Fußgänger

Begegnungen 5 (8)

Beitragsfoto: Fußgänger | © Brian Merrill from Pixabay

Wenn die Jahrzehnte einfach so vor sich hinplätschern und man nicht allzu sehr darauf achtet, was aus all den Begegnungen wurde, die man so auf der ganzen Strecke hinweg hatte, kommt es vor, dass man sich an die eine oder andere erinnert und sich dann fragt, was aus diesen Menschen wohl wurde.

Hartmut aus dem Kindergarten begegne ich ab und zu noch in der Stadt, Beate aus der Grundschule ebenfalls und hin und wieder noch weiteren Mitschülern; man tauscht Höflichkeiten aus und geht seinen Weg.

Manch andere Menschen spielten einst für kurze Zeit im eigenen Leben eine wichtige Rolle, Freunde, Kameraden und sehr gute Bekannte, die ganz plötzlich einfach wieder weg waren — aus den Augen, aus dem Sinn.

Wenigen davon begegnet man fast kometenhaft immer wieder und schafft es dabei vielleicht sogar, sich über die vergangenen Jahre oder gar Jahrzehnte auszutauschen. Immer öfters kommt es dabei vor, dass man von ihnen hört, wenn sie vor einem selbst das Zeitliche gesegnet haben.

Manche Begegnungen hält man gar über die Kontinente und Jahre hinweg ganz bewusst aufrecht, wobei auch diese weniger werden.

Menschliche Mobilität hat ihre Vor- aber auch Nachteile. Und so war das Internet anfangs für viele eine Art Heilsbringer, inzwischen dürfte auch hierbei etwas Ernüchterung eingekehrt sein.

Denn jeder Mensch kann nur eine bestimmte Menge an Begegnungen aufrechterhalten und dies erkennend, kommt es besonders darauf an, welche man erhält und welche nicht — dies ist allerdings meist eine beidseitige Angelegenheit.


Lesezeichen

Provozieren, polarisieren, normalisieren 5 (6)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Redaktion | Deutschlandfunk

Provozieren, polarisieren, normalisieren – Kommunikation der AfD (zuletzt aufgerufen am 23.1.2024, 14.54 Uhr)

„Mit Umfragerekorden geht die AfD ins Superwahljahr 2024. Der Erfolg der Partei basiert maßgeblich auf ihrer Kommunikationsstrategie. Sie besteht aus vier Bausteinen und bedient sich einer Rhetorik, die auch von anderen rechten Akteuren genutzt wird.

Gerade durch die Besetzung des Normalitätsbegriffs, versuche die AfD, Wählerstimmen in der gesellschaftlichen Mitte zu gewinnen, sagt Kommunikationsberater [Johannes] Hillje. Weil sie wisse, dass sie den rechten Rand mittlerweile ausmobilisiert hat.“


Sehr lesenswerte Beitrag! Nicht, dass meine Enkel sich später von meinen Mitbürgern anhören müssen, dass diese von nichts gewusst haben. Diese Lügen habe ich schon meinen eigenen Großeltern nicht geglaubt, und die aktuellen Ereignisse bestätigen es wieder nur, dass sich (fast) alle Deutschen im III. Reich schuldig gemacht haben.

Genau so wie wir es selber gerade machen, wie zum Beispiel, wenn Heilbronner Gemeinderäte den Nazis im Ratssaal kaum bis nie widersprechen, hinterher mit ihnen einen trinken gehen, gemeinsam an „Urlaubsfahrten“ und Hasenmahlen teilnehmen und dem Bürger dabei beständig versichern, dass die lokalen Nazis doch eigentlich ganz nette Leute seien — und die SPD deckt weiterhin ihre ehemaligen Gemeinderats-Genossen, die als SS-Männer die übelsten Schandtaten mit vollbrachten.

Wahrscheinlich aber erzählen sie den Jusos, dass die „SPD-SS“ beim Morden ganz besonders nett war und nur die ehemaligen SS-Männer von der CDU etc. die üblen Halunken gewesen seien.

Und heute wird ein Heilbronner OB, der weiterhin an einer russischen, sehr kriegsbegeisterten Partnerstadt festhält, dabei auch nichts dagegen hat, um mit Totalitaristen und Angriffskriegern Feste zu feiern und zudem weiterhin schützend seine Hand über einen jüngst enttarnten Nazi und SS-Mann hält, dessen Porträt übrigens schon längst ins Stadtarchiv gehört (!), uns Bürgern bei der heutigen Kundgebung irgendetwas über eine schützenswerte Demokratie erzählen.

Glaubwürdigkeit und Einritt für unsere Demokratie geht anders! Nicht die AfD wird unsere Demokratie zerstören, wir alle sind es, die damit beginnen, unsere Demokratie kaputtzumachen!


Ewige Flamme

Dem unbekannten Leser 5 (5)

Beitragsfoto: meine ewige Flamme | © Shutterstock

Über meine Leser weiß ich nicht sehr viel. Dies ist auch den permanenten Hinweisen von Detlef Stern geschuldet, der mich gerne daran erinnert, dass man nicht alles macht, auch wenn man es könnte. Dabei spielt er nicht auf ein moralisches Grundprinzip an, sondern erinnert mich immer wieder an die zunehmenden Auswüchse unserer Datenschutzgrundverordnung.

