Blumen

Opafreuden 5 (4)

Beitragsfoto: Blumenstrauss | © Bettina Kümmerle

Der 13. September ist heuer ein Samstag und für mich auch noch Opatag. Hätte ich vor 33 Jahren nicht einmal daran gedacht, jemals Vater zu werden, so ist das Opasein wohl eine natürliche Folgeentwicklung.

Und so bin ich nun Opa eines Mädchens aus München. Die Mutter ist ebenfalls Münchnerin. Eine Stadt, die ich aus meinen eigenen Studentenzeiten gut in Erinnerung behielt.

Was nun aber ganz gut veranschaulicht, wie wir Menschen selbst in für uns wahrnehmbaren Zeiträumen migrieren. Eine meiner Großmütter kam aus Königsberg und meine Enkelin beginnt ihr Leben in München. Und kein Mensch weiß, wohin es sie dereinst einmal verschlagen wird.

Da der glückliche Vater Soldat ist, wird sie bereits in sehr jungen Jahren zumindest Deutschland ganz gut kennenlernen.


Duo

21.4.02024 5 (4)

Beitragsfoto: Bérengére Le Boulair und Christiane Reiling

Fenster

Beginnen wir einmal mit etwas Erfreulichem. Nach fast 20 Jahren wird die Fenstererneuerung bei der Grünewaldschule endlich fortgesetzt; dafür sind nun 1 Million Euro fällig. Noch im Sommer soll die gleich daneben liegende Neckartalschule abgerissen und deren Neubau dann mit der Grünewaldschule zu einem Campus zusammenwachsen. Das hört sich schon einmal ganz gut an. Hoffen wir nun darauf, dass danach beide Schulen zumindest den aktuellen Forderungen an Bildungseinrichtungen genügen werden — die Lehrer und Schüler hätten es verdient.

Inzwischen will man die Container an den Dammschulen als Ausweichquartier für die Neckartalschüler nutzen. Bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat danach den Mut und das Geld aufbringt, die Container entsorgt und an deren Stelle die Dammschulen zu einem zeitgemäßen Schulzentrum, einschließlich der notwendigen Sport- und Schwimmhallen ausbaut. Alte Gemäuer nur etwas aufzuhübschen reicht schon lange nicht mehr! Zumindest aber zieht es dann weniger, wobei wir schon längst hätten erkennen müssen, dass Zugluft das geringste Problem heutiger Bildungsbemühungen ist.

Konzertabend

Kaum wieder auf dem Dampfer, konnte ich gestern Abend einer Einladung der Amicale des Français de Heilbronn folgen und wurde sogleich mit einem deutsch-französischen Konzertabend über die Freundschaft belohnt. Dieser fand interessanter Weise in der Aula der Fritz-Ulrich-Schule statt, was mich nun schon wieder zum Wahlkampf führt, nämlich, dass man in Heilbronn einmal darüber nachdenken könnte, wie man bei uns Bildung und Kultur besser in Übereinklang bringt und nicht beständig nur darüber, wer an was etwas verdienen darf und wer nicht!

Der gestrige Konzertabend hatte das Motto „zusammen & auseinander“ und wurde von den beiden exzellenten Künstlerinnen Bérengére Le Boulair und Christiane Reiling bestritten. Erstere eine begnadete Violinistin und die andere eine ebensolche Cellistin. Sehr spannend wie die beiden Musikerinnen ihre eigenen Erfahrungen des deutsch-französischen Zusammenlebens musikalisch aufgearbeitet und verarbeitet haben und dabei ihre eigenen Biografien verschmolzen, nicht nur musikalisch.

Ihre Improvisationen der Musik deutscher wie auch französischer Komponisten ein Gedicht! Gesangs- und Tanzeinlagen sowie das Rezitieren von Texten und dies alles in einer gut gewählten Kulisse, machten den Abend zu einem ganzheitlichen Freundschaftserlebnis. Die guten Pausengespräche des Abends rundeten diesen zusätzlich ab.

Mein Lob geht and die beiden Musikerinnen, mein Dank an die Amicale des Français, die mir diesen wunderbaren Abend erst möglich gemacht hat. Was wieder einmal zeigt, wie stark das bürgerschaftliche Engagement in Heilbronn verwurzelt ist und bleibt, trotz der unsäglichen Versuche diese mehr als lobenswerten Bemühungen von uns Bürgern immer wieder im Keime zu ersticken!

