Glöckner

14.6.02026 4.9 (7)

Beitragsfoto: Glöckner vom Wunnenstein | © Bettina Kümmerle

Vermischtes

Der gestrige Tag begann sogleich mit einer Hochzeit. Und dies in einem Rathaus, das einmal ein Schloss und davor sogar eine Burg war. Nun bin ich einmal gespannt darauf, ob ein Leser die Lösung kennt. Die Idee aus Schlössern Rathäuser oder gar Gemeindezentren zu machen, finde ich sehr gut. Daraus Museen oder Tempel der Nostalgie zu machen, halte ich für völlig falsch! Unsere Demokratie müsste sich bei der Nutzung von Liegenschaften etwas mehr durchsetzen können. So lange sie dies nicht kann, dürfte sie sich bei uns nicht manifestieren.

Das freitägliche Käffchen mit Detlef Stern hatte ich bereits in einem anderen Blog-Beitrag umgesetzt, wobei es mich etwas erstaunt, dass es dazu keine Kommentare von den sonst üblichen Musikliebhabern gibt. Nun weiß ich aber, dass Midnight Oil 2022 noch ein Album herausbrachte, Totgesagte leben einfacher länger.

Zum Abschluss eines sehr ereignisreichen Tages gab es noch eine weitere Überraschung, eine, die man nicht unbedingt haben muss. Was dazu führte, dass ich nach etwas Ablenkung suchte.

Un triomphe

Gestern habe ich mir dann noch einen Film gegönnt. Emmanuel Courcol verfrachtete Erinnerungen des Schauspielers Jan Jönson von Kumla nach Lyon; dieser kam 1985 auf die Idee „Warten auf Godot“ von Häftlingen aufführen zu lassen. Was schon zu meiner Schulzeit keine gute Idee an der Schule war, sollte sich in einem Gefängnis realisieren lassen.

Die französische Version des Geschehens kam 2020 in die Kinos. Riccardo Milani brachte bereits 2023 mit „Grazie ragazzi“ ein italienisches Remake heraus — man hat offensichtlich einen Nerv getroffen. Jan Jönson tingelte auf alle Fälle gut 300 Mal mit seiner Erzählung durch Europa.

Im Film gibt Kad Merad den arbeitslosen Schauspieler Etienne Carboni, der im Gefängnis von Lyon einen Theaterworkshop leiten soll. Seit „Bienvenue chez les Ch’tis“ (2008) gefällt mir dieser Schauspieler ganz gut. Aber auch der Rest der Truppe spielt seine Rollen sehr authentisch, wobei ich die Rollen der Leiterin des Gefängnisses und der Richterin für zu gekünstelt halte.

Auf alle Fälle aber wird man durch den Film fast zweit Stunden gut unterhalten. Und wer noch zur Schulzeit mit Samuel Beckett gequält wurde, der nimmt vielleicht nun dieses Theaterstück nochmals zur Hand.

Meine Lieblingsdeutschlehrerin hat es mir zu meiner Schulzeit wohl verübelt, dass ich die Schauspieler nur in Socken auf die Bühne bringen wollte, umso mehr freute ich mich, dass Emmanuel Courcol im Film auf ähnliche Gedanken kam.

Wunnenstein

In für Europa schwierigen Zeiten interpretierten wir gestern die Fahrt ins Blaue der EUROPA-UNION ganz neu. Über sechzig Jahre lang fuhr ich am Wunnenstein vorbei, wobei ich ähnlich wie Hans August Lücker in den 1960er- bis 1980er-Jahren die dortige Raststätte gerne nutzte — mit dem Unterschied: er fuhr dabei immer winkend auch noch an Heilbronn vorbei.

Spätestens seit „Die Welt der Kelten. Zentren der Macht – Kostbarkeiten der Kunst“, einer größeren Ausstellung 2012 in Stuttgart wusste ich, dass der Wunnenstein auch mit diesen in Verbindung zu bringen ist. Ein Jahr später wollte ich bereits mit meinen irischen Freunden den Wunnenstein besichtigen, aber diese siedelten weiter nach New York.

