Lehrerin

17.6.02026 5 (6)

Beitragsfoto: Lehrerin

Vermischtes

Erfreulich, dass zumindest ein völlig hoffnungsloser Fall nicht mehr an meiner Klausur teilnehmen wird. Schlimmer als schlechte Klausuren zu schreiben ist es, schlechte Klausuren korrigieren zu müssen. Denn das tut wirklich weh! Wobei jene, die solche Klausuren schreiben, es schon gar nicht mehr selbst merken.

Schon alleine aus Kostengründen und auch zum Wohle der Menschheit, müsste vor jedem Studienbeginn ein bestandener Intelligenztest und eine Aufnahmeprüfung liegen. Universitäten und Hochschulen dürfen keine Aufbewahrungsanstalten für Menschen sein, die keine Lehrstelle finden. Denn damit verschleppt man das Problem nur und löst kein einziges Schicksal. Es sei denn, man macht es wie bei den Arbeitsämtern, wo die eine Hälfte dort nach Arbeit sucht und die andere Hälfte dort ihre Arbeit bereits gefunden hat — was erklären könnte, warum die Hochschulen inzwischen über mehr Büros als über Lehrsäle verfügen.

Heute Abend noch kurz das Tanzbein schwingen.

Defizit

Ganz ohne Frage, unser Stadt- und Landkreis ist bildungsbezüglich defizitär. Dazu gibt es schon etwas länger ganz passable Studien und wohl noch mehr Versuche, um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Unsere Volksvertreter versuchen es inzwischen sogar mit Magie, was man halt so macht, wenn man Wissenschaft und Bildung selbst von ganzem Herzen ablehnt.

Nun soll es ein Milliardär richten; man baut Gebäude, von denen man meint, es könnten Bildungsstätten sein, und man gewährt allen dazu Zugang, wohl in der Hoffnung, dass wenn man lange genug in Bildungseinrichtungen herumsitzt, man irgendwann gebildet wieder von dannen zieht.

Was mich dabei etwas erstaunt ist, dass man, wenn man schon neue Schulen baut, man nicht auf die Expertise von Professoren, Lehrern oder gar Pädagogen zurückgreifen möchte. Obwohl, man fragt diese auch schon länger nicht mehr, wenn es um bloße Didaktik und Methodik geht. Noch länger sind selbst Abholpunkte und Schulempfehlungen nur noch reines Teufelszeug.

Universitäten, zumindest auf hübschen Schildern, sprießen bei uns nun wie die Hochschulen auch wie Spargel aus den Böden. Zum richtigen Studieren muss man aber weiterhin in Groß- oder traditionelle Universitätsstädte fahren. Bei all meinen Bemühungen, studentisches Leben habe ich bei uns noch nicht entdeckt. So bleibt die Hoffnung, dass es in ein paar Jahrzehnten vielleicht doch noch bei uns einziehen wird, wahrscheinlich aber erst, wenn eine „Universität von Baden-Württemberg“, auch in Heilbronn die eine oder andere Universitätsfakultät (Würstchengrillen und Büchsenstapeln zählt nicht wirklich!) betreiben wird; ich denke dabei gerne an die University of California. Und vielleicht wäre es auch für unser Bundesland nicht schlecht, wenn man die wenigen noch vorhandenen „Brains“ bündelt und möglichst effektiv auf Baden-Württemberg verteilt — dabei aber nicht nach Proporz, gar Wahlkreis oder dem Geldbeutel eines Mäzens.

Warum kam es aber zu einer solchen Bildungsdelle im Heilbronner Land? Ich gehe davon aus, dass dies erstens damit zusammenhängt, dass die verantwortlichen Entscheidungsträger schon sehr lange sehr bildungsfeindlich sind — nicht umsonst tragen wir den Titel „Stadt der Krämerseelen“.

Zweitens ist unsere Region seit dem Zweiten Weltkrieg infrastrukturell abgehängt; die glorreichen Autobahnen sind nur dazu da, dass man sehr schnell durch unseren Stadt- und Landkreis durchfahren kann.

Drittens fehlen die notwendigen und attraktiven Arbeitsplätze für Menschen, die sich eine höhere Bildung erarbeitet haben. Und sollten sie doch einmal einen solchen finden, gibt es keine weiteren für den eigenen Nachwuchs.