Kant

Wohl dem aktuellen Wahlkampf geschuldet, gingen 300 Jahre Kant fast an mir vorbei. Was nun die Frage nach den wahren Schwerpunkten aufwirft, wobei wir schon wieder bei Kant wären. Kant begegnete mir nicht nur während meines Studiums, sondern auch im Laufe meiner militärischen Ausbildung und erneut als ich mich näher mit dem Föderalismus beschäftigte. Sein in den letzten beiden Kontexten wohl bekanntestes Werk „Zum Ewigen Frieden“ habe ich bereits vor vielen Jahren in eine etwas lesbarere Form gebracht. Auf alle Fälle aber sollte man seine erste Kritik, die an der reinen Vernunft zumindest einmal angelesen haben, was mich wieder zu meinem eigenen Studium führt.

Seit wenigen Tagen liegt nun die aktuelle Ausgabe von The Federalist Debate (immer noch in Folie eingeschweißt) neben meinem Rechner. Diese zitiert eigentlich schon immer Immanuel Kant mit den Worten: „The establishment of a perfect civil Cobsititution depends on the problem of governing the external relations among states through law.“ Und auch eine richtige Tageszeitung bemüht sich schon seit gestern mehr Verständnis für Kant zu erzeugen und erinnert gleich mit drei Artikeln an dessen 300sten Geburtstag: Wider die Selbstverkleinerung des Geistes (Jürgen Kaube, FAZ, 20.4.2024), Der Unendliche (FAZ, 20.4.2024) und Der Unendliche II (FAZ, 21.4.2024), wobei ich erst heute dazu kam, diese Beiträge zu lesen.

„Es braucht Mut, sich dieses Verstandes zu bedienen. Wer ihn aufbringt, wird reich belohnt.“ 

FAZ, 21.4.2024

Immanuel Kant wurde wie meine Großmutter mütterlicherseits auch, in Königsberg geboren, allerdings ein paar Jahre eher, nämlich am 22. April 1724. Noch heute ist uns sein Leitspruch Sapere aude geläufig (hic!) und man kann es nur jedem empfehlen, ganz besonders den eigenen Studenten, denen damit vieles sehr viel einfacher gelingen könnte. Was mich nun wieder daran erinnert, meine kommende Vorlesung vorzubereiten, aber zumindest demnächst darüber nachzudenken, ob das Ganze überhaupt wirklich Sinn macht — wenn da nicht die Käffchen und guten Gespräche mit Detlef Stern wären und sein freundschaftlicher Hinweis, dass man nur etwas könne, wenn man es bereits auch erfolgreich gelehrt hat. Wobei wir jetzt schon wieder bei Kant angelangt sind:

„Vom leeren Raum kann es keine Erfahrung, auch keinen Schluss auf das Objekt derselben geben. Von der Existenz einer Materie belehrt zu sein dazu bedarf ich Einfluss einer Materie auf meine Sinne.“

Immanuel KAnt, Gesammelte Schriften

Trump-Anhänger kurz vor der Erstürmung des US-Kapitols

Kapitolsturm 5 (14)

Beitragsfoto: Trump-Anhänger kurz vor der Erstürmung des US-Kapitols | © Tyler Merbler – https://www.flickr.com/photos/37527185@N05/50812356151/

Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte ich heute den Dreikönigstag ein wenig genießen und dabei auch noch in Erinnerungen schwelgen, nämlich als ich vor über vier Jahrzehnten regelmäßig mit meinem Vater nach Stuttgart gepilgert bin, um dort unsere Delegiertenfunktion für eine Partei wahrzunehmen. Dort traf man sich mit netten Menschen aus dem ganzen Land und hatte auch noch im Anschluss und nicht nur beim obligatorischen Festakt viel Spaß. Später dann, als es zu schweren und tiefen innerparteilichen Grabenkämpfen kam, wurden diese auch dort sehr heftig und teilweise auch unter der Gürtellinie ausgetragen, aber stets auf dem Boden unserer demokratischen Grundordnung.

Das alles änderte sich im Zuge der geistig-moralischen Wende und führte dazu, dass ich mein Parteibuch angewidert zurückgab. Und seit dieser Zeit verrohen auch im Westen insgesamt die Sitten immer weiter und vom Osten kommt beständig weitere Verrohung mit hinzu. Meine Großmutter aus Königsberg würde bestimmt dazu sagen, dass aus dem Osten noch nie etwas Gutes kam.

Vor drei Jahren gipfelte das Ganze im Sturm der Sozial Verachteten (vulgär: dem Pöbel), welche nachweislich von Totalitaristen angeführt wurden, auf das Kapitol in Washington, um die Einsetzung eines demokratisch gewählten Präsidenten zu verhindern und eine Diktatur zu etablieren. So tief sind bestimmte politische Kreise im Westen bereits gesunken, es reicht ihnen nicht mehr aus, einfach nur durch Stimmenkauf, Erpressung oder legale Wahltricks Wahlen zu ihren Gunsten zu beeinflussen, sondern sie inszenieren seither und inzwischen auch bei uns regelmäßig den Hitlerputsch, um für ihr Klientel eine künftige Tradition zu schaffen — das hatten wir alles schon einmal und es war nachweislich überhaupt nicht gut!

