Trump-Anhänger kurz vor der Erstürmung des US-Kapitols

Kapitolsturm 5 (14)

Beitragsfoto: Trump-Anhänger kurz vor der Erstürmung des US-Kapitols | © Tyler Merbler – https://www.flickr.com/photos/37527185@N05/50812356151/

Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte ich heute den Dreikönigstag ein wenig genießen und dabei auch noch in Erinnerungen schwelgen, nämlich als ich vor über vier Jahrzehnten regelmäßig mit meinem Vater nach Stuttgart gepilgert bin, um dort unsere Delegiertenfunktion für eine Partei wahrzunehmen. Dort traf man sich mit netten Menschen aus dem ganzen Land und hatte auch noch im Anschluss und nicht nur beim obligatorischen Festakt viel Spaß. Später dann, als es zu schweren und tiefen innerparteilichen Grabenkämpfen kam, wurden diese auch dort sehr heftig und teilweise auch unter der Gürtellinie ausgetragen, aber stets auf dem Boden unserer demokratischen Grundordnung.

Das alles änderte sich im Zuge der geistig-moralischen Wende und führte dazu, dass ich mein Parteibuch angewidert zurückgab. Und seit dieser Zeit verrohen auch im Westen insgesamt die Sitten immer weiter und vom Osten kommt beständig weitere Verrohung mit hinzu. Meine Großmutter aus Königsberg würde bestimmt dazu sagen, dass aus dem Osten noch nie etwas Gutes kam.

Vor drei Jahren gipfelte das Ganze im Sturm der Sozial Verachteten (vulgär: dem Pöbel), welche nachweislich von Totalitaristen angeführt wurden, auf das Kapitol in Washington, um die Einsetzung eines demokratisch gewählten Präsidenten zu verhindern und eine Diktatur zu etablieren. So tief sind bestimmte politische Kreise im Westen bereits gesunken, es reicht ihnen nicht mehr aus, einfach nur durch Stimmenkauf, Erpressung oder legale Wahltricks Wahlen zu ihren Gunsten zu beeinflussen, sondern sie inszenieren seither und inzwischen auch bei uns regelmäßig den Hitlerputsch, um für ihr Klientel eine künftige Tradition zu schaffen — das hatten wir alles schon einmal und es war nachweislich überhaupt nicht gut!

Nicht nur in den USA, auch bei uns in Deutschland üben sich die totalitären Kreise — links wie rechts (!) — und werden dabei erneut von vermeintlich konservativen Kreisen gestützt und gestärkt. Nur ab und zu, wenn es gerade politisch opportun zu sein scheint, verteufelt man die antidemokratischen Angriffe der anderen Seite — und auch dies hatten wir bereits, so hat man sich gemeinsam der Weimarer Republik entledigt.

Stalinisten wie Nationalsozialisten — nennen sie wir einmal beim Namen — gehen gegen unsere Demokratien vor. Erstere scheinen in Wladimir Putin ihren vorläufigen Führer gefunden zu haben, letztere sind, Gott sei gedankt, wohl noch auf der Suche — auch bei uns in Deutschland. Was einen senilen Oppositionsführer nicht dazu bewegen sollte, sich dem Pöbel als Interimsführer anzudienen; er würde wieder nur den Hindenburg geben.

Heute am dritten Jahrestag des Kapitolsturms kann man in der FAZ (6.1.2024, 8.26 Uhr) lesen, dass die Republikaner diesen Angriff auch auf ihre Demokratie bagatellisieren, und bereits jeder dritte Republikaner verfällt den nationalsozialistischen Mythen, die mit einer solcher Traditionsbildung einhergehen. Und konservative Richter sorgen erneut dafür, dass Verbrecher ungeschoren davonkommen. — heute ist ein Tag der Déjà-vus!

Und auch bei uns verteufelt man traditionell gerne nur die Angriffe von „Linksterroristen“ und ist dabei überhaupt nicht zimperlich, was dabei schon als Terrorismus gilt. Aber noch schlimmer ergeht es jenen, die keine Totalitaristen sind.

Ein Deutscher, der als „queer“ durchgehen könnte, sitzt inzwischen schneller in Haft als er sich einen Joint anstecken kann. Wenn er dann auch noch so blöd ist und sich auf einer Straße festklebt, kann er seine Zukunft voll und ganz vergessen — er hat bei uns in Deutschland keine mehr!

