Bürger

Demokratiemodell 4.5 (2)

Beitragsfoto: Bürger | © Athena bei Pexels

Zum Ende seines Buches Walden stellt 1854 Henry David Thoreau die Frage, „is a Democracy such as we know it, the last improvement possible in government?“

Leider wird diese Frage und gerade in jenen Teilen der Welt, in denen den Bürgern oftmals der Rotz die Backe hinaufläuft, immer öfters mit nein beantwortet und sogleich auch wieder völlig antiquierte Regierungsformen ins Spiel gebracht. Konservative Politiker, die schon immer vorgeben, zumindest ein Ohr am Volk zu haben, behaupten schon etwas länger, dass sie tatsächlich Kaiserenkel und dann gleich von Karl dem Großen seien oder sie hängen sich überdimensionierte Königinnenbilder ins Amtszimmer.

Immer mehr Bundesbürger finden und dies nun auch wieder ganz öffentlich, dass die ehemaligen Diktaturen, ob Nazi-Deutschland oder gar die DDR, eigentlich gar nicht so schlecht gewesen sind. Ohne Frage, unsere aktuelle Demokratie hat ein Problem.

Auch wenn ich selbst nicht weiß, was in ein paar Tausend Jahren für Regierungsmodelle auf dem Markt sein werden, so bin ich weiterhin fest davon überzeugt, dass die Volksherrschaft zumindest auch dann unter den erfolgreichsten Modellen zu finden sein wird. Und ganz ohne Frage ist die Demokratie in allen ihren Ausprägungen — deren sozialistischen oder gelenkten Modelle einmal außen vor, da sie sich nur als Demokratie verkleiden — derzeit überall auf der Welt „State of the Art“!

Aber wie wir feststellen, sämtliche Demokratien, ob in der Schweiz, den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien, Japan oder auch bei uns haben mit ureigenen Problemen zu kämpfen. Eines dieser Probleme dürfte sein, dass immer mehr Bürger davon ausgehen, dass auch Demokratie keine Herrschaft des Volkes ist. Ein weiteres, dass doch so manche Bürger gar nicht selbst herrschen möchten, sondern begierig auf jemanden warten, der ihnen den Marsch bläst. Ein drittes, nämlich viele Bürger stellen langsam, aber sicher fest, dass (gute) Herrschaft auch etwas mit Arbeit zu tun hat. Wobei diese dann zu der Überzeugung gelangen, dass ihnen die Demokratie nicht so wichtig ist, um sich damit auch in Form von eigener Arbeit zu beschäftigen — zumindest so lange ihnen der besagte Rotz die Backe hochläuft. Das letzte Problem ist dabei wohl schon so alt, dass es bereits in der Bibel thematisiert wurde.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass schon sehr früh repräsentative Demokratiemodelle entwickelt und als Regierungsform gewählt wurden, so wie auch unsere eigene Demokratie.

Ich selbst war jahrzehntelang ein Verfechter der repräsentativen Demokratie, weil diese von allen Demokratieformen die Größe und Komplexität unseres Staates am besten abdecken konnte und dabei auch das besagte dritte Problem ganz gut in den Griff bekommt.

Inzwischen muss ich aber feststellen, dass auch unsere repräsentative Demokratie in den Augen vieler Bürger nicht mehr so positiv gesehen wird, wohl weil sie immer öfters daran zweifeln, ob sie noch selbst von ihren Volksvertretern vertreten werden.

Für mich wird es immer deutlicher, dass die menschliche Hybris, die auf die meisten von uns Einfluss hat, der größte Feind einer repräsentativen Demokratie ist. Und so hat sich bei uns in Deutschland tatsächlich eines in den letzten zweihundert Jahren verändert, nämlich dass aus den Dutzenden deutschen Fürsten inzwischen Tausende deutsche Fürstchen wurden, die wie dereinst ihre Vorgänger an ihren Thronen kleben und sich selbst genug sind.