Manche meiner Leser antworten ab und zu auf meine Beiträge dabei aber sehr gerne per E-Mail oder bei einem persönlichen Treffen. Wenige nutzen die durch das Weblog bereitgestellten Möglichkeiten und schreiben einen entsprechenden Kommentar, beteiligen sich im jüngst bereitgestellten Forum oder hinterlassen mir eine Notiz auf dem Blog. Andere Leser wiederum haben ein Abonnement abgeschlossen und werden per E-Mail über neue Blog-Beiträge informiert.

Und das sind die Leser, über die ich mir selber ein eigenes Bild machen kann — übrigens ein sehr positives!

Die große Masse meiner Leserschaft bleibt für mich aber weiterhin im Dunkeln des Internets verborgen. Ich kann hier nur aufgrund von Zugriffszahlen und Länderzuordnungen bzw. den Aufrufen meiner „internationalen“ Weblog-Seiten erkennen, dass es diese Leser gibt. Auch werde ich darin, dass es diese Leser tatsächlich gibt, durch Anfragen von Werbefirmen und Dienstleistern bestätigt, die ansonsten von meinem Weblog keine Notiz nehmen würden.

Deshalb widme ich diesen Blog-Beitrag dem unbekannten Leser und entzünde für diesen stellvertretend für alle anderen das obige „ewige“ Licht.

Lieber unbekannter Leser!

Danke, dass es Sie gibt. Zwar weiß ich nicht, wer Sie sind oder wo Sie leben und arbeiten, dennoch dürften wir doch so einiges an Gemeinsamkeiten haben. Zumindest denken wir über unsere Welt sowie uns selber nach und hören dazu auch gerne die Meinungen anderer.

Ich wurde jüngst von Thomas Michl, einem meiner Leser, den ich persönlich kenne und sehr schätze, gefragt, was denn meine Erwartungshaltung an die Leser wäre? Ich teile dabei seine Meinung, dass sehr viele Mitbürger kritisch-reflektierend unterwegs sind. Leider aber nutzt dies der Gesamtheit wenig, wenn diese ihre Erkenntnisse oder Zweifel meist für sich behalten.

Douglas Adams hat dies sehr treffend in seinem Hörspiel „Per Anhalter durch die Galaxis“ formuliert, indem er ganz beiläufig erwähnte, dass noch kurz bevor die Vogonen unsere Welt zerstörten, ein Mensch die Lösung für sämtliche Probleme des Universums gefunden hatte. Und er lässt uns dann noch wissen, dass diese Lösung nicht „42“ ist.

Da ich Sie, lieber unbekannter Leser, nicht kenne, fällt es mir schwer, auch eine Erwartungshaltung an Sie zu formulieren. Aber freuen würde ich mich darüber, wenn Sie — wenigstens ab und zu — aus der Deckung kommen und Ihre Meinung zu den hier im Weblog angebotenen Meinungen, Vermutungen und Behauptungen kundtun.

Denn wenn wir Menschen etwas sind, dann eine Art von Kommunikationsraum, der dadurch existiert, dass möglichst viele unterschiedliche Meinungen und Ansichten aufeinandertreffen, sich aneinander reiben und wir dadurch trotz oder gerade wegen der daraus entstehenden Konflikte langsam, aber sicher ein gemeinsames Bild von der aktuellen Realität erhalten.

Und je besser wir miteinander kommunizieren, umso besser ist das aktuelle Bild von unserer eigenen Realität.

Lieber unbekannter Leser, ich weiß, dass dies nicht einfach ist, ganz besonders dann, wenn man selber seine eigenen Gedanken ins World Wide Web stellt, das diese zwar aufnimmt, aber auch wie ein Blitzableiter gleich ins digitale Nirwana weiterführt.

Und so freut es mich weiterhin, dass ich weiß, dass es Sie gibt. Und hoffe, dass manche meiner Gedankengänge Sie auch zum Widerspruch anregen und Sie dadurch für sich selber das Eine oder Andere neu denken können.

„Dürfte ich das Unwort des Zeitalters bestimmen, so käme nur eins in Frage: kommunizieren. Ein Autor kommuniziert nicht mit seinem Leser. Er sucht ihn zu verführen, zu amüsieren, zu provozieren, zu beleben. Welch einen Reichtum an (noch lebendigen) inneren Bewegungen und entsprechenden Ausdrücken verschlingt ein solch brutales Müllschluckerwort! Mann und Frau kommunizieren nicht miteinander. Die vielfältigen Rätsel, die sie einander aufgeben, fänden ihre schalste Lösung, sobald dieser nichtige Begriff zwischen sie tritt. Ein Katholik, der meint, er kommuniziere mit Gott, gehört auf der Stelle exkommuniziert. Zu Gott betet man, und man unterhält sich nicht, sondern man empfängt eine Heilige Kommunion. All unsere glücklichen und vergeblichen Versuche, uns mit der Welt zu verständigen, uns zu berühren und zu beeinflussen, die ganze Artenvielfalt unserer Regungen und Absichten fallen der Ödnis und der Monotonie eines soziotechnischen Kurzbegriffs zum Opfer. Damit leisten wir dem Nichtssagenden Vorschub, das unsere Sprache mit großem Appetit auffrisst.“

Bodo Strauß , Der Untenstehende Auf Zehenspitzen (2004: 41)