13.6.02021

Das Schöne an Blumen und Pflanzen ist, dass man eigentlich nie genug davon haben kann, und so sammeln sich, wenn man nicht aufpasst, mit der Zeit doch so einige in Töpfen, Kübeln, Trögen oder im Garten an. Was gerade bei solch schönem Wetter wie heute dazu führt, dass man sich keine großen Gedanken darüber machen muss, was man eigentlich so alles anstellen könnte. Pflanzen und Tiere sind ohne Frage die beste Art und Weise, um einem vor Augen zu führen, dass Eigentum verpflichtet — dazu muss man dann nicht einmal unser Grundgesetz bemühen.

Heue kann man wieder einmal so schön lesen, dass Heilbronn bei der Sieben-Tage-Inzidenz Spitzenreiter in Baden-Württemberg ist. Und schon wieder fangen alle an, sich zu wundern. Noch schlimmer aber ist, es werden, wie in den 1930er Jahren, Sündenböcke dafür gesucht — dieses Mal sind es, ganz unvoreingenommen, alle Ausländer oder solche Heilbronner, die danach aussehen.

Wer aber wie ich regelmäßig durch die Stadt bummelt, wird feststellen, dass man Maskenmuffel weder am Aussehen oder der Herkunft noch an einem vermeintlichen Bildungsstand festmachen kann. Es spricht aber vieles dafür, dass es am Unverständnis — vielleicht auch an Ignoranz oder mangelnder Solidarität — unserer Mitbürger liegt, die nicht wahrhaben wollen, dass Distanz untereinander und dies kombiniert mit einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz einer weiteren Verbreitung von COVID-19 wie auch eines Grippe-Virus ganz offensichtlich entgegenwirkt.

Wenn man nach einem Verantwortlichen sucht, dann ist dies der Heilbronner Oberbürgermeister, der es in seiner Amtszeit versäumt hat, die Stadtverwaltung so aufzustellen, dass sie funktioniert oder gar für Krisensituationen gewappnet ist. Als die COVID-19 Welle ab März 2020 auf uns zuschwappte, war nicht nur das Gesundheitsamt völlig überfordert und muss bis heute von der Bundeswehr (!) gerettet werden, sondern die gesamte Stadtverwaltung absolut unvorbereitet, um überhaupt Krisensituationen halbwegs begegnen zu können.

Noch heute ist die Krisenkommunikation der Stadt Heilbronn ungenügend, auch ist nicht zu erkennen, dass unser „Stadtoberhaupt“ zumindest einmal versucht, die Initiative zurückzugewinnen. Wenn überhaupt, dann reagiert unsere Stadtverwaltung nur auf Anordnungen und Hinweise von oben, anstatt selbst einmal zu agieren.

Schlimmer noch ist es, wie ich es leider bereits seit langem in Blog-Beiträgen berichten muss, dass neben einer mangelhaften Information der Bürger sowie der Besucher Heilbronns, von Anfang an keine hinreichenden Kontrollen sowohl seitens der Stadtverwaltung als auch seitens der Polizei stattgefunden haben, und dieser grob fahrlässige Schlendrian nun dazu geführt hat, dass man das Rad nur noch mit weit überdimensionierten Mitteln zurückdrehen könnte.

Selbst die willigsten Bürger haben inzwischen die Nase gestrichen voll und sind es leid, immer wieder neue Einschränkungen hinnehmen zu müssen! — Zumal man das Ganze durch verantwortliche Stadtpolitik gemeinsam besser hätte hinbekommen können.

Übrigens, auch unsere Gemeinderäte haben bis auf einen „Rettungsfond“ (?!) nur die Öffnung der Heilbronner Bäder erreicht, die, wenn es so weitergeht, gleich auch wieder geschlossen werden müssen.

Eines dürfte uns allen jetzt aber klar sein, dass Schönwetter-Politiker — selbst wenn sie Röcke tragen mögen — wenig hilfreich sind!

Gut wäre gewesen, wenn ein Oberbürgermeister die Initiative ergriffen hätte und er zusammen mit den Stadträten die notwendigen Maßnahmen an die Heilbronner Bevölkerung herangetragen hätte — anstatt bei Promi-Festen genau das Gegenteil zu propagieren und dabei die Bevölkerung für dumm verkaufen zu wollen.

Noch besser wäre gewesen, nach einer erfolgreichen Mitnahme der gesamten Bürgerschaft — durch Vorbild und gemeinsames Handeln — dafür zu sorgen, dass die ersten „Abweichler“ in ihre Schranken verwiesen und eine Verbreitung von COVID-19 innerhalb unserer Stadtgrenzen entgegengewirkt worden wäre.

So müssten wir heute nicht auf eine Inzidenz von 58,5 schauen, sondern wären ganz locker im aktuellen Bundesschnitt von 17,3!

„Like everyone else, we are inclined to go along with our peers and authority figures; but, we are less willing to conform to others when this conflicts with our own beliefs, observations, and preferences. We see ourselves as unique beings, not as nodes in a social network that stretches out through space and back in time.“

Joseph Henrich, The WEIRDest People in the World: How the West Became Psychologically Peculiar and Particularly Prosperous (2020: 21)

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