Mädchen

Windgespräch 4.6 (13)

Beitragsfoto: Mädchen | © Khusen Rustamov auf Pixabay 

Heute darf es einmal ein etwas kürzeres Gedicht sein, das meine Aufmerksamkeit schon sehr früh fand. Noch heute hat es nicht an Aktualität eingebüßt, vielleicht ist es sogar aktueller denn je zuvor. Auf jeden Fall aber dürften inzwischen bekennende Lokalwinde die Minderheit sein.

Christian Morgensterns Humor und Wortwitz dominiert den größten Teil seines Werkes, obwohl er es selbst sehr gerne gesehen hätte, wenn man seine „ernsteren“ Gedichte mehr zur Kenntnis genommen hätte. Aber schon sein tiefgründiger Humor ist weit ernsthafter als es die meisten wohl vertragen.

Deshalb kann es durchaus geschehen, dass man ihn nicht mehr so lustig findet, sobald man sich etwas mehr mit dem jeweiligen Text auseinandergesetzt hat. Das nun folgende Gedicht ist dafür ein gutes Beispiel.

Windgespräch

„Hast nie die Welt gesehn?
Hammerfest – Wien – Athen?“

„Nein, ich kenne nur dies Tal,
bin nur so ein Lokalwind –
kennst du Kuntzens Tanzsaal?“

„Nein, Kind.
Servus! Muß davon!
Köln – Paris – Lissabon.“

Christian Morgenstern
Gelesen von Thomas Huber

Besser bekannt ist Christian Morgenstern für seine Galgenlieder, die wohl neben dem Werk von Wilhelm Busch zum Lustigsten gehören, was man bisher in der deutschen Sprache so finden kann, aber auch hierbei gilt, das Ganze mehrfach zu lesen.

 Gelesen von Günther Lüders

Mir persönlich gefallen seine „ernsthafteren“ Gedichte meist mehr; ein Beispiel ist das Folgende.

Die zwei Parallelen

Es gingen zwei Paralellen
ins Endlose hinaus,
zwei kerzengerade Seelen
und aus solidem Haus.

Sie wollten sich nicht schneiden
bis an ihr seliges Grab:
Das war nun mal der beiden
geheimer Stolz und Stab.

Doch als sie zehn Lichtjahre
gewandert neben sich hin,
da wards dem einsamen Paare
nicht irdisch mehr zu Sinn.

War’n sie noch Parallelen?
Sie wußtens selber nicht, –
sie flossen nur wie zwei Seelen
zusammen durch ewiges Licht.

Das ewige Licht durchdrang sie,
da wurden sie eins in ihm;
die Ewigkeit verschlang sie
als wie zwei Seraphim.

Christian Morgenstern

Zu diesem Gedicht inspiriert wurde Morgenstern, so wage ich es zu behaupten, von einem Gedicht Conrad Ferdinand Meyers.

Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
Verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

Conrad Ferdinand Meyer

Wer sich jetzt weitergehender mit Christian Morgenstern befassen möchte, der findet Teile seines Nachlasses im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, keine 45 Minuten von Heilbronn entfernt.

„Bist du wütend zähl bis vier, hilft das nicht, dann explodier.“

Wilhelm Busch

Beim Empfang 2005

Rede zum Treffpunkt Europa 2012 5 (1)

Beitragsfoto: Dr. Manfred Weinmann beim Empfang des OB 2005

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

als bekennender Europäer und Vorsitzender der Heilbronner EUROPA-UNION ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich in diesen für uns alle schweren Zeiten nach „mehr Europa“ verlange. Mehr Europa, um viele unserer heutigen Probleme gemeinsam mit den Bürgern unserer Nachbarländer zu lösen und auch zusammen den zukünftigen Herausforderungen besser begegnen zu können.

Als zurzeit in Brüssel arbeitender Unionsbürger, welcher versucht sich in diesem bürokratischen Moloch zurechtzufinden, kann ich nur weniger Brüssel fordern.

Dies scheint nur anfangs ein Widerspruch in sich zu sein. Bei genauerer Betrachtung aber muss man zugeben, dass der Ruf nach mehr Europa nicht mit einem Ruf nach Zentralismus, Bürokratie und Gleichmacherei zu verwechseln ist.

Nicht umsonst haben wir Europäischen Föderalisten das Motto „in Vielfalt geeint“ in die europäischen Verträge schreiben lassen und auch nie – zumindest meines Wissens – eine europäische Hauptstadt gefordert.

