Gaststätte

12.6.02022

Beitragsfoto: Gaststätte | © Shutterstock

Gastronomie

Nach den „üblichen Bauern“, auf die man erst dann Acht geben muss, wenn sie sich nicht mehr beklagen, kommen jetzt auch unsere Gastwirte mit hinzu. Ein weiteres Zeichen dafür, dass es in unserer Gesellschaft schon länger nicht mehr rund läuft.

Das große Problem dabei ist, dass die Gastronomie aufgrund jahrzehntelangen Wohlstands völlig überdimensioniert ist und auch Single-Haushalte zukünftig keine Überkapazitäten im Angebot mehr kompensieren werden können.

Deshalb wird auch eine Subventionierung sämtlicher Rentner oder weitere Transferzahlungen an diesen, bestimmt inzwischen ebenfalls „systemrelevanten“, Wirtschaftszweig keine Abhilfe schaffen. So werden letztendlich jene Gaststätten überleben, die sich dem immer größer werdenden Anteil der Superreichen widmen — man könnte es doch einmal in Heilbronn mit Platin-Burgern versuchen — oder jenen, die es schaffen, Essen und Getränke so kostengünstig anzubieten, dass auch eine immer ärmer werdenden Gesellschaft ab und zu noch essen gehen kann — dies war zuvor einige Jahrhunderte lang ohne größere Probleme möglich.

Aber wie schon angedeutet, wir werden nicht mehr den Wohlstand generieren, dass wir weiterhin und jahrzehntelang reine Klientelpolitik betreiben oder auch jeden noch so großen Schnarcher aushalten können. Denn unser verbleibender Wohlstand wird zunehmend an unsere Oligarchen mit ihrem Berufspolitiker-Apparat transferiert — und das nennen wir dann ganz stolz real-soziale Marktwirtschaft.

Und wer jetzt glaubt, „ich lange wieder einmal zu stark hin“, dem empfehle ich die Lektüre eines Historikers, nämlich das Buch „Der Weg in die Unfreiheit: Russland – Europa – Amerika“ von Timothy Snyder aus dem Jahr 2018.

Parlamentswahlen

Heute wählen die Franzosen ihr Parlament, genauer gesagt die Nationalversammlung, eine der beiden Kammern. Die ersten Ergebnisse werden heute ab 20.00 Uhr veröffentlicht. In allen Wahlkreisen, in denen keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht, wird am 19. Juni 2022 eine Stichwahl stattfinden.

Rachel Boßmeyer und Michael Evers von der Heilbronner Stimme (11.06.2022: 2) haben gestern dazu eine erste Einschätzung gegeben. Mich freut es, dass die französischen Parlamentswahlen überhaupt ein Thema sind und sie es sogar auf Seite 2 unserer Lokalzeitung geschafft haben. Das war nicht immer so und lässt doch etwas hoffen, nämlich dass wir Europäer so langsam aber sicher über unseren nationalen Tellerrand hinausblicken.

Jetzt bin ich einmal gespannt, wie sich die Franzosen entscheiden. Derzeit sieht es um unseren Demokratien meist nicht sehr gut aus. Zum einen erleben wir eine Zunahme der Berufspolitik, welche mit einem starken Kompetenzzerfall einhergeht und seit den 1980er-Jahren immer stärker werdende Unterschiede in den Einkommensverhältnissen unserer Gesellschaften — wobei ich fest davon überzeugt bin, dass letzteres ein direkte Folge ist — und zum anderen erleben wir noch nie dagewesene externe Angriffe auf unsere Demokratien, was wahrscheinlich ebenfalls damit zusammenhängt.

Und ab heute Abend können wir die offiziellen Reaktionen der Berufspolitik verfolgen, die ihr eigenes Versagen wunderbar verschleiert. So werden weiterhin linke und rechte Antidemokraten getrennt aufgeführt und jene, die bereits überhaupt nicht mehr wählen gehen, gekonnt aus den meisten Statistiken herausgerechnet. Dabei wäre es sehr von Nöten, dass man den Tatsachen in die Augen sieht, um vielleicht doch noch eine Trendwende einleiten zu können.

Kindergarten

Gestern musste ich zur Kenntnis nehmen, dass meine ehemalige Kirchengemeinde nun auch noch „meinen“ Kindergarten schließt. Ich hoffe nicht, dass dies noch Nachwirkungen meines Besuches vor 55 Jahren dort sind, denn so schlimm dürfte selbst ich nicht gewesen sein.

Auf jeden Fall senden die dafür Verantwortlichen ein völlig falsches Signal, denn meine alte Heimat ist sicherlich immer noch mit der beste Stadtteil Heilbronns. Und ich stelle mir immer mehr die Frage, ob ein Christ heute noch in einer Kirchengemeinde Mitglied sein muss. Meines Erachtens entfernt sich der professionelle Überbau unserer Kirchen immer mehr von seiner Basis, was heutzutage allerdings ein grundsätzliches Problem zu sein scheint. Wir sollten einmal in Erwägung ziehen, dass manche Aufgaben vielleicht doch nicht von Menschen getätigt werden sollten, die damit ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten. Selbst auf die Gefahr hin, dass man dann nicht ausreichend Mitstreiter findet, denn dies ließe durchaus vermuten, dass das Ganze dann doch nicht mehr so notwendig ist.


Nach gut einem Jahr Hinweise auf Geburtstage von Menschen, die für mich eine Bedeutung haben, habe ich mich nun dazu durchgerungen, diese bleiben zu lassen, schon alleine damit keine unnötigen Wiederholungen erfolgen.

2 thoughts on “12.6.02022

    1. Guten Morgen. Für mich jener, wo ich selber groß geworden bin, die nördliche Innenstadt, wie man es heute wohl nennt. Einfach nur Heilbronn, als ich noch klein war.
      Über einen „schlechtesten“ Stadtteil habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Und da ich nun in der Südstadt lebe und auch bereits andere Stadtteile näher kennengelernt habe, weiß ich, dass man auch außerhalb der Kernstadt gut leben kann. Dennoch ist für mich das Zentrum immer noch die erste Wahl.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.