Und viertens ist das restliche Umfeld für Bildungsbürger bisher wenig attraktiv, Stoiker und Eremiten einmal ausgenommen. Schon alleine wenn man einmal tanzen und sich vielleicht dazu auch mal schick machen möchte, fährt man mindestens nach Stuttgart. Opern im Kino und Tanzbälle im Fernsehen zu gucken ist einfach nicht der geeignete Ersatz, um ein echtes Kultur-Feeling zu erhalten. Selbst die Kleinkunst hat bei uns etwas Provinzielles — wir sind einfach in allem auf Lidl und Aldi getrimmt worden. Selbst die Silvesterbälle mutierten bereits zum schnöden Brüllsauf-Event. Autokorsos die Allee rauf und runter zählen ebenfalls nicht zur Kultur eines Lands der Dichter und Denker. Wobei fehlende öffentliche Toiletten das Ganze auch nicht attraktiver machen — zumindest für Menschen, die sich inzwischen gedanklich vom Plumpsklo verabschiedet haben.

Preisverleihung

Den heutigen Tag habe ich mit einer Preisverleihung zum Europäischen Wettbewerb begonnen, der sich in Deutschland nun bereits im 73. Jahr befindet. Dessen Anfänge reichen in Frankreich, wo er ursprünglich gegründet wurde, wohl aber nicht mehr besteht, noch etwas weiter zurück.

Da mich Schule nie besonders interessierte, dürfte ich die eigene Teilnahme an diesem Wettbewerb längst verdrängt haben, zumal ich mich auch nicht daran erinnern kann, dass ich dort jemals zu den Preisträgern gehörte. Für mich begann der Europäische Wettbewerb 1992, nämlich als ich meiner damaligen JEF-Kreisvorsitzenden bei deren Preisverleihungen in der Vorbereitung einer Ausstellung der Bilder aller Preisträger im Stadt- und Landkreis assistierte. Meine bessere Hälfte hatte als JEF bereits 1988 oder 1989 die Preisverleihungen übernommen. Der damalige EUROPA-UNION Kreisvorsitzende kam dann noch mit dazu, wenn es eine zentrale Preisverleihung gab.

Meine eigenhändige Hängung aller Preisträgerbilder überraschte damals sämtliche Beteiligte und so durfte ich dies nun immer machen. Irgendwann wurde mir dann auch die Moderation der zentralen Preisverleihung anvertraut — die Organisation der Preisverleihung blieb aber weiterhin in den Händen meiner besseren Hälfte; soll ja auch funktionieren.

Später dann hatten sich zumindest in unserem Stadt- und Landkreis zentrale Preisverleihungen überlebt; es kamen zwar Hunderte Gäste, meist Eltern und Großeltern, die den unzähligen Preisträgern gratulieren und in Folge davon auch sehr viele wichtige Menschen, die sich das Publikum nicht entgehen lassen wollten, was aber zu sehr langatmigen Verleihungen führte, zumal wenn dann auch noch wichtige Menschen ihren ganz eigenen Auftritt haben wollten.

Und so suchten wir nach einer geeigneten Veränderung. Das Schlüsselerlebnis war für mich, als ich einen Bürgermeister bat, „seine“ Preisträger zu prämieren, dass ein Schüler auf der Bühne das Folgende zu den anderen Preisträgern sagte: „Ich bin doch etwas wert, mein Bürgermeister hat mir einen Preis verliehen!“

Deshalb haben wir kurzentschlossen die Preisverleihungen im Stadt- und Landkreis dezentralisiert und veranstalten nun je nach Anzahl der Schulen und Rathäuser mehrere Preisverleihungen im Jahr. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass der Bürgermeister vor Ort die Auszeichnung der Preisträger übernimmt.

Inzwischen hat sich dies im Landkreis fest etabliert, wobei es Bürgermeister gibt, die diese Chance gerne nutzen, aber auch Bürgermeister, die immer viel Wichtigeres zu tun haben.

Auch bei den Schulen können wir Unterschiede feststellen, wobei ich vermute, dass das jeweilige Engagement stark vom Rektor geprägt wird und dazu noch von den weiterhin etwas motivierteren Lehrern abhängt; so gibt es auch hier Schulen und Schulen.

Aber auch dabei zeichnet sich ein Trend ab, die Schulen finden sich immer öfters im Landkreis; böse, wer Schlimmes dabei denkt!


