Gesundheitswesen

18.1.02023 5 (1)

Beitragsfoto: Gesundheitswesen | © Tung Nguyen auf Pixabay

Ein Gedicht

Die aktuelle Situation lässt mich interessanterweise an Dylan Thomas denken, der zwar noch jung an Jahren verstorben ist, dennoch der Nachwelt sehr viel hinterlassen hat. Auf jeden Fall aber sind seine Gedichte noch heute sehr lesenswert.

Dylan Thomas erste Gedichte sind für Liebhaber etwas Besonderes, bekannter hingegen seine späteren Gedichte, darunter jenes, welches ich heute hier aufführe.

Do not go gentle into that good night

Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rave at close of day;
Rage, rage against the dying of the light.

Though wise men at their end know dark is right,
Because their words had forked no lightning they
Do not go gentle into that good night.

Good men, the last wave by, crying how bright
Their frail deeds might have danced in a green bay,
Rage, rage against the dying of the light.

Wild men who caught and sang the sun in flight,
And learn, too late, they grieved it on its way,
Do not go gentle into that good night.

Grave men, near death, who see with blinding sight
Blind eyes could blaze like meteors and be gay,
Rage, rage against the dying of the light.

And you, my father, there on the sad height,
Curse, bless, me now with your fierce tears, I pray.
Do not go gentle into that good night.
Rage, rage against the dying of the light.

Dylan Thomas, 1951

Erkenntnis

Sehr positiv ist der Kommentar von Valerie Blass in der heutigen Heilbronner Stimme (18.01.2023: 1) zur Situation unseres Gesundheitssystems; die bereits Jahrzehnte alten Fakten sprechen sich so langsam aber sicher auch in den Medien herum. Und so meint Valerie Blass völlig zu Recht, dass „das Niveau der medizinischen Versorgung in der Breite nicht mehr zu halten sein wird.“

Und sobald sich diese Erkenntnis allgemein durchsetzt, sollte man sich überlegen, wer und wo man eine zeitgemäße medizinische Versorgung künftig noch bekommen wird. Ohne Frage für reiche und wichtige Personen wird es diese weiterhin geben, wahrscheinlich wird man für diesen Personenkreis die Bundeswehrkrankenhäuser besonders gut ausbauen — alleine zum Wohle der Soldaten versteht sich.

Schwieriger wird es für all jene, die sich aus welchen Gründen auch immer auf dem Land häuslich eingerichtet haben, und für jene Städter, die bei Bedarf auf völlig überfüllte Notaufnahmen zurückgreifen müssen, meist nur, weil es sich dort viel zu viele Menschen aus reiner Bequemlichkeit heraus gemütlich machen.

Auf jeden Fall aber sollte man so langsam aber sicher damit beginnen und die notwendigen Abläufe im Gesundheitswesen optimieren. Am Geld liegt es dabei sicherlich nicht, denn unser völlig überzogenes Sozialsystem wird auch weiterhin mit noch mehr Schulden für die kommenden Generationen erhalten werden können.

Das System wird an der Tatsache zerbrechen, dass es nicht nur zu wenige Beschäftigte gibt, sondern diese auch immer weniger arbeiten wollen. Und damit sind völlig neue Ideen gefragt, von der Fernseh- und Internet-Medizin angefangen bis hin zu Medizinrobotern, von einer verbesserten Effizienz ganz zu schweigen.

Neuigkeiten

Wir sind in Heilbronn in manchen Dingen doch der Zeit um einiges voraus, wie zum Beispiel bei Gerichtsprozessen. Da klagt man z. B. als Vorsitzender eines Vereines vor dem Landgericht und wartet nach der ersten Schlichtung auf Neuigkeiten vom eigenen Rechtsanwalt oder gar auf ein angekündigtes Gerichtsurteil und plötzlich völlig überraschend liest man dann in der Heilbronner Stimme, dass es wohl doch ganz anders kommt, als man so allgemein hin denkt.

Gut ist wohl dabei, dass der verantwortliche Journalist einen sehr guten Draht zur Justiz und den lokalen Rechtsanwälten hat. Besser noch, dass er nach eigenen Angaben mit jedem über den Fall spricht, außer mit den betroffenen Personen selbst, zumindest mit mir hat er nicht gesprochen. Aber ich möchte nicht klagen, denn wenn die Heilbronner Stimme nun auch die Gerichts- und Anwaltskosten übernimmt, dann ist wohl sämtlichen Beteiligten geholfen.

