21.8.02023

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Beitragsfoto: S-Bahn vor Hauptbahnhof | © Bettina Kümmerle

Bedauern

Für uns Bürger ist es einfach nur noch ärgerlich, wenn sich unsere Gemeinderäte immer wieder nur durch ein einfaches Bedauern aus ihrer Verantwortung stehlen. Zuerst stimmen sie allem und jedem zu und dies ohne sich vorab überhaupt die Mühe zu machen, einmal nachzufragen oder gar weiter nachzuhaken, um was es bei dem zu Entscheidenden überhaupt geht — damit verstoßen sie gegen sämtliche Grundprinzipien einer repräsentativen Demokratie.

Und wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist, können wir in der Heilbronner Stimme lesen, dass sie heute ganz anders entscheiden würden. Und schon ist die Welt wieder für alle Beteiligten in Ordnung.

Uns allen sollte dabei aber bekannt sein, dass die moralische wie fachliche Inkompetenz von Volksvertretern die größte Gefahr für jede Demokratie ist. Deswegen verlangen wohl auch immer mehr Bürger eine direkte Demokratie, denn um einfach nur aus dem Bauch heraus zu entscheiden oder um sich einfach nur kaufen zu lassen, dafür benötigen wir keine Vertreter — das können wir alle selber viel günstiger.

Lange Woche

Der jüngste Spaziergang über den Hauptfriedhof war eine sehr erfreuliche Sache. Entgegen aller früheren Erwartungen gibt es für uns dort wieder ausreichend Platz. Auch sind jetzt neben den bekannteren Bestattungsvarianten auch Rasenbestattungen und wenn gewünscht sogar anonyme möglich. Ich finde dies ist eine gangbare Alternative zu den gerade so populären Friedwäldern, besonders da wir Friedhofs- oder Friedwaldgänger alle schneller älter werden als gewünscht und auch ein etwas größerer Friedhof immer übersichtlicher als jeder Wald ist — vor allem nach einem Sturm.

Zuvor war ich noch kurz in der Stadt spazieren und sah dort auch auf dem Kiliansplatz ein paar Menschen mit Plakaten „Queerdenken statt Querdenken“ oder so. Ich war dabei etwas über die Polizeipräsenz erstaunt und durfte später auf stimme.de lesen, dass 350 Menschen unter dem Motto „Dance for Tolerance“ friedlich feiernd durch Heilbronn gezogen seien — da machen die üblichen Montagsmarschierer wirklich mehr Stress. An mir ging die wohl nur einen Straßenzug weiter stattfindende „Mini-Loveparade“ (Heilbronner Stimme) völlig unbemerkt vorbei. Dafür konnte ich aber mit meiner besseren Hälfte in der Tanzschule Brenner einen sehr gelungenen Tanzabend verbringen.

Mit dem meseno-Bus starte ich heute in eine lange Woche bei der es viel zu erledigen geben wird. Am Ende dieser Woche müssen dann ein paar Pflöcke eingeschlagen sein. Derweil tobt Hillary — nicht die Clinton — über Kalifornien hinweg und ein kurzer Anruf hat mir bestätigt, dass es aktuell vor Ort bereits stark regnet.

Detlef Stern wird mich nun wissen lassen, dass das mit der langen Woche eigentlich anders gemeint ist, aber da es meine Woche ist, darf es weiterhin eine solche sein. Eine eventuelle Diskussion darüber wird auf jeden Fall mit zu den angenehmeren gehören.

Provinzbahnhof

Seit Jahren bauen wir Heilbronner unseren Hauptbahnhof zurück und haben schon lange die anderen städtischen Bahnhöfe stillgelegt. Zudem schaffen wir beständig weitere diesbezügliche Fakten, indem wir den obligatorischen Busbahnhof auf Dorfniveau reduzierten, die Straßen von und zum Bahnhof verkehrsberuhigten, Parkplätze reduzierten, dafür aber für sehr teures Geld nicht einmal 120 Abstellplätze für Fahrräder geschaffen haben. Und der nächste Umbau wird sicherstellen, dass alles noch viel schlimmer wird.

Schon jetzt ist unser Hauptbahnhof samt seinem gesamten Umfeld völlig überfordert sobald gleichzeitig zwei Bimmelbahnen Heilbronn erreichen. Wir Heilbronner träumen derweil, angestiftet vom OB und unseren Volksvertretern, dass demnächst die ICE und IC im Stundentakt in Heilbronn verkehren — wir leiden wohl allesamt unter einem völligen Realitätsverlust.

Und so freut es mich doch ein wenig, dass wenigstens die Heilbronner Stimme (21.8.2023: 4) einmal Expertise von außerhalb Heilbronns zu Rate zieht. Gerhard Schnaitmann attestiert dabei unserem Hauptbahnhof, dass dieser für immer ein Provinzbahnhof bleiben wird.

Aber auch Provinzbahnhöfe benötigen eine funktionierende infrastrukturelle Anbindung und ganz besonders ein attraktives Umfeld.


„Heilbronn ist nur halb so groß wie der Zentralfriedhof von Stettin aber dafür doppelt so tot.“

Uralter Witz mit BArt

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