Sein Fehler dabei, er hätte sich vorab entweder der fünften Kolonne verschreiben oder noch besser, dies als Opfer für den Führer deklarieren müssen. Demokratische Aktionen und seien sie auch noch so blöd, finden vor unseren Richtern keine Gnade — das war schon immer so und wird auch weiterhin so bleiben.

Anders sieht das Ganze aus, wenn man bei uns den Bundestag stürmen oder durch Putsch die Bundesrepublik in Gänze abschaffen will, denn dann erhält man maximal „Festungshaft“ und kann als angesehener Bürger unserer Gesellschaft in Ruhe Bücher schreiben — diese werden bekanntlich Bestseller!

Gestern versuchte wohl ein Bauern-Mob, ganz offensichtlich von brauner Gülle aufgestachelt, Robert Habeck und seine Familie zu lynchen — wie wir es bald erfahren dürfen, waren dies alles nur demokratische Proteste von aufgebrachten und besorgten Bürgern, die es einfach nicht hinnehmen wollen, dass sie vom Staat weniger Subventionen als bisher erhalten. Und schon längst haben sich nicht nur Vertreter unserer Unionsparteien mit diesen gestrigen Terroristen solidarisiert, sondern auch Nationalsozialisten und Stalinisten — was einem Demokraten eigentlich zu denken geben müsste.

Das Fürchterliche dabei ist, dass sich im Gegensatz zur USA nicht nur die Gruppe der Sozial Verachteten gegen unsere Demokratie wieder zu Handgreiflichkeiten mobilisieren lässt, sondern inzwischen fast wieder alle Bevölkerungsteile mobil machen, die daran glauben, dass es ihnen in einer Diktatur noch etwas länger besser geht als in unserer Demokratie, die inzwischen kaum noch ausreichend Geld hat, um sich ihre Demokraten weiterhin zu kaufen — und auch hierbei wäre gute Bildung besser gewesen!

Und unsere demokratische Elite glaubt weiterhin fest daran, wie bereits zu Zeiten der Weimarer Republik, dass sie das Ganze so lange weiter hinhalten kann, bis sie selbst ihr eigenes Leben fertig gelebt hat — und nach ihnen dann die Sintflut.

Sollte unsere Demokratie und vor allem ihre demokratischen Eliten in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten nicht etwas beherzter durchgreifen, dann kommt die Sintflut wieder einmal etwas schneller als es uns allen lieb sein kann.

Ergänzung:

Ein Kommentar auf Linkedin [inzwischen Geschichte]


Lesezeichen

Von innen mehr bedroht 4.8 (4)

Beitragsfoto: Lesezeichen | © kertlis von Getty Images

Ralph Bollmann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Westen ist von innen mehr bedroht als von außen“ (zuletzt aufgerufen am 5.1.2024, 10.35 Uhr)

Ein Interview mit Heinrich August Winkler

„Der Populismus ist für die Zukunft der Demokratie sogar noch gefährlicher als die Aggressionen Putins, sagt der Historiker Heinrich August Winkler. Dennoch gibt es etwas, das ihn hoffen lässt. …

Dass die Bonner Republik sehr viel erfolgreicher war als die von Weimar, das verdankt sie zu einem guten Teil dem anhaltend hohen Wirtschaftswachstum in den fünfziger Jahren. Danach hat die alte Bundesrepublik einige ökonomische Krisen erfolgreich bewältigt, von denen allerdings keine so schwer war wie die Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er-Jahre. Das hat dazu geführt, dass die Bundesrepublik im Laufe der Zeit auch als krisenfest galt. …

Nach dem Mauerfall hat die zuvor schweigende Mehrheit dann vor allem gefordert, dass die schnelle Wirtschafts- und vor allem Währungsunion kommt.“


Damit bestätigt Winkler zumindest m. E. die Ansicht, dass wir Deutschen eigentlich nur dann mehrheitlich Demokraten sind, so lange es uns besser geht als dem Rest der Welt.

Und sobald es uns wieder (vermeintlich) schlechter geht, diskutieren wir nur noch darüber, ob Josef Stalin (Georgier) oder Adolf Hitler (Österreicher) der bessere Deutsche sei und schlupfen jedem in den Hintern, der vorgibt, diese Herren ein wenig besser zu kennen.

Passend dazu auch die Erklärung Winklers, dass der Sozialneid der Ostdeutschen eigentlich aus deren Urlauben stammt, wo sie angeblich schlechter behandelt wurden als ihre westdeutschen Nachbarn. Damit haben sie eindeutig bewiesen, dass sie die „besseren“ Deutschen sind, denn Neid ist weiterhin unsere größte Stärke.


