29.7.02021

Was hat es noch mit einem Ehrenamt zu tun, wenn man dafür bezahlt wird oder gar damit seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann? Auch muss man sich fragen, warum eine Verwaltung unbedingt das ehrenamtliche Engagement seiner Bürger regeln, kontrollieren und mit deren eigenem Geld finanzieren möchte?

Man kann es vielleicht noch verstehen, wenn die Verwaltung dadurch neue Dienstposten und Aufgaben erhält, die man auch nicht mehr mit verwaltungsspezifisch qualifiziertem Personal besetzen muss, und sich somit immer weiter selbst vergrößert. Und dies wohl mit dem Ziel aller Verwaltungen, unabhängig von der eigenen Gemeinde oder dem Land, ein Eigenleben führen zu können. — Das geht aber auch nur solange gut, wie es noch Bürger gibt, die ausreichend Steuern zahlen können.

Schlimmer wäre es, wenn es sich dabei um das altbekannte sozialistische Leitbild handelt, das den Bürger vollständig entmündigen möchte, um diesen im Anschluss zu einem besseren Menschen zu erziehen. — Wie wir alles wissen, funktioniert das nicht, lässt Bäume aus Dachrinnen wachsen und macht Bananen zum Luxusgut.

Die Krokodile in unseren Seen sind längst verhungert oder an einem Hitzschlag zugrunde gegangen, so trifft es sich ganz gut, dass man sich jetzt zu Beginn der Urlaubszeit vollumfänglich um das „Gendern“ kümmern kann. Eine gute Gelegenheit, um am Bürger vorbei, en passent sozusagen, eine Unnötigkeit durchzusetzen, die unsere Sprache noch unsprechbarer und noch unlesbarer machen wird.

Dabei müsste es doch jedem klar sein, dass seit den letzten Rechtschreibreformen und ersten Sprachverboten selbst Germanisten kaum noch in der Lage sind, ein Deutsch zu Papier zu bringen, das noch halbwegs für eine produktive Kommunikation ausreicht — außer vielleicht für Trash-Shows und Polit-Talks, für die genau so eine Sprache notwendig ist, um u.a. von fehlenden Inhalten abzulenken.

Da darf es auch keinem mehr wundern, dass gerade jene, die auf Sprache angewiesen sind, immer mehr auf English als verbindliche Sprache ausweichen — das erspart einem zudem völlig unnötige Gefechte mit Lektoren, Proof readern oder gar selbsternannten Sprachexperten, und rettet Autoren zudem vor Schreibverboten.

Ich habe heute Morgen erstmals das Wort „Verwaltungsfee“ gelesen und schon erinnert man sich wieder. Auch mir sind schon einmal zwei solche begegnet. Vor ein paar Jahren war ich mit meiner bessern Hälfte und zwei kleinen Kindern an einem Samstag (!) auf dem Weg in den Urlaub. Bahn und Bus hatten wir bereits hinter uns und standen nun am Gate in Tegel, wieder einmal viel zu früh.

Als dann endlich das Boarding begann, sagte uns die nette Flugbegleiterin, dass seit Neuem auch Kleinkinder eigene Pässe benötigen — da hatten wir Auslandsdeutschen mit Wohnsitz in Stettin wohl etwas nicht mitbekommen.

Kurz und gut, die Maschine flog ohne uns in den Urlaub. Was nun? Nette Polizisten vor Ort — mussten wohl öfters solche Situationen erleben — verwiesen uns auf eine Behörde in der Innenstadt.

Mit Kind und Kegel in den nächsten Stadtbus und mit ein wenig Hilfe von Einheimischen fanden wir auch die besagte Behörde. Nach einer kleinen Odyssee in den Gängen eines imposanten Behördengebäudes fanden wir die entsprechende Abteilung. Wir betraten das Dienstzimmer, fanden dort genau zwei Verwaltungsfeen vor und hatten kurz darauf zwei Kinderpässe in der Hand.

Wieder zurück zum Flughafen, leider gab es aber an diesem Tage kein Flugzeug in unsere gewünschte Richtung mehr. Also wieder mit Sack und Pack in den Bus, dann in die Bahn und zurück nach Polen.

Zwei Tage später konnten wir dann endlich in den verdienten Urlaub fliegen, dank zweier Verwaltungsfeen, die schneller und erfolgreicher handelten als alle sonst an der Sache beteiligten.


Website des Tages:

Newport Beach

Was waren das noch für gute Zeiten, in denen man frei reisen konnte!


Geburtstag des Tages:

Dag Hammarskjöld

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