14.10.02026

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Beitragsfoto: Blogger | © Shutterstock

Inhaltsverzeichnis

Spielen

Auf Initiative des Landesverkehrsministeriums gibt es nun für sechs Städte im Land ein nettes Online-Spiel, dabei auch für unsere Stadt. In Heilbronn sollen nun mit der inzwischen zweiten Online-Beteiligung konkrete Maßnahmen in den Blick genommen werden. Man könnte auch gerne einmal und dies nach gut 60 Jahren voller Absichtserklärungen mit der Sanierung der Turmstraße beginnen; unzählige Bürgerbeteiligungen verliefen dabei im Sand — wohl weil es noch kein extra mit Steuermitteln zusammengebasteltes Spiel dafür gab.

Aber eine Bürgerbeteiligung mithilfe einer Software wird es nun sicherlich richten. Das Ganze nennt sich MobiPlaner; der Name dafür kommt wohl aus dem Kindergarten.

Mit dem MobiPlaner will man wieder einmal eine langfristige Strategie dafür entwickeln, wie Mobilität in Heilbronn künftig gestaltet werden soll — das hat alleine schon bei der Saarlandstraße oder der Friedrich-Ebert-Trasse in den letzten gut 50 Jahren so wunderbar nicht geklappt! Jeder Heilbronner weiß, dass noch jede langfristige Planung der Stadtverwaltung spätestens beim nächsten Hasenmahl in die Tonne getreten wurde.

„Der MobiPlaner ist ein digitales Beteiligungsinstrument für die kommunale Mobilitätsplanung in Baden-Württemberg. Er wurde auf Initiative des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg entwickelt und durch das Kompetenznetz Klima Mobil der NVBW gemeinsam mit urbanista umgesetzt. Für den Mobilitätsplan Heilbronn wird das Instrument mit den für Heilbronn entwickelten Maßnahmen eingesetzt.“

KompetenzNetz KlimaMobil (14.10.2026)

Dabei ist es bei uns ganz einfach, die Dieter Schwarz Stiftung sagt, was sie gerne hätte, und dann wird das Ganze innerhalb weniger Wochen von allen Verantwortlichen bis zum Ministerpräsidenten durchgewunken und von uns Steuerzahlern auch bezahlt.

Das alles geht dann so schnell, dass man wie beim letzten Brückenbau die notwendigen Mauern vergisst und die Treppen zur Brücke nach ein paar Metern einfach in der Luft enden.

Vermischtes

Aktuell fällt bei mir eine Mauer um, diese wird eigentlich nur noch von ein paar Efeu halbwegs aufrechtgehalten. Mit dem Nachbarn, dem die Mauer gehört, konnte ich mich schnell einigen. Ich lasse diese demnächst einmal auf meine Kosten entfernen.

An einer anderen Stelle steht ein alter einsamer Kamin, der so langsam aber sicher zu wackeln beginnt. Sollte er fallen, fällt er auf einen Weg zu meinem Haus. Wenn ich Pech habe, auch noch ins Arbeitszimmer meiner besseren Hälfte. Dieser Nachbar wartet wohl ebenfalls darauf, dass ich die Nerven verliere und die Entfernung auf meine Kosten anbiete.

Erfreulich, dass auch andere „Deutschblogger“ so langsam aber sicher den neuen Weltenbrand zu riechen beginnen. Ich dachte schon sie schwelgen allesamt in einer Art Wein- und Bierseligkeit des neuen deutschen Selbstbewusstseins.

Und auch mit der Bahntrasse hin zum Lerchenbergtunnel geht es nun weiter; schon wieder sind sechs Jahre hinüber! Gert M. Hofmann war es gleich einen eigenen Blog-Beitrag wert, der einen Zeitungsartikel in der Heilbronner Stadtzeitung Nr. 21 (14.10.2026) wiedergibt: Die Bottwarbahntrasse wird Radweg. Spannend dabei, dass er sich einen eigenen Kommentar verkniffen hat. Ich nutze die bisher freigegebene Strecke als Fußweg und zähle dabei gerne die totgefahrenen Eidechsen — beim Kleingetier zählt bei uns noch das Survival of the Fittest.

Ich sage nichts mehr zu den vielen Rodungen im Stadtgebiet oder gar im Stadtwald. Bäume hatten bei uns noch nie eine Lobby. Auch keine Tiere, die Bäume benötigen. Eidechsen hingegen lieben wir, weil diese Mauern bevorzugen und sich so gut plattfahren lassen.