Auch wenn Thomas Michl schon etwas länger keltoman sein dürfte, waren die Kelten in unserem Verein noch kein ernsteres Thema. Sie finden allerdings in meinem Buch „Europa ist für alle da!“ Erwähnung.

Und so war es dann tatsächlich einmal an der Zeit, dass wir uns im Verein den Kelten widmeten. Ursula Hecht erklärte sich bereit, den Wunnenstein, die Kelten und unsere traditionelle Fahrt ins Blaue miteinander zu verknüpfen. Hilfreich dabei, dass sie ebenfalls sehr gute Erinnerungen an die große Keltenausstellung in Stuttgart hatte und die Verve, sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und so erfuhren wir gestern unter anderem, wo man bei uns in der Region noch mehr über die Kelten erfahren kann und auch, dass man jüngst erst ein keltisches Fürstengrab im Taunus entdeckte.

Ursula Hecht überraschte die Wandergruppe und auch die weiteren Mitfahrer auf halbem Weg mit einer Weinprobe, wobei mir der dargebotene Riesling von den Bottwartaler Winzern sehr gut gefiel.

Auf dem Wunnenstein gab es dann noch ein wenig Lokalgeschichte, die sich im wesentlichen um die dortige Glocke drehte. Die inzwischen dritte Glocke wurde von uns heftig geläutet. Die zweite wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und die erste soll in einem Strudel bei Lauffen liegen.

Für mich dabei erstaunlich, mit was für Geschichten die umliegenden Städte und Gemeinden über uns Heilbronner aufwarten können! Da sind die Neckargartacher mit ihrer Erzählung noch richtig harmlos, wohl deshalb durften sie auch ein Heilbronner Stadtteil werden.

Der Ausblick vom Wunnenstein einfach mehr als gut. Von wo sonst kann man zugleich die Schwäbische Alb, den Schwarzwald, den Odenwald und die Löwensteiner Berge erblicken, vom Stuttgarter Fernsehturm ganz zu schweigen.

Zum Abschluss kehrten wir in der Gipshütte ein und diskutierten u. a. darüber, ob nicht nur die Römer, sondern auch zumindest ein paar alte Griechen auf dem Wunnenstein waren. Denn Europa ist viel kleiner als wir alle denken!

„I don’t want to make despairing films, even when they deal with a dark reality. As long as there is some humanity, a ray of light is always possible.“

Emmanuel Courcol, Film Talk (1.9.2021)

Infostand

23.5.02026 5 (4)

Beitragsfoto: Infostand

Horrorshow

Heute hat mich Vincent Klink mit einem Blog-Beitrag erfreut, ob er dies auch mit seinen Kochkünsten kann, werde ich demnächst in Erfahrung bringen. Auf alle Fälle aber hat mir sein Blog den Mund wässrig gemacht — und so dürfte es doch den einen oder anderen Blog geben, der sich irgendwie doch monetarisieren lässt.

Vor etlichen Jahren gab ich mir auch einmal den Eurovision Song Contest, war aber sofort davon geheilt. Erstaunlich, dass ich immer wieder auf Freunde und gute Bekannte treffe, die diesen Wettbewerb einfach lieben.

Vincent Klink hat eine ganz gute Erklärung geliefert, warum wir auch dieses Mal nicht gewonnen haben. Ich gehe inzwischen sogar davon aus, dass wir keinen einzigen Wettbewerb mehr gewinnen können, den man sich nicht erkaufen, erheulen oder erschwindeln kann. Was wir in der Bundespolitik miterleben müssen, wirkt sich inzwischen bis in die Kindergärten aus — der Fisch stinkt am Kopf zuerst!