Eigentlich könnte ich mich hier jetzt auch zu Einzelheiten des Verfahrens äußern, möchte dies aber nicht machen, da ich grundsätzlich zu einem laufenden Verfahren gegenüber Unbeteiligten keine Aussage treffe. Wer allerdings ein Stillschweigen vereinbart hat und dieses dann zusammen mit weiteren Details, von denen mir doch so einige völlig neu sind, in der Zeitung ausbreitet, ist mir nicht bekannt.

Und so bin ich einmal gespannt darauf, was für Spielchen mich noch alles erwarten werden, denn bis zum 31. Januar 2023 ist es noch eine Weile hin und es stehen zudem noch ein paar weitere Klagen und die Ankündigung, durch sämtliche Instanzen marschieren zu wollen im Raum. Es bleibt also weiterhin sehr spannend und ich sollte wohl nicht mehr sehr darüber erstaunt sein, wenn ich das Endergebnis dieser Posse dann zuerst in der Zeitung lese.


Kaffeegenuss

Zeit für ein Gedicht 5 (1)

Beitragsfoto: Kaffeegenuss | © Pixabay

Kurz habe ich mir überlegt, ob ich nicht über die jüngsten Aufreger anlässlich meines Stadtbadbesuchs schreiben soll, oder gar darüber, dass der Fisch bekanntlich am Kopf zuerst stinkt, wie man es nicht nur in Heilbronn, sondern auch in Berlin sehr gut beobachten kann, oder darüber, dass die US-Republikaner nicht einmal mehr einen Speaker of the United States House of Representatives wählen können — fundamentale demokratische Grundlagen sind dort offensichtlich nicht mehr vorhanden, dann aber habe ich mich dazu entschieden, einfach heute nur ein Gedicht zu teilen, welches mir allerdings schon sehr lange gefällt und welches ich zumindest hier auf diesem Blog noch nie geteilt habe.

Dieses Gedicht stammt von Carl Busse, der sich als Berliner sicherlich über die dortigen Zustände ganz wild im Grab herumdreht, und wird interessanter Weise noch heute in Japan sehr gerne gelesen. Busse starb 1918 im Alter von 46 Jahren an der spanischen Grippe, die heute, wie wir seit COVID-19 wissen, so nicht mehr genannt werden dürfte. Ab 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg aktiv teil und wurde dafür auch ausgezeichnet; damals waren Drückebergerei oder Fahnenflucht noch nicht wesentlicher Bestandteil der Berliner Schickeria.

Carl Busse promovierte 1898 mit einer Arbeit über Novalis’ Lyrik und wurde wohl ganz folgerichtig Schriftsteller und Kritiker. Aber nun zum heutigen Gedicht.

Über den Bergen

Über den Bergen, weit zu wandern,
Sagen die Leute, wohnt das Glück,
Ach und ich ging im Schwarme der andern,
Kam mit verweinten Augen zurück.
Über den Bergen, weit, weit drüben,
Sagen die Leute, wohnt das Glück …


Wie ich es sehr viel später feststellen konnte, war mir Carl Busse bereits aus meiner frühsten Jugend her bekannt, denn mein Vater pflegte für uns abends des öfteren das folgende Schlafliedchen zu singen.

Schlafliedchen

Sum, sum, der Sandmann geht, ach wie dunkel, ach wie spät, wie spät!
Tritt zu jedem Kind ins Haus, streut die stillen Körner aus. –
Sum, sum, der Sandmann geht, komm und sprich dein Nachtgebet:
Lieber Gott, mach du mich fromm, daß ich in den Himmel komm!

Vermutlich wurde dieses Lied bereits meinem Vater von einer seiner Großmütter vorgesungen, die dieses Lied bereits aus ihren eigenen Müttertagen her kannten.

Wer mehr von Carl Busse erfahren möchte, dem empfehle ich Julianna Redlichs Buch „Der vergessene Meinungsstifter: Carl Busse (1872-1918) Schriftsteller, Literaturkritiker, Publizist“ (2021).


