Experimenta

2.5.02022 5 (1)

Experimenta | © Shutterstock

Kriegstourismus

Mit zum Widerlichsten was ich jemals erleben musste, gehörten die vielen Kriegstouristen, die immer wieder in den Einsätzen auftauchten. Dazu muss es nur halbwegs ruhig sein und sich zumindest ein Luxushotel in der Nähe befinden, dann gibt es kein Halten mehr und die Kriegstouristen geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Wenn dann noch das Wetter mitspielt, sind sämtliche Soldaten damit gefordert, diese Menschen zu bespaßen, wobei auch der letzte Honk einen gerne wissen lässt, dass er der IBUK oder zumindest sein rechtmäßiger Vertreter sei.

Und wenn Sie jetzt glauben, dass nur ein einziger Kriegstourist Interesse an der Situation oder gar an uns Soldaten hat, haben Sie sich gewaltig getäuscht. Diese Kriegstouristen kommen nur wegen der Bilder für zuhause — sehr gerne „mit Negern“ (O-Ton eines deutschen Diplomaten 2010) — und möchten damit ihren Wählern und ihrem Klientel daheim ihre Bedeutung und Wichtigkeit darstellen.

Damit sich die Reise für die Kriegstouristen auch lohnt, werden von diesen, wenn vorhanden, sämtliche Einkaufsmöglichkeiten der Soldaten, da meist steuerfrei, geplündert und etwaige Touristen-Attraktivitäten müssen vom Militär gesichert werden, damit der Tourist auch diese gleich noch mitnehmen kann. Und wirklich wichtige Kriegstouristen lassen sich ihre Einkäufe dann auch noch von der Bundeswehr direkt nach Hause liefern.

Wie wir es nun auch im Zuge des Ukrainekrieges — jetzt, wo Kiew wieder halbwegs sicher ist — erleben müssen, hat nun auch dort der Kriegstourismus begonnen und noch in diesem Jahr wird alles dort gewesen sein, was sich halbwegs selbst für wichtig hält.

Ohne Frage, jeder dieser Helden wird dabei vorab vor den Gefahren für das eigene Leben möglichst persönlich vom BND oder BKA gewarnt worden sein, was ihn aber nicht davon abhält, sich „für Deutschland zu opfern“ und, wenn der Kriegstourist dann noch Glück oder viel Fantasie (z. B. Hillary Clinton) hat, wird er sogar noch „unter Beschuss“ kommen.

Übrigens, das ukrainische Militär ist derzeit mit der Landesverteidigung voll und ganz beschäftigt und freut sich bestimmt nicht darüber, wichtige deutsche Hinterbänkler betreuen zu müssen.

Touren

Heute stehen unter anderem zwei Transporte auf dem Programm. Als Erstes darf ich für meseno Lebensmittel einsammeln, und danach fahren wir nach Stuttgart, um eine Ausstellung nach Heilbronn zu holen. Diese wird noch am Abend bei der Stadtbibliothek abgegeben und gleich am Donnerstag Morgen aufgebaut werden.

Es ist immer wieder eine gute Sache, wenn man genügend freiwillige Helfer zusammenbekommt, um solche Dinge rein ehrenamtlich regeln zu können. Und so ist der Beginn der diesjährigen Europawoche auch ein guter Wochenstart.

Und gleich morgen treffen wir uns dann bereits zum monatlichen Europastammtisch. Wer arbeitet, der darf auch feiern.

RSS

Nachdem Detlef Stern meist die Artikel bereits vor mir gelesen hat, gibt es drei Möglichkeiten, warum dem so ist. Erstens er hat mehr Zeit, zweitens er liest schneller oder drittens er nutzt einen RSS reader. Nun habe ich auch mal wieder einen solchen bei mir installiert und lasse mir die Neuigkeiten nun per Reeder anzeigen.

Wenn das jetzt nicht klappt, dann wird er doch wohl um einiges schneller als ich lesen, was nur folgerichtig wäre, da er schon um einiges länger als ich Lesepate ist.

