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Freundschaft 4.9 (7)

Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Heute traf ich einen Freund, zwar nur ganz kurz, was uns aber beide nicht störte.

Wenige der Leser dürften es wissen, nämlich, dass ich aus einer Salzstadt komme, auch wenn diese heutzutage gerne alles andere sein möchte als das, was sie tatsächlich zumindest einmal war. Dieser Salzstadt war es geschuldet, dass ich bereits in meiner Kindheit auf ein Zitat von Marcus Tullius Cicero aufmerksam wurde. Das Zitat, welches in etwa lautet: „Man muß zuvor viele Scheffel Salz miteinander essen, bis die Aufgabe der Freundschaft erfüllt ist.“ findet man etwas genauer in seinem Werk „Laelius de amicitia“ aus dem Jahr 44 vor Christus — die Römer kamen erst gut 120 Jahre später nach Heilbronn, zumindest aber in die Gegend unserer heutigen Bildungs- und KI-Metropole, einem schwarzen Schimmel sozusagen.

Als ich auf dieses Zitat von Cicero stieß, das damals dem städtischen Marketing diente, nannte ich Bernd, Markus und Oliver meine Freunde. Zwei davon dürften noch heute leben. Das mit dem Salz konnte ich damals noch nicht so ganz verstehen.

In den folgenden Jahren fand ich viele neue gute Bekannte, verlor meine ersten Freunde völlig aus den Augen, verdiente mir gute Kameraden und lernte zudem neue Freunde kennen. Schon alleine aufgrund der zahlreichen Wohnungswechsel gab es hierbei immer wieder Veränderungen, welche mich immer öfters über Bekanntschaften, Freundschaft und Kameradschaft nachdenken ließen.

Bekanntschaften fallen einem regelrecht zu, mit etwas Glück dabei auch sehr gute. Das mit der Kameradschaft ist etwas schwieriger, dafür aber auch weit nachhaltiger und tiefergehender. Freundschaft hingegen dürfte sich erst so richtig erfüllen, wenn man gemeinsam ein paar Jahre auf dem Buckel hat, zumindest wenn man Cicero Glauben schenken möchte.

„Non enim debent esse amicitiarum sicut aliarum rerum satietates; veterrima quaeque, ut ea vina, quae vetustatem ferunt, esse debet suavissima; verumque illud est, quod dicitur, multos modios salis simul edendos esse, ut amicitiae munus expletum sit.“

Cicero, Laelius de amicitia (44 a.D.)

Korean War Veterans Memorial

Kameradschaft 4.5 (2)

Beitragsfoto: Ausschnitt Korean War Veterans Memorial in Washington | © Pixabay

Über Führung, die heute gerne auch Leadership genannt wird, als auch über Kameradschaft wird sehr gerne und von sehr vielen Menschen gesprochen, meistens dabei von jenen, die beides nie selber erfahren, geschweige denn miterleben durften.

Leider findet man Führung und auch Kameradschaft kaum noch; letztere ist dabei sogar noch schwerer zu finden, da sie sich erst in tatsächlichen und existentiellen Krisen oder gar Kriegssituationen offenbart.

Man kann sie zwar befehlen oder gar einklagen, aber da geht es der Kameradschaft ähnlich wie der Intelligenz oder dem Anstand, denn ein Mensch muss diese Fähigkeiten haben oder wenigstens versuchen, sie sich hart zu erarbeiten, um sie auch selber zu finden.

Letztendlich zeigt sich Kameradschaft aber nur in seltenen Ausnahmesituationen, nämlich in solchen, die mindestens eine Person in eine existentielle Krise stürzt und diese Krise nur noch mit Hilfe von mindestens einer weiteren Person gemeinsam bewältigt werden kann.

Oder aber in Kriegen und Einsätzen, manchmal bereits auch in Lagen, die diese Krisensituationen nachzubilden versuchen.

Und wer Kameradschaft erfahren durfte, der hat ein wunderbares Geschenk erhalten, was wiederum von all den anderen Mitmenschen kaum nachzuvollziehen ist.

Und besser als Ludwig Uhland es 1809 im folgenden Gedicht formuliert hat, kann man Kameradschaft wohl kaum in Worte fassen.

Der gute Kamerad

Ich hatt einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.
 

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!

Ludwig Uhland, 1809

Ludwig Uhland war selber seinen Freunden des schwäbischen Dichterkreises Justinus Kerner, Gustav Schwab und Karl Mayer tief verbunden. Was ihn auch zu einem Gedicht über die Wurmlinger Kapelle inspirierte, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Die Kapelle

Droben stehet die Kapelle, 
Schauet still ins Tal hinab. 
Drunten singt bei Wies’ und Quelle 
Froh und hell der Hirtenknab’.

Traurig tönt das Glöcklein nieder, 
Schauerlich der Leichenchor, 
Stille sind die frohen Lieder, 
Und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe, 
Die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe! 
Dir auch singt man dort einmal.

Ludwig Uhland

„Soldiers at war are not to be judged by civilian rules.“

Jack Thompson als Major J.F. Thomas in Breaker Morant (1980)