Glöckner

14.6.02026 4.9 (7)

Beitragsfoto: Glöckner vom Wunnenstein | © Bettina Kümmerle

Vermischtes

Der gestrige Tag begann sogleich mit einer Hochzeit. Und dies in einem Rathaus, das einmal ein Schloss und davor sogar eine Burg war. Nun bin ich einmal gespannt darauf, ob ein Leser die Lösung kennt. Die Idee aus Schlössern Rathäuser oder gar Gemeindezentren zu machen, finde ich sehr gut. Daraus Museen oder Tempel der Nostalgie zu machen, halte ich für völlig falsch! Unsere Demokratie müsste sich bei der Nutzung von Liegenschaften etwas mehr durchsetzen können. So lange sie dies nicht kann, dürfte sie sich bei uns nicht manifestieren.

Das freitägliche Käffchen mit Detlef Stern hatte ich bereits in einem anderen Blog-Beitrag umgesetzt, wobei es mich etwas erstaunt, dass es dazu keine Kommentare von den sonst üblichen Musikliebhabern gibt. Nun weiß ich aber, dass Midnight Oil 2022 noch ein Album herausbrachte, Totgesagte leben einfacher länger.

Zum Abschluss eines sehr ereignisreichen Tages gab es noch eine weitere Überraschung, eine, die man nicht unbedingt haben muss. Was dazu führte, dass ich nach etwas Ablenkung suchte.

Un triomphe

Gestern habe ich mir dann noch einen Film gegönnt. Emmanuel Courcol verfrachtete Erinnerungen des Schauspielers Jan Jönson von Kumla nach Lyon; dieser kam 1985 auf die Idee „Warten auf Godot“ von Häftlingen aufführen zu lassen. Was schon zu meiner Schulzeit keine gute Idee an der Schule war, sollte sich in einem Gefängnis realisieren lassen.

Die französische Version des Geschehens kam 2020 in die Kinos. Riccardo Milani brachte bereits 2023 mit „Grazie ragazzi“ ein italienisches Remake heraus — man hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Jan Jönson tingelte auf alle Fälle gut 300 Mal mit seiner Erzählung durch Europa.

Im Film gibt Kad Merad den arbeitslosen Schauspieler Etienne Carboni, der im Gefängnis von Lyon einen Theaterworkshop leiten soll. Seit „Bienvenue chez les Ch’tis“ (2008) gefällt mir dieser Schauspieler ganz gut. Aber auch der Rest der Truppe spielt seine Rollen sehr authentisch, wobei ich die Rollen der Leiterin des Gefängnisses und der Richterin für zu gekünstelt halte.

Auf alle Fälle aber wird man durch den Film fast zweit Stunden gut unterhalten. Und wer noch zur Schulzeit mit Samuel Beckett gequält wurde, der nimmt vielleicht nun dieses Theaterstück nochmals zur Hand.

Meine Lieblingsdeutschlehrerin hat es mir zu meiner Schulzeit wohl verübelt, dass ich die Schauspieler nur in Socken auf die Bühne bringen wollte, umso mehr freute ich mich, dass Emmanuel Courcol im Film auf ähnliche Gedanken kam.

Wunnenstein

In für Europa schwierigen Zeiten interpretierten wir gestern die Fahrt ins Blaue der EUROPA-UNION ganz neu. Über sechzig Jahre lang fuhr ich am Wunnenstein vorbei, wobei ich ähnlich wie Hans August Lücker in den 1960er- bis 1980er-Jahren die dortige Raststätte gerne nutzte — mit dem Unterschied: er fuhr dabei immer winkend auch noch an Heilbronn vorbei.

Spätestens seit „Die Welt der Kelten. Zentren der Macht – Kostbarkeiten der Kunst“, einer größeren Ausstellung 2012 in Stuttgart wusste ich, dass der Wunnenstein auch mit diesen in Verbindung zu bringen ist. Ein Jahr später wollte ich bereits mit meinen irischen Freunden den Wunnenstein besichtigen, aber diese siedelten weiter nach New York.

Auch wenn Thomas Michl schon etwas länger keltoman sein dürfte, waren die Kelten in unserem Verein noch kein ernsteres Thema. Sie finden allerdings in meinem Buch „Europa ist für alle da!“ Erwähnung.