Geburtstag des Tages

Novalis


Sülmerstraße mit Blick auf K3

29.4.02022 5 (1)

Beitragsfoto: Sülmerstraße mit Blick auf K3 | © Shutterstock

Betreuung

Schon etwas länger helfe ich immer wieder einmal bei meseno aus und inzwischen etablieren sich bei mir die Freitage, um beim Treffpunkt Plus etwas Hausaufgabenbetreuung zu leisten und auch als Lesepate tätig zu werden.

Heute war ich froh, dass meine eigenen Mathematikkenntnisse gerade noch so ausreichten, um den Jungs auch helfen zu können. Dafür lasen wir später dann zusammen etwas in den Peanuts — hatten sich die jungen Burschen selber in der Stadtbibliothek ausgesucht — wobei wir allesamt davon auch etwas hatten. Manche Geschichten überdauern einfach die Zeit, und werden von jeder Generation verstanden.

So war es mir heute eine große Freude eine neue Geschichte von Charlie Brown und seinem Team kennenzulernen. Zusätzlich bin ich jetzt auch wieder etwas besser mit der Geometrie vertraut; wenn ich mich richtig erinnere, war das mal für mich zu meiner eigenen Schulzeit ein etwas erfreulicheres Fach. Auf jeden Fall aber sind die neuen Geodreiecke wesentlich besser als unsere alten.

K3

Hierbei meine ich nicht den Broad Peak, welchen man früher als K3 bezeichnete, sondern das nördliche Eingangstor zur Heilbronner Innenstadt, welches sich immer mehr zu einem eigenen Kulturforum entwickelt. Wenige Heilbronner wissen noch, dass dort früher einmal der Berliner Platz zu finden war. Inzwischen findet man nur noch den Bären, allerdings ohne dazugehörigen Brunnen. Dieser war in meiner Kinderzeit noch das Spaßbad sämtlicher Kinder in der nördlichen Innenstadt.

Langsam aber sicher zeichnet sich der Um- und Ausbau der Städtischen Bibliothek ab, und wir können alle sehr gespannt sein, wie sich diese nach dem Umbau weiterentwickelt. Ich freue mich schon sehr darauf, das selber miterleben zu dürfen.

Ende des Sommers soll die Bibliothek deshalb geschlossen werden. Aber erst einmal wird die EUROPA-UNION am 5. Mai 2022 — dem Europatag des Europarats — dort eine Ausstellung zum Europäischen Wettbewerb eröffnen. Diese wird dann noch bis zum 28. Mai 2022 dort zu sehen sein.

Und wenn ich mir das K3 so betrachte, dann wäre an seinem Südausgang im ersten Stock ein wunderbarer Platz, um in der zukünftigen Stadtbibliothek ein kleines Kaffee einzurichten — gerne auch nur mit ein paar Automaten und Sitzgelegenheiten.

Aquatoll

Auch wenn es sicherlich schön ist, dass man gleich mehrere Spaßbäder um die Ecke hat, so müssen diese Zuschussbetriebe letztendlich auch finanzierbar sein. Wenn es dann geschieht, dass sich in der Nähe tatsächlich ein Spaßbad etabliert, welches zudem auch noch für den Besitzer Gewinn abwirft, dann sollte es keine Frage mehr sein, ob man den eigenen Zuschussbetrieb noch weiter erhält.

Und so begrüße ich die Erkenntnis des Neckarsulmer Gemeinderats, dass man sich das Spaßbad in Neckarsulm nicht mehr leisten kann. Jetzt hoffe ich nur, dass sie nicht nach einer „privaten“ Spaßbadlösung suchen, die letztendlich die Stadt erneut dazu zwingen wird, weiterhin hohe Zuschüsse zu zahlen.

Auch wenn jeder gerne ein Spaßbad vor der eigenen Türe hätte, so ist der Markt dafür begrenzt und man wird wohl wieder ca. 50 Kilometer fahren müssen, um in ein Spaßbad zu gelangen. In meiner Jugend war es das Solymar in Bad Mergentheim, welches unsere Familie ein bis zweimal im Jahr besuchte. Und heutige Familien werden wohl eher auf die Badewelt in Sinsheim zurückgreifen.