Vermischtes

Für meine Leser habe ich mich gestern noch so richtig ins Zeug gelegt und „How to Become a Modern Man“ (2023) angeschaut. Paz Jiménez hat eine entspannte Komödie geliefert. Leo Harlem war wieder einmal gut. Fast alle Vorurteile wurden bedient und man konnte sich dabei so richtig gut über alte weiße Männer lustig machen. Was wäre die Welt bloß ohne uns? „Como Dios manda“, so heißt der Film in echt, macht einfach Spaß. Ganz nebenbei, wenn man etwas richtig gut machen möchte, dann muss ein alter weißer Mann ran — Friedrich Merz zeigt, dass es für alles eine Ausnahme gibt.

Danach habe ich mir noch die Heute Show gegönnt; damit ist alles zur Bundesregierung gesagt. Das Positive daran, unsere Landesregierungen sind auch nicht mehr viel besser: mehr als Buckelwale quälen geht dort auch nicht mehr — die DDR lässt grüßen. All dies ist aber noch lange kein Grund dafür, dass nun die Union mit der AfD herummachen muss.

Fürchterlich denken zu müssen, dass die „Generalsekretäre“ hinter Konrad Adenauer und Josef Müller mit der Union nur eine Übergangslösung bis zur erneuten Machtergreifung im Sinn hatten.

Europaaktionstag

Auch dieses Jahr waren meine bessere Hälfte und ich dort vertreten. Unser Jüngster ebenfalls, dieses Mal allerdings war er wieder bei einem Ministeriumsstand aktiv. Der Europaaktionstag führt sämtliche für Europa Aktive im süddeutschen Raum zusammen und so findet man die Europaverbände, die jeweiligen Europe Directs, die Kommission und auch jene Ministerien, die mit Europa zutun haben — zumindest jene, die dies erkennen können. Last but not least auch die Stadt Stuttgart, denn deren Verantwortlichen sind sich der Bedeutung Europas für unsere Städte und Gemeinden durchaus bewusst (ganz großer Insider).

Auch war wieder für eine musikalische Unterhaltung gesorgt und es gab zudem gratis Kaffee in den unterschiedlichsten Versionen. Diese Gemengelage nutzte auch ein Chess Hustler, um sich den Tag zu versüßen. Jene Bürger, die bei bestem Wetter durch die Stadt pilgerten, konnten sich nicht nur über Europa umfassend informieren, sondern auch ganz gut unterhalten — die Stuttgarter nutzten diese Gelegenheit.

Für mich war es dieses Mal der Austausch mit ein paar Kreisvorstandsmitgliedern aus Stuttgart, der mir den Tag versüßte. So ganz nebenbei konnten wir die eine oder andere Angelegenheit regeln und auch Mitfahrer für unsere Budapestfahrt gewinnen. Unsere Jugendorganisation konnte mit einem jungen Mann unterstützen, der sich auch sehr gut anstellte.

Schon seit Längerem sind diese Europainformationsstände für mich nur noch ein Vorhaben, um mit der eigenen Bubble Dinge zu regeln. Viel zu selten gibt es Gespräche, die mein Interesse wecken können, geschweige denn mit wirklich Interessierten ins Gespräch zu kommen. Die große Masse der Besucher möchte entweder von der eigenen Langeweile befreit, einmal den eigenen Frust oder gar völlig bizarre Weltvorstellungen bei den Standbesatzungen loswerden; dabei ist es diesen Menschen völlig egal für was diese Standbesatzungen werben oder stehen. Hinzu kommen noch jene Bürger, die einfach alles abgreifen, was es so an Werbematerial gibt — die Profis bringen dazu gleich mehrere Taschen mit oder fragen ganz unverhohlen nach solchen am Stand.

Die Masse dieses Werbematerials wandert hinterher sogleich in den Müll ohne jemals begutachtet worden zu sein. Die Stadt Stuttgart hatte vorgesorgt und jeden Stand mit ausreichend Müllcontainern ausgestattet. Ich stand gegenüber einem Kaffeestand und war beeindruckt wie viel kostenfreien Kaffee manche Menschen in sich hineinschütten können — umso mehr, da ich nach dem ersten Becher bereits das Koffein spüren konnte; die Barista kannten wohl ihr spezielles Klientel, aber sicherlich noch nicht jene, lieber einen Herzinfarkt riskieren als auf einen Freikaffee zu verzichten.

