Rassemblement National

Alte Verhaltensmuster 5 (1)

Beitragsfoto:  Rassemblement National | © Grégory ROOSE auf Pixabay

Gerade weil es nach dem Zweiten Weltkrieg staatstragende Politiker tatsächlich geschafft haben, alte Verhaltensmuster zu durchbrechen und neue Wege zu gehen, ist es uns Europäern jenseits und diesseits des Atlantiks gelungen, zumindest die westliche Welt zu befrieden und insgesamt für einen vorher noch nie erreichten Wohlstand für die meisten von uns zu sorgen.

Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill, Charles de Gaulles, Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi, Paul-Henri Spaak, Joseph Bech, Robert Schuman, Jean Monnet und Altiero Spinelli sind dabei ganz besonders zu erwähnen, denn ohne sie gäbe es weder die NATO noch den Europarat oder gar die Europäische Union.

Nur aufgrund dieses für uns heutzutage und darüber hinaus auch für die Weltgeschichte sehr bedeutenden Ereignisses leben wir in einer Zeit der noch nie dagewesenen Möglichkeiten.

Aber weil nachfolgende Politikergenerationen fast ausnahmslos weder den Mut noch den Weitblick dieser oben genannten Männer hatten, auch mit Herausforderungen bis hin zu Problemen, die wir als Menschheit ebenfalls noch nie hatten.

Verstärkt kommt jüngst aber noch hinzu, dass heutige Politiker entweder den Gesamtzusammenhang nicht erkennend oder aber einfach nur unfähig, sich und ihren Mitbürgern notwendig gewordene Änderungen abzuverlangen, wieder genau in diese totgeglaubten Verhaltensmuster zurückfallen.

Zum heutigen Arsenal der „Europapolitik“ gehören wieder, auch wenn teilweise noch anders benannt: Kriege, Kolonialismus, Reparationszahlungen, Pakte, Nationalismus, Rassismus, Totalitarismus, Umsiedlungen, Mauern und Vormachtsstreben.

Das jüngste nachhaltige Ergebnis wird wohl der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union sein, gefolgt von einem Rückzug der Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik und aufflammender Kämpfe halbstarker Nationen um die Scherben derselben.

Dabei müssten wir alle es doch besser wissen — und auch können!

„La politique fut d’abord l’art d’empêcher les gens de se mêler de ce qui les regarde. À une époque suivante, on y adjoignit l’art de contraindre les gens à décider sur ce qu’ils n’entendent pas.“

Paul Valéry, Œuvres II (1960: 947, Des partis)

Flugabwehrgeschütz

Verteidigungsfähigkeit 5 (4)

Beitragsfoto: Verteidigung in Afrika (2010)

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die freien Europäer ohne Wenn und Aber für eine transatlantische Zusammenarbeit ausgesprochen und sich unter den Schutzschirm der Vereinigten Staaten von Amerika begeben; auch die Republik Frankreich, welche dies selber bis heute nicht wahrhaben möchte. Und gleich nach dem Kollaps des sowjetischen Terrorregimes haben sich viele der ehemaligen Satelittenstaaten Russlands ebenfalls bemüht, schnellstmöglich unter diesen Schirm zu kommen.

Die dafür explizit geschaffene Institution, die Organisation des Nordatlantikvertrags, welche eher unter dem Akronym NATO bekannt ist, wurde anfangs durch alle Mitgliedsstaaten mit einem hohen personellen und finanziellen Eigenanteil mitgetragen. Aufgrund der Tatsache, dass die USA nicht nur größte Wirtschaftsmacht und bevölkerungsmäßig der größte Partner innerhalb dieser Organisation war, sondern darüber hinaus immer mehr von allen, ob Mitglied oder nicht, in die Rolle eines Hegemons gedrängt wurde, was übrigens auch durchaus dem eigenen Selbstverständns entsprach, lag der Löwenanteil der aufzubringenden Kosten, Ressourcen und last but not least den dafür notwendigen bereitzuhaltenden Soldaten bei den Amerikanern.

Als sich die Bedrohungslage der Europäer Mitte der 1980er-Jahre immer weiter entschärfte, begannen diese, ihre eigenen Verteidigungsaufwendungen immer mehr zurückzufahren oder für andere Dinge zweckzuentfremden; das damals propagierte Stichwort: Friedensdividende.

Als Folge davon und weil sich der Rest der Welt nicht so friedlich zeigte, mussten die Vereingten Staaten wohl oder übel in die Presche springen und ihre eigenen Verteidigungsausgaben und -aufwände weiter erhöhen. Bis zum heutigen Tage blieben alle Bemühungen der USA, die Europäer an diesen Kosten zu beteiligen oder wenigstens die eigenen Verteidigungshaushalte der gegebenen Realität anzupassen, vergebens.