Dieses gewaltige Problem könnte man nur mit einer generellen Amtszeitbegrenzung beheben, dafür wäre aber in Deutschland eine Revolution notwendig, die jene von 1848 voll und ganz in den Schatten stellen würde — was in Deutschland völlig undenkbar ist.

Und selbst wenn es zu einer Amtszeitbegrenzung käme, würde es wohl der heutigen Zeit nicht mehr gerecht werden, denn die Welt dreht sich schneller weiter, als wir es allesamt wahrhaben möchten.

Deswegen komme ich zum Schluss, dass wir uns gänzlich vom repräsentativen Demokratiemodell verabschieden und zu einer direkten Demokratie wechseln sollten.

Wir Deutschen wählen unsere Bundeskanzler und Ministerpräsidenten alle vier Jahre neu. Und da deutsche Minister schon längst keine guten Beamten mehr sind, auch diese gleich mit. Der jeweilige Regierungschef stellt dann seine eigene Regierung zusammen.

Die Parlamente werden abgeschafft, wobei an deren Stelle die dann ehemaligen wissenschaftlichen Dienste zu „Entscheidungsfindungsbehörden“ ausgebaut werden. Diese bestehen allesamt aus Beamten, die mindestens über einen IQ von 130 und einem abgeschlossenen Universitätsstudium verfügen sowie eine entsprechende Aufnahmeprüfung bestehen müssen; die Ergebnisse werden veröffentlicht.

Wir Deutschen übernehmen die Legislative in Gänze, wobei die Regierungen weiterhin die Gesetzesinitiative mit beibehalten, aber jene von uns Bürgern weiter gestärkt wird. Sämtliche Gesetzesvorlagen werden von der jeweiligen Entscheidungsfindungsbehörde vor- oder aufbereitet und dem Souverän — also uns — völlig neutral zur Entscheidung vorgelegt. Dabei wird diese Neutralität zur „Staatsräson“ erhoben und ein Beamter, der sich nicht daran hält, sofort entlassen.

Sämtliche Gesetzesinitiativen und Entscheidungsvorlagen werden veröffentlicht und grundsätzlich mindestens vier Wochen lang zur allgemeinen Diskussion freigegeben, bevor die jeweiligen Bundesbürger darüber mehrheitlich entscheiden.

In der heutigen Zeit, wo wir über Internet und sogar über die ersten KI-Tools verfügen, ist es kein gesellschaftliches oder technologisches Problem mehr, dass ein Bundesbürger sich in die Gesetzesvorlagen einlesen, sich bei Bedarf weiter kundig machen und später dann auch selbst darüber entscheiden kann — nicht muss.

Eine künftige Viertagewoche lädt gerade dazu ein, dass sich die Bürger einen ganzen Tag in der Woche mit Politik beschäftigen und letztendlich zu Zoon politikon werden.

„If we were left solely to the wordy wit of legislators in Congress for our guidance, uncorrected by the seasonable experience and the effectual complaints of the people, America would not longer retain her rank among the nations.“

Henry DAvid Thoreau, Walden (2020 [1854]: 336)

Bürgerin

Mündiger Bürger 5 (2)

Beitragsfoto: Bürgerin | © Robert Kneschke, Shutterstock

Immer wieder hört man vom mündigen Bürger. In den 1980er-Jahren gab es sogar einmal eine politische Partei, die sich so nannte. Ich beziehe mich aber — und dies seit dem Ende der 1970er-Jahre — auf eine eher philosophische Betrachtung des Begriffes, indem ich Mündigkeit mit Selbstbestimmung und Eigenverantwortung verknüpfe. Der Urheber dieses Gedankens wird wohl Immanuel Kant gewesen sein, als er sich der Frage widmete, was Aufklärung eigentlich sei?