Die Kreisvorsitzende vor Ort Simone Schmidt überraschte mich dann noch mit einem Becher Eis, der ganz ohne Frage ein Genuss war. Danach kam ich mit Michael Conz über unsere Erfahrungen mit jenen Deppen zu sprechen, die immer alles besser wissen wollen aber dann doch jedes Mal kneifen, wenn man sie auffordert, es selber besser zu machen.

Wir konnten eine ganze Weile so richtig schön ablästern — was zumindest mir gut getan hat — und stellten dabei fest, dass diese Art von Menschen in allen Vereinen und Parteien unterwegs sind.

Ich habe am Stand aber dieses Mal doch so einige „Mitstreiter“ vermisst, die mir jüngst erst sehr penetrant erklären wollen, was man alles machen kann und muss, dabei nur so vor Ideen strotzen und wohl, weil voll von Ideen und besten Absichten, niemals die Zeit finden, um sich wenigstens an der Kärrnerarbeit im Verein zu beteiligen.

Am schlimmsten sind dabei gerade jene, die ihr gesamtes Leben nie für unsere Idee und unseren Verein Zeit gefunden haben und nun fünf Minuten vor der eigenen Mitternacht in einer Art von Torschlusspanik die gesamte Welt neu erfinden meinen zu müssen.

Da diese Menschen unheimlich viel Zeit kosten — von den Nerven einmal ganz zu schweigen — sorgen sie damit nur dafür, dass allen weniger Zeit bleibt, um tatsächlich Neues zu entwickeln und auszuprobieren.

Ich rede mir bereits seit über zwanzig Jahren den Mund damit fusselig, dass man in jedem Verein erst mit den tragenden Rollen beginnt, den Verein dabei kennenlernt und wenn man sich dabei wohl fühlt und auch positiv auffällt, ganz automatisch weitere Rollen übertragen bekommt.

Meine ehrenamtliche Zeit ist mir viel schade, um Torschlusspanikmitgliedern in Einzelgesprächen den Sinn und Zweck des Vereins erklären oder noch schlimmer zu begründen, warum man nicht ein ganz anderer Verein ist oder warum ich als Vereinsvorsitzender nicht sofort dafür sorge, dass das Neumitglied gleich Morgen mindestens Bundespräsident wird — einmal ganz abgesehen von den „Connections“ oder gar EU-Subventionen, die ich für deren persönliche Entwicklung bereitzustellen hätte.

Den meisten dieser Spätzünder empfehle ich besser ganz gemütlich auf dem Friedhof spazieren zu gehen und nach einem Plätzchen zu suchen.

Dann gibt es aber doch immer wieder auch Lebensältere, die zwar erst spät zu uns finden, aber ausreichend Lebenserfahrung mitbringen, um sich ganz harmonisch in das bestehende Gefüge einzupassen! Und diese entwickeln sich dann auch sehr schnell zu einem echten Gewinn für unseren Verein.

„The first ten million years were the worst and the second ten million years, they were the worst too. The third ten million years I didn’t enjoy at all. After that I went into a bit of a decline.“

MArvin, The Restaurant at the End of the Universe (kleiner Insider)

Äffchen

21.5.02026 5 (5)

Beitragsfoto: Schnappschuss

Kino

Wenn einem der Kopf raucht und man nicht mehr weiß wo einem derselbige steht, hilft es zumindest mir ins Kino zu gehen; früher spulte ich einfach die Kilometer zu Land oder zu Wasser herunter. Ich wurde bequem — gezwungener Maßen.

Morgen kommt Grogu ins Kino, auf den Mandalorian könnte ich dabei gut und gerne verzichten. Natalia Winkelman meint dazu, dass „staring at a metal visor for over two hours a violation of our own sacred oath“ sei.