Viel wichtiger für alle hingegen sind die Sportbäder, die schon bei den Kindern für eine Schwimmkompetenz sorgen sollten, und dem Rest der Bevölkerung zum Sport und der Gesunderhaltung dienen. Diese Sportbäder sind Teil jeder städtischen Infrastruktur und müssen in ausreichender Anzahl vorgehalten werden; hier sollten ohne Wenn und Aber alle Gemeinderäte die notwendigen Zuschüsse sicherstellen.

Übrigens, die Neckarsulmer haben sich schon immer gerne selber übernommen — wohl aufgrund von Audi und Co. sind sie der irrigen Annahme, dass sie mit Heilbronn konkurrieren müssen bzw. können. Ich denke dabei z. B. an die Schlittschuhbahn, die Geschichte war, als man in Heilbronn eine eigene eröffnete.

So kann man den Neckarsulmern, wenn sie schon nicht ein Heilbonner Stadtteil werden möchten, nur raten, sich bei Großinvestitionen in die eigene Infrastruktur vorab mit Heilbronn abzustimmen. Das erspart den Bürgern eine ganze Menge Ärger und vor allem Geld, das man sicherlich sinnvoller anlegen könnte.

Geburtstage des Tages

Duke Ellington, Klaus Mendte, Michelle Pfeiffer und Uma Thurman


Stadtbibliothek Heilbronn

Arbeitsplatz 5 (2)

Beitragsfoto: Stadtbibliothek Heilbronn

Das Schöne an meiner heutigen Lebenssituation ist, dass ich völlig selbstbestimmt entscheiden kann, ob, wann und wie ich arbeiten möchte. Und das Beste daran ist, sobald ich feststelle, dass diese Arbeit weder zielführend noch mit dem geringsten Spaßfaktor versehen ist, ich auch der Einzige bin, den ich dafür verantwortlich machen kann. Dann reißt mir sofort der Geduldsfaden und ich entlasse mich selbst und dies fristlos! — das hätte ich mir bereits vor Jahrzehnten gönnen können müssen.

Dies hat aber eine sehr schöne Nebenwirkung, denn diejenigen, die um diese Tatsache wissen, sind darum bemüht, nicht nur ständig den „Spaßfaktor“ mit im Auge zu behalten, sondern unternehmen wirklich alles, um die vorher gemeinsam gesteckten Ziele nicht aus dem Auge zu verlieren.

Das einzige Problem dabei ist, dass man hinterher den Lohn für die geleistete Arbeit vielleicht sogar mit einem etwas schlechten Gewissen einsteckt, wurde uns doch jahrzehntelang eingehämmert, dass Arbeit keinen Spaß machen darf — zumindest keine richtige. Deshalb bin ich auch froh darüber, dass ich beruflich meist gedient und nicht gearbeitet habe — so konnte ich es mir immer erlauben, auch in den unwirklichsten Situationen den Spaßfaktor nicht aus den Augen zu verlieren. Und wenn dann so etwas einmal überhaupt nicht möglich war, dann beruhigte es ungemein zu wissen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihr gesamtes Leben lang Arbeit als Zwang und als etwas Unangenehmes ansehen.

Als sehr angenehm kann ich zudem verbuchen, dass ich mein gesamtes Berufsleben über an Arbeitsplätzen verbringen konnte, die jeder für sich zumindest etwas Abenteuerliches hatten. Und als ich dann altersbedingt auch die Büroetagen kennenlernen durfte, waren diese bereits mit der Virtualität und einer sehr flexiblen Mobilität verbunden und damit ebenfalls wieder ein Abenteuer für sich. So konnte ich mich nie beklagen und bereits in den 1990er-Jahren sämtliche Arbeitsplatzerfahrungen machen, die die Menschen heute vor solch nett mit anzuschauenden Herausforderungen stellen. Und für viele von uns waren dabei Powerpoint-Präsentationen und Videochats schon in den Nullerjahren eine völlig veraltete Angelegenheit, was mir bei den heutigen Darbietungen die Tränen vor Rührung in die Augen treibt. Einzig wenn mir ein frischer Universitätsabsolvent rät, meine eigenen Präsentationen doch noch mit Powerpoint aufzubessern, bleibt mir die Spuke weg. Aber von einem befreundeten Professor weiß ich, dass so etwas tatsächlich noch zumindest an Hochschulen gelehrt wird — sicherlich von jenen, die erst vor Kurzem noch ihre Overheadprojektor-Folien abfotografiert haben und jetzt mit einer Dia-Show den staunenden Studenten präsentieren.

