Mann beim Ausfüllen eines Formulars

Visitenkarte 5 (2)

Beitragsfoto: Mann beim Ausfüllen eines Formulars | © Pixabay

Ich gehöre noch zu jenen, die mit Papiervisitenkarten groß geworden sind. Von meinen Arbeitgebern und von einer ehrenamtlichen Tätigkeit her bekam ich diese Kärtchen immer wieder gestellt. Und auch für alle meine eigenen Unternehmungen habe ich mir immer entsprechende Visitenkarten erstellen lassen. Zusätzlich noch für meine beiden eigenen Wahlkämpfe, weil mir dies sinnvoll erschien.

Alle diese Visitenkarten hatten eines gemeinsam, ich hatte immer mehr davon als ich tatsächlich benötigte. Einen Unterschied gab es nur bei meinen Wahlkampfkarten zu den anderen, denn erstere waren beidseitig bedruckt.

Meine echten Visitenkarten nutzte ich noch für Nachrichten aller Art und konnte dabei auch die gängigsten Visitenkartenabkürzungen auswendig. Diese Art der Kommunikation gefiel mir sehr gut, hatte leider aber den großen Nachteil, dass die meisten in meinem Umfeld damit wenig anzufangen wussten.

Und so habe ich mich schon vor Jahren bereits für eine „digitale“ Visitenkarte entschieden. In der aktuellen Version ist es eine schwarze Plastikkarte, die ich Interessenten vorzeigen kann. Diese können sämtliche Inhalte nur durch deren NFC-Funktion erhalten. Und weniger technisch versierte Zeitgenossen können einfach den QR-Code auf deren Rückseite nutzen.

Egal wie, alle Nutzer werden auf diese Website geleitet, wovon sie dann meine Verbindungsdaten abgreifen oder gerne auch teilen können.

Der Charme dabei, ich kann die bereitgestellten Daten jederzeit ändern, ergänzen oder auch gleich auf eine Landing Page oder mein Blog umleiten.

Was ich damit allerdings nicht mehr kann ist, einen Sammler zu erfreuen oder einfach und schnell eine Nachricht zu hinterlassen — wobei es kaum noch Menschen gibt, die diese noch lesen geschweige denn verstehen können.


Blitz

Loser 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Es ist ziemlich schlechter Stil auf Verlierern (Neudeutsch: Losern) herumzuhacken. Wenn überhaupt, dann hat es mich gewundert, dass wir noch zu einer WM zugelassen werden. In einem Land, wo selbst das Fließband die Qualität eines Sanatoriumsaufenthaltes erreicht hat, sollte man keine allzu großen Erwartungen mehr bei Wettbewerben und Meisterschaften hegen.

Wären da nicht doch noch die weiterhin vielen Handwerker und ein paar Infanterieeinheiten, gäbe es wohl überhaupt keine echte Bewegung mehr bei uns.

Und wenn man nun doch wieder ein paar Schuldige benötigt, das Wetter geht aktuell immer. Und sollte es wieder etwas kühler werden, nimmt man einfach eine möglichst schwache Minderheit; Vollwaisen dürfte die aktuelle Regierung noch nicht benannt haben.

Denn, dass es einfach nur an uns allen selbst liegen könnte, das ist von vorne herein ausgeschlossen!


Blitz

Gipserkarren 5 (2)

Beitragsfoto: Glühbirne | Blitz | © Bild von PIRO auf Pixabay

Ein Großonkel von mir hatte in der Nordstadt ein gut gehendes Gipsergeschäft. Bis weit in die 1950er-Jahre hinein und vielleicht sogar darüber hinaus fuhr er oder ließ fahren mit seinem Gipserkarren durch die Stadt.

Vielleicht aber hatte er auch gleich mehrere davon. Ich weiß es nicht. Als er starb erbte ich seinen Gipserkarren. Ein richtiges Holzungetüm mit zwei riesigen eisenbeschlagenen Rädern. Was macht ein junger Familienvater, der eigentlich aus Koffern lebt und mit der Familie von einem Ort zum anderen zieht, mit einem Holzkarren?

Ich fand das Ganze so schräg, dass ich diesen Karren zusammen mit meiner besseren Hälfte vom ehemaligen Firmengelände — heute Wohnsilos — auf den Heilbronner Straßen, denn er war für unsere dörflichen Gehwege viel zu groß, von der Nordstadt in einen Garten der Südstadt schob und zog. Noch heute erinnern wir beide uns gerne daran und damit auch an meinen Großonkel, der ansonsten längst vergessen gewesen wäre.

Über die letzten Jahrzehnte stand er dann da, einfach so. Ein Kirschbaum wuchs mitten durch ihn durch, welcher nun dieses Jahr von mir gefällt wurde. Aber vom Karren liegen heute noch die Eisenteile in den Hecken, vielleicht wundert sich einmal ein Mensch darüber, wie diese dorthin gelangten und ein künftiger Experte wird vielleicht sogar auf einen keltischen Streitwagen tippen.

Auf jeden Fall war meine Idee — auch wenn ich das Ergebnis selbst viel zu selten bestaunen konnte — eine meiner besseren. Man (Frau vielleicht) darf den Zerfall nicht verschleiern, man muss ihn zeigen, nein, noch besser, richtig zur Schau stellen!

Bereits in den 1970er-Jahren erbte ich zwei wunderbare Eichenfässer von meinem Großvater, einem ehemaligen Küfer. Meine Idee war, diese dereinst einmal mit Wein zu füllen. Das Leben geht seine eigenen Wege.

Am Wochenende habe ich beide Fässer wieder in einem Keller entdeckt und nun zusammen mit dem Schwager und weil wir beide nicht mehr die jüngsten Exemplare sind unter Zuhilfenahme eines Schubkarrens in denselben Garten verfrachtet.

Und nun hoffe ich darauf, zumindest deren Zerfall noch eine ganze Weile mitverfolgen zu dürfen.