den „Treffpunkt Europa“, im Herzen Heilbronns organisiert. Mit über zwanzigtausend Besuchern zählt der „Treffpunkt Europa“ zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland und auch darüber hinaus. Durch diese Veranstaltung und weitere sich daran anschließende Veranstaltungen im Stadt- und Landkreis Heilbronn, wie zum Beispiel dem „Familienfest auf dem Gaffenberg“, wird den teilnehmenden Vereinen und ihren Mitglieder die Integration in unsere Gesellschaft erleichtert und es werden zusätzlich Vorurteile zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen abgebaut.

Über die Organisation von Kultur- und Werbeveranstaltungen hinaus werden von der EUROPA-UNION Bildungs- und Informationsveranstaltungen rund um Europa und die Europäische Idee initiiert, unterstützt und durchgeführt. Seit nunmehr sechzig Jahren ist der Europäische Wettbewerb ein fester Bestandteil an den Schulen des Stadt- und Landkreises und seit gut fünf Jahren können Schüler regelmäßig die Stadt Straßburg und das Europäische Parlament kennenlernen.

Weitere Fahrten zu Zielen im Kreis Heilbronn und Zielen in unsere europäische Nachbarländer, z. B. den Partnerstädten Heilbronns, vermitteln den Teilnehmern die unterschiedliche Geschichte, Kulturen sowie Gepflogenheiten und tragen damit dazu bei, dass sich alle Teilnehmer besser kennenlernen, verstehen und ein gegenseitiges Verständnis für die Vielfalt Europas und seiner Bürger entwickeln. Ganz dem demokratischen Gedanken verpflichtet, ist es selbstverständlich, dass alle Informations- und Bildungsveranstaltungen auch dem Meinungsaustausch dienen. Dies wird mit weiteren Diskussionsveranstaltungen vertieft. Hierzu werden auch Fachleute aus allen Teilen Europas und der ganzen Welt geladen. Selbstverständlich haben einige Mitglieder der EUROPA-UNION Heilbronn eine eigene Zuzugsgeschichte, denn der europäische Gedanke ist universell und hat es in Heilbronn ermöglicht, dass die knapp 180 Vereinsmitglieder nicht nur aus dem Stadt- und Landkreis Heilbonn und der Europäischen Union stammen, sondern auch aus den Vereinigten Staaten von Amerika, Afrika oder Indien kommen, frei nach Bertauxs Motto: „Europäer wird man durch Bildung.“ Die Vereinsmitglieder treffen sich nun schon seit Jahrzehnten regelmäßig in bestimmten Lokalen der Stadt Heilbronn zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen, wie zum Beispiel Vortragsveranstaltungen, Diskussionsabende, Europastammtische und auch europäische Weinproben. Auch werden die Vereinsheime der unterschiedlichen Mitgliedsvereine immer wieder Austragungsort von Sitzungen und Feiern. Ohne Zweifel aber spielt der jährlich anlässlich der Europawoche stattfindende „Treffpunkt Europa“ auf dem Kiliansplatz in Heilbronn für eine weit über die Mitglieder der EUROPA-UNION Heilbronn hinaus gehende Rolle. Viele Heilbronner und einige eigens zu dieser Veranstaltung anreisende Gäste haben sich den „Treffpunkt Europa“ zum festen Bestandteil ihres Jahres gemacht – sie erleben dabei immer wieder, dass Europa auch Spaß machen und vor allem, dass die Vielfalt mehr Vorzüge als Nachteile haben kann.

Unvergessen sind aber auch die „Europabälle“, die in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum Höhepunkt des Heilbronner Gesellschaftslebens zählten, die Einweihung des Europaplatzes oder aber auch die Übergabe der Europaflagge an Heilbronn in den siebziger Jahren. Über all diese Jahrzehnte hinweg haben sich die Europäischen Föderalisten aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn stets ehrenamtlich für die Europäische Idee eingesetzt. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielten einige von Ihnen einen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland oder auch eine Ehrennadel der EUROPA-UNION Deutschland verliehen und folgende unserer Mitglieder wurden zu Ehrenmitgliedern des Heilbronner Kreisverbandes ernannt: Franziska Schmidt, Dr. Karl Nägele, Herbert Kliem, Dr. Walter Dörr, Dr. Manfred Weinmann und Heinrich Kümmerle senior. Und obwohl die EUROPA-UNION Heilbronn dieses Jahr ihr sechzigjähriges Bestehen als Kreisverband der EUROPA-UNION Deutschland feiern wird, werden ihre Mitglieder nicht müde und werben auch weiterhin für ein föderales Europa zum Wohle einer besseren Welt.

Allen gut 180 Mitgliedern sei an dieser Stelle für ihr stets ehrenamtliches Engagement, ihren Einsatz für ein gemeinsames Europa und unseren Heilbronner Kreisverband sehr herzlich gedankt. Ohne ihre Unterstützung könnte so manche Veranstaltung nur schwer verwirklicht werden!

Redaktioneller Hinweis: In der Originalversion hatte ich fälschlicher Weise Robert Schuman ein Zitat zugeschrieben, welches aber von Pierre Bertaux stammt (Mutation der Menschheit 1963:166, „Man ist nicht Europäer von Geburt, sondern man wird es durch Bildung.“)

„Im Prinzip wissen sie [unsere Politiker], daß sie europäische Ziele anstreben sollten, die mehr und anders sind als die Gesamtsumme der verschiedenen nationalen Ziele. Sie erkennen an, daß, um sie zu erreichen, europäische Institutionen nötig sind, um einen Consensus der Meinungen zu sichern, Politiken auszuarbeiten, verbindliche Entscheidungen zu treffen und diese wirksam auszuführen. Aber sie verschieben so lange wie möglich die Schaffung solcher politischer Institutionen, und wenn sie zum Handeln gezwungen sind, schaffen sie sie in so bescheidener und begrenzter Form wie möglich; es gibt die Neigung, mit der einen Hand wegzunehmen, was mit der anderen gegeben wird.“

Altiero Spinelli, The European Adventure (1972: 13)