Aber inzwischen werden auch bei uns doch so langsam Arbeitsumfelder wie Coworking Spaces und Home Office Mainstream, was in den Nullerjahren einfach zu einem angenehmen Arbeitsumfeld mit dazu gehörte, leider aber noch nicht mit solch tollen Bezeichnungen aufwarten konnte. Vielleicht setzen sich zeitgemäße Dinge erst dann bei uns durch, wenn diese auch über einen sexy Namen verfügen.

Gerne denke ich dabei an die 1990er-Jahre zurück, als ich meine Arbeitsergebnisse während der Fahrt auf einem Nokia Communicator zusammenfasste, je nach Ausstattung meiner Gegenstelle per E-Mail oder Fax an meinen mein Chef verschickte. Und wenn dieser es hübsch haben wollte, er damit eine Sekretärin beauftragte, wobei ich nach Rückkehr ins Büro noch meine Unterschrift daruntersetzen musste. Und schon damals zeigten Powerpoint-Präsentationen das Nötigste und wenn Bildchen, dann ein paar nackte Menschen, die für ein, zwei Sekunden zu sehen waren, nur um die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft zu erhalten.

Aber genug von der guten alten Zeit. Inzwischen habe auch ich ein eigenes Homeoffice — ganz für mich alleine — und weil ich während COVID-19 doch so einige Arbeitsplätze per Videokonferenz bestaunen durfte und ganz besonders beeindruckt von der Ausstattung von Detlefs Sterns Arbeitsplatz bin, mir selbst auch etwas Luxus gönnen wollte, mit einer für mich passenden Ausstattung versah.

Neben einem richtigen und bequemen Bürostuhl habe ich ein noch viel bequemeres Bett stehen, gleich neben einem Schreibtisch mit viel Platz. Der Schreibtisch hat einen großen Computerbildschirm, der gut zur Recherche wie auch zum Fernsehen geeignet ist. Für die Arbeit wie auch für die obligatorischen Videokonferenzen habe ich noch je einen eigenen Rechner stehen und falls das mit den virtuellen Betriebssystemen nicht klappt, noch einen weiteren Rechner mit einem Windows-Betriebssystem. Und das wirklich einzig Neue — was übrigens sehr gut funktioniert — sind die virtuellen Büros im Metaversum, welche auch immer attraktiver werden.

Das Einzige, was meinem Homeoffice jetzt nur noch fehlt, sind eine ganz bestimmte Espresso-Maschine und ein Mini-Kühlschrank, wobei ich mich hier nicht festgelegt habe.

Dafür kann ich weiterhin auf die altbewährten Konzepte der mobilen Arbeit zurückgreifen, welche interessanterweise noch heute auf überteuerte und wenig effiziente Co-Working Spaces sehr gut verzichten können. Für das erste Get-together bieten sich Flughäfen immer noch bestens an, um dann später in öffentlichen Bibliotheken sehr gut ausgestattete Arbeitsplätze zu nutzen. Und für die weiteren Gespräche sind immer noch nette Hotellobbys die beste Wahl.

Und das Einzige, was sich wirklich über all die Jahrzehnte geändert hat, ist, dass man anstatt der üblichen Coins heute Bibliotheksausweise vorzeigen kann.

Letztendlich werden sich aber weiterhin die Statussymbole weit überdimensionierter Konzernzentralen durchsetzen, da es immer noch und ausschließlich darauf ankommt, wie viel Geld man in den Sand setzt. Und an der Höhe dieser Beträge wird man gerne gemessen. Das kann man ganz gut am Googleplex, dem Apple-Park, den Amazon-Zentralen oder den vielen anderen neuen Firmenzentralen beobachten, die möglichst viele Angestellte an einem Ort zusammenführen — auch bei uns in Heilbronn und Umgebung.

„Work that is pure toil, done solely for the sake of the money it earns, is also sheer drudgery because it is stultifying rather than self improving.“

Mortimer Adler, A Vision of the Future : Twelve Ideas for a Better Life and a Better Society (1984)