Was wäre nun, wenn sich die Europäer besännen und der immer stärker werdenden Aggression, nicht nur seitens der Russischen Föderation, eigene Stärke entgegenstellen wollten?

Ich behaupte, dass kein europäischer Staat alleine mehr in der Lage ist, eine eigenständige Verteidigungsfähigkeit zu erreichen, ganz zu schweigen davon, sich auch erfolgreich gegen einen Aggressor behaupten zu können. Zudem behaupte ich, dass dies aufgrund heutiger Technologien und Vernetzungen auch dann nicht möglich wäre, wenn ein Staat seine gesamten Ressourcen für die Verteidigung aufwenden würde. Darüber hinaus behaupte ich, dass dies selbst einem einigen Europa und seinen gebündelten Ressourcen und Kapazitäten nicht möglich wäre! Nicht umsonst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die NATO gegründet, und die heutigen Gegebenheiten sind noch schwieriger als vor gut 70 Jahren.

Unabhängig von der Tatsache, dass eine Verteidigung Europas nur in enger Kooperation mit seinen transatlantischen Partnern möglich ist, müssten die Europäer Folgendes beachten. Erstens reichen die personellen Ressourcen – einsatzwillige und auch einsatzfähige junge Europäer – nur dann aus, wenn alle Staaten ihre vorhandenen Bürger auf eine gemeinsame Organisation verteilen; jeder für sich bekommt zumindest personnel keine einzige einsatz- und damit auch durchhaltefähige Division mehr zusammen. Und selbst bei einem gemeinsamen Personalkörper müssten sich die Europäer entscheiden, ob sie mittelfristig einer Roboterisierung der Streitkäfte oder einer externen Personalergänzung den Vorzug geben.

Zweitens haben wir Europäer im Gegensatz zu unseren amerikanischen Partnern – meines Erachtens auch zurecht – dem Sozialen der eigenen Verteidigungsfähigkeit den Vorzug gegeben. Als Folge davon können wir eine tragfähige Verteidigungsfähigkeit nur dann sicherstellen, wenn wir in diesem Bereich unsere finanziellen Ressourcen nicht nur bündeln, sondern auch dafür sorgen, dass Verteidigungsausgaben zukünftig auch ausschließlich und transparent für Verteidigungsaufwendungen eingesetzt werden. Eine weiter fortgeführte Zweckentfremdung von Verteidungsmitteln oder Unterfinanzierung der Verteidigungshaushalte führt letztendlich zwingend zu solch hohen Ausgaben, dass diese Fehlentwicklung nur auf Kosten der Sozialhaushalte wieder rückgängig gemacht werden kann.

Drittens ist es endlich wieder an der Zeit, dass wir Europäer unseren eigenen Grundsätzen treu werden und unser eigenes Militär in den Dienst der „Landesverteidigung“ stellen; dazu gehört selbstverständlich die Bündnisverteidigung und Einsätze im Auftrag der Vereinten Nationen zur Wiederherstellung des Weltfriedens. Europäer betreiben weder Machtpolitik, noch ist für uns „Krieg eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“!

Diesem Grundsatz muss sich endlich auch die europäische Rüstungspolitik unterwerfen. Rüstung ist nicht mit Waffenproduktion und -handel gleichzusetzen. Rüstung ist damit auch kein exportorientierter Wirtschaftszweig. Rüstung ist die Sicherstellung der Aussattung eigenener und verbündeter Streitkräfte mit den möglichst besten Waffen, dem besten Gerät und der besten Ausrüstung sowie allem anderen, was diese Streitkäfte benötigen, um möglicht unbeschadet Europa und seine Verbündeten verteidigen zu können. Damit darf diese bestmögliche Ausstattung und Bewaffnung auch nicht exportiert werden! Somit ist es zwingend notwendig, dass Rüstung in einem möglicht großen Rahmen zusammengefasst wird (ich empfehle hier erneut die NATO als Bezugsrahmen), um nicht nur bestmögliche Effizienz sondern auch eine entsprechende Nachhaltigkeit zu erreichen, und dies immer im Sinne einer für alle Haushalte tragbaren Finanzierbarkeit.

„If we aren’t willing to pay a price for our values, then we should ask ourselves whether we truly believe in them at all.“

Barack Obama, The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream (2006: 68)

Rüstung

Gedanken zur Rüstungspolitik 5 (10)

Beitragsfoto: Rüstung | © Alina Kuptsova auf Pixabay 

Meine Prämisse ist, dass Rüstungspolitik der eigenen Verteidigung dient.

Spätestens seit den Phöniziern sind die Grundlagen von Rüstungspolitik allgemein bekannt. Diese Grundlagen bestehen aus zwei zwingenden Notwendigkeiten, zum einen dem militärischen Nutzen und zum anderen der wirtschaftlichen Machbarkeit. Beide müssen zwingend miteinander harmonieren und bestimmen letztendlich die eigene militärpolitische Durchsetzungsfähigkeit.