Fundstücke

30.5.02023 5 (2)

Beitragsfoto: Fundstücke

Menschen

Wenn man immer wieder eines der schönsten Einkaufszentren weltweit besucht, kommt man nicht umhin auch die dortigen Menschen zu beobachten. Die besagte South Coast Plaza besticht durch ihre Sauberkeit — man könnte dort vom Boden essen. Zudem finden sich überall Helfer und Aufsichten, so dass sich dort keiner unsicher fühlen muss.

Neben der Sauberkeit gefällt mir ganz besonders, dass dort alle bekannteren Firmen und Marken vertreten sind und man sich somit sehr schnell einen guten Überblick über Handel und Kommerz verschaffen kann. Wie schon gesagt, für mich sind aber die Menschen dort die richtig spannende Angelegenheit, angefangen von den Touristen und Gelegenheitskäufern bis hin zu den Power-Shoppern und Schnäppchenjägern.

Und auch für die entsprechenden Restaurants ist gesorgt, sodass man sich dort eine ganze Zeit lang beschäftigen kann. Anfangs fielen mir dort immer die vielen Europäer auf, die mit vollgefüllten Einkaufstaschen durch die Mall spazierten, heute sind es meist Asiaten. Viele davon fliegen extra aus China oder Japan ein, um ein paar Tage lang dem Shoppen zu frönen.

Spannend und für mich zu beobachten, dass es seit ein paar Jahren dort Einkaufsberater gibt, die den Power-Shoppern beim Einkauf helfen. Viele der heutigen Shopper wollen offensichtlich auch beim Einkaufen Zeit und Nerven sparen. Und das Ganze funktioniert dort offensichtlich ganz gut, denn die South Coast Plaza kann zusätzlich noch mit einigen Outlet-Stores und weiteren Schnäppchenläden punkten.

Und so kann man wohl auch heute noch, wenn man seine Einkäufe gut plant, durch das Shoppen in der Mall zumindest die eigenen Reisekosten einsparen. Wobei es den Power-Shoppern ohne Frage gelingen wird, mit Hilfe der Profis vor Ort, ihre Gewinne beim Einkaufen zu maximieren.

Ein solches Beispiel sind derzeit viele Taschen, welche ich noch vor Kurzem in Straßburg in den Galeries Lafayette bestaunen konnte und die dort mit mehreren Hundert Euro zu erstehen gewesen wären. Hier fand ich die gleichen Taschen für kaum 40 Euro zu kaufen. Man kann sie in der Mall aber auch weiterhin zum Originalpreis erwerben — wobei dann wohl das Einkaufserlebnis mit dem Glas Champagner in der Hand zählt.

Man muss dabei aber auch berücksichtigen, dass wenn ein Etwas von z. B. Versace zu 80 % reduziert zu erhalten ist, dieses sicherlich wunderbare Etwas immer noch für die meisten Menschen weiterhin nicht auf der Einkaufsliste stehen wird.

Aufgrund des aktuellen Wetters habe ich mir noch einen Mantel angeschaut, dessen Marke mir nicht geläufig ist, und der ursprünglich für knapp 6 000 Dollar zu erhalten war und jetzt keine 1 000 Dollar kostete. Die besten Schnäppchen sind meines Erachtens weiterhin jene auf die man verzichtet und so konnte ich gestern 1 000 Dollar sparen.

Am Spannendsten war diese Jahr aber eine Veränderung im Restaurantbereich, ein weiteres Restaurant erhielt einen Michelin Stern und zwei amerikanische Restaurantketten mussten asiatischen weichen. Das Besondere dabei, dass sich vor den beiden asiatischen Restaurants gerade die asiatischen Shopper die Füße in den Bauch standen und ihre, durch die Einkaufsprofis ersparte Zeit, wieder ins Schlange stehen investierten — so wie viele Deutsche auch, die auf Teneriffa nicht ohne ihr Schnitzel oder eine Currywurst leben können.

Ein Versuch

Auch Kirchen haben ihre strukturellen Probleme und wie bei Staaten kommt es in erster Linie auf die jeweiligen Menschen an. Den Kirchengebäuden selbst und ganz besonders deren Verwaltungen wird inzwischen viel zu viel Bedeutung beigemessen.

Gerade in Zeiten, die uns Menschen wieder mobiler machen und uns damit insgesamt aus Strukturen lösen, die noch ihren Sinn in der Schollenbindung von Menschen hatten. Wenn Staaten wie auch Kirchen überleben möchten, dann müssen sie die passenden Antworten auf die heutigen Zeiten finden; Verdummung und eine Einpferchung der jeweiligen Mitglieder sind dabei die falschen Antworten.