Unsere heutigen Probleme und auch zukünftige Herausforderungen können und werden weder in Brüssel, Paris noch in Berlin gelöst werden; bestenfalls akkumuliert, verwaltet und unseren Kindern vererbt! Die Lösung unserer Probleme liegt einzig und allein bei den Bürgern der Städte und Gemeinden Europas.

Die Europäische Idee zeigt uns dazu das gemeinsame Ziel auf und gibt die Werte und Ideale vor, nach dem wir unser Handeln ausrichten sollten. Demokratie, Föderalismus, Subsidiarität und Solidarität sind dabei die Rezepte, die, wenn von uns allen angewandt, Europa und seine Bürger retten werden.

Solidarität heißt dabei aber nicht, dass alle hinterherspringen, wenn sich einer entscheidet in den Untergang zu gehen – sondern ihm zu helfen, sobald er den Weg zur Besserung einschlägt.

Wir hier in Heilbronn sind auf dem richtigen Weg, wir versuchen Europa zu leben und morgen beim 23. Treffpunkt Europa können sie sich alle davon überzeugen.

Zum Schluss möchte ich mich deshalb bei allen Akteuren und Unterstützern der EUROPA-UNION und ihrer Partnervereine bedanken und wünsche unseren Politikern den Mut europäische Ideale zu leben und nicht der Versuchung von Zentralismus, Bürokratie und Gleichmacherei zu erliegen.

„If you are going to sin, sin against God, not the bureaucracy. God will forgive you but the bureaucracy won’t.“

Hyman G. Rickover, in der New York Times (3. November 1986)

Informationsmaterial

Beitrag zur Grundsatzdebatte der EUROPA-UNION Deutschland 5 (3)

Beitragsfoto: Informationsmaterial

Seit einigen Jahren müssen wir in Diskussionen mit Mitgliedern der EUROPA-UNION Deutschland und unserer Jugendorganisation, den Jungen Europäischen Föderalisten, feststellen, dass manche Mitglieder keine bis ungenügende Kenntnisse über unseren eigenen Verband (UEF / EUD) besitzen.

Auch nehmen wir neuerdings mit großem Erstaunen zur Kenntnis, dass trotz eindeutiger Beschlüsse des Bundeskongresses (letztmalig 2010) weiterhin und beständig versucht wird, die explizite Grundlage unseres Verbandes, das Hertensteiner Programm vom 21. September 1946, „erster Klasse zu beerdigen“.

Diese Befürchtung wird, und dies trotz Verweises auf das Hertensteiner Programm durch den „Startschuss für ein neues Grundsatzprogramm der EUROPA-UNION“ bestärkt. Im Gegensatz zu 1995 soll keine „Charta“ geschaffen werden, welche auch bei den anderen Verbänden der UEF Anerkennung fand. Sondern es soll ausdrücklich ein „neues Grundsatzprogramm“ in die EUROPA-UNION  – nicht in die UEF – Einzug finden. Man ist versucht, bereits von einem „nationalen Alleingang“ zu sprechen. Diese Vermutung wird zudem dadurch bestärkt, dass in der Debatte nicht über die Rolle der UEF, sondern über die Rolle der EUD gesprochen wird.

Der Heilbronner Kreisverband bekennt sich ohne „Wenn und Aber“ zu den Werten und Zielen der Union der Europäischen Föderalisten (UEF), deren Untergliederungen in der Schweiz und in Deutschland den Namen „EUROPA-UNION“ tragen, wie sie durch Vertreter von mindestens zwölf Staaten Europas in Hertenstein in der Schweiz 1946 festgelegt wurden und in Folgekonferenzen in Luxemburg, Basel und Paris Bestätigung fanden.

Der Heilbronner Kreisverband stellt fest, dass die EUROPA-UNION Deutschland (EUD) weder das Hertensteiner Programm einseitig begraben, einseitig ersetzen noch einseitig ändern kann.

Der Heilbronner Kreisverband stellt weiterhin fest, dass es neben der EUROPA-UNION weitere „Europaverbände“ gibt, die Alternativen zur Europaidee der UEF / EUD anbieten: die Bandbreite geht dabei von Verbänden, welche erzkonservativ ein Europa zentralistisch prägen und von „oben nach unten“ für ausgewählte Nationen schaffen möchten bis hin zu apolitischen und wertneutralen Europa-Werbeverbänden.[1]

Diesen Ideen stellt die UEF / EUD mit dem Hertensteiner Programm ein eigenes politisches Konzept mit folgenden wesentlichen Zielen entgegen:

  • Schaffung einer Weltunion
  • Schaffung eines demokratischen Friedenseuropas auf föderalistischer Grundlage von unten nach oben
  • Verbindliche Festlegung der europäischen Werte in den Menschen- und Bürgerrechten
  • Öffnung Europas für alle Völker, die sich zu den europäischen Werten bekennen (europäische Wesensart).[2]

Der Heilbronner Kreisverband steht selbstverständlich auch zur Charta der Europäischen Identität, wie sie 1995 durch den Bundeskongress beschlossen wurde.