Waffen, Gerät und Ausrüstung müssen nicht nur in bestmöglichen Qualität, sondern auch in der notwendigen Quantität vorhanden sein und darüber hinaus fortwährend unterhalten und zu jederzeit auch ersetzt werden können. Dabei gilt für den eigenen Erfolg zwingend zu beachten, dass man immer mehr Waffen, Gerät und Ausrüstung herstellen als ein möglicher Gegner vernichten kann.

Sowohl Qualität als auch Quantität unterliegen zudem immer der wirtschaftlichen Machbarkeit.

Damit sind die Eckpunkte von Rüstungspolitik benannt; Rüstung muss militärisch sinnvoll und wirtschaftlich leistbar sein. Effizienz und Nachhaltigkeit sind dabei die wesentlichen Stichworte.

Ich möchte dies an fünf Beispielen verdeutlichen: Flugzeugträger, U-Boote, Flugzeuge, Hubschrauber und Panzer.

Ein zeitgemäßer Flugzeugträger (USA) kostet gut 10 Milliarden Euro das Stück und muss mehr als 30 Jahre lang unterhalten werden. Auch kann man davon ausgehen, dass mindestens 10 davon vorhanden sein müssen, um Präsenz als auch Ersatz sicherstellen zu können.

Komplexität, Produktionszeit und Unterhaltskosten eines Flugzeugträgers führen deshalb beispielhaft vor Augen, dass ein solches Rüstungsvorhaben wirtschaftlich nur durch einen eigenen Produktions-und Wartungszyklus zu gewährleisten ist; das heißt, dass es spezieller Werften bedarf, welche über Jahrzehnte hinweg nichts Anderes sicherstellen als Flugzeugträger zu produzieren und in Stand zu halten. Dies wiederum bedarf einer ausreichenden Anzahl an Flugzeugträgern, um diesen Kreislauf wirtschaftlich vertretbar zu organisieren.

Rüstungspolitisch völlig abwegig wäre es, nur ein bis zwei Flugzeugträger bauen zu wollen. Sinnvoller ist es, die Produktion und den Unterhalt von Flugzeugträgern möglichst auf den größten gemeinsamen Nenner zu bringen; hier wäre die NATO eine gute Bezugsgröße.

U-Boote sind in der Produktion und im Unterhalt um einiges kostengünstiger. Dafür gehen aber rüstungspolitisch vertretbare Stückzahlen bereits in die Hunderte, wobei diese ebenfalls über Jahrzehnte hinweg unterhalten und ausgetauscht werden müssen. Auch hierbei bietet es sich an, eine möglichst große Standardisierung zu erreichen und entsprechende Produktionsstätten ausschließlich für den eigenen Produktions- und Wartungskreislauf zu verwenden.[1]

Flugzeuge, Hubschrauber und Panzer sind militärisch betrachtet, klassische „Mengenverbrauchsgüter“ und müssen deshalb in möglichst großen Stückzahlen produziert und auch repariert werden, um den militärischen als auch wirtschaftlichen Anforderungen überhaupt gerecht werden zu können. Deshalb kann man hier durchaus von Produktionszahlen sprechen, welche jeweils in die Tausende gehen. Und auch hier böte es sich an, einen Produktions-und Reparaturkreislauf zu organisieren und auf die eigenen Anforderungen hin zu optimieren.

Die fünf oben aufgeführten Beispiele können m. E. auf alle Waffen, jedes Gerät und die gesamte Ausrüstung hinweg ausgeweitet werden und legen eindeutig nahe, dass Rüstungspolitik — zumindest im Kern — immer eine über viele Jahrzehnte hinweg organisierte Entwicklung, Produktion, Instandhaltung und auch Entsorgung von Waffen, Gerät und Ausrüstung ist, welche, da nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch sicherheitspolitisch betrachtet, auf die höchst mögliche gemeinsame Ebene zusammengeführt werden muss.

Verteidigung ist immer ein großer Kostenfaktor. Versuche diese Kosten dadurch zu minimieren, indem man durch „Einzellösungen“, „Friedensdividenden“ oder gar „Waffenhandel“ eine tragfähige Rüstungspolitik außer Kraft setzt, schlagen insgesamt und vor allem in den Zeiträumen verantwortungsvoller Rüstungspolitik betrachtet immer fehl und gefährden zudem noch die eigene Sicherheit.

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[1] Alle paar Jahre einmal wieder ein U-Boot zu bauen und dies für all diejenigen Kunden, die sich eines leisten möchten, ist keine Rüstungspolitik.

„Hokey religions and ancient weapons are no match for a good blaster at your side, kid.“

Harrison Ford als Han Solo in Star Wars Episode IV: A New Hope (1977)