Wenn man sein gesamtes Leben selbst mobil war ist es schwer jeweils die passende Gemeinde zu finden und noch schwerer in eine alte Gemeinde zurückzukehren. Aber es ist nicht schlecht, wenn man dabei einer Kirche angehört, die zwar keinen weltweiten Anspruch erhebt aber dennoch weltweit vertreten ist.

So bekommen Kirchengebäude an sich einen weiteren Sinn, denn sie schaffen auch in der Ferne Nähe. Und weil gerade Pfingsten ist, habe ich einmal nach einer passenden Kirche geschaut und diese sogleich in der Nachbarschaft gefunden.

Die älteste noch benutzte protestantische Kirche von Orange County wurde 1876 gebaut. Leider standen wir gestern vor verschlossenen Türen, die Gemeinde war wohl vereist — wer möchte ihr das aber gerade an Pfingsten verübeln?

Offene Kirchen machen in der heutigen Zeit leider kaum noch Sinn und so wäre es vielleicht gar nicht schlecht, wenn man mit einer Art „Kirchen-Card“ Zutritt zu sämtlichen Kirchen zumindest der eigenen Glaubensrichtung bekommen könnte. Ich finde dies wäre ein echter Mehrwert gerade für Kirchensteuer zahlende Mitglieder.

Wachstum

Nicht nur die Heilbronner Stadtverwaltung wird immer dicker, sondern insgesamt fetten sich unsere Verwaltungen immer weiter an. Und so half es nichts, dass ich dagegen bereits seit meiner Jugend anschreibe und noch heute einen möglichst schlanken Staat als die Grundlage jeder funktionierenden Demokratie ansehe.

Leider sieht es die Mehrheit der Deutschen völlig anders, entweder träumen wir selber von einem Beamtendasein oder wir haben zumindest einen Vetter in irgendeiner Verwaltung sitzen. Letzteres wurde über die vergangenen Jahrzehnte immer wahrscheinlicher. Und so sind auch schon längst die damaligen Forderungen verhallt, das Beamtentum insgesamt abzuschaffen. Wobei ich heute noch davon überzeugt bin, dass ein hochqualifizierter Beamtenapparat jeder Gesellschaft gut tut; im Falle, dass die ausgewählten Beamten qualifiziert und motiviert sind. Leider aber leben wir in einer Vetternwirtschaft und sämtliche Arbeitsplätze im staatlichen Umfeld sind in erster Linie zu reinen Versorgungsposten degeneriert.

Jan Hildebrand merkt hierzu im Handelsblatt (29.5.2023) an, dass „der Beamten-Boom … das völlig falsche Signal [ist].“ Seine Recherchen ergaben eine Erhöhung des Beamtenapparats in den Bundesbehörden von rund 17 000 Beamten 2010 zu heute rund 30 000 Beamten. Wobei die aktuelle Bundesregierung seit Regierungsbeginn bis heute alleine für 1 710 neue Beamtenstellen im Kanzleramt und den Bundesministerien sorgte.

„Eine XL-Regierung aber ist das völlig falsche Signal zur falschen Zeit. Die Unternehmen leiden nicht nur unter einer schwachen Wirtschaftsentwicklung – das Land steckt in einer Rezession – sondern auch der akute Fachkräftemangel macht ihnen zu schaffen.“

Jan Hildebrand, Handelsblatt (29.5.2023)

Jan Hildebrand ist dabei völlig entgangen, dass wir bereits heute über XXL-Regierungen verfügen und Versorgungsapparate noch nie das richtige Signal an Wirtschaft und Gesellschaft waren!

Und so bleiben wir weiterhin Vetternwirtschaftsweltmeister und sind erneut auf gutem Weg, um wieder zum Sorgenkind Europas zu werden, denn jede Demokratie zerfällt mit ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang. Und wie bereits in der Weimarer Republik müssen die Antidemokraten nur zugucken wie sich unsere Demokratie von ganz alleine verabschiedet — was man aktuell ganz gut an der Zustimmung zur AfD und der Unterstützung weiterer antidemokratischer Kräften beobachten kann.

„But, to speak practically and as a citizen, unlike those who call themselves no-government men, I ask for, not at once no government, but at once a better government. Let every man make known what kind of government would command his respect, and that will be one step toward obtaining it.“

Henry DAvig Thoreau, Walden (2020 [1854]: 312)