19.7.02021

„Ein lebendiger und funktionierender Verein hat immer Geld.“ Diese Aussage stammt leider nicht von mir, sondern von einem sehr bekannten Parteifunktionär. Anfangs hatte ich diese Aussage nicht so ganz verstanden, nun, da ich selber auf ein paar Jahre Vereinsarbeit in verantwortlicher Funktion zurückblicken kann, trage ich diese Aussage vollumfänglich mit.

Ein Verein ist eine freiwillige Zusammenkunft von Menschen, die eine gemeinsame Beschäftigung oder ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Dabei hängt der Erfolg von der Zahl und dem Engagement der Mitglieder ab, und nicht, wie es jetzt immer häufiger bekannt wird, von Transferzahlungen, die vom Steuerzahler finanziert werden müssen.

Wenn ein Verein nur noch deswegen besteht, weil seine aktiven Mitglieder bezahlt werden — gerne als Aufwandsentschädigungen bezeichnet — und das Ganze extern finanziert wird, muss man sich fragen dürfen, ob das überhaupt (noch) ein Verein ist und nicht ein Unternehmen zur Gewinnung von Transferzahlungen.

Auf jeden Fall trennt sich hier die Streu vom Weizen, und manche Vereine gliedern gar ein eigenes Unternehmen aus, um halbwegs noch als Verein wahrgenommen werden zu können — was eigentlich für die Attraktivität von Vereinen spricht.

Die tatsächliche Unterscheidung liegt aber darin, ob ein Verein selbständig überleben kann oder auf externe Hilfe angewiesen ist. Im letzteren Fall dürfte es sich um einen „Zombie-Verein“ oder gar um den Deckmantel für ein Unternehmen handeln.

Eigentlich eine bekannte Sache, spätestens seit Ur weiß man, dass es Orte gibt, da baut man besser nicht. Spätestens seit der industriellen Revolution kann man, wenn man das Restrisiko in Kauf nimmt, Baugrund schaffen, so lange man bestimmte Bedingungen einhält, immer wieder anpasst und dabei notwendige Schutzwerke auf dem neusten Stand hält.

Spätestens seit ein paar Jahrzehnten weiß man, dass sich Menschen kaum noch an der Realität orientieren und entsprechend nach Lust und Laune siedeln, sowie dabei die Landschaft zersiedeln, was das Ganze noch verschlimmert. Seit dieser Zeit wird auch von den, daraus resultierenden, Folgen gewarnt. Das wirklich Interessante aber ist, dass wohl seit acht Jahren der Politik und unseren Verwaltungen tragbare und aussagekräftige Notfallszenarien vorliegen, die längst hätten zum Handeln zwingen müssen.

Man kann aber nicht sagen, dass überhaupt nicht gehandelt wurde, denn die „Entscheider“ haben für sich und ihr Klientel bequeme Posten geschaffen oder gar ganze Ämter — leider nur, dass diese bis heute alleine der Selbtbelustigung dienen.

Dies stört unsere Berufspolitikern so lange nicht, wie sie auf Kosten der daraus resultierenden Opfer selbst gute Pressefotos erhalten oder die anfallenden Leichen einfach noch weglächeln können. Diese Rechnung geht für sie ohne Frage weiterhin auf, da das Absaufen einzelner Regionen von der Wählerschaft immer noch als tragisches Einzelschicksal angesehen wird. Und da die große Mehrheit der Nichtbetroffenen davon ausgeht, dass sie selber kaum betroffen sein werden und wenn doch, dann nicht so schlimm, kann die Politik ihr Erfolgsmodell der geschwätzigen Untätigkeit weiter zur Perfektion vervollkommnen.

Der tatsächlich Schuldige sind aber wir, denn wir sind es, die gerade jenen den Wahlsieg garantieren, die „Freibier“ versprechen, anstatt jene zu wählen, die ein „gemeinsames Anpacken“ fordern und hoffen lassen, auch selbst mit Hand anzulegen.


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Die EUROPA-UNION Heilbronn e.V. ist ein überparteilicher und überkonfessioneller Zusammenschluss von Bürgern, die für Frieden, Freiheit, Demokratie und Föderalismus eintreten.


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