Und so war es dann tatsächlich einmal an der Zeit, dass wir uns im Verein den Kelten widmeten. Ursula Hecht erklärte sich bereit, den Wunnenstein, die Kelten und unsere traditionelle Fahrt ins Blaue miteinander zu verknüpfen. Hilfreich dabei, dass sie ebenfalls sehr gute Erinnerungen an die große Keltenausstellung in Stuttgart hatte und die Verve, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und so erfuhren wir gestern unter anderem, wo man bei uns in der Region noch mehr über die Kelten erfahren kann und auch, dass man jüngst erst ein keltisches Fürstengrab im Taunus entdeckte.

Ursula Hecht überraschte die Wandergruppe und auch die weiteren Mitfahrer auf halbem Weg mit einer Weinprobe, wobei mir der dargebotene Riesling von den Bottwartaler Winzern sehr gut gefiel.

Auf dem Wunnenstein gab es dann noch ein wenig Lokalgeschichte, die sich im wesentlichen um die dortige Glocke drehte. Die inzwischen dritte Glocke wurde von uns heftig geläutet. Die zweite wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und die erste soll in einem Strudel bei Lauffen liegen.

Für mich dabei erstaunlich, mit was für Geschichten die umliegenden Städte und Gemeinden über uns Heilbronner aufwarten können! Da sind die Neckargartacher mit ihrer Erzählung noch richtig harmlos, wohl deshalb durften sie auch ein Heilbronner Stadtteil werden.

Der Ausblick vom Wunnenstein einfach mehr als gut. Von wo sonst kann man zugleich die Schwäbische Alb, den Schwarzwald, den Odenwald und die Löwensteiner Berge erblicken, vom Stuttgarter Fernsehturm ganz zu schweigen.

Zum Abschluss kehrten wir in der Gipshütte ein und diskutierten u. a. darüber, ob nicht nur die Römer, sondern auch zumindest ein paar alte Griechen auf dem Wunnenstein waren. Denn Europa ist viel kleiner als wir alle denken!

„I don’t want to make despairing films, even when they deal with a dark reality. As long as there is some humanity, a ray of light is always possible.“

Emmanuel Courcol, Film Talk (1.9.2021)

Krematorium Heilbronn 2018

16.5.02026 5 (6)

Beitragsfoto: Krematorium Heilbronn

Nur mal so

Heilbronn ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man sich Bildung, Kultur und Wissen nicht erkaufen kann; diese Dinge muss man sich weiterhin erarbeiten.

Ich hatte darauf gehofft, dass bei uns dennoch wenigstens ein paar attraktive Gebäude, vielleicht sogar ganze Stadtteile entstehen werden. Meine Ansprüche waren dabei von Anfang an sehr begrenzt: solide Langeweile bis hin zum modernen Zweckbau.

Nun erfüllen nicht einmal die vermeintlichen Zweckbauten ihren Zweck. Und im Falle, dass doch einmal ein halbwegs attraktives Gebäude erstellt wird, ist es reiner Zufall — meist hat sich dabei ein Mittelständler im Architekten vergriffen.

Vermischtes

Mit dem Buckelwal ist genau das geschehen, was ich von Anfang an gesagt hatte. Man hat ihn zum Sterben aus der Sichtweite unserer Journalie geschleppt. Was ich nicht vorhergesehen hatte, dass sich auch herbei unsere sogenannten Experten dumm und dämlich verdient haben. So lange es bei uns kaum möglich ist, Menschen zu quälen, müssen die Tiere herhalten. Und so gibt es bei uns bestimmt bald auch einen BA als staatlich geprüfter Tierquäler; hört sich auf alle Fälle besser an als Mauerschütze oder KZ-Turmwächter.

Ein klein wenig Gartenarbeit hat mir den Tag versüsst und mich vergessen lassen, dass das Kegeln gestern wenig erfolgreich war.

Ein Freund aus Finnland hat seinen Ruhestand angekündigt. Da er immer gerne von den Nordlichtern schwärmt, gehe ich einmal davon aus, dass es ihn nun nicht mehr nach Heilbronn ziehen wird. Ein Mitkegler verbringt seine Sommer schon etwas länger im hohen Norden — mir wäre es dort zu dunkel und zu kalt.

Mein Käffchen mit Detlef Stern musste gestern ausfallen, war leider anderweitig gebunden. Was mir wieder einmal zeigte, dass man seine Präferenzen doch nicht immer selber festlegen kann. Wobei ich mir selber attestieren darf, dass ich mir selten Termine diktieren lassen muss — meine bessere Hälfte mal außen vorgelassen.