Da meine beiden Jungs Star Wars vor Star Trek stellen, warum auch immer, und ich selber bereits die meisten Star Wars-Filme gesehen habe, geht es demnächst wieder ins Kino. Ich weiß nur noch nicht, wie ich meine bessere Hälfte dazu bekomme mitzugehen.

Morgen gibt es aber erst einmal den Europaaktionstag in Stuttgart — ganz großes Kino. Auch die EUROPA-UNION ist wieder maßgeblich mit dabei — was so eine Selbstverständlichkeit ist, dass man dies schon gar nicht mehr erwähnt. Für all jene, besonders die, die mich auch heute wieder um ein persönliches Gespräch in Sachen Europa gebeten haben (kleiner Insider), eine sehr gute Gelegenheit, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Ganze fünf Stunden stehe ich vor Ort bereit.

Man könnte auch vorab eines meiner Bücher lesen und mit mir danach etwas detaillierter und vielleicht sogar etwas pointierter ins Gespräch kommen. Warum aber sollte man im echten Leben Dinge tun, die man während des eigenen Studiums schon geflissentlich unterlassen hat.

Im Film spielt Sigourney Weaver mit und dies wohl ganz ohne Helm. Seit „Annie Hall“, „Alien“, „Ghostbusters“, „Galaxy Quest“ oder „Paul“ für mich eine Gewissheit, dass der Film nicht ganz so schlecht sein dürfte.

Vermischtes

Heute konnte ich kurz einen Abstecher ins Hallenbad machen. Und es gab auch nichts zu meckern. Mein Stöbern in verschiedenen Blogs lassen mich etwas ratlos zurück: wenn Blogger nur noch über das Bloggen bloggen. Was mich ein wenig an die meist jungen Damen gestern in Straßburg erinnert, die wohl erstmals vor dem Münster standen und sich dort dann selber ablichteten. Oder gar in Teams sich gegenseitig und dabei auch nur wie sie sich selber ablichten. Ob diese Menschen dabei überhaupt mitbekommen haben, dass sie vor einer ziemlich großen und beeindruckenden Kirche standen?

Aber vielleicht ist dies alles auch nur ein Ausdruck der Ichbezogenheit unserer Welt. Und vielleicht nehmen wir selbst all die Errungenschaften unserer Welt einfach viel zu wichtig — ein Mensch, der selbst noch in der größten Metropole mit sich am zufriedensten ist, dürfte vielleicht doch die richtige Einstellung haben. Warum aber dann das Ganze „Ich bin ich und mir selbst genug“ in den Social Media verbreiten?

Und wenn man dies alles etwas weiterspinnt, warum schreibe ich in ein Blog und nicht in meinen Zettelkasten? Da ich aber selbst meinen Zettelkasten „online“ habe, wird es in meinem Fall sicherlich etwas kompliziert und hängt mit meinen Gewohnheiten zusammen. Schon immer reise ich gerne leicht, möglichst ohne Gepäck. Und wenn ich dann ankomme, egal wo es auch sei, sind mein Blog und mein Zettelkasten bereits da, so wie viele andere Dateien auch. Inzwischen sind sie selbst beim Reisen mit dabei.

Wahrscheinlich wäre für mich ein TabletPC mit 2 Terabyte Speicher heute völlig ausreichend, wenn dieses nicht verloren- oder kaputtgehen könnte. Und so sind meine Server wohl weiterhin die bessere Alternative, zumal ich die meisten davon von einer sehr guten Firma betreiben lasse.

Und da ich meine Gedankengänge hier offen darlege, muss man sie auch nicht klauen; ein möglicher Hacker könnte nur hacken, was nicht zu hacken ist — das bringt sicherlich wenig Spaß und bezahlt wird man auch nicht dafür.