Und wenn ich schon einmal dabei bin, dann gleich auch noch den Mister Sandman, der in einem Lied 1954 von Pat Ballard geschaffen wurde und es durch the Chordettes zur Weltberühmheit brachte.

The Chordettes, Mr. Sandman (1954)

Und damit dürfte wohl alles zum Sandmann gesagt sein. Und welchen der drei Sandmänner, den von E. T. A. Hoffmann, den von Hans Christian Andersen oder gar den von Pat Ballard Sie selber bevorzugen, das bleibt Ihnen selbst überlassen.

Vortrag

23.12.02022 5 (2)

Beitragsfoto: Vortrag | © Shutterstock

Weihnachtslied

Erich Kästner schrieb 1927 dieses Gedicht, welches noch heute seine Gültigkeit hat. Das Gedicht erschien erstmals in der Weihnachtsausgabe der Zeitschrift „das Tage-Buch“. 1928 nahm Kästner es in seine erste Gedichtsammlung „Herz auf Taille“ auf. Bis heute hat sich einzig und alleine das Folgende geändert, nämlich, dass gerade jene, die gut 100 Jahre lang versprachen, man müsse sich um die Armen kümmern, heute ohne Wenn und Aber mit zu den Reichen gehören — war aber unsere Welt jemals anders?

Weihnachtslied, chemisch gereinigt

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch Eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht traurig werden,
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden,
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.

Lauft ein bisschen durch die Straßen!
Dort gibt’s Weihnachtsfest genug.
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.

Tannengrün mit Osrambirnen –
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heilge Nacht –
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!

Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt fürs Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit . . . 
Ach, du liebe Weihnachtszeit!

Erich Kästner, 1927

Überraschung

Die letzten Tage gab es doch so einige positive Überraschungen, und ich erfuhr auch noch so ganz nebenbei, dass eine weitere nette Dame Mitglied bei den Freien Wählern werden möchte. Aber zwei Überraschungen haben mir gestern den Tag dann doch mehr als versüßt. Zum einen erhielt ich ein Gadget geliefert, das eigentlich erst für Januar angekündigt war und zum anderen erhielt ich eine sehr dicht beschriebene Weihnachtskarte. Die Adresse war völlig in Ordnung und mein Nachname stimmte auch, der Rest allerdings war zwar äußerst informativ und spannend aber sicherlich nicht für mich bestimmt.

Und so wird man immer wieder gerade dann überrascht, sobald man glaubt, man hätte bereits alles erlebt.

Nachholbedarf

Seit ein paar Jahren lese ich an Grundschulen vor. Letzte Woche zum letzten Mal für dieses Jahr in einer dritten Klasse an der Dammgrundschule. Und so ist es für mich nicht verwunderlich, wenn nun auch andere feststellen, dass es generell an den Grundschulen Nachholbedarf gibt. Warum dem so ist, das habe ich schon mehrfach hier im Weblog geschrieben.

In der Heilbronner Stimme (23.12.2022: 5) kann man nun lesen, dass „viele Drittklässler im Südwesten nicht die Mindeststandards für den Grundschulabschluss [erreichen] – sie weisen Defizite in der Rechtschreibung, beim Lesen sowie in der Mathematik auf.“ Und wenn wir weiterhin unseren Politikern folgen, die Schulabschlüsse „verschenken“, um ihren Wählern zu gefallen — wobei sie diese und uns alle damit letztendlich nur betrügen — werden die Folgen für unsere Gesellschaft katastrophal werden.

Gestern hatte ich zudem für dieses Jahr auch meine letzte Vorlesung an der Hochschule und hoffe nun, dass ich auch im kommenden Jahr Leistungsverbesserungen beobachten werden kann. Auf jeden Fall aber musste ich auch dieses Jahr wieder feststellen, dass man Bildung oder eine gute Ausbildung nicht geschenkt bekommt — man muss dafür tatsächlich etwas machen und meistens auch hart dafür arbeiten! Aber es lohnt sich und nicht nur für einen selber, sondern im Endeffekt für die gesamte Gesellschaft.

Deshalb gilt weiterhin, dass Bildung Bürgerpflicht ist und kein Wahlgeschenk völlig verantwortungsloser Berufspolitiker!