Die New York Times schreibt heute über Claudine Longet. Mich haben Menschen schon immer fasziniert, die einfach mit wirklich allem davonkommen. Und wenn man sich das Ganze etwas näher anschaut, dann war dies eigentlich schon immer so und ist folglich keine Erfindung der Neuzeit.

Das eigentliche Problem dabei ist, dass man solch ein asoziales Verhalten nicht einfach auf den Großteil von uns Menschen übertragen kann, denn dies wäre unser aller Untergang. Und so bleibt es das alleinige Recht der systemrelevanten Personen asozial sein zu dürfen, wir anderen bekommen dafür Religion, Recht und Gesetz. Was ist übrigens das Gegenteil eines ruhigen Gewissens? Gar kein Gewissen.

Gestern gelang es mir noch mit einem Rundschreiben für die kommenden Termine der EUROPA-UNION zu werben. Bis heute werden diese von über 50 % der Adressaten geöffnet. Was mir dennoch ein wenig zu denken gibt, denn wenn ich mich selbst dabei erwische, dass ich ein abonniertes Rundschreiben kaum bis gar nicht mehr lese, dann beende ich das Abonnement.

Und da ich mich bei der Abonnentenzahl entlang des kostenfreien Limits bewege, wäre es doch für alle von Vorteil, wenn die Nichtleser meines Rundschreibens dieses wieder abbestellen.

Nichtleser von Rundschreiben sind wie Studenten, die nur so in den Vorlesungen sitzen. Vielleicht ist es aber auch nur eine Auswirkung des allgemeinen gesehen werden Wollens.

Staats-Zeitung

Die etwas älteren Kalifornier mit deutscher Zuzugsgeschichte dürften die Staats-Zeitung kennen. Ich lese sie regelmäßig bei meinen dortigen Aufenthalten; meine Tante hat sie heute noch abonniert.

Die Ausgabe Nr. 18 vom 2.5.2026 hat mich nun aber doch überrascht. Katrin Lehn, die mir selbst nicht bekannt ist, hat darin auf zwei Seiten einen Artikel über Heilbronn verfasst. Der Artikelinhalt könnte auch von einer KI oder der Pressestelle im Rathaus stammen. Ich gehe aber einmal davon aus, dass sie meint, was sie schreibt und stimme mit ihr darin überein, dass viele echte Heilbronner „eine ausgeprägte Hass-Liebe zu ihrer Stadt pflegen“.

Das ist aber nicht das Problem von Heilbronn, denn das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern die Gleichgültigkeit. Und das bringt es nun auf den Punkt: den Heilbronner Stadtverantwortlichen ist unsere Stadt völlig gleichgültig, sie bestreiten mit ihr ihren Lebensunterhalt und machen sich zugleich damit auch noch ein möglichst schönes Leben. Zum Shoppen gehen diese systemrelevanten Personen mindestens nach Stuttgart, gerne Mailand oder gar bis nach New York. Gefeiert wird in München oder — kleiner Geheimtipp — auf der Heilbronner Hütte. Ihre Wochenenden verbringen diese Menschen gerne auf ihren Landsitzen möglichst weit weg — Spanien, Südfrankreich oder Italien, zumindest aber im Allgäu.

Und wenn sie schon einen Absacker in der Stadt nehmen (müssen), dann eher beim Hasenmahl oder anderen Gelegenheiten, die sie auch möglichst nichts kosten: Heilbronn ist für diese Damen und Herren einzig und alleine zum Geld verdienen da.

Während ich diese Zeilen schreibe, trinken sich ein paar Heilbronner Freunde in einem Besen um die Ecke unsere Stadt schön und träumen dabei vom kommenden Urlaub — möglichst weit weg.

Da ich aber selber immer gerne lese, wie schön meine Heimatstadt eigentlich ist, möchte ich meinen Lesern den besagten Artikel in der Staats-Zeitung nicht vorenthalten. Übrigens, Katrin Lehn empfehle ich, einmal zu lesen, was Wolfgang von Goethe tatsächlich über unsere Stadt geschrieben hat — er kam auf alle Fälle nie wieder in die Stadt. Und ob Heinrich von Kleist jemals in Heilbronn war, das dürfte stark bezweifelt werden. Verbrieft ist allerdings der Aufenthalt von Götz von Berlichingen — ebenso wie sein diesbezüglicher Kraftausdruck, … war wohl eher von einem unserer Ex-Oberbürgermeister.


Fediverse Reactions