Und sollte ich tatsächlich einmal einen ganz neuen Gedanken verfolgen oder gar eine brillante Idee mein Eigen nennen, dann halte ich es mit Howard H. Aiken, der einem seiner Studenten erklärt haben soll „Don’t worry about people stealing your idea. If it’s original you will have to ram it down their throats.”

Heute Abend möchte ich dann doch noch das Tanzbein schwingen.

Zum gestern erschienenen WordPress 7.0 sage ich jetzt einmal nichts, ich schaffe es nicht einmal die entsprechenden Blog-Beiträge in meiner Timeline zu lesen. Schon deren bloße Anzahl lässt vermuten, dass die WordPress Foundation oder war es doch Automattic das CMS neu erfunden hat — anders kann ich mir das nicht erklären, oder vielleicht ist damit sogar unsere nationale digitale Souveränität gefährdet.

Souveränität

Mit der Souveränität ist es heute wohl so wie damals mit dem Europa Otto von Bismarcks (9.11.1876). Gerade jene, die selber nichts auf die Reihe bekommen, schreien danach, meinen heute allerdings dabei den Erhalt von Transferzahlungen.

Wir konnten die letzten Jahrzehnte ganz gut beobachten wie unsere auf Transferzahlungen basierende Industrie eine Entwicklung nach der anderen verschnarchte. Und sobald sie tatsächlich einmal technologisch ganz vorne mitspielen, verhökern sie ihre Vorteile an den Meistbietenden. Selbst jene, die ihnen ausschließlich durch staatliche Subventionen sprichwörtlich in die Hände fielen.

Ganz gut konnte man das bei der Informationstechnologie mitverfolgen, wo man Jahrzehntelang auf Telefax und Kupferkabel setzte. Die sogenannte Deutschland AG war von Anfang an nur zum koordinierten Ausplündern unseres Landes da. Was nur noch vom Privatisieren unserer eigenen Infrastruktur übertroffen wurde.

Die Schäden gehen in die Billionen Euro und wir Steuerzahler werden auch diese zahlen müssen, wobei die Schäden wohl erst in einigen Jahrzehnten behoben sein werden, wenn überhaupt jemals.

Inzwischen haben meist US-amerikanische oder chinesische Unternehmen den Weltmarkt unter sich aufgeteilt, wobei wir als Verbraucher selbst ganz gut mit leben können und wollen. Deutsche oder auch europäische Unternehmen wollten oder konnten uns Verbrauchern einfach keine akzeptablen Alternativen anbieten.

Und nun da unsere Wirtschaftsbosse so langsam aber sicher erkennen, dass man mit zeitgemäßer Informationstechnologie Billionen Euro verdienen kann, schreien diese wieder nach dem Staat. Besser ausgedrückt, sie lassen schreien, denn deren Lobbyisten brüllen nun allesamt nach einer digitalen Souveränität Deutschlands — besser noch Europas (noch mehr Transferzahlungen für unsere systemrelevanten Personen!).

Und wie damals auch, geht es nicht um Europa und schon gar nicht um irgendeine Souveränität. Einzig und alleine das Ausplündern unseres Landes muss weitergehen!

Wer tatsächlich ein souveränes Europa möchte, der muss eine funktionierende und tragfähige soziale Marktwirtschaft her- und sicherstellen, Innovationen und neue Ideen nicht weiter ausbremsen und vor allem endlich dem obszönen Raubrittertum unserer systemrelevanten Personen Einhalt gebieten.

Wie bereits zu Bismarcks Zeiten geht es den Fürstchen einzig und alleine nur um sich selber! Und vielleicht sind Menschen wie Trump und Musk deshalb so beliebt, weil sie es frank und frei zugeben und damit weit ehrlicher sind als jene Personen, die uns nun eine Souveränität nach der anderen verkaufen wollen.

„Ich habe das Wort ‚Europa‘ immer im Munde derjenigen Politiker gefunden, die von anderen Mächten etwas verlangten, was sie im eigenen Namen nicht zu fordern wagten.“

Otto von Bismarck (Varziner Diktat vom 9. November 1876)