Kurz dachte ich daran, den Fröschen aus meiner Jugend, die wir noch in Gläsern sammelten, eine neue Heimat zu geben. Lass es aber lieber, denn sonst überlebe ich den Spaziergang über die nächste Kreuzung nicht mehr.

Und wenn ich schon einmal in die Stadtzeitung schaue, muss ich den Satz „Die Kultur kann auf die SPD als starke Partnerin zählen“ wie folgt ergänzen, solange es ein paar Genossen hilft. Das war schon einmal anders!

Lustig auch noch, dass wir alle Mädchen sind, egal wie alt auch immer. Meine Oma hätte sich das allerdings nicht gefallen lassen! Aber auch hier ändern sich wohl die Zeiten, wenn sich Endsechziger im Gemeinderat noch als Mädchen fühlen dürfen — Frau ist man dann wohl erst nach der Menopause. Bei der CDU qualifiziert man sich damit auf alle Fälle für höhere Ämter.

Recherche

Auf der Suche nach meiner Heimatstadt bin ich auf die Datenbank GeoNames gestoßen, wo man sämtliche Orte dieser Welt auflisten möchte. Und ich habe Heilbronn sofort gefunden. Sehr schön dabei die hierarchische Einordnung unserer Stadt, die allerdings sogleich einen wesentlichen Bug in der Datenbank offenbart. Weder die Europäische Union noch die Vereinten Nationen sind dort als Hierarchieebene verzeichnet. Was wieder einmal zeigt, wie langwierig es ist, seinen Mitmenschen alleine die realen Gegebenheiten zu vermitteln — allzu lange hängen wir Menschen an der vermeintlich besseren Vergangenheit fest; wobei immer mehr wieder davon überzeugt sind, dass die Welt doch eine Scheibe ist.

Auf alle Fälle aber zählt Heilbronn auch nach der Lesart dieser Datenbank zu den Städten, wie man jene Orte bezeichnet, die über 50 000 Einwohner verfügen. In der Datenbank bin ich stolzer Bewohner Heilbronns und dies in seiner vierten Ordnung, also ein richtiger und kein eingemeindeter. Ob wir echten Heilbronn dann aber noch als Stadt bezeichnet werden können, müsste eine neue Volkszählung prüfen — ich könnte aber auch gut und gerne mit dem Begriff Gemeinde leben, beim Begriff Dorf reagiere ich allerdings etwas allergisch. Dies hängen uns die Eingemeindeten sehr gerne an und ergänzen das Ganze noch mit Wein, Winter und Sommer. Wohl weil sie selber bloß in Stadtteilen leben, wo man bestenfalls einen Besen organisiert bekommt.

Und so ganz nebenbei bin ich auf die Definition von Stuttgart gestoßen: „Vierzig Dörfer auf der Suche nach einer Stadt.“ Was mich etwas freut, weil Heilbronn in der dritten Ebene gemäß dieser Definition aus einer Stadt und acht Dörfern besteht.

Urkundlich wurde Heilbronn bereits im 9. Jahrhundert erwähnt, während Stuttgart erst im 13. Jahrhundert Erwähnung fand. Bei den verbrieften Stadtrechten dürfte Stuttgart dann allerdings wieder ein paar Jahrzehnte Vorsprung haben. Dafür war Stuttgart aber niemals eine Freie Reichsstadt.

Nun ist Heilbronn auch noch eine waschechte „Capital“, zumindest nach der Meinung der Europäischen Kommission, die seit 2010 den Preis einer European Green Capital auslobt.

Was mich nun doch ein wenig verwundert, weil es erstens überhaupt nicht in die Tradition einer Freien Reichsstadt passt und zweitens die Heilbronner Verantwortlichen alles tun und lassen, um ja keine Verbindungen Heilbronns außer zu Lidl und Schwarz zuzulassen.

Normalerweise werden die Subventionen und Transferzahlungen aus der Europäischen Union klammheimlich eingesteckt und die Europaflagge nur dann gehisst, wenn die Stadt regelrecht dazu gezwungen wird.

Nun aber bei einem Preis konnten weder der Gemeinderat noch der OB widerstehen! Die Kommission hat es letztendlich verstanden, in einer traditionellen Handelsstadt kauft man sich seine Loyalitäten.

Alternativ betrachtet, könnte der aktuelle OB ähnlich verzweifelt wie Donald Trump sein, der wirklich alles versucht, um selber einmal einen Preis zu erhalten.

Noch alternativer gedacht, wenn der Mülleimer stinkt, dann wird das Duftspray ausgepackt.


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