Nicht nur in den USA, auch bei uns in Deutschland üben sich die totalitären Kreise — links wie rechts (!) — und werden dabei erneut von vermeintlich konservativen Kreisen gestützt und gestärkt. Nur ab und zu, wenn es gerade politisch opportun zu sein scheint, verteufelt man die antidemokratischen Angriffe der anderen Seite — und auch dies hatten wir bereits, so hat man sich gemeinsam der Weimarer Republik entledigt.

Stalinisten wie Nationalsozialisten — nennen sie wir einmal beim Namen — gehen gegen unsere Demokratien vor. Erstere scheinen in Wladimir Putin ihren vorläufigen Führer gefunden zu haben, letztere sind, Gott sei gedankt, wohl noch auf der Suche — auch bei uns in Deutschland. Was einen senilen Oppositionsführer nicht dazu bewegen sollte, sich dem Pöbel als Interimsführer anzudienen; er würde wieder nur den Hindenburg geben.

Heute am dritten Jahrestag des Kapitolsturms kann man in der FAZ (6.1.2024, 8.26 Uhr) lesen, dass die Republikaner diesen Angriff auch auf ihre Demokratie bagatellisieren, und bereits jeder dritte Republikaner verfällt den nationalsozialistischen Mythen, die mit einer solcher Traditionsbildung einhergehen. Und konservative Richter sorgen erneut dafür, dass Verbrecher ungeschoren davonkommen. — heute ist ein Tag der Déjà-vus!

Und auch bei uns verteufelt man traditionell gerne nur die Angriffe von „Linksterroristen“ und ist dabei überhaupt nicht zimperlich, was dabei schon als Terrorismus gilt. Aber noch schlimmer ergeht es jenen, die keine Totalitaristen sind.

Ein Deutscher, der als „queer“ durchgehen könnte, sitzt inzwischen schneller in Haft als er sich einen Joint anstecken kann. Wenn er dann auch noch so blöd ist und sich auf einer Straße festklebt, kann er seine Zukunft voll und ganz vergessen — er hat bei uns in Deutschland keine mehr!

Sein Fehler dabei, er hätte sich vorab entweder der fünften Kolonne verschreiben oder noch besser, dies als Opfer für den Führer deklarieren müssen. Demokratische Aktionen und seien sie auch noch so blöd, finden vor unseren Richtern keine Gnade — das war schon immer so und wird auch weiterhin so bleiben.

Anders sieht das Ganze aus, wenn man bei uns den Bundestag stürmen oder durch Putsch die Bundesrepublik in Gänze abschaffen will, denn dann erhält man maximal „Festungshaft“ und kann als angesehener Bürger unserer Gesellschaft in Ruhe Bücher schreiben — diese werden bekanntlich Bestseller!

Gestern versuchte wohl ein Bauern-Mob, ganz offensichtlich von brauner Gülle aufgestachelt, Robert Habeck und seine Familie zu lynchen — wie wir es bald erfahren dürfen, waren dies alles nur demokratische Proteste von aufgebrachten und besorgten Bürgern, die es einfach nicht hinnehmen wollen, dass sie vom Staat weniger Subventionen als bisher erhalten. Und schon längst haben sich nicht nur Vertreter unserer Unionsparteien mit diesen gestrigen Terroristen solidarisiert, sondern auch Nationalsozialisten und Stalinisten — was einem Demokraten eigentlich zu denken geben müsste.

Das Fürchterliche dabei ist, dass sich im Gegensatz zur USA nicht nur die Gruppe der Sozial Verachteten gegen unsere Demokratie wieder zu Handgreiflichkeiten mobilisieren lässt, sondern inzwischen fast wieder alle Bevölkerungsteile mobil machen, die daran glauben, dass es ihnen in einer Diktatur noch etwas länger besser geht als in unserer Demokratie, die inzwischen kaum noch ausreichend Geld hat, um sich ihre Demokraten weiterhin zu kaufen — und auch hierbei wäre gute Bildung besser gewesen!

Und unsere demokratische Elite glaubt weiterhin fest daran, wie bereits zu Zeiten der Weimarer Republik, dass sie das Ganze so lange weiter hinhalten kann, bis sie selbst ihr eigenes Leben fertig gelebt hat — und nach ihnen dann die Sintflut.

Sollte unsere Demokratie und vor allem ihre demokratischen Eliten in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten nicht etwas beherzter durchgreifen, dann kommt die Sintflut wieder einmal etwas schneller als es uns allen lieb sein kann.

Ergänzung:

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