Der Heilbronner Kreisverband geht davon aus, dass eine auf Bundesebene geführte „Grundsatzdiskussion“ weder dazu dienen darf, unseren Werte und Überzeugungen noch unsere Ziele ändern zu wollen. Hier gibt es bereits andere „Europaverbände“, die diese Nischen besetzen. Deshalb halten wir es mehr als unverständlich, über die „Grenzen“ Europas, „Erweiterungsperspektiven“ oder die Bedeutung Europas in einer globalen Welt diskutieren zu wollen. Hier hat Hertenstein bereits eindeutige Ziele vorgegeben, welche auch durch die UEF / EUD in den letzten Jahrzehnten unzweifelhaft und erfolgreich vertreten wurden.

Der Heilbronner Kreisverband geht davon aus, dass die Grundsatzdiskussion eher über die Möglichkeiten der Zielerreichung und über eine Vertiefung unserer Wertvorstellungen (z. B. Solidarität, Subsidiarität, Bürgerrecht und –beteiligung) geführt werden soll; und die Grundsatzdiskussion dazu führt, dass unsere heeren und bewährten Werte und Ziele nicht nur besser nach außen kommuniziert werden können, sondern bei möglichst vielen Mitgliedern unseres Verbandes auch allgemeine Akzeptanz finden werden.

Der Heilbronner Kreisverband hofft deshalb inständig, dass kein „neues Grundsatzprogramm“ geschaffen wird und das Hertensteiner Programm in Folge dessen als „historisches Dokument“ in der Versenkung verschwindet[3], sondern mit dieser Grundsatzdebatte nun neben der „Charta zur Europäischen Identität“ eine weitere Charta geschaffen wird, die neue Impulse zur Vertiefung des europäischen Einigungsprozesses gibt und dabei hilft, die derzeitig aufgetretenen Probleme und Konflikte innerhalb der Europäischen Union besser zu lösen.

Der Heilbronner Kreisverband bedauert, dass nicht notwendigerweise Grundsatzdiskussionen über die ureigensten Werte und Ziele in die EUROPA-UNION hineingetragen werden und damit der Verband nach innen als auch in seiner Außenwirkung stark geschwächt wird.[4]

Der Heilbronner Kreisverband fordert, dass das Hertensteiner Programm weiterhin als das gültige Grundsatzprogramm der UEF / EUD anerkannt wird und vorhandene sowie zukünftige „Charta“ als Ergänzungen angesehen werden.

Der Heilbronner Kreisverband fordert, dass die EUD zukünftig besser europäisch abgestimmt Grundsatzdebatten führt.

Der Heilbronner Kreisverband fordert, dass der Bundeskongress nur dann über „Grundsatzdokumente“ entscheidet, wenn diese vorab auch europäisch innerhalb der UEF abgestimmt wurden.

Der Heilbronner Kreisverband fordert, dass sowohl in Informationsschriften (Flyer) als auch bei der Begrüßung von Neumitgliedern das Hertensteiner Programm wieder europaweit eingebunden wird.

[1] Bei besserer Kenntnis der Werte und Ziele der UEF / EUD könnte der eine oder andere feststellen, dass er besser in einem anderen Verband aufgehoben ist (Pluralität).

[2] Redaktioneller Hinweis: In der Originalversion hatte ich fälschlicher Weise Robert Schuman ein Zitat zugeschrieben, welches aber von Pierre Bertaux stammt (Mutation der Menschheit 1963:166, „Man ist nicht Europäer von Geburt, sondern man wird es durch Bildung.“)

[3] H. E. wäre dann ein Austritt der EUD aus der UEF folgerichtig.

[4] Über die Gründe hierfür lässt sich nur spekulieren; aber jedes Mitglied sollte mit den Grundsätzen eines Verbandes übereinstimmen und diese nicht im Nachgang ändern wollen.

„The illegal we do immediately. The unconstitutional takes a little longer.“

Henry Kissinger, in der New York Times (28. Oktober 1973)