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. sapere aude! habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung. … Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen … dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben.“

Immanuel Kant, Was ist Aufklärung? (1784)

Was macht aber einen mündigen Bürger überhaupt aus? Ich versuche mich an einer Erklärung, indem ich diese Frage auf drei Begriffe reduziere, nämlich Verantwortung, Bildung und Ehrenamt, und diese kurz und plakativ ausführe.

Verantwortung

Verantwortung ist, seine Wehrpflicht, einen Ersatzdienst oder zumindest ein soziales Jahr für unsere Gesellschaft abzuleisten. 

Verantwortung ist nicht, vor der Wehrpflicht nach West-Berlin zu fliehen, oder sich ein falsches Gesundheitsattest ausstellen zu lassen. Auch nicht, einfach auf das soziale Jahr zu verzichten, weil es freiwillig ist.

Verantwortung ist, eine möglichst gute Ausbildung zu absolvieren und damit dazu beizutragen, dass unsere Wirtschaft und Gesellschaft prosperiert sowie unser Staat die notwendigen Steuergelder erhält.

Verantwortung ist nicht, unter seinen eigenen Kapazitäten zu bleiben und damit der Gesellschaft Potentiale und notwendige Steuern zu entziehen oder gar der Gesellschaft auf der Tasche zu liegen.

Bildung

Bildung ist Bürgerpflicht. Damit ist auch das lebenslange Lernen nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern eine Notwendigkeit, um den einzelnen Bürger wie auch die Gesellschaft voranzubringen.

Bildung macht uns alle zu besseren Menschen und wirkt sich sofort auf sämtliche Bereiche des menschlichen Zusammenleben aus.

Das lebenslange Lernen garantiert zudem, dass notwendige gesellschaftliche Fortschritte nicht verschleppt oder der kommenden Generation überlassen werden.

Wer auf Bildung und beständiges Lernen verzichtet, schadet nicht nur sich selbst, sondern besonders der Gesellschaft und der Umwelt. Die Zerstörung unserer Natur ist eine Folge von Bildungsverweigerung.

Ehrenamt

Der Mensch ist ein Zoon Politikon und lebt diese Wesensart im Ehrenamt aus. Das Ehrenamt dient nicht dazu, damit einzelne Bürger möglichst billig ihren eigenen Lebensunterhalt sicherstellen können.

Ehrenämter bestimmen einen Großteil des Lebens eines jeden mündigen Bürgers. Diese begleitet er von frühester Jugend an, später auch neben Beruf und Familie bis hin ins Rentenalter, wobei jeder einzelne sehr darauf achten muss, dass er Ehrenämter in erster Linie für andere begleitet und diese nicht zum Selbstzweck und später zur reinen Selbstbeschäftigung gegen die eigene Langeweile werden.

Das Ehrenamt bringt viel Verantwortung mit sich, ist wesentlicher Bestandteil jeder funktionierenden Gesellschaft und schadet bei Missbrauch allen und jedem.

Fazit

Ich glaube damit ganz gut den mündigen Bürger beschrieben zu haben, denn letztendlich kommt es nicht auf das Wollen, sondern alleine auf das Können und Machen an.

So gibt es ganz besonders in unserer Gesellschaft sehr, sehr viele mündige Bürger, die diese immer noch und weiterhin am Leben erhalten. Alle anderen sind einfach nur Maulhelden.

„The first requisite of a good citizen in this Republic of ours is that he shall be able and willing to pull his weight.“

Theodore Roosevelt, Rede in New York (11. November 1902)
Taschenuhr

Zum heutigen Tage 5 (6)

Beitragsfoto: Taschenuhr auf Landkarte mit Sand | © Pixabay

Jetzt, wo gerade wieder ganz aktuell bei uns darüber diskutiert wird, was schlechter ist: ein bekennender Nazi oder ein bekennender Stalinist? sollten wir uns alle daran erinnern, dass man tatsächlich nur zwischen Demokraten und Anti-Demokraten unterscheiden sollte und auch kann. Letztere nenne ich gerne allesamt, und dies frei nach Hannah Arendt, Karl Popper oder George Orwell, Totalitaristen.

Und ich kann nicht umhin, ein Gedicht zu zitieren, welches uns Schülern bereits ein Deutschlehrer in den 1970er-Jahren empfohlen hat. Das Gedicht stammt von Ernst Jandl.

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

Ernst Jandl

Zumindest in meiner Schulzeit hat man noch fürs Leben gelernt, obwohl auch hier bereits ein großer Irrtum vorlag, denn Seneca muss richtiger Weise wie folgt zitiert werden:

„Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: non vitae sed scholae discimus.“

Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, CVI. SENECA LVCILIO SVO SALVTEM: 12

Man stellt fest, weder das Leben oder die Schule, noch die große Politik sind einfach zu verstehen.

Besonders unsere heutigen und besonders erfolgreichen Demokratien haben immer mehr darunter zu leiden, denn viele ihrer Bewohner sind längst keine Bürger, geschweige denn Demokraten mehr, denn auch für diese gibt es seit den alten Griechen Minimalanforderungen, um überhaupt Demokratie entstehen zu lassen oder aufrechterhalten zu können.

Die alten Griechen haben damals die Menschheit nicht nur in Griechen und Barbaren unterteilt, sondern das Menschsein generell seit Aristoteles auf den Zoon politikon reduziert, ergo den Mensch als soziales, politisches Wesen gesehen. Und gingen dabei sogar soweit, jenen, die sich der Gesellschaft und der Politik entzogen haben, das Menschsein an sich abzusprechen.

Ca. 2 000 Jahre später muss man konstatieren, dass Demokratien alleine von Demokraten leben, und Demokraten sind Bürger, die sich nicht nur zur Demokratie bekennen, sondern diese auch mit Leben erfüllen, also mitmachen, anstatt nur zu meckern!

Wer sich den ganzen Tag über nur um sich selber und seine eigenen Vorteile kümmert und nur dann aufmerksam wird, sobald er befürchten muss, dass man ihm etwas vorenthält oder er einmal etwas findet, wo er gerade Lust dazu hat, um sich moralisch zu entrüsten, und auch nur dann von der Politik Änderungen und diese sofort einfordert und noch dazu diese sofortigen Änderungen ganz alleine zu seinen Gunsten oder nach seinen aktuellen Moralvorstellungen einklagt, der ist kein Bürger und schon gar kein Demokrat! Auch hat er die Funktionsweise von Demokratie eindeutig nicht verstanden!

Und dieser Mangel an Demokraten, oder, wie ich es in mehreren Beiträgen bereits schon formulierte, das mehrheitliche Vorhandensein „gekaufter Demokraten“ oder von Spesendemokraten ist es, der Demokratien von innen heraus aushöhlt und langsam aber sicher auch abschafft; die Weimarer Republik war ein sehr gutes Beispiel dafür.

Der schleichende, aus der Ostzone kommende Zerfall der Berliner Republik wird ein weiteres Beispiel dafür werden. Weder hätte man einer Nachfolgeorganisation eines Unrechtsstaates gestatten dürfen, vorübergehend ein demokratisches Mäntelchen umzulegen, noch darf man als demokratischer Volksvertreter mit bekennenden Totalitaristen, schlimmer noch mit stolzen Rassisten gemeinsame Sache machen!

Genau diese faulen Kompromisse sind es, die letztendlich immer wieder unsere Welt zerstören, egal von wem oder wo und wann sie getätigt werden.

Deshalb empfehle ich dringend allen unseren demokratischen Volksvertretern das Buch „On Compromise and Rotten Compromise“ von Avishai Margalit zu lesen. Keine 200 Seiten wären zu lesen gewesen, und wir alle hätten uns das jämmerliche Schauspiel gestern in Thüringen erspart.

Gesunder Menschenverstand hätte es vielleicht auch getan, aber der ist den meisten unserer dort handelnden Politiker wohl längst schon abhandengekommen.

Auch wenn aufgrund der teilweise heftigen Reaktionen aus dem Rest der Bundesrepublik heute bereits darüber nachgedacht wird, Neuwahlen anzustreben, bleibt das Wahlergebnis 2019 weiterhin bestehen, welche dem linken und rechten Rand, bei dem jeweils die demokratische Gesinnung zumindest stark bezweifelt bis gänzlich abgesprochen werden kann, eine Stimmenmehrheit von über 54 % beschert.

Diese Problematik ist seit dem Wahlabend bekannt, und viele spekulierten wohl darauf, dass man letztendlich den größten Wahlsieger, Die Linke, eine Minderheitsregierung bilden lässt.

Diese wäre damit erstmals von allen demokratischen Parteien, auch der CDU, als legitime demokratische Kraft anerkannt worden. Zumindest einige von den Volksvertretern der bürgerlichen Parteien hätten dabei einen faulen Kompromiss eingehen müssen, den andere bereits schon vor Jahren eingegangen sind und nunmehr mit der Wahl in Thüringen 2019 zu dieser ersten tragischen Situation in der Berliner Republik geführt hat.

Durch die jetzt erfolgte Wahl eines FDP-Abgeordneten zum Ministerpräsidenten einer Minderheitsregierung haben letztendlich die oben angesprochenen Abgeordneten einen faulen Kompromiss durch einen anderen faulen Kompromiss ersetzt, was nunmehr erstmals nach 1945 wieder Nationalsozialisten als vollwertig demokratisch legitimierte.

Damit ist das Kind in der Berliner Republik bereits zum zweiten Mal in den Brunnen gefallen, wobei beide extreme Ränder in den Parlamenten als vollwertig demokratisch anerkannt werden. Damit wurden Totalitaristen nicht nur legalisiert, sondern durch allseitige Anerkennung auch legitimiert.

Von Anfang an war der Linken als auch der AfD — leider den anderen Parteien offensichtlich nicht — klar, dass es sich für die beiden benannten Parteien um eine klassische Win-Win Situation handelt.

Und wie sich jetzt herausstellt, ist es den demokratischen Parteien auch gelungen, sowohl Die Linke als auch die AfD in eine typische Opferrolle zu schubsen, in die beide Parteien frei nach Goethe mehr sanken, als gezogen wurden.

Das Einzige, was jetzt noch zur Komplettierung des Wahlerfolgs beider Ränder fehlt, ist eine Neuwahl, die diese Parteien ihre neu gewonnene Opferrolle voll ausschöpfen lässt und beide dabei sicherlich in neue Höhen schleudert.

Eingedenk dieser Tatsache wäre es notwendig, dass die CDU, welche meines Erachtens in Thüringen deswegen so schwach abschnitt, weil sie dort in ihren eigenen Reihen eher dem rechten Rand als ihrer demokratischen Grundgesinnung huldigt, jetzt und sofort die Notbremse zieht und das Folgende veranlasst:

  • Mit der FDP Thüringen spricht und den Ministerpräsidenten zum Rücktritt bewegt;
  • Mit der Linken spricht — dabei lieber einen faulen Kompromiss zwei faulen Kompromissen vorzieht — und erstmals ganz offiziell eine linke Minderheitsregierung billigt. Dies allerdings nur eingedenk der Tatsache, dass sie diesen ersten faulen Kompromiss nicht selbst zu vertreten hat, sondern rein aus demokratischer Verantwortung heraus nun auslöffelt.

Ich wage zu behaupten, dass durch diese Maßnahme die CDU in Thüringen wieder an Profil gewinnt und in Folge einer konstruktiven Oppositionsarbeit auch wieder Wahlen gewinnen wird.

„You want to know something? We are still in the Dark Ages. The Dark Ages — they haven’t ended yet.“

Kurt Vonnegut